Nervensystem Erkrankung und Völlegefühl: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Ein Völlegefühl ist ein weit verbreitetes und oft unangenehmes Gefühl, das viele Menschen gelegentlich erleben. Es beschreibt ein Gefühl der Fülle und des Unbehagens im Bauchraum, das oft mit Blähungen, Bauchschmerzen und sogar Übelkeit einhergehen kann. Während ein gelegentliches Völlegefühl meist harmlos ist und auf zu reichhaltiges Essen oder bestimmte Nahrungsmittel zurückzuführen ist, kann ein anhaltendes oder wiederkehrendes Völlegefühl auf ein zugrunde liegendes Gesundheitsproblem hindeuten. In diesem Artikel werden wir die verschiedenen Ursachen von Völlegefühl untersuchen, insbesondere im Zusammenhang mit Erkrankungen des Nervensystems, und die verfügbaren Behandlungs- und Bewältigungsstrategien diskutieren.

Einführung

Das Gefühl von Völle ist ein Gefühl des Vollseins. Es kann objektiv sein, meistens hat man dann einfach zu viel und zu schnell gegessen. Dadurch entsteht ein Spannungsgefühl im Bauch. Manche Menschen schlucken zu viel Luft, wenn sie essen - Fachleute sprechen dann von „Aerophagie“. Es gibt aber auch Personen mit einem übersensiblen Verdauungssystem. Dann tritt das Völlegefühl als subjektives Gefühl auf, das heißt man verspürt schon bei normalen Portionen das Spannungsgefühl im Bauch. Schmerzt der Oberbauch, ist meistens der Magen belastet. Abhängig von Ihrer sonstigen Verdauung und den verzehrten Speisen, kann der Bauch nur leicht drücken oder aber sehr gespannt und hart sein. Manchmal ist er so gespannt, dass Sie ihn nicht mehr einziehen können.

Ursachen von Völlegefühl

Die Ursachen für Völlegefühl sind vielfältig und reichen von harmlosen Ernährungsfehlern bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Es ist wichtig, die verschiedenen möglichen Auslöser zu kennen, um die Beschwerden besser einordnen und gegebenenfalls ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen zu können.

Ernährungsbedingte Ursachen

Die häufigste Ursache für Völlegefühl ist zu reichliche Nahrungsaufnahme. Magen und Darm werden dadurch stark belastet und mitunter auch zeitweise überfordert. Bei der Verdauung kohlenhydratreicher oder fettiger Speisen sowie blähender Lebensmitteln entstehen zudem viele Gase. Die Folge sind dann Blähungen.

Akutes Völlegefühl nach dem Essen zeigt im Allgemeinen nur an, dass man den Verdauungstrakt überfordert hat. Üppige und fettreiche Mahlzeiten, etwa Schnitzel mit Pommes oder Schweinebraten mit Sahnesoße, bedeuten sehr viel Arbeit für Magen und Darm. Das macht sich oft mit einem unangenehmen Druck im Oberbauch und Völlegefühl bemerkbar. Auch Süßes wie Torte kann den Verdauungstrakt überlasten.

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Ebenfalls eine Herausforderung für unsere Verdauung stellen blähende Speisen wie Hülsenfrüchte, Kohlgemüse, Gurken, Zwiebeln und frisches Brot sowie kohlensäurehaltige Getränke dar: Sie erhöhen den Gasgehalt im Verdauungstrakt, wobei die Gase in kleinen Bläschen im Verdauungsbrei eingeschlossen sind. Das Gleiche geschieht bei hastigem Essen und angeregter Unterhaltung beim Essen (Luftschlucken!). Das Gas im Verdauungstrakt schlägt sich oft in vorübergehendem Völlegefühl und Blähbauch nieder.

Um Völlegefühl zu vermeiden, ist es ratsam, gesund und nicht übermäßig zu essen. Hören Sie auf Ihren Bauch, der Ihnen signalisiert, wann Sie satt sind. Um die Nachricht Ihres Bauches nicht zu verpassen, essen Sie langsam und kauen Sie gut. Nehmen Sie lieber mehrfach am Tag kleine Mahlzeiten zu sich. Versuchen Sie darauf zu achten, nach welchen Speisen und Gerichten Ihr Magen-Darm-Trakt rebelliert. So können Sie Irritationen aus dem Weg gehen. Um diese zu identifizieren kann ein Ernährungstagebuch geführt werden, in dem man notiert, was man gegessen hat und wie man sich damit fühlt. Setzen Sie schon bei der Nahrungszubereitung auf pflanzliche Wirkstoffe: Nicht ohne Grund gehört zu Kohlgerichten klassischerweise Kümmel als Gewürz. Verdauungsfördernd sind auch Fenchel und Anis.

Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts

Neben harmlosen Ursachen können auch Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts hinter den Beschwerden stecken. Es gibt verschiedene Auslöser, die Störungen der Darmfunktion mit unangenehmem Völlegefühl und ggf. auch schmerzhafte Blähungen verursachen können, z.B.

Häufiges oder ständiges Völlegefühl kann auch durch eine Erkrankung in verschiedenen Organbereichen entstehen:

Erkrankungen im Bereich des Magens:

  • Reizmagen (funktionelle Dyspepsie): Etwa 5 bis 11 Prozent der Menschen haben einen Reizmagen. Er äußert sich mit einem vorzeitigen Sättigungsgefühl und Völlegefühl schon nach kleinen Mahlzeiten. Die Symptome treten oft in oder nach Stresssituationen auf. Die Diagnose Reizmagensyndrom wird gestellt, wenn über 3 Monate innerhalb eines halben Jahres mindestens eines der typischen Symptome auftritt: verfrühtes Sättigungsgefühl beim Essen, Völlegefühl danach, Magenschmerzen oder -brennen.
  • Magenschleimhautentzündung (Gastritis): Schmerzen, Druck und Völlegefühl im Oberbauch, Übelkeit und auch Erbrechen können auf eine akute Gastritis hinweisen. Bei einer chronischen Gastritis hat man hingegen keine oder kaum Symptome.
  • Magengeschwür: Typische Symptome sind ein Druck im Magen bzw. Oberbauch, brennende oder bohrende Schmerzen und Völlegefühl im Oberbauch, Übelkeit und manchmal Erbrechen. Diese Beschwerden nehmen unmittelbar nach dem Essen zu.
  • Magenkrebs: Besonders anfangs ähneln die Symptome einer Gastritis. Hinzu kommen eine akute Abneigung gegen bestimmte Speisen (wie Fleisch) sowie Gewichtsverlust.
  • Gastroparese: Der Speisebrei wird hier verlangsamt an den Darm abgegeben, was unter anderem ein Völlegefühl erzeugt. Diese schlaffe Lähmung der Magenmotilität entsteht meist durch eine Nervenschädigung bei Diabetes (diabetische Neuropathie).

Erkrankungen im Bereich von Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse:

Auch Probleme mit der Gallenfunktion sowie Erkrankungen der Leber oder Bauchspeicheldrüse können Völlegefühl verursachen, etwa:

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  • Akute Hepatitis: Dumpfe Schmerzen und Druck im rechten Oberbauch, Völlegefühl, Appetitmangel, Fieber und Gelenkschmerzen sind erste Anzeichen einer akuten Leberentzündung. Später stellt sich Gelbsucht (Ikterus) ein.
  • Gallensteine: Falls Beschwerden auftreten, dann handelt es sich oft um unspezifische Symptome im Oberbauch wie Schmerzen, Druck- und Völlegefühl, Blähungen und Aufstoßen. In schwereren Fällen zeigen sich heftige krampfartige Schmerzen im Mittel- und Oberbauch (Gallenkolik).
  • Chronische Pankreatitis: Eine chronisch entzündete Bauchspeicheldrüse schüttet weniger Verdauungsenzyme aus. Das beeinträchtigt die Verwertung der Nahrung. Völlegefühl und fettglänzender, übelriechender Stuhlgang sind mögliche Folgen.

Erkrankungen im Bereich vom Darm:

Darmerkrankungen stehen ebenfalls häufig in Zusammenhang mit Völlegefühl:

  • Reizdarm (RDS): "Reizdarm" ist unter den Magen-Darm-Erkrankungen die am häufigsten gestellte Diagnose. Das Beschwerdebild ist variabel - in unterschiedlicher Ausprägung treten oft Verstopfung und/oder Durchfall, Blähungen, Völlegefühl, Appetitlosigkeit sowie dumpfe, drückende oder krampfartige Bauchschmerzen auf.
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Völlegefühl ist eines der möglichen Symptome, etwa bei Laktoseintoleranz, erworbener Fruktoseintoleranz und Glutenunverträglichkeit (Zöliakie).
  • Bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO): Die ungewöhnlich hohe Bakteriendichte im Dünndarm löst Völlegefühl, Blähungen, Bauchschmerzen sowie übelriechenden Durchfall aus. Mögliche Ursachen sind z.B. Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion und bestimmte Darmoperationen.
  • Darminfektion: Manchmal beruht das Völlegefühl auf einer Infektion des Darms mit Pilzen oder Giardia lamblia (Giardiasis).
  • Darmatonie: Sie transportiert die Speisereste dann nur langsam weiter, was Schmerzen und Völlegefühl im Bauch sowie Übelkeit verursachen kann.

Sonstige Erkrankungen und Therapien:

Eine bestimmte Form der Herzinsuffizienz, die sogenannte Rechtsherzschwäche, kann sich unter anderem mit Symptomen im Verdauungsbereich bemerkbar machen. Es zählen dazu Appetitlosigkeit, Völlegefühl und Übelkeit, Blähbauch und Verstopfung. Darüber hinaus bringt auch eine Antibiotikatherapie die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen, sodass Beschwerden wie Völlegefühl auftreten können.

Psychische Ursachen und Einflüsse

Die Psyche hat einen großen Einfluss auf unser Verdauungssystem. Das zeigt sich etwa bei Magen-Darm-Erkrankungen ohne organische Ursache wie Reizdarm und Reizmagen. Aber auch bei ansonsten gesunden Menschen können zum Beispiel Stress und Angst Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall begünstigen - etwa indem sie die Ausschüttung von Magensäure steigern, die Verdauungstätigkeit durch starke Anspannung und Verkrampfung bremsen oder aber die Darmbeweglichkeit ankurbeln.

Forscherinnen und Forscher vermuten, dass auch seelische Belastung und Anspannung sowie Angststörungen und Depressionen zu Magenbeschwerden führen können. Auf Stress durch Ängste, Sorgen, Überforderung oder belastende Erlebnisse reagieren Kinder häufig mit Bauchschmerzen. Die Bauchschmerzen können die Kinder wiederum auch psychisch belasten und in ihren Aktivitäten einschränken. Eine belastende Familiensituation kann das Risiko für länger anhaltende funktionelle Bauchbeschwerden bei Kindern erhöhen. Auch wenn ein anderes Familienmitglied chronische Schmerzen hat, gleich welcher Art, entwickelt ein Kind häufiger Reizmagen-Symptome.

Nervensystem und Völlegefühl

Das Nervensystem spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung der Verdauungsprozesse. Das enterische Nervensystem, auch als "Bauchhirn" bezeichnet, ist ein komplexes Netzwerk von Nervenzellen, das den gesamten Magen-Darm-Trakt durchzieht. Es reguliert die Muskelkontraktionen, die den Nahrungsbrei transportieren, die Freisetzung von Verdauungssäften und die Aufnahme von Nährstoffen. Störungen in diesem Nervensystem können zu einer Vielzahl von Verdauungsbeschwerden führen, einschließlich Völlegefühl.

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Die Magen- und Darm-Tätigkeit beruht auf Reflexen, welche durch das enterische Nervensystem, d.h. das Nervensystem des Darmes vermittelt und durch den Vagusnerven sowie Impulse des Sympathikusnerven kontrolliert werden. Der obere Gastrointestinaltrakt (GI-Trakt) von Speiseröhre bis Dünndarm wird durch den Hirnstamm, den dort befindlichen Vaguskern und seine Nervenbahn kontrolliert. Im unteren Anteil, nämlich im Dünndarm und Dickdarm wird die Peristaltik, d.h. der Nahrungstransport durch lokale enterische Reflexe in Gang gehalten. Sympathische Nervenimpulse, welche von den neben dem Rückenmark gelegenen Schaltstellen an den Darm übermittelt werden, können die Darmbewegungen verlangsamen.

Neurologische Ursachen der Magen- und Darmfunktion im Rahmen von Nervenerkrankungen (Polyneuropathien) sind nicht selten. Oft betreffen diese nicht nur Magen oder Darm. Die Wahrnehmung sensibler Reize in den Beinen oder Armen kann herabgesetzt sein. Es können Missempfindungen der Füße oder Hände bestehen. Die Muskelkraft kann generell vermindert sein. Sorgfältige Untersuchungen der Nervenbahnen zeigen beispielsweise Störungen der Nervenleitung in Beinen und/oder Armen an. Auch Erkrankungen des zentralen Nervensystems können mit Störungen von Magen- und Darmfunktionen einhergehen. Besondere Aufmerksamkeit gilt in diesem Zusammenhang neurodegenerativen Erkrankungen wie der Parkinson-Erkrankung. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt nicht selten Jahre vor Beginn der Parkinson-Bewegungsstörung können Betroffene unter häufiger Verstopfung und Darmträgheit leiden. Einige Formen der Demenzerkrankungen können mit einer Störung der Darmtätigkeit einhergehen.

Infolge einer Erkrankung des zentralen Nervensystems bestehen Störungen des Magens und Darmes oft chronisch fort. Sie können die körperliche Fitness nicht nur durch einen Gewichtsverlust beeinträchtigen. Auch die Aufnahme und zeitgerechte Wirkung von Medikamenten kann durch eine verminderte Tätigkeit von Magen oder Darm (bspw. Gastroparese oder eine Pseudoobstruktion) gestört werden.

Burnout und Magen-Darm-Gesundheit

Burnout, oft als eine reine psychische Belastung angesehen, hat erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Organismus, wobei der Magen-Darm-Trakt eine besonders anfällige Region darstellt. Die körperlichen Auswirkungen von Burnout: Das Burnout Syndrom ist weithin als eine Form von chronischem, extremem Stress bekannt, der sich in erster Linie auf die psychische Gesundheit auswirkt. Doch was oft übersehen wird, sind körperliche Symptome, insbesondere auf den Magen-Darm-Trakt. Dieser Bereich ist äußerst anfällig für Stress und kann in eine regelrechte Krise geraten. Menschen, die unter Burnout leiden, berichten häufig von Magenschmerzen, Übelkeit, Verdauungsproblemen und gastrointestinalen Beschwerden. Diese physischen Symptome sind keineswegs Einbildung - sie sind das Ergebnis einer komplexen Wechselwirkung zwischen anhaltendem Stress und dem Verdauungssystem.

Die Burnout-Magen-Darm-Verbindung ist facettenreich und auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Der anhaltende Stress, der mit Burnout einhergeht, führt zu einer übermäßigen Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol. Diese Hormone haben nachweisbare Auswirkungen auf den Magen-Darm-Trakt. Sie beeinflussen die Verdauungsfunktionen und können zu einer breiten Palette von Symptomen führen, darunter Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung. Darüber hinaus spielt beim Burnout, ebenso wie beim Stress, die Darm-Hirn-Achse eine entscheidende Rolle. Diese Kommunikationsverbindung zwischen dem zentralen Nervensystem und dem Verdauungssystem ist äußerst empfindlich gegenüber Stress. Bei dem Burnout Syndrom wird diese Verbindung gestört, was sich negativ auf die normale Funktion des Magen-Darm-Trakts auswirken kann.

Ein zentrales Problem besteht darin, dass sich Burnout und Magen-Darm-Probleme oft in einem Teufelskreis befinden. Die physischen Beschwerden, die durch den chronischen Stress verursacht werden, führen zu weiterer seelischer Belastung, da sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dieser Teufelskreis kann dazu führen, dass sowohl der psychische Zustand als auch die Magen-Darm-Gesundheit sich kontinuierlich verschlechtern.

Diagnose von Völlegefühl

Die Diagnostik einer verzögerten Magenentleerung, Darmträgheit oder eines Reizdarmes kann aufwendig sein. Sofern mittels Standard-Untersuchungen wie Magen- und Darmspiegelung Entzündungen oder Passage-Hindernisse in Magen oder Darm ausgeschlossen sind, wendet sich die Suche nach den Ursachen der Verdauungsstörung unter anderem auch den neurologischen Ursachen gestörten Nahrungstransports zu. Durch Kontrastmittel unterstützte Röntgenuntersuchung der Magen- und Darmpassagezeit aber auch durch die Messung des Speiseröhrendrucks ist erfahrenen Gastroenterologen die Beurteilung der Kontrolle und Steuerung der Magen- und Darmpassage möglich. Die Zusammenarbeit mit Neurogastroenterologen ermöglicht es, spezialisierte Untersuchungen der Magen- und Darmfunktionen in die Diagnostik aufzunehmen und auch seltene Erkrankungen aufzudecken.

Ob es sich um einen Reizmagen handelt, lässt sich durch Gespräche, körperliche und weitere Untersuchungen wie eine Magenspiegelung, Blut- und Stuhltests oder einen Bauch-Ultraschall herausfinden. Häufig ist ein Test auf Helicobacter Pylori sinnvoll. Eine Magenspiegelung ist ambulant möglich. Auch bei Kindern fragt die Kinderärztin oder der Kinderarzt zunächst nach Art und Dauer der Beschwerden und nach möglichen Anzeichen für eine andere Ursache.

Bis die Diagnose RDS gestellt wird, ist es oft ein langer Weg. Mehrere Untersuchungen sollten erfolgen: Magen- und Darmspiegelung, Ultraschall des Bauches, eine Blutuntersuchung mit Blutbild, Leberenzymen, Salzen, Schilddrüsen- und Nierenwerten. Mit einer Stuhluntersuchung lässt sich Parasitenbefall ausschließen.

Behandlung von Völlegefühl

Natürlich richten sich unsere Behandlungsempfehlungen in erster Linie nach der Ursache gestörter Magen- und Darmfunktionen. Zusätzlich werden bewährte Empfehlungen zur Ernährung, Nahrungsergänzung und vor allem Optimierung der Magen- und Darmpassage gegeben. Nach sorgfältiger Auswahl werden zur Verbesserung der Verdauung und Linderung von Beschwerden Medikamente eingesetzt.

Die Behandlung hat das Ziel, die oft belastenden Beschwerden zu lindern oder zumindest besser mit ihnen zurechtzukommen. Viele Fachleute empfehlen Bewegung und Sport, weil das die Verdauung anregt. Manche Menschen mit einem Reizmagen haben den Eindruck, dass bestimmte Lebensmittel ihre Symptome verstärken, und stellen deshalb ihre Ernährung um. Andere machen gute Erfahrungen damit, über den Tag verteilt kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Speisen gut durchzukauen und sich Zeit beim Essen zu lassen, ist generell sinnvoll. Es gibt jedoch kaum gute Studien, die eine Änderung der Ernährungsweise bei Reizmagen untersucht haben. Deshalb gibt es dazu keine verlässlichen Empfehlungen.

Eine Infektion der Magenschleimhaut mit dem Helicobacter-Pylori-Bakterium kann gut mit Antibiotika behandelt werden. Außerdem können Säurehemmer wie Protonenpumpenhemmer und H2-Rezeptor-Antagonisten bei einem Reizmagen helfen. Pflanzliche Mittel mit verschiedenen Kräutern (unter anderem Pfefferminze und Kümmelöl) können krampflösend wirken und den Verdauungstrakt anregen. Methoden zur Entspannung und Stressbewältigung, etwa autogenes Training oder progressive Muskelentspannung, können beim Umgang mit den Beschwerden unterstützen. Wenn zugleich andere Erkrankungen wie ein Reizdarm oder psychische Probleme wie eine Depression bestehen, ist es wichtig, auch diese anzugehen.

Haben Kinder über Wochen Beschwerden, ist ein Gespräch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sinnvoll, um das weitere Vorgehen zu besprechen: Wie lässt sich mit den Beschwerden besser umgehen? Wo gibt es psychologische Unterstützung? Sind weitere Untersuchungen sinnvoll und wenn ja, wann?

Medikamentöse Behandlung

Liegt keine Infektion mit Helicobacter-pylori-Bakterien vor, kann die Ärztin oder der Arzt einen Protonenpumpenhemmer (PPI) zur Behandlung des Reizmagens verschreiben. Dazu gehören die Wirkstoffe Omeprazol oder Pantoprazol. Diese Medikamente hemmen die Säurebildung und können helfen, Magenbeschwerden zu lindern. Wenn eine Helicobacter-Infektion nachgewiesen wurde, lässt sich der Reizmagen mit einer Kombination von Antibiotika und Protonenpumpenhemmern behandeln.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Einnahme von H2-Rezeptor-Antagonisten, auch H2-Blocker genannt. Diese Medikamente verringern ebenfalls den Säuregehalt im Magen. Helfen sie nicht, können Antidepressiva oder Prokinetika eine Möglichkeit sein. Letztere sind Medikamente, welche die Magenbewegung beeinflussen.

Zu den wenigen Spasmolytika, die hier zur Verfügung stehen, gehört N-Butylscopolamin. Eine Untersuchung bestätigte nun erneut dessen therapeutische Wirksamkeit. An der randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie hatten 1673 Patienten teilgenommen (Aliment Pharmacol Ther 23, 2006, 1741-1748). Sie erhielten entweder dreimal täglich Placebo (n=281), 10 mg N-Butylscopolamin (Buscopan®, n=289), 500 mg Paracetamol (n=269) oder 10 mg N-Butylscopolamin plus 500 mg Paracetamol (Buscopan® plus, n=275).

Pflanzliche Arzneimittel

Verschiedene pflanzliche Wirkstoffe aus Fenchel, Kümmel, Pfefferminze und Anis zeigen schmerzlindernde, krampflösende, entblähende und beruhigende Wirkungen. Carmenthin® mit Pfefferminzöl und Kümmelöl in hoher Dosierung lindert Druckgefühl, Blähungen und andere Beschwerden bei funktionellen Magen-Darm-Störungen.

Zu Darmberuhigung haben sich außerdem einige pflanzliche Wirkstoffe wie Pfefferminzöl oder der Extrakt aus Melissenblättern bewährt.

Ernährungsumstellung

Da das RDS sich individuell sehr unterschiedlich äußert, gibt es nicht die eine allgemeingültige Therapie, die in jedem Fall hilft. Nach australischen Studien kann eine spezielle Diät den gereizten Darm sehr effektiv beruhigen. Die sogenannte FODMAP-reduzierte Ernährung bringt jedoch einige drastische Einschränkungen mit sich: Betroffene verzichten dabei ein paar Wochen lang komplett auf alle potenziell reizenden Kohlenhydrate und spezielle Arten von Zucker. Wer das konsequent betreibt, kann seine Darmbeschwerden häufig in den Griff bekommen. Allerdings sollte eine FODMAP-reduzierte Diät niemals ohne ärztlichen Rat und klare Diagnose ausprobiert werden, denn sie kann die Beschwerden, zum Beispiel bei einer Allergie, auch verschlimmern.

Während der FODMAP-reduzierten Diät lassen RDS-Beschwerden wie Schmerzen, Blähungen und Durchfall oftmals rasch nach oder verschwinden sogar ganz. Wichtig ist, die FODMAP-haltigen Nahrungsmittel nach der Auslassphase schrittweise wieder einzuführen, damit keine Mangelerscheinungen auftreten, und im Ernährungstagebuch dabei festzuhalten, welche Symptome nun nach dem Verzehr welcher Lebensmittel auftreten.

Nicht zuletzt kann eine Ernährungsumstellung oder der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel ausprobiert werden. Durch Selbstbeobachtung und das Führen eines Beschwerde-Tagebuchs lässt sich beispielsweise herausfinden, ob bestimmte Lebensmittel die Symptome auslösen. Manchmal kann der Verzicht auf unverträgliche Speisen oder Getränke dann bereits Abhilfe schaffen. Es kann zudem hilfreich sein: regelmäßig zu essen, keine zu üppigen Mahlzeiten zu sich zu nehmen, gut zu kauen und Hektik während des Essens zu vermeiden.

Psychotherapie und Entspannungstechniken

Wenn keine der medikamentösen Therapien wirken, ist eine Psychotherapie möglich. Selbsthilfestrategien und komplementäre, auch psychotherapeutische Heilverfahren leisten daher einen wichtigen Beitrag in der RDS-Behandlung. Bewegung und leichte sportliche Aktivität sind allgemein zu empfehlen, Entspannungsverfahren können zur Stressreduktion hilfreich sein. Als häufig wirksam hat sich in Studien die Darmhypnose erwiesen, um die wechselseitige Interaktion von Darm und Gehirn positiv zu beeinflussen. Bisher bieten noch nicht viele Kliniken oder Praxen das Verfahren an, neuerdings gibt es aber auch Darm-Hypnose-CDs.

Methoden zur Entspannung und Stressbewältigung, etwa autogenes Training oder progressive Muskelentspannung, können beim Umgang mit den Beschwerden unterstützen.

Umgang mit Völlegefühl im Alltag

Ein Reizmagen kann das allgemeine Wohlbefinden und das tägliche Leben beeinträchtigen. Die Beschwerden führen oft dazu, dass Betroffene Essen und Trinken nicht mehr richtig genießen können. Manche Menschen mit Reizmagen scheuen den Gang in die Arztpraxis, weil sie unangenehme Untersuchungsergebnisse befürchten. Einige tun ihre Beschwerden ab oder finden eigene Erklärungen dafür. Andere fühlen sich mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen. Sowohl Gespräche mit der Ärztin oder dem Arzt als auch Untersuchungen können aber helfen, eine geeignete Behandlung zu finden und so die Beschwerden zu lindern.

Viele Menschen haben bei unklaren Symptomen Angst vor einer Krebserkrankung - Krebs ist aber nur selten die Ursache von Magenbeschwerden. Warnzeichen wie Blut im Stuhl oder ungewollter Gewichtsverlust sollten jedoch abgeklärt werden. Viele Menschen versuchen, sich selbst zu helfen. Andere ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück oder melden sich häufig krank. Wieder andere stellen ihre Ernährung um und wenden teure Spezialprodukte an, kaufen rezeptfreie Arzneimittel in der Apotheke oder setzen auf naturheilkundliche Verfahren, Akupunktur oder Osteopathie. Alles Mögliche auszuprobieren, kann aber zusätzlich belasten und auch Nebenwirkungen haben. Wer selbst etwas tun möchte, bespricht deshalb am besten mit der Ärztin oder dem Arzt, welche Mittel sinnvoll und welche weniger geeignet sind. Sie oder er informiert auch darüber, bei welchen Behandlungen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen.

Oft gelingt es mit der Zeit, besser mit den Beschwerden zurechtzukommen. Wenn die eigene Kraft nicht mehr darauf verwendet wird, gegen die Beschwerden anzukämpfen, werden manchmal neue Möglichkeiten frei. Hilfreich kann zum Beispiel sein, zu überdenken, was im Alltag wirklich wichtig ist, und eigene Grenzen zu beachten. Außerdem ist es wichtig, sich nicht daran hindern zu lassen, Dinge zu tun, die Freude bereiten.

Außerdem kann es beruhigen, sich immer wieder klarzumachen, dass bei einem Reizmagen keine Folgeschäden zu befürchten sind. Vor allem wenn die Symptome immer wiederkehren, kann es erleichternd sein, die Erkrankung zu akzeptieren und zu lernen, mit den Beschwerden besser zurechtzukommen.

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