Ignatia Amara: Homöopathische Anwendung bei Migräne und emotionalen Beschwerden

Ignatia amara, gewonnen aus der Ignatiusbohne, ist ein vielseitiges homöopathisches Mittel, das traditionell bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt wird, insbesondere solchen, die mit emotionalem Stress, Kummer und nervlichen Belastungen in Verbindung stehen. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Ignatia amara bei Migräne, Kopfschmerzen und anderen Beschwerden, wobei die homöopathischen Prinzipien, Anwendungsgebiete und potenziellen Vor- und Nachteile berücksichtigt werden.

Was ist Ignatia Amara?

Ignatia amara, auch bekannt als Ignatius-Brechnuss oder Ignatiusbohne (Strychnos ignatii), ist die Grundlage dieses homöopathischen Mittels. Die Pflanze enthält hochgiftige Indolalkaloide wie Strychnin und Brucin. In der Homöopathie wird jedoch die Ursprungssubstanz stark verdünnt (potenziert), um ein sicheres und wirksames Mittel zu erhalten.

Anwendungsgebiete von Ignatia Amara

Ignatia amara wird traditionell eine Wirkung auf die Psyche zugeschrieben. Typische Anwendungsgebiete sind:

  • Aufregung, Ärger und Kummer
  • Beschwerden infolge einer emotionalen Krise
  • Psychische und körperliche Beschwerden

Darüber hinaus kann Ignatia amara auch bei rein körperlichen Beschwerden eingesetzt werden, wie beispielsweise bei:

  • Ängste
  • Depressive Verstimmungen
  • Trauer
  • Reizhusten
  • Asthma
  • Halsschmerzen
  • Kopfschmerzen / Migräne
  • Magenverstimmung
  • Schlafstörungen
  • Hämorrhoiden / Mastdarmvorfall
  • Menstruationsstörungen
  • Wechseljahresbeschwerden
  • Muskelkrämpfe

Typische Symptome und Beschwerden

Bestimmte Symptome und Beschwerden können auf die Notwendigkeit von Ignatia amara hinweisen:

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  • Beschwerden nach Trauer, Angst, Depressionen oder unangenehmen Situationen
  • Stark wechselhafte Stimmungslage
  • Rückzug und Vermeidung von Nähe oder Zuwendung
  • Krampfhaftes Weinen, Seufzen, Schluchzen
  • Auffallend tiefe Einatmung
  • Gefühl eines Klumpens (z.B. im Hals, in der Brust, im Magen, im Darm)
  • Zucken der Gesichtsmuskulatur
  • Schluckauf und Magenkrämpfe
  • Spitzer Schmerz im Enddarm
  • Kitzelnder Hustenreiz, der durch Husten noch schlimmer wird
  • Krampfhaftes Gähnen
  • Widersprüchliche Symptome, wie Zahnschmerzen, die sich beim Kauen bessern, oder Magenschmerzen, die sich durch Essen bessern
  • Gesichtsrötung beim Frieren.

Modalitäten: Was bessert oder verschlimmert die Beschwerden?

Die Wirkung von Ignatia amara kann durch bestimmte Faktoren beeinflusst werden:

Besserung:

  • Wärme
  • Wechsel der Körperposition
  • Druck auf die schmerzende Stelle
  • Ablenkung

Verschlimmerung:

  • Kummer, Sorge und Ärger
  • Beleidigung und emotionale Verletzungen
  • Kalte, frische Luft
  • Berührung
  • Süßigkeiten
  • Kaffee, Alkohol, Tabak
  • Starke Gerüche
  • Trost von Außenstehenden
  • Das Denken an die Krankheit
  • Vor und nach der Menstruation
  • In den Wechseljahren

Ignatia Amara bei Babys und Kindern

In der Homöopathie wird Ignatia amara Kindern zugeordnet, die ihre Gefühle zunächst unterdrücken und Verletzungen nicht zeigen. Stattdessen "fressen" sie Ärger, Trauer und Angst in sich hinein, ziehen sich zurück und geben vor, dass alles in Ordnung ist. Irgendwann kann es jedoch zu Wutanfällen oder hysterischen Ausbrüchen kommen.

Ignatia-Babys sind oft nervös, unruhig und schreckhaft. Sie lassen sich tagsüber nach lauten Geräuschen schwer beruhigen und erwachen nachts beim geringsten Laut.

Ignatia amara kann bei Kindern beispielsweise bei Schwierigkeiten beim Zahnen oder bei langanhaltendem Reizhusten in Betracht gezogen werden. Es wird auch angewendet, wenn ein Kind nach der Geburt eines Geschwisterchens auffällig reagiert.

Der Ignatia-Typ

Die Ignatia-Homöopathie wird häufiger bei Frauen als bei Männern angewendet. Der Ignatia-Persönlichkeitstyp wird als romantisch und idealistisch beschrieben, mit einer starken emotionalen Überempfindlichkeit. Diese Kombination kann zu Enttäuschungen führen, die bis zur Verbitterung reichen. Betroffene halten ihre Gefühle oft innerlich fest und wirken defensiv, grob, argwöhnisch oder herausfordernd.

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Anwendung und Dosierung von Ignatia Amara

Ignatia amara ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Globuli, Tropfen und Tabletten. In der Selbstbehandlung von akuten Krankheiten werden üblicherweise niedrige Potenzen wie D6, D12 oder D30 verwendet.

Dosierung:

  • Ignatia D6: Im Notfall halbstündlich, jedoch nicht öfter als zehnmal in 24 Stunden.
  • Ignatia D12 oder D30: Nicht öfter als sechsmal am Tag.
  • Ignatia C30: Bei Bedarf, jedoch vorsichtig mit einer einmaligen Gabe von drei Kügelchen.

Höhere Potenzen wie Ignatia C30, C200 oder C1000 sollten nur nach Verordnung durch einen Homöopathen eingenommen werden, um den Behandlungsfortschritt engmaschig zu kontrollieren.

Die Wirkung von Ignatia amara soll bei akuten Krankheiten innerhalb von Stunden oder Tagen eintreten. Bei chronischen Beschwerden kann es länger dauern. Die Wirkungsdauer hängt von der gewählten Potenz und der Häufigkeit der Einnahme ab.

Erstverschlimmerung und Nebenwirkungen

Homöopathische Arzneimittel haben im Allgemeinen keine Nebenwirkungen. Bei einer Erstverschlimmerung, bei der sich die Beschwerden nach Anwendungsbeginn verstärken, sollte die Behandlung jedoch unterbrochen werden.

Typische Anwendungsgebiete und Dosierung im Überblick

Symptom/KrankheitBegleitfaktorenDosierung
Depressive VerstimmungKein Appetit, zu keiner Unterredung oder Aufheiterung zu bewegen, häufiges Seufzen, redefaul, Stimmungsschwankungen3 Globuli Ignatia C30. Nach einer Woche wiederholen.
Kummer / TrauerKommt über einen Kummer oder eine Kränkung nicht hinweg, trauert still vor sich hin, ist in sich gekehrt, ärgerlich und griesgrämig3 Globuli Ignatia C30. Nach einer Woche wiederholen.
ReizhustenTrockener, krampfhafter Husten, fortwährendes Kitzeln im Hals, je mehr man hustet, desto schlimmer wird der Reiz, schlimmer abends und nachts3 Globuli Ignatia D6 bis zu zehnmal täglich oder 3 Globuli Ignatia D12 oder Ignatia D30 bis zu sechsmal täglich.
AsthmaAtemnot mit erschwertem Einatmen, schlimmer abends und nachts, unwillkürliches, tiefes, ängstliches SeufzenIgnatia nur als homöopathische Begleittherapie nach ärztlicher Untersuchung und zusätzlich zur schulmedizinischen Therapie: 3 Globuli Ignatia D6 bis zu zehnmal täglich oder 3 Globuli Ignatia D12 bis zu sechsmal täglich.
HalsschmerzenKloßgefühl im Hals, Schmerzen am schlimmsten, wenn man nicht schluckt, Schmerzen besser durch das Schlucken fester Speisen3 Globuli Ignatia D6 bis zu zehnmal täglich oder 3 Globuli Ignatia D12 oder D30 bis zu sechsmal täglich.
Kopfschmerzen / MigräneBerstende, pulsierende Schmerzen, Schmerz wechselt anfallsweise die Stelle, Schmerzen wie von einem eingeschlagenen Nagel in der Schläfe, schlimmer oder ausgelöst durch: Sprechen, Gedankenarbeit, Tabakrauch, helles Licht3 Globuli Ignatia D6 bis zu zehnmal täglich oder 3 Globuli Ignatia D12 oder D30 bis zu sechsmal täglich.
SchlafstörungenUnruhiger Schlaf, schreckt aus dem Schlaf auf, durch schlimme Träume gequält, erwacht müde und mürrisch3 Globuli Ignatia C30. Nach einer Woche wiederholen.
Magen-DarmstörungenLeere- und Schwächegefühl im Magen, als hinge der Magen schlaff herab, reichliches, krampfartiges Aufstoßen, Magenschmerzen und Krämpfe nach seelischer Erregung, Magenschmerzen bei leerem Magen, die sich durch Essen bessern3 Globuli Ignatia D6 bis zu zehnmal täglich oder 3 Globuli Ignatia D12 oder D30 bis zu sechsmal täglich.
Hämorrhoiden / MastdarmvorfallErfolgloser Stuhldrang, Stiche im After, den Mastdarm hinauf, Besserung durch Herumgehen, Aftervorfall durch starkes Pressen beim Stuhlgang, Hämorrhoiden mit Wundheit, krampfhaftes Zusammenschnüren des AftersBei Hämorrhoiden: Zwei Wochen lang ein- bis zweimal täglich 3 Globuli Ignatia D6. Bei Mastdarmvorfall: Einen Monat lang wöchentlich 3 Globuli Ignatia C30.
MenstruationsstörungenRegel zu früh oder verspätet, Blutung dunkel und zu stark, Blut übelriechend, Krämpfe, Drängen nach unten mit Ausfluss3 Globuli Ignatia C30. Nach einer Woche wiederholen.
MuskelkrämpfeZuckungen und Krämpfe in Armen und Beinen beim Einschlafen3 Globuli Ignatia D6 bis zu zehnmal täglich oder 3 Globuli Ignatia D12 oder D30 bis zu sechsmal täglich.

Homöopathie: Ein ganzheitlicher Ansatz

Die Homöopathie konzentriert sich auf die Behandlung des gesamten Individuums und nicht nur auf die Linderung spezifischer Symptome. Typische Anwendungsgebiete sind chronische Erkrankungen wie Allergien, Migräne oder rheumatische Beschwerden, aber auch akute Erkrankungen wie Erkältungen oder Magen-Darm-Probleme.

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In der Homöopathie wird großen Wert auf die individuelle Anamnese gelegt, bei der alle körperlichen und seelischen Aspekte des Patienten berücksichtigt werden. Auf Basis dieser umfassenden Bestandsaufnahme wird ein spezifisches homöopathisches Mittel ausgewählt, das zur Prävention und Behandlung eingesetzt werden kann.

Die Diagnostik in der Homöopathie unterscheidet sich stark von der konventionellen Medizin. Hier steht die gründliche Anamnese im Vordergrund, um ein umfassendes Bild des Patienten zu erhalten. Neben den körperlichen Symptomen werden auch psychische und emotionale Zustände erfragt.

Die Behandlung mit Homöopathie erfolgt durch die Verabreichung stark verdünnter Substanzen, die aus Pflanzen, Mineralien oder tierischen Produkten gewonnen werden. Diese sogenannten Potenzen reichen von D (Dezimal) bis C (Centesimal) und LM (Fünfzigtausendstel). Die Dosierung und Häufigkeit der Einnahme hängen vom individuellen Krankheitsbild und der Reaktion des Patienten auf das Mittel ab.

Kritik und wissenschaftliche Evidenz

Es ist wichtig zu beachten, dass das Konzept der Homöopathie und ihre spezifische Wirksamkeit in der Wissenschaft umstritten sind und durch Studien nicht eindeutig belegt werden. Viele Studien kommen zu dem Schluss, dass die Wirkung homöopathischer Mittel nicht über den Placebo-Effekt hinausgeht.

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