Haben Sie sich jemals gefragt, ob ein Blick in die Augen eines Menschen dessen Gedanken verraten kann? Es kursiert die Annahme, dass erweiterte Pupillen ein Zeichen von Zuneigung sein können. Doch was steckt wirklich dahinter? Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen für erweiterte Pupillen, den Einfluss von Dopamin und gibt Einblicke in medizinische Zusammenhänge.
Pupillenerweiterung und Emotionen
Das autonome Nervensystem steuert unwillkürliche Körperfunktionen und löst bei Emotionen wie Erregung oder Freude verschiedene Reaktionen aus. Das "Glückshormon" Dopamin wird bei der Erwartung positiver Ereignisse ausgeschüttet und kann als Nebenwirkung die Pupillen erweitern. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass nicht nur positive Emotionen wie Erregung und Liebe zu einer Pupillenerweiterung führen können. Auch negative Emotionen wie Wut und Angst können diesen Effekt auslösen.
Mydriasis: Pupillenerweiterung ohne Licht- oder Emotionsveränderungen
In der Medizin wird die Pupillenerweiterung, die unabhängig von Licht- oder Emotionsveränderungen auftritt, als Mydriasis bezeichnet. Diese kann verschiedene Ursachen haben, darunter die Einnahme bestimmter Medikamente, Verletzungen oder Krankheiten.
Medikamente als Ursache
Einige verschreibungspflichtige und nicht verschreibungspflichtige Medikamente können eine Mydriasis verursachen, da sie den Muskel der Iris beeinflussen, der die Pupillengröße reguliert. Auch Präparate, die Botulinumtoxin enthalten, können diesen Effekt haben.
Verletzungen und Erkrankungen
Verletzungen an den Nerven oder Muskeln der Iris, die die Pupillengröße regulieren, können ebenfalls zu einer Pupillenerweiterung oder -verformung führen. Hirnverletzungen, Schlaganfälle und Tumore können den Hirndruck erhöhen und dadurch Schäden an den Iris-Muskeln verursachen. Aus diesem Grund untersucht der Augenarzt im Rahmen einer Augenuntersuchung die Pupillenreaktion mit einer Taschenlampe.
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Illegale Substanzen
Der Konsum illegaler Substanzen wie Kokain, Amphetamine, LSD und Ecstasy kann ebenfalls eine Pupillenerweiterung verursachen und das Reaktionsvermögen des Auges auf Lichteinflüsse einschränken.
Seltene neurologische Erkrankungen
Auch seltene neurologische Erkrankungen können mit einer Pupillenerweiterung einhergehen. Die Adiesche Krankheit (Pupillotonie) ist eine solche Erkrankung, bei der eine Pupille größer als normal erscheint und sich nur langsam oder gar nicht in hellem Licht verengt. Die kongenitale Aniridie ist eine angeborene Erkrankung, bei der die Iris teilweise oder vollständig fehlt, was dazu führt, dass die Lichtmenge, die in das Auge gelangt, nicht reguliert werden kann.
Pupillenerweiterung und ADHS
Eine Reihe von Studien hat visuelle Probleme bei Kindern mit ADHS festgestellt, darunter visuell-perzeptive Probleme, Konvergenzinsuffizienz, beeinträchtigte Stereoakuität, häufigere refraktive Fehler, ein erhöhtes Risiko für Strabismus (Schielen) und Astigmatismus sowie Abweichungen in den Augenbewegungen und der Akkommodation.
Neurophysiologische Veränderungen und genetische Zusammenhänge
Darüber hinaus wurden bei ADHS neurophysiologische Veränderungen der Sehnerven, genetische Zusammenhänge mit dem DRD4-Dopaminrezeptor-Gen und asymmetrische Pupillendurchmesser festgestellt. Eine weitere Studie fand signifikante Auffälligkeiten bei ADHS-Betroffenen in der Modulation der Augenvergenzantwort während Aufmerksamkeitsaufgaben.
Sakkadische Defizite
Verschiedene Studien haben mittels des Gap/Overlap-Tests bei Kindern mit ADHS langsamere und variablere sakkadische Reaktionszeiten festgestellt. Willkürliche Augenbewegungen werden durch den dlPFC gesteuert, und die willkürliche Steuerung von Augenbewegungen ist eng mit Aufmerksamkeitslenkung verbunden.
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Pupillenunruhe und Noradrenalin
Eine Studie zeigte eine verringerte Leistung der Pupillenoszillationen bei Passivität mit minimaler Ablenkung ebenso wie bei Ruhebedingung ohne Ablenkung. Pupillenunruhe korreliert in hohem Maße zwischen den beiden Augen, was auf eine Steuerungsquelle auf der Ebene des Edinger-Westphal-Komplexes im Mittelhirn hindeutet. Der Locus Coeruleus, die maßgebliche Noradrenalinquelle des Gehirns, beeinflusst die neuronale Dopaminfunktion und die dopaminergen Rezeptoren stark. Aufmerksamkeit beeinflusst die Basisspannung des Pupillenerweiterungsmuskels über den Pupillensympathikus.
Weitere visuelle Auffälligkeiten bei ADHS
Kinder mit ADHS zeigten eine reduzierte Akkommodationsreaktion, die nicht durch den Akkommodationsreiz beeinflusst wurde. Das D4-Dopaminrezeptor-Gen, DRD4, ist maßgeblich an der Umwandlung von Licht in elektrische Signale in der Retina beteiligt. Die DRD4 7R-Variante ist eines der stärksten Einzelgenrisiken für ADHS. Eine Dysfunktion des retinalen Dopamins könnte das neuroentwicklungsbedingte Wachstum des Auges beeinflussen, was zu refraktiven Fehlern führt. ADHS-Betroffene haben ein erhöhtes Kurzsichtigkeitsrisiko, wobei ADHS-Betroffene, die ADHS-Medikamente nehmen, ein um 39 % verringertes Myopie-Risiko haben.
Serotonin-Syndrom und Pupillenerweiterung
Das Serotonin-Syndrom ist eine potenziell lebensbedrohliche Folge einer übermäßigen Serotonin-Konzentration im Gehirn. Es kann durch die Einnahme bestimmter Medikamente oder Drogen ausgelöst werden, die den Serotoninspiegel erhöhen. Zu den Symptomen gehören unter anderem:
- Erweiterte Pupillen
- Agitiertheit
- Verwirrung
- Muskelzuckungen
- Fieber
- Übelkeit und Erbrechen
- Herzrasen
Das Serotonin-Syndrom erfordert eine sofortige medizinische Behandlung.
Ecstasy (MDMA) und Pupillenerweiterung
Ecstasy, auch bekannt als MDMA (3,4-Methylendioxymethylamphetamin), ist eine synthetische Droge, die zu den Amphetaminen und pflanzlichen Halluzinogenen zählt. MDMA bewirkt, dass Nervenzellen im Gehirn vermehrt Serotonin, Noradrenalin und Dopamin ausschütten. Dies führt zu einer Reihe von Effekten, darunter:
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- Euphorie
- Gesteigerte Kontaktfreudigkeit
- Erhöhte Körpertemperatur
- Erweiterte Pupillen
- Schwindel und Übelkeit
- Kiefermahlen und Mundtrockenheit
Der Konsum von Ecstasy kann tödliche Folgen haben, darunter Leberschäden, Überhitzung (Hyperthermie) und Herzstillstand.
Halluzinationen und Pupillenerweiterung
Halluzinationen sind Wahrnehmungsstörungen, die unsere fünf Sinne betreffen können. Sie können durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:
- Schlafentzug
- Flüssigkeitsmangel
- Drogenkonsum
- Alkoholentzug
- Psychische Erkrankungen (z.B. Schizophrenie)
- Neurologische Erkrankungen (z.B. Epilepsie)
- Bestimmte Medikamente
Bei einer Halluzination reagieren die Gehirnnerven nicht auf äußere Sinnesreize, sondern auf von innen kommende Störsignale.
Adrenalin und Pupillenerweiterung
Adrenalin ist ein Hormon, das bei Stress oder Gefahr ausgeschüttet wird. Es bewirkt eine Reihe von physiologischen Veränderungen im Körper, darunter:
- Erhöhte Herzfrequenz und Blutdruck
- Erweiterung der Bronchien
- Erhöhte Sauerstoffversorgung der Muskeln
- Erweiterte Pupillen
Die Erweiterung der Pupillen durch Adrenalin ermöglicht eine bessere Lichtempfangskapazität und verbessert kurzzeitig das Sehvermögen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
In den meisten Fällen sind erweiterte Pupillen kein Grund zur Sorge. Sie können jedoch ein Hinweis auf ein ernstes zugrunde liegendes Problem sein. Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
- Die Pupillenerweiterung plötzlich auftritt und von anderen Symptomen begleitet wird (z.B. Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel).
- Die Pupillen unterschiedlich groß sind (Anisokorie).
- Die Pupillen nicht auf Licht reagieren.
- Die Pupillenerweiterung mit der Einnahme von Medikamenten oder Drogen in Verbindung steht.
- Sie unter einer neurologischen Erkrankung leiden.
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