Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen werden oft von anderen Symptomen begleitet, und eine Migräneattacke kann bis zu 72 Stunden dauern. Einige Betroffene erleben vor einem Anfall eine Aura, die in der Regel visuelle oder andere sensorische Wahrnehmungsstörungen verursacht. Die Auslöser (Trigger) für eine Migräneattacke sind individuell verschieden. Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzerkrankungen und gehört zu den primären Kopfschmerzen. Im Gegensatz zu sekundären Kopfschmerzen, die durch andere Erkrankungen verursacht werden, treten Migräneattacken am häufigsten und schwersten bei Erwachsenen im Alter von 20 bis 50 Jahren auf, obwohl sie oft schon im Jugendalter beginnen.
Was ist episodische Migräne?
Bei einer episodischen Migräne leiden Betroffene in unregelmäßigen Abständen an Migräne, die bis zu 14 Tage im Monat andauern kann. Zwischen den einzelnen Attacken liegen meist kurze Abstände, die jedoch sehr unregelmäßig ausfallen können. Doch auch an beschwerdefreien Tagen hat die Krankheit Betroffene fest im Griff - sie haben oft ständig Angst vor der nächsten Attacke. Im Durchschnitt haben Migränepatienten etwa zwei Migräneattacken pro Jahr. Lediglich bei etwa acht Prozent der Patienten kommt es zu mehr als drei Attacken pro Monat.
Migräne ohne Aura
Am häufigsten sind Migräneanfälle ohne vorherige Aura. Es handelt sich dabei um wiederkehrende Kopfschmerzen, die in der Regel 4-72 Stunden anhalten. Meist ist nur eine Kopfseite betroffen, die Seite kann jedoch während einer Attacke und von Anfall zu Anfall wechseln. Charakteristisch für eine episodische Migräne sind neben dem einseitig-pulsierenden Kopfschmerz Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit. Auch wenn bei episodischer Migräne zwischendurch beschwerdefreie Phasen möglich sind, ist die Migräne dennoch ein ständiger Begleiter - denn die nächste Attacke kann sich jederzeit ankündigen.
Migräne mit Aura
Vor einer Schmerzattacke kommt es bei einigen Betroffenen zu einer Aura. Von einer Migräne mit Aura wird gesprochen, wenn es sich um wiederkehrende, minutenlange Attacken mit einseitigen, vollständig reversiblen Aura-Symptomen handelt. Diese entwickeln sich in der Regel allmählich. Die Aura-Symptome können nacheinander auftreten und jeweils bis zu 1 Stunde anhalten. Die Aura kann auch erst nach Beginn der Kopfschmerzphase einsetzen oder sich bis in die Kopfschmerzphase hinein fortsetzen. Sehstörungen, z.B. Sensibilitätsstörungen, z.B.
Symptome der episodischen Migräne
Eine Migräne ist mehr als nur ein Kopfschmerz. Sie ist eine schwere neurologische Erkrankung und äußert sich durch pulsierend-pochende starke Kopfschmerzen (Migräneattacken) - vorwiegend im Bereich der Stirn, Schläfen und Augen. Häufig tritt der Schmerz an einer Kopfseite auf und kann sich bei körperlicher Aktivität verstärken. Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit können eine Migräneattacke begleiten. Kommen vor dem Ausbruch einer Migräne zusätzlich neurologische Störungen hinzu, wie z. B. Sehstörungen (Flimmersehen oder Gesichtsfelddefekte), handelt es sich um eine Migräne mit Aura. Eine vorangegangene Aura, die auch durch einseitige Gefühlsstörungen oder Lähmungen, Sprachstörungen oder eine Kombination dieser Störungen begleitet wird, kann bis zu einer Stunde anhalten.
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Weitere Symptome
- Wiederholte Kopfschmerzattacken, die unbehandelt 4-72 Stunden anhalten
- Meist nur eine Kopfseite betroffen, wobei der Schmerz die Seite wechseln kann
- Dumpfer, drückender Schmerz
- Bewegung (Aufstehen, Gehen, Bücken, Treppensteigen) verschlimmert den Schmerz, er wird stechend, pulsierend oder pochend
- Mittlere bis starke Schmerzintensität, die zu Beeinträchtigung im Alltag führt
- Typische Begleiterscheinungen
- Übelkeit und/oder Erbrechen
- Lichtempfindlichkeit
- Geräusche wie Musik oder Straßenlärm werden unerträglich
- Geruch von z.B. Parfüm oder Blumenduft wird als störend empfunden
- Allgemeines Krankheitsgefühl
- Erhöhtes Ruhebedürfnis und der Wunsch, sich zurückzuziehen
- Appetitlosigkeit
Ursachen und Auslöser der episodischen Migräne
Wie genau eine Migräne entsteht, ist nicht bekannt. Man geht davon aus, dass es im Hirnstamm, der Verbindung zwischen Rückenmark und Großhirn, Regionen gibt, die durch schmerzvermittelnde Botenstoffe (Neurotransmitter) aktiviert werden. Für die Migräne besteht eine genetische Veranlagung, die dazu führt, dass bei bestimmten Auslösern und Alltagssituationen wie z. B. Überlastungen oder Stress eine Attacke entstehen kann.
Mögliche Auslöser (Trigger)
Es gibt bestimmte innere und äußere Einflussfaktoren, die eine Migräne-Attacke begünstigen können. Viele Migränepatienten wissen mit der Zeit, auf welche Dinge oder Situationen bei ihnen eine Attacke folgt. Solch mögliche Auslöser, auch Trigger genannt, sind:
- Konsum von Alkohol, Koffein und Nikotin
- Wetterveränderungen
- Änderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
- Angestrengtes Lesen oder Fernsehen
- Äußere Einflüsse wie z.B.
- Aufregung oder Stress
- Entspannungsphasen nach Stresssituationen, z.B. der abrupte Wechsel vom stressigen Alltag in die erholsame Urlaubszeit
- Schlafmangel oder veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, z.B. durch späteres Zubettgehen oder längeres Ausschlafen am Wochenende
- Körperliche Anstrengung bei Sport, Freizeitaktivitäten oder der Arbeit
- Nackenschmerzen
- Hormonelle Veränderungen durch Periode, Schwangerschaft oder Wechseljahre
- Auslassen von Mahlzeiten
- Lebensmittel, z.B.: Käse, Alkohol, Kaffee und das darin enthaltene Koffein (auch die Reduzierung des Kaffeekonsums), Cola, Schokolade
- Wetterumschwünge und Klimawechsel
- Temperaturanstieg mit plötzlicher Hitze, Luftdruckveränderungen, Föhnwetter
- Düfte und Gerüche
- Parfüm, Zigarettenrauch, Duftbaum im Auto, Raumsprays
- Licht
- Blendende Scheinwerfer, Helles oder flackerndes Licht, Neonlicht
Mögliche Trigger sind individuell sehr verschieden und können bei jedem anders ausgeprägt sein. Die gute Nachricht: Wenn Sie Ihre Trigger kennen, lassen sich manche davon bewusst vermeiden. Finden Sie Ihre persönlichen Auslöser heraus, indem Sie ein Kopfschmerztagebuch führen.
Diagnose der episodischen Migräne
Die Diagnose der episodischen Migräne basiert auf den Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (ICHD-3). Diese Kriterien umfassen:
- Mindestens fünf Attacken, die die Kriterien für Migräne ohne Aura oder Migräne mit Aura erfüllen
- Kopfschmerzen an weniger als 15 Tagen pro Monat
- Die Kopfschmerzen dauern 4-72 Stunden, wenn sie unbehandelt bleiben oder erfolglos behandelt werden
- Der Kopfschmerz hat mindestens zwei der folgenden Eigenschaften:
- Einseitige Lokalisation
- Pulsierender Charakter
- Mittlere oder starke Schmerzintensität
- Verstärkung durch körperliche Aktivität
- Während des Kopfschmerzes tritt mindestens eines der folgenden Symptome auf:
- Übelkeit und/oder Erbrechen
- Licht- und/oder Geräuschempfindlichkeit
Behandlung der episodischen Migräne
Die Behandlung der episodischen Migräne zielt darauf ab, die Symptome der akuten Attacke zu lindern und die Häufigkeit und Intensität zukünftiger Attacken zu reduzieren.
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Akutbehandlung
- Schmerzmittel: Analgetika wie Acetylsalicylsäure und nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac sind bei der Behandlung von leichten und mittelschweren Migräneattacken wirksam. Patienten, bei denen Analgetika und nichtsteroidale Antirheumatika nicht ausreichend wirksam sind oder Patienten mit schweren Migräneattacken sollten mit 5-HT1B/1D-Agonisten, den Triptanen, behandelt werden.
- Triptane: Die 7 Triptane sind alle in großen placebokontrollierten Studien untersucht worden. Es handelt sich um Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan. In der Gruppe der oralen Triptane haben Eletriptan und Rizatriptan die beste Wirksamkeit. Die subkutane Gabe von Sumatriptan 6 mg zeigt die beste Wirkung zur Behandlung einer Migräneattacke. Diese Anwendung erfolgt bei Patienten, die auf orale Therapie nicht ansprechen, mit frühem Erbrechen oder wenn ein rascher Wirkungseintritt notwendig ist.
- Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen können helfen, diese Begleitsymptome zu lindern.
- Mutterkornalkaloide: Mutterkornalkaloide sind in der Therapie akuter Migräneattacken wirksam. Sie sind allerdings signifikant weniger wirksam als Triptane und haben mehr Nebenwirkungen (z. B. Übelkeit oder Erbrechen). Sie sollten daher nur noch bei Patienten angewendet werden, bei denen sie wirksam sind und vertragen werden.
Prophylaktische Behandlung
Eine prophylaktische Behandlung wird in Betracht gezogen, wenn:
- Die Migräneattacken häufig auftreten (mehr als 3-mal pro Monat)
- Die Attacken lange andauern (länger als 48-72 Stunden)
- Die Attacken die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen
- Die Akutbehandlung nicht ausreichend wirksam ist
- Die Akutbehandlung nicht vertragen wird
Zur Migräneprophylaxe stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, darunter:
- Betablocker: Propranolol und Metoprolol
- Kalziumantagonisten: Flunarizin
- Antikonvulsiva: Valproinsäure und Topiramat
- Trizyklische Antidepressiva: Amitriptylin
- CGRP-Antikörper: Erenumab, Eptinezumab, Fremanezumab und Galcanezumab
Nicht-medikamentöse Behandlung
Neben der medikamentösen Behandlung können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Linderung der Symptome und zur Reduktion der Attackenfrequenz beitragen:
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Versuch, einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus einzuhalten.
- Regelmäßige Essenszeiten: Auch unregelmäßige Essenzeiten können ein Auslöser (Trigger) der episodischen Migräne sein.
- Stressmanagement: Stress kann ebenfalls Migräne auslösen.
- Sport: Beim Sport solltest du es ebenfalls nicht übertreiben: Zu lange und intensive Trainingseinheiten können eine Migräneattacke auslösen.
- Vermeidung von Triggern: Beobachten Sie Ihre Kopfschmerzen und individuellen Triggerfaktoren, um Migräneattacken vorzubeugen.
- Entspannungstechniken: Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die Entspannung zu fördern.
- Biofeedback: Biofeedback kann helfen, Körperfunktionen wie Muskelspannung oder Herzfrequenz zu beeinflussen und so die Schmerzen zu reduzieren.
- Akupunktur: Akupunktur kann bei der Prophylaxe der Migräne wirksam sein.
- Kopfschmerztagebuch: Dokumentation von Kopfschmerzen und Medikation in einem Kopfschmerzkalender.
Apps zur Unterstützung
Zur Dokumentation von Symptomen und Auslösern und zum Triggermanagement werden verschiedene Apps (kostenfrei und kostenpflichtig) angeboten. Die Krankenkassen übernehmen auf Rezept die Kosten einer solchen App, wenn das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sie in das Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen aufgenommen hat. Mit der Migräne-App kann eine Aurasimulation erfolgen und Betroffene können den Verlauf einer typischen Aura nachvollziehen. Dies kann die Diagnosefindung und die Sicherung der Diagnose unterstützen.
Leben mit episodischer Migräne
Auch wenn bei episodischer Migräne zwischendurch beschwerdefreie Phasen möglich sind, ist die Migräne dennoch ein ständiger Begleiter - denn die nächste Attacke kann sich jederzeit ankündigen. Aber das heißt noch lange nicht, dass du dein Leben von der Migräne bestimmen lassen musst. Du musst Migräne-Schmerzen nicht einfach aushalten. Jeder Betroffene muss lernen, mit dieser Erkrankung zu leben. Dazu gehört, modifizierbare Auslöser für Attacken nach Möglichkeit zu reduzieren und sich auf der anderen Seite einzugestehen, dass schwere Attacken zu einer reellen Minderung der Leistungsfähigkeit führen. Migräne ist entgegen einer oft geäußerten Meinung keine psychische Erkrankung und sollte auch nicht mit einem banalen Spannungskopfschmerz, der viel besser mit Schmerzmitteln kontrolliert werden kann, verwechselt werden.
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Chronische Migräne
Treten die Migräneattacken mindestens 3 Monate lang an mindestens 15 Tagen im Monat auf, davon an mindestens 8 Tagen mit den typischen Merkmalen des Migränekopfschmerzes, so handelt es sich in der Regel um eine chronische Migräne. Etwa 2,5% der Personen mit episodischer Migräne entwickeln eine chronische Migräne. Die betroffenen Patienten haben 15 und mehr Kopfschmerztage im Monat. Die Prävalenz der Migräne zeigt einen Gipfel im Erwachsenenalter zwischen dem 25. und 55. Lebensjahr. Am stärksten sind Betroffene zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr von Migräneattacken belastet. Bei diesen ist die Wahrscheinlichkeit für Arbeitsunfähigkeit oder vorzeitige Berentung erhöht.
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