Ein Schlaganfall ist eine plötzliche Störung der Blutversorgung des Gehirns, die schwerwiegende Folgen haben kann. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Schlaganfälle in Deutschland, einschließlich aktueller Daten, Risikofaktoren, Symptome, Diagnose, Therapie und Präventionsstrategien.
Was ist ein Schlaganfall?
Von einem Schlaganfall oder Apoplex spricht man, wenn bestimmte Funktionen des Gehirns infolge einer Durchblutungsstörung oder einer Blutung ausfallen. Halten diese Ausfallerscheinungen länger als 24 Stunden an, liegt ein vollendeter Schlaganfall vor. Bestehen die beobachteten Ausfallerscheinungen nur vorübergehend, spricht man von einer transitorisch ischämischen Attacke (TIA).
Aktuelle Zahlen und Fakten zum Schlaganfall in Deutschland
Im Jahr 2023 waren deutschlandweit 1.232.000 Menschen an einem Schlaganfall erkrankt. Als Erkrankung gilt, wenn die Krankheit in den letzten 10 Jahren stationär im Krankenhaus behandelt wurde (10-Jahres-Prävalenz). Es werden Erkrankungsfälle bei Personen ab dem 20. Lebensjahr gezählt.
Alle zwei Minuten erleidet in Deutschland ein Mensch einen Schlaganfall. 15 Prozent der Schlaganfälle treten bei Menschen unter 55 Jahren auf. Das sind in Deutschland rund 30.000 Schlaganfälle pro Jahr.
Die Lebenszeitprävalenz für Schlaganfall lag im Jahr 2014 in Deutschland bei 3,3 % (Frauen: 3,3 %; Männer: 3,3 %). Die Prävalenz stieg mit zunehmendem Alter deutlich an. Bei 18- bis 44-Jährigen lag die Prävalenz bei 0,9 % und bei 45- bis 64-Jährigen bei 2,8 %. Personen im Alter zwischen 65 und 79 Jahren waren zu 7,5 % und Personen ab 80 Jahren zu 14,6 % betroffen. Personen der niedrigen Bildungsgruppe waren mit 6,2 % häufiger von einem Schlaganfall betroffen als Personen der mittleren (2,1 %) und der hohen Bildungsgruppe (2,2 %). Die Prävalenz variierte zwischen den Regionen und lag in der Region Mitte-West mit 4,0 % über dem Bundesdurchschnitt.
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Der Schlaganfall ist nicht nur die dritthäufigste Todesursache, sondern auch der häufigste Grund für Langzeitbehinderungen bei Erwachsenen. Innerhalb des ersten Jahres nach einem Schlaganfall sterben ein Viertel bis ein Drittel der Patient*innen. Bis zu 40 Prozent der Überlebenden des akuten Schlaganfalls sind im Alltag längerfristig eingeschränkt, wie zum Beispiel bei der Fortbewegung, der Körperpflege oder dem selbstständigen Ankleiden und Essen. Viele benötigen dauerhaft Hilfe im Alltag, manche auch Pflege.
Formen des Schlaganfalls
Es werden zwei Hauptformen des Schlaganfalls unterschieden:
- Ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt): Diese Form macht etwa 80 % aller Schlaganfälle aus. Er entsteht, wenn ein Blutgefäß im Gehirn durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) oder eine Verengung (Arteriosklerose) verstopft wird, wodurch die Sauerstoffversorgung des Gehirns unterbrochen wird.
- Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung): Diese Form macht etwa 20 % der Schlaganfälle aus. Sie tritt auf, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt und Blut in das umliegende Gewebe austritt. Dies kann durch hohen Blutdruck, Gefäßmissbildungen (Aneurysmen) oder andere Faktoren verursacht werden.
Ursachen des ischämischen Schlaganfalls
Ein ischämischer Schlaganfall entsteht, wenn das Hirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und deshalb Nervenzellen absterben. Meist ist ein Gefäß verstopft und verursacht so eine Minderdurchblutung des Gehirns. Ursache sind oft Einengungen oder Verschlüsse der hirnversorgenden Arterien. Man unterscheidet zwei Hauptursachen für den Gefäßverschluss bei einem Schlaganfall die Thromboembolie und die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose).
Ein Hirninfarkt durch Thromboembolie entsteht, wenn sich im Herzen oder den großen hirnversorgenden Gefäßen, wie zum Beispiel der Halsschlagader, ein Pfropfen aus geronnenem Blut (Thrombus) bildet. Wenn sich dieser Thrombus von seinem Ursprungsort ablöst, kann er in die Hirngefäße geschwemmt werden und diese so verstopfen, dass nur sehr wenig oder gar kein Blut mehr hindurchfließen kann.
Bei einem Schlaganfall durch eine Arteriosklerose entwickelt sich die Verstopfung direkt im Hirngefäß oder den hirnversorgenden Halsgefäßen. Die Arteriosklerose oder Gefäßverkalkung entsteht an den beschädigten Innenseiten der Gefäßwände, wo sich immer mehr Ablagerungen ansammeln und dabei das Gefäß zunehmend verengen, bis schließlich auch hier kaum oder gar kein Blut mehr durchfließen kann.
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Ursachen des hämorrhagischen Schlaganfalls
Bei der Hirnblutung, dem hämorrhagischen Schlaganfall, platzt ein Blutgefäß direkt im Gehirn und schädigt das Nervengewebe. Dies liegt oft daran, dass der Blutdruck in den Arterien zu hoch ist oder die Gefäßwände durch Arteriosklerose oder anderweitig geschädigt sind. Eine Hirnblutung kann auch durch Gefäßmissbildungen, so genannte Aneurysmen, entstehen.
Wenn es zum Platzen oder Reißen eines Blutgefäßes zwischen der mittleren Hirnhaut (Arachnoidea) und der weichen Hirnhaut kommt, spricht man von einer Subarachnoidalblutung. Sie ist mit zwei bis fünf Prozent der Fälle die seltenste Ursache für einen Schlaganfall.
"Leichte" Schlaganfälle
Insbesondere nachts während des Schlafs können sich auch sogenannte stumme oder stille Hirninfarkte ereignen. Das sind Schlaganfälle, die von den Betroffenen nicht bemerkt werden, weil sie bei ihrem Auftreten schlafen und die stillen Hirninfarkte als leichte Schlaganfälle keine starken oder auffälligen Beschwerden verursachen. Diese stummen leichten Schlaganfälle lassen jedoch kleine Schäden im Gehirngewebe zurück. Wenn sich die stummen Hirninfarkte häufiger ereignen, sammeln sich die Schäden im Gehirn an und rufen im Laufe der Zeit doch Beschwerden hervor.
Eine weitere leichte Form des Schlaganfalls ist die transitorisch ischämische Attacke (TIA). Bei einer TIA treten vorübergehend Schlaganfallsymptome auf. Sie hinterlässt keine bleibenden Beschwerden und Einschränkungen. Die TIA kann jedoch ein Warnzeichen für einen bevorstehenden schweren Schlaganfall sein. Tatsächlich berichtet fast die Hälfte der Schlaganfall-Patient*innen, dass sie im Vorfeld ihres Apoplexes vorübergehende Ausfallerscheinungen oder andere Schlaganfallsymptome hatten. Selbst wenn der TIA kein vollendeter Apoplex folgt, ist sie ein wichtiges Alarmsignal, das auf keinen Fall ignoriert werden darf, denn die TIA weist daraufhin, dass es im Gehirn Probleme mit der Blutversorgung gibt, die dringend behandelt werden müssen.
Risikofaktoren für einen Schlaganfall
Verschiedene Faktoren können das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen:
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- Hoher Blutdruck (Hypertonie): Dies ist der bedeutendste Risikofaktor.
- Rauchen: Schadet den Blutgefäßen und erhöht das Risiko von Blutgerinnseln.
- Hohe Cholesterinwerte: Führen zu Ablagerungen in den Arterien (Arteriosklerose).
- Diabetes mellitus: Schädigt die Blutgefäße.
- Übergewicht (Adipositas): Erhöht das Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und hohe Cholesterinwerte.
- Bewegungsmangel: Trägt zu Übergewicht und anderen Risikofaktoren bei.
- Vorhofflimmern: Eine Herzrhythmusstörung, die das Risiko von Blutgerinnseln erhöht.
- Arteriosklerose (Gefäßverkalkung)
- Ein bereits erlittener Schlaganfall oder eine transitorisch ischämische Attacke (TIA)
- Starker Alkoholkonsum
- Hohe Blutzuckerwerte und der Konsum von zuckerhaltigen Getränken.
- Umweltfaktoren: Luftverschmutzung und hohe Temperaturen.
Symptome eines Schlaganfalls
Charakteristisch für einen Schlaganfall ist der plötzliche Ausfall von Gehirnfunktionen. Die Patient*innen erleben von einem Moment auf den anderen beispielsweise starke Kopfschmerzen, eine unerklärliche Schwäche oder gar Lähmung eines Körperteils, oder auch Seh- und Sprachstörungen. Diese Symptome können auch kurzfristig wieder verschwinden (transitorisch ischämische Attacke, abgekürzt TIA). Es besteht dann jedoch das Risiko, dass sich später noch ein weiterer schwerer Schlaganfall ereignet.
Vorzeichen für einen Schlaganfall:
- kurzfristige Lähmung, Schwäche oder Taubheit einer Körperhälfte
- kurzfristige Sehstörungen bis hin zum vorübergehenden Erblinden eines Auges
- vorübergehende Sprachstörungen: Sowohl das Verstehen von Sprache als auch das Sprechen können gestört sein.
- Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen, Drehschwindel, plötzliche Stürze
- erstmalig und plötzlich auftretende, extrem starke Kopfschmerzen
- vorübergehende Bewusstseinsstörungen oder Desorientierung in Bezug auf Raum, Zeit oder Personen
Wenn auch nur eines dieser Vorzeichen auftritt oder nur kurz anhält, besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall oder ein akut erhöhtes Schlaganfallrisiko.
Symptome und Beschwerden beim akuten Schlaganfall:
Je nach Ort und Schwere der Durchblutungsstörung im Gehirn kann es zu unterschiedlichen Ausfällen und Symptomen verschiedenen Schweregrades kommen. Zu den Funktionsausfällen bei einem Hirnschlag zählen:
- Lähmungen: Es können leichte Lähmungen von Gesicht oder Arm bis hin zur kompletten Lähmung einer Körperhälfte (Halbseitenlähmung) auftreten. Eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur ist häufig an einem einseitig herunterhängenden Mundwinkel zu erkennen. Bei einer Halbseitenlähmung ist der Arm meist stärker betroffen als das Bein.
- Sprachstörungen: Die Patient*innen können Gegenstände oder Personen nicht mehr mit den passenden Begriffen oder Namen benennen und/oder sie können nicht mehr verstehen, was andere ihnen sagen.
- Sehstörungen: Die Patient*innen sehen beispielsweise Doppelbilder, ihr Gesichtsfeld kann eingeschränkt sein, auch Blindheit auf einem Auge ist möglich.
- Gefühlsstörungen: Manche Patient*innen haben Taubheitsgefühle in bestimmten Körperregionen, andere Missempfindungen, wie Kribbeln oder eine Berührungsempfindlichkeit.
- Bewusstseinsstörungen: bis hin zum Bewusstseinsverlust
Folgende Symptome können einen Schlaganfall begleiten:
- sehr starke Kopfschmerzen
- Schwindel
- Übelkeit
- Erbrechen
Der FAST-Test
Der FAST-Test ist ein einfacher und schneller Test, um einen Schlaganfall zu erkennen:
- Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herunter?
- Arms (Arme): Bitten Sie die Person, beide Arme nach vorne zu strecken und die Handflächen nach oben zu drehen. Kann die Person beide Arme gleichmäßig heben?
- Speech (Sprache): Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen. Ist die Sprache verwaschen oder unverständlich?
- Time (Zeit): Wenn eines dieser Symptome auftritt, wählen Sie sofort den Notruf 112.
Der FAST-Test kann auch zu BE-FAST erweitert werden:
- Balance (Gleichgewicht): Ist das Gleichgewicht des oder der Betroffenen gestört?
- Eyes (Augen): Leidet der oder die Betroffene unter plötzlich aufgetretenen Sehstörungen?
Diagnostik des Schlaganfalls
Bei Verdacht auf Schlaganfall muss alles möglichst schnell gehen - auch die Diagnostik. Zuerst erfolgt eine neurologische Untersuchung. Danach kann der Neurologe oder die Neurologin meist mit großer Sicherheit die Diagnose „Schlaganfall“ stellen oder auch ausschließen.
Für die weitere Behandlung benötigen die Ärzt*innen aber noch mehr Informationen. Sehr wichtig ist es beispielsweise zu wissen, ob es sich um einen Hirninfarkt oder eine Hirnblutung handelt. Aber auch Ort und Schwere des Schlaganfalls sind für die gezielte Behandlung des Schlaganfalls sehr bedeutend.
Weiterführende Untersuchungen bei einem akuten Schlaganfall:
- Computertomographie (CT) des Kopfes: Die entscheidenden Informationen liefert hier in den meisten Fällen eine Computertomographie (CT) des Kopfes.
- Kernspintomographie (Magnetresonanz-Tomographie, MRT): Falls noch Informationen benötigt werden, wird eine Kernspintomographie (Magnetresonanz-Tomographie, MRT) durchgeführt.
- Ultraschalluntersuchungen: können helfen, um die Blutgefäße zu beurteilen.
- Angiographie: Bei der Angiographie werden die Blutgefäße im Gehirn auf Anomalien untersucht. Sie wird auch während der Thrombektomie, einer Behandlungsmethode des Hirninfarkts eingesetzt.
- Elektrokardiogramm (EKG): Mithilfe eines Elektrokardiogramms (EKG) können die Ärzt*innen feststellen, ob Rhythmusstörungen oder eventuell ein Herzinfarkt vorliegt.
- Elektroenzephalogramm (EEG): Ein Elektroenzephalogramm (EEG) kann Störungen der Gehirnströme anzeigen.
- Sehr selten wird auch das Gehirnwasser (Liquor) untersucht, ob möglicherweise eine Entzündung oder eine unerkannte Subarachnoidalblutung vorliegt.
Therapie des akuten Schlaganfalls
Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall! Ein Apoplex sollte schnellstmöglich am besten in einem auf Schlaganfälle spezialisierten Zentrum, der sogenannten „Stroke Unit“, behandelt werden. Die Akutbehandlung des Hirnschlags hat zum Ziel, das Leben der Betroffenen zu retten und die Folgen des Schlaganfalls so klein wie möglich zu halten.
Je eher die Therapie nach einem Schlaganfall einsetzt, desto besser sind die Aussichten der Patientinnen, dass sich die Spätfolgen wie bleibende Beeinträchtigungen und Behinderungen in Grenzen halten oder die Patientinnen sogar vollständig genesen. Man weiß heute, dass bereits die erste Stunde nach dem Auftreten von Schlaganfallsymptomen entscheidend für den Krankheitsverlauf ist. Eine zielgerichtete Behandlung in diesem Zeitfenster kann den Krankheitsverlauf deutlicher zum Besseren wenden als Therapien, die erst danach begonnen werden.
Stroke Unit:
Bei einer „Stroke Unit“ handelt es sich um ein auf akute Schlaganfälle spezialisierte Zentrum, dass an vielen neurologischen und internistischen Kliniken eingerichtet wurde. Die „Stroke Units“ gewährleisten eine optimale ärztliche Versorgung von Patient*innen mit Schlaganfall.
Folgen eines Schlaganfalls
Die Folgen von Schlaganfällen sind häufig schwerwiegend: Die Betroffenen können danach auf einen Rollstuhl angewiesen, vielleicht halbseitig gelähmt und kaum in der Lage zu sprechen sein.
Die Folgen eines Schlaganfalls hängen von seiner Schwere, dem Ort und der Ausdehnung der Durchblutungsstörung und vom Zeitpunkt des Therapiebeginns ab. Da die Blutgefäße in der Regel nur eine Gehirnhälfte mit Blut versorgen und diese eine Hirnhälfte für die jeweils gegenüberliegende Körperseite zuständig ist, zeigen sich die Folgen eines Schlaganfalls häufig einseitig. Bei einem Schlaganfall in der linken Gehirnhälfte kann es zum Beispiel zu Lähmungen auf der rechten Körperseite kommen.
Welche konkreten Folgen auftreten können:
- Einschränkungen der Bewegung und der Koordination der Muskulatur auf einer Körperseite: z. B. Muskelschwäche, Lähmung eines Beines, Probleme mit der Feinmotorik, Spastik
- Störung des Sprachvermögens und Sprachverstehens (Aphasie) sowie Sprach- und Sprechstörungen (Dysarthrie)
- Schluckstörungen
- Kognitive Störungen: z. B. Störungen der Konzentration und des Gedächtnisses, Unsicherheit, Orientierungslosigkeit, Wortfindungsstörungen
- Sehstörungen: Doppelbilder, Halbseitenblindheit
- Aufmerksamkeitsstörung / Neglect: Die Betroffenen nehmen Sinnesinformationen auf einer Körperseite nicht mehr wahr. Sie essen beispielsweise nur eine Hälfte des Tellers leer oder sie waschen nur eine Körperhälfte. Außenstehenden fällt diese Störung meist sehr schnell auf, die Betroffenen hingegen sind sich dieser Störung häufig nicht bewusst.
- Affekt- und Antriebsstörungen: z. B. Depressionen, Persönlichkeitsveränderungen
- Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen
Prävention von Schlaganfällen
Ein großer Teil der Schlaganfälle wäre durch Prävention vermeidbar. Die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung sind:
- Blutdruckkontrolle: Regelmäßige Messung und Behandlung von Bluthochdruck.
- Gesunde Ernährung: Reich an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, wenig Salz und gesättigten Fetten.
- Regelmäßige Bewegung: Mindestens 30 Minuten moderate Bewegung an den meisten Tagen der Woche.
- Nichtrauchen: Rauchen schädigt die Blutgefäße und erhöht das Schlaganfallrisiko.
- Gewichtsmanagement: Übergewicht vermeiden oder reduzieren.
- Kontrolle von Cholesterin und Blutzucker: Bei Bedarf medikamentöse Behandlung.
- Mäßiger Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum kann das Schlaganfallrisiko erhöhen.
- Vermeidung von Stress: Stress kann den Blutdruck erhöhen und andere Risikofaktoren verschlimmern.
Das Erlanger Schlaganfall-Register
Das Erlanger Schlaganfall-Register feiert sein 30-jähriges Bestehen. Seit seiner Gründung hat es sich nicht nur zum größten bevölkerungsbasierten Register in Deutschland entwickelt, bei dem die Daten von Erlanger Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten fortlaufend und direkt aus der Bevölkerung erhoben werden. Es ist auch eines der weltweit ältesten wissenschaftlichen Register zur Versorgungsforschung über die Volkskrankheit Schlaganfall.
Seit 1994 erfasst das Forschungsteam der FAU um den Neurologen Prof. Dr. Aufgrund des Alleinstellungsmerkmals wird das Erlanger Register seit 2000 vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) gefördert.
„In Deutschland müssen wir anhand der epidemiologischen Berechnungen des Erlanger Schlaganfall-Registers von rund 270.000 neuen Schlaganfällen pro Jahr ausgehen. Rund 66.000 davon sind Schlaganfälle, die sich bei den Betroffenen wiederholt haben“, sagt der Neurologe Prof. Dr. Peter Kolominsky-Rabas, Gründer und wissenschaftlicher Leiter des Erlanger Schlaganfall-Registers. „Die Patientinnen und Patienten, die einen erstmaligen Schlaganfall erleiden, sind im Durchschnitt 75 Jahre alt. Nach Herz- und Krebserkrankungen ist der Schlaganfall mit jährlich rund 63.000 Toten, davon rund 36.000 Frauen, die dritthäufigste Todesursache in Deutschland (Stand 2022). Je nach Ausprägung des erlittenen Schlaganfalls kann es zu bleibenden Schäden wie dauerhaften Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen oder Harn- und Stuhlinkontinenz kommen, die hohe Versorgungskosten nach sich ziehen.
Was das Erlanger Schlaganfall-Register besonders macht, ist sein Alleinstellungsmerkmal. Ein besonderes Augenmerk der Forschenden gilt den erneuten Schlaganfällen sowie den möglichen Spätfolgen wie Depressionen, epileptischen Anfällen sowie Demenzerkrankungen. Erstmalig in Deutschland haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Erlanger Schlaganfall-Registers gemeinsam mit Prof. Dr. Sie betragen rund 43.000 Euro pro Schlaganfallpatientin bzw. „Dies macht den Schlaganfall zu einer für die Gesundheitssysteme ‘teuersten‘ Erkrankungen“, urteilt Prof. Dr. Peter Kolominsky-Rabas. Auch haben die Forschenden die Gesamtkosten der zukünftigen Versorgung von Schlaganfallpatient/-innen in Deutschland hochrechnen können. „Bis 2040 wird die Anzahl der Schlaganfälle um 30 Prozent steigen.
Heute ist das Erlanger Schlaganfall-Register das größte bevölkerungsbasierte Register in Deutschland - und gleichzeitig eines der weltweit ältesten Schlaganfall-Register überhaupt. Aufgrund seines Alleinstellungsmerkmals wird das Erlanger Schlaganfall-Register seit 2000 vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) gefördert. Die Erfassung der akuten Schlaganfälle erfolgt in enger Kooperation mit der Neurologischen Klinik am Uniklinikum Erlangen unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Schwab.
„Wir erheben die Langzeitdaten aller Patientinnen und Patienten innerhalb der Stadt Erlangen, bei denen ein Schlaganfall diagnostiziert wurde, und begleiten die Erkrankten vom ersten Tag der Erkrankung an über ihre ganze Lebenszeit hinweg“, erläutert Prof. Dr. Dazu gehört die Erhebung vielfältiger Daten: Benötigt die Patientin bzw. „Wir dokumentieren im Sinne epidemiologischer Fragestellungen die individuellen Krankheitsverläufe sowie die vollständige anschließende Versorgung nach einem Schlaganfall, aber auch die Ursachen und Folgen, die ein Schlaganfall haben kann. Die Daten werden in Abständen von drei und 12 Monaten erhoben, danach jährlich bis zum Lebensende.
Noch mehr Vorteile für die Prävention, Diagnose und Behandlung von Schlaganfällen bieten die qualitativ hochwertigen Registerdaten, wenn sie mit künstlicher Intelligenz (KI) verbunden sind. In der die Analyse großer und strukturierter Datenmengen erkennen KI-Algorithmen unterschiedliche Muster, die Fachleute womöglich nicht so leicht erkennen können. „Dank KI lassen sich Risikofaktoren sowie gezielte Maßnahmen zur Verhinderung von Schlaganfällen identifizieren“, erläutert Prof. Dr. So wurden Registerdaten erstmals im Bereich des sogenannten Maschinellen Lernens eingesetzt - im Rahmen eines Projektes mit Siemens Healthineers. Das Erlanger Schlaganfall-Register trägt wesentlich zur Verbesserung der Versorgungssituation rund um die Volkskrankheit Schlaganfall bei.