Nervus facialis: Anatomie, Funktion und klinische Bedeutung

Der Nervus facialis, auch Gesichtsnerv genannt, ist der siebte von insgesamt zwölf Hirnnerven. Diese paarig angelegten Nervenfaserbündel entspringen dem zentralen Nervensystem oberhalb des Rückenmarks und versorgen und steuern mit einer Ausnahme den Kopf- und Halsbereich. Der N. facialis ist ein komplexer Nerv mit motorischen, sensorischen und parasympathischen Anteilen.

Anatomie des Nervus facialis

Verlauf des Nervus facialis

Der Nervus facialis tritt seitlich aus dem Hirnstamm im Kleinhirnbrückenwinkel aus. Zwischen ihm und dem Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv) verläuft der Nervus intermedius. Gemeinsam ziehen sie durch den inneren Gehörgang (Meatus acusticus internus) in das Felsenbein. Dort, im Fazialis-Kanal des Felsenbeins, macht der Nerv eine 90°-Wendung am Ganglion geniculi, dem sogenannten "Facialis-Knie".

Innerhalb des Felsenbeins gibt der Nervus facialis verschiedene Äste ab:

  • Nervus petrosus major: Viszeromotorische Fasern für die Tränendrüse (Glandula lacrimalis). Die Umschaltung erfolgt im Ganglion pterygopalatinum.
  • Chorda tympani: Verläuft durch die Paukenhöhle des Mittelohrs zwischen Hammer und Amboss und transportiert:
    • Geschmacksnervenfasern von den vorderen zwei Dritteln der Zunge.
    • Viszeromotorische Fasern für die Speichelproduktion der kleinen Speicheldrüsen (Glandula sublingualis und Glandula submandibularis).

An einer knöchernen Öffnung im Schädel, dem Foramen stylomastoideum, tritt der Nervus facialis schließlich aus dem Schädel aus und gelangt in die Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis). Innerhalb der Ohrspeicheldrüse teilt er sich in seine Endäste auf, die die mimische Muskulatur des Gesichts versorgen.

Zusammensetzung des Nervus facialis

Der Nervus facialis besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem Nervus facialis im engeren Sinne und dem Nervus intermedius.

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  • Nervus facialis: Enthält vorwiegend motorische Fasern, die die mimische Muskulatur, den Musculus stapedius (im Mittelohr), den Musculus stylohyoideus und den hinteren Bauch des Musculus digastricus innervieren.
  • Nervus intermedius: Enthält sensorische (Geschmack) und parasympathische Fasern für die Innervation der Tränen-, Nasen- und Mundbodendrüsen.

Funktion des Nervus facialis

Der Nervus facialis hat vielfältige Funktionen:

  • Motorische Funktion: Steuerung der mimischen Muskulatur, die für Gesichtsausdrücke wie Lächeln, Stirnrunzeln und das Schließen der Augenlider verantwortlich ist. Er innerviert auch den Musculus stapedius im Mittelohr, der die Schallübertragung beeinflusst.
  • Sensorische Funktion: Übertragung von Geschmacksempfindungen von den vorderen zwei Dritteln der Zunge.
  • Parasympathische Funktion: Steuerung der Sekretion von Tränenflüssigkeit (Tränendrüse) und Speichel (Unterkiefer- und Unterzungenspeicheldrüse).

Klinische Bedeutung des Nervus facialis

Der Nervus facialis ist aufgrund verschiedener Krankheitsbilder von großem klinischem Interesse. Eine Schädigung des Nervs kann zu unterschiedlichen Symptomen führen, je nachdem, welcher Teil des Nervs betroffen ist.

Fazialisparese

Die häufigste Erkrankung im Zusammenhang mit dem Nervus facialis ist die Fazialisparese, eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur. Dabei ist meist nur eine Seite des Gesichts betroffen.

Ursachen:

  • Idiopathische Fazialisparese (Bell-Lähmung): Die Ursache ist unbekannt, wird aber oft mit einer Entzündung oder Schwellung des Nervs im Fazialis-Kanal in Verbindung gebracht.
  • Infektionen: Lyme-Borreliose, Herpes Zoster Oticus (Ramsay-Hunt-Syndrom) durch Varicella-Zoster-Virus.
  • Trauma: Verletzungen des Gesichts oder Schädels.
  • Tumore: Akustikusneurinom oder andere Tumore, die auf den Nerv drücken.
  • Durchblutungsstörungen: Seltenere Ursache.
  • Raumeengung im Felsenbeinbereich

Symptome:

  • Herabhängendes Augenunterlid
  • Unvollständiger Lidschluss (Lagophthalmus)
  • Verstreichen der Nasolabialfalte
  • Mundwinkel hängt herab
  • Eingeschränkte oder fehlende Stirnrunzeln
  • Erhöhte Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis) durch Ausfall des Musculus stapedius
  • Geschmacksstörungen im vorderen Zungenbereich
  • Verminderte Tränen- und Speichelproduktion

Diagnose

Die Diagnose einer Fazialisparese erfolgt in der Regel durch:

  • Klinische Untersuchung: Beurteilung der Gesichtsmotorik und des Gesichtsausdrucks.
  • Neurologische Untersuchung: Prüfung der Beweglichkeit und Sensibilität des Gesichts.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen (z.B. Elektroneurographie, Elektromyographie): Zur Beurteilung des Ausmaßes der Nervenschädigung und zur Prognoseabschätzung.
  • Bildgebende Verfahren (z.B. MRT): Zum Ausschluss von Tumoren oder anderen strukturellen Ursachen.

Therapie

Die Therapie der Fazialisparese richtet sich nach der Ursache.

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  • Idiopathische Fazialisparese: Kortikosteroide (z.B. Prednisolon) zur Entzündungshemmung und gegebenenfalls Virostatika bei Verdacht auf eine Virusinfektion.
  • Lyme-Borreliose: Antibiotika.
  • Herpes Zoster Oticus: Virostatika und Kortikosteroide.
  • Chirurgische Dekompression: In seltenen Fällen, wenn die konservative Therapie nicht ausreichend ist oder ein Tumor auf den Nerv drückt.
  • Physiotherapie: Zur Unterstützung der Regeneration der Gesichtsmuskulatur und zur Verhinderung von Kontrakturen.
  • Augenpflege: Bei unvollständigem Lidschluss ist eine sorgfältige Augenpflege wichtig, um eine Austrocknung der Hornhaut zu vermeiden.

Weitere Erkrankungen

Neben der Fazialisparese können auch andere Erkrankungen den Nervus facialis betreffen, wie z.B.:

  • Nervenschmerzen im Gesicht: Können durch Schädigung oder Kompression des Nervs verursacht werden (z.B. Trigeminusneuralgie, Postzosterneuralgie).
  • Tumore: Akustikusneurinome oder andere Tumore im Kleinhirnbrückenwinkel können den Nervus facialis schädigen.

Was tun bei Gesichtsschmerzen?

Bei Gesichtsschmerzen sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden, um die genaue Ursache zu ermitteln und eine angemessene Behandlung einzuleiten. Je nach Ursache können verschiedene Maßnahmen zur Linderung der Schmerzen beitragen.

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