Erenumab: Wirkung, Nebenwirkungen und Anwendung in der Migräneprophylaxe

Erenumab (Aimovig®) ist ein humaner monoklonaler Antikörper, der seit 2018 in Deutschland zur Migräneprophylaxe zugelassen ist. Er richtet sich gegen den Rezeptor des Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), einem Botenstoff, der eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne spielt. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise, Anwendung, Nebenwirkungen und weitere wichtige Aspekte von Erenumab.

Einführung in die Migräne und CGRP

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit, gekennzeichnet ist. Nach heutigen Erkenntnissen basiert der Migräneschmerz auf einer neurogenen Entzündungsreaktion an den Arterien der Hirnhäute. Dabei spielt das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) eine zentrale Rolle. CGRP ist ein Neuropeptid, das stark gefäßerweiternd wirkt und die Schmerzempfindlichkeit der Hirnhäute erhöht.

Wirkungsweise von Erenumab

Erenumab ist ein monoklonaler Antikörper, der gezielt an den CGRP-Rezeptor bindet und diesen blockiert. Dadurch kann CGRP nicht mehr an den Rezeptor andocken und seine Wirkung entfalten. Dies führt zu einer Reduktion der Entzündungsreaktionen und der Erweiterung der Blutgefäße im Gehirn, was wiederum die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken verringern kann.

Anwendungsgebiete von Erenumab

Erenumab ist zur Prophylaxe der episodischen und chronischen Migräne bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat zugelassen. Es wird angewendet, wenn andere Migräneprophylaktika nicht ausreichend wirksam sind, nicht vertragen werden oder nicht eingenommen werden können. Die Behandlung sollte von Ärzten eingeleitet werden, die Erfahrung in der Diagnose und Behandlung von Migräne haben.

Dosierung und Anwendung von Erenumab

Die empfohlene Dosis beträgt 70 mg Erenumab alle vier Wochen. Einige Patienten können von einer Dosis von 140 mg alle vier Wochen profitieren, die in Form von zwei subkutanen Injektionen mit jeweils 70 mg verabreicht wird. Die Injektion erfolgt mit Hilfe eines Autoinjektors unter die Haut (subkutan) in den Bauch, Oberschenkel oder die Außenseite des Oberarms. Die Injektionsstelle sollte bei jeder Anwendung gewechselt werden. Patienten können sich die Spritze nach einer ausführlichen ärztlichen Einweisung selbst zu Hause verabreichen.

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Wirksamkeit von Erenumab

In klinischen Studien hat sich Erenumab als wirksam bei der Reduktion von Migränetagen erwiesen. Etwa die Hälfte der Patienten erlebt eine Reduktion der Migräneattacken um 50 Prozent. Das Ansprechen auf die Therapie kann sich bereits in den ersten zwei Behandlungswochen abzeichnen. Bei Patienten, die nach drei Monaten noch kein Ansprechen zeigen, sollte die Behandlung nicht weitergeführt werden. Die Behandlung sollte kontinuierlich evaluiert werden.

Langzeitdaten zeigen, dass bei kontinuierlicher Einnahme von Erenumab 77 Prozent der Patienten eine Reduktion der monatlichen Migränetage um mindestens 50 Prozent erreichen. Bei mehr als der Hälfte der Patienten nehmen die monatlichen Migränetage um 75 Prozent ab, und 33 Prozent erzielen nach 4,5 Jahren eine Reduktion der monatlichen Migränetage um 100 Prozent.

Nebenwirkungen von Erenumab

Erenumab gilt als gut verträglich, jedoch können wie bei jedem Medikament Nebenwirkungen auftreten. Zu den häufigsten unerwünschten Arzneimittelwirkungen zählen:

  • Reaktionen an der Injektionsstelle (Schmerzen, Rötung, Juckreiz)
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Muskelkrämpfe
  • Juckreiz (Pruritus)
  • Nasopharyngitis (kombinierte Entzündung der Nase und des Rachens)
  • Infektionen der oberen Atemwege

In seltenen Fällen kann es zu schwerwiegenden allergischen Reaktionen kommen. Patienten sollten bei Anzeichen einer allergischen Reaktion (Hautausschlag, Juckreiz, Schwellung von Gesicht, Zunge oder Rachen, Schwindel, Atemnot) umgehend einen Arzt aufsuchen.

Gegenanzeigen von Erenumab

Erenumab darf nicht angewendet werden bei:

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  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der anderen Bestandteile des Medikaments
  • Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren
  • Schwangere und stillende Frauen (aufgrund fehlender Daten zur Sicherheit)

Vorsicht ist geboten bei Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen wie schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Aufgrund der Metabolisierungswege monoklonaler Antikörper werden keine Wechselwirkungen mit gleichzeitig verabreichten Arzneimitteln erwartet. Es ist jedoch ratsam, den Arzt über alle eingenommenen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zu informieren.

Kosten und Erstattung von Erenumab

Die Kosten für eine Therapie mit Erenumab belaufen sich auf einen höheren vierstelligen Betrag pro Jahr. Ob die gesetzliche Krankenkasse die Kosten übernimmt, hängt vom Einzelfall ab. In der Regel werden die Kosten erstattet, wenn andere Migräneprophylaktika nicht ausreichend wirken, starke Nebenwirkungen verursachen oder nicht vertragen werden und wenn eine bestimmte Anzahl von Migränetagen pro Monat vorliegt. Es ist ratsam, sich vorab bei der Krankenkasse über die Bedingungen für eine Kostenerstattung zu informieren.

Alternativen zu Erenumab

Neben Erenumab gibt es weitere monoklonale Antikörper, die gegen CGRP oder seinen Rezeptor gerichtet sind und zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden, wie Galcanezumab (Emgality®), Fremanezumab (Ajovy®) und Eptinezumab (Vyepti®). Zudem stehen weiterhin konventionelle Medikamente zur Migräneprophylaxe zur Verfügung, wie Betablocker, Antidepressiva und Topiramat. Auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Ausdauersport, Entspannungsübungen und Stressbewältigung können zur Reduktion von Migräneattacken beitragen.

Erenumab im Vergleich zu Topiramat

In einer Studie wurde Erenumab mit Topiramat, einem konventionellen Migräneprophylaktikum, verglichen. Dabei zeigte sich, dass Erenumab in Bezug auf die Reduktion von Migränetagen und die Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität statistisch signifikante Vorteile gegenüber Topiramat aufwies. Zudem traten unter Erenumab weniger Therapieabbrüche aufgrund von unerwünschten Ereignissen auf. Allerdings wurde in der Studie kritisiert, dass das Studiendesign den Topiramat-Arm benachteiligte, da eine Dosisreduktion bei Unverträglichkeit nicht erlaubt war.

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Fazit

Erenumab ist ein wirksamer und gut verträglicher monoklonaler Antikörper zur Migräneprophylaxe bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat. Er blockiert den CGRP-Rezeptor und reduziert dadurch die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken. Erenumab ist eine wertvolle Option für Patienten, bei denen andere Migräneprophylaktika nicht ausreichend wirksam sind oder nicht vertragen werden. Vor Beginn einer Therapie mit Erenumab sollte jedoch eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung durch einen erfahrenen Arzt erfolgen.

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