Familienorientierte Reha Neurologie Konzepte: Ein umfassender Überblick

Die familienorientierte Rehabilitation in der Neurologie stellt einen ganzheitlichen Ansatz dar, der die Familie als zentralen Bestandteil des Rehabilitationsprozesses betrachtet. Dieser Ansatz gewinnt zunehmend an Bedeutung, da er die komplexen Wechselwirkungen zwischen dem Patienten, seiner Erkrankung und seinem sozialen Umfeld berücksichtigt. In diesem Artikel werden die Grundlagen, Konzepte und spezifischen Aspekte der familienorientierten Reha in der Neurologie detailliert beleuchtet.

Einführung in die familienorientierte Rehabilitation

Die familienorientierte Rehabilitation (FOR) ist ein Ansatz, der die Familie als System in den Rehabilitationsprozess einbezieht. Sie berücksichtigt, dass eine Erkrankung oder Behinderung eines Familienmitglieds Auswirkungen auf alle anderen Mitglieder hat. Ziel ist es, die Familie als Ressource zu nutzen und ihre Kompetenzen zu stärken, um den Rehabilitationserfolg nachhaltig zu sichern.

Grundlagen der familienorientierten Rehabilitation

Die familienorientierte Rehabilitation basiert auf mehreren Grundprinzipien:

  • Systemischer Ansatz: Die Familie wird als ein System betrachtet, in dem jedes Mitglied взаимосвязано ist und sich gegenseitig beeinflusst.
  • Ressourcenorientierung: Die Stärken und Ressourcen der Familie werden genutzt, um die Rehabilitation zu fördern.
  • Partizipation: Alle Familienmitglieder werden aktiv in den Rehabilitationsprozess einbezogen.
  • Individualisierung: Die Rehabilitationsmaßnahmen werden an die individuellen Bedürfnisse der Familie angepasst.

Bedeutung der Familie in der neurologischen Rehabilitation

In der neurologischen Rehabilitation spielt die Familie eine besonders wichtige Rolle. Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder Multiple Sklerose können erhebliche Auswirkungen auf die körperlichen, kognitiven und emotionalen Funktionen des Patienten haben. Dies führt oft zu Veränderungen im Familienleben, die eine Anpassung und Unterstützung durch die Familie erfordern.

Die Familie kann den Patienten motivieren, unterstützen und ihm helfen, seine Ziele zu erreichen. Sie kann auch dazu beitragen, dass der Patient seine Lebensqualität verbessert und seine soziale Integration wiedererlangt.

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Konzepte der familienorientierten Reha in der Neurologie

Es gibt verschiedene Konzepte der familienorientierten Reha in der Neurologie, die sich in ihren Schwerpunkten und Methoden unterscheiden. Einige der wichtigsten Konzepte werden im Folgenden vorgestellt.

Familienorientierte Kinderrehabilitation

Die familienorientierte Kinderrehabilitation (FoRe) ist eine spezielle Form der Rehabilitation, die sich an Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen richtet. Ziel ist es, die Kinder und ihre Familien in ihrem Alltag zu unterstützen und ihnen zu helfen, mit der Erkrankung besser umzugehen.

Die FoRe umfasst in der Regel folgende Leistungen:

  • Medizinische Rehabilitation: Behandlung der Grunderkrankung und ihrer Folgen
  • Psychologische Unterstützung: Beratung und Therapie für Kinder und Eltern
  • Pädagogische Förderung: Unterstützung bei schulischen Problemen
  • Sozialberatung: Beratung zu sozialrechtlichen Fragen und Hilfsangeboten

Ein wichtiger Aspekt der FoRe ist die Einbeziehung der Eltern in die Therapie. Sie werden über die Erkrankung ihres Kindes aufgeklärt, lernen, wie sie ihr Kind unterstützen können, und erhalten die Möglichkeit, sich mit anderen Eltern auszutauschen.

Die familienorientierte Rehabilitation umfasst Leistungen zur medizinischen Rehabilitation für ein schwerst chronisch krankes Kind (Mukoviszidose, Zustand nach Operation am Herzen oder nach Organtransplantation). Die Eltern beziehungsweise Erziehungsberechtigten und/oder Geschwister begleiten das Kind dabei. Die Angehörigen werden in die Therapie einbezogen, weil die Erkrankung des Kindes auch Auswirkungen auf sie hat. Die familienorientierte Rehabilitation ist eine Form der Kinderrehabilitation. Maßgebend ist, dass die Mitaufnahme der Familienangehörigen eine notwendige Voraussetzung für den Rehabilitationserfolg des erkrankten Kindes ist. Eine eigene Rehabilitationsbedürftigkeit der Angehörigen ist nicht erforderlich. Versicherte können eine familienorientierte Rehabilitation sowohl bei der Krankenkasse als auch beim Rentenversicherungsträger beantragen. Die Leistung kann in der Regel nur ein Mal nach der Erstdiagnose verordnet werden. Eine Wiederholung kann bei Rezidiverkrankungen in Betracht kommen. Die Maßnahmen und Behandlungen finden ausschließlich in stationären Rehabilitationseinrichtungen statt. Für die versorgenden Einrichtungen gelten daher die gleichen Zulassungs- und Qualitätsanforderungen wie bei der stationären Rehabilitation.

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Neurologische Frührehabilitation

Die neurologische Frührehabilitation ist ein wichtiger Bestandteil der Versorgung von Patienten nach schweren neurologischen Ereignissen wie Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma. Ziel ist es, die Patienten möglichst frühzeitig nach dem Akutereignis zu mobilisieren und ihre Funktionen wiederherzustellen.

In der neurologischen Frührehabilitation spielt die Familie eine wichtige Rolle. Sie kann den Patienten motivieren, unterstützen und ihm helfen, seine Ziele zu erreichen. Sie kann auch dazu beitragen, dass der Patient seine Lebensqualität verbessert und seine soziale Integration wiedererlangt.

Um eine neurologische Frührehabilitation antreten zu können, sollten die Patient:innen folgende Voraussetzungen mitbringen:

  • Keine kontinuierliche Analgosedierung
  • Kreislaufstabilität (keine Katecholaminpflichtigkeit)
  • Spontanatmung (keine maschinelle Beatmung bzw. Reduktion der Beatmungsentwöhnung)

Betroffene, die weitgehend pflegeabhängig sind, müssen möglichst frühzeitig nach der Akutphase ihrer neurologischen Erkrankung oder ihres neurologischen Traumas behandelt werden.

Die Neuropsychologie ist ein wichtiger Bestandteil der neurologischen Frührehabilitation. Sie beschäftigt sich mit den Folgen von Hirnschädigungen auf die kognitiven Funktionen, das Verhalten und die Emotionen des Patienten. Neuropsycholog:innen können solche Veränderungen der kognitiven Leistungen mit speziellen Tests messen und einschätzen.

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Parkinson-Komplexbehandlung

Die Parkinson-Komplexbehandlung ist ein spezielles Behandlungskonzept für Patienten mit fortgeschrittener Parkinson-Erkrankung. Ziel ist es, die Symptome der Erkrankung zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Das stationäre Behandlungskonzept kombiniert eine intensive physiotherapeutische, logopädische und ergotherapeutische Behandlung sowie neuropsychologische Therapie mit einer Optimierung der Parkinson-Medikation. Da Morbus Parkinson vordergründig durch Bewegungsstörungen wie Steifigkeit, Verlangsamung, Gangunsicherheit oder Zittern gekennzeichnet ist, ist diese Momentaufnahme sehr wichtig, um das individuell passgenaue Behandlungskonzept ausarbeiten zu können. Zudem arbeiten in diesem Bereich speziell ausgebildete Pflegefachkräfte. Der intensivierte interdisziplinäre Behandlungsansatz ermöglicht täglich über 1,5 Stunden Therapie, sodass die Patient:innen wöchentlich von mindestens 7,5 Stunden Therapie profitieren. Davon sind mindestens fünf Stunden mit therapeutischen Einzelangeboten vorgesehen. Innerhalb dieser Behandlungsfrequenzen können unterschiedliche Schwerpunkte maßgeblich sein.

Patient:innen, die zur Zielgruppe gehören, benötigen eine stationäre Einweisung der Haus- bzw. Fachärzt:innen. Alle Betroffenen werden vor einer stationären Aufnahme zunächst erst einmal ambulant dahingehend neurologisch untersucht, ob die Kriterien für eine Parkinson-Komplexbehandlung zutreffen.

Spezifische Aspekte der familienorientierten Reha

Die familienorientierte Reha in der Neurologie berücksichtigt eine Vielzahl von spezifischen Aspekten, die auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten und ihrer Familien zugeschnitten sind.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Ein wesentlicher Bestandteil der familienorientierten Reha ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen. Ärztinnen/Ärzte, Psychologinnen/Psychologen, Pädagoginnen/Pädagogen, Therapeutinnen/Therapeuten und viele mehr arbeiten Hand in Hand, um eine ganzheitliche und individuelle Rehabilitation zu gewährleisten.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht es, die verschiedenen Aspekte der Erkrankung und ihre Auswirkungen auf die Familie zu berücksichtigen. Sie trägt dazu bei, dass die Rehabilitationsmaßnahmen optimal aufeinander abgestimmt sind und die Familie bestmöglich unterstützt wird.

Berücksichtigung der ICF-Kriterien

Die ICF-Kriterien (International Classification of Functioning, Disability and Health) sind eine von der WHO (= Weltgesundheitsorganisation) erstellte und herausgegebene Klassifikation zur Beschreibung des funktionalen Gesundheitszustandes, der Behinderung, der sozialen Beeinträchtigung sowie der relevanten Umweltfaktoren von Menschen.

In der familienorientierten Reha werden die ICF-Kriterien genutzt, um die individuellen Bedürfnisse des Patienten und seiner Familie zu erfassen und die Rehabilitationsziele entsprechend festzulegen. Die ICF-Kriterien ermöglichen eine umfassende Betrachtung der verschiedenen Aspekte der Erkrankung und ihrer Auswirkungen auf das Leben des Patienten und seiner Familie.

Schulische und berufliche Reintegration

Ein wichtiges Ziel der familienorientierten Reha ist die schulische und berufliche Reintegration des Patienten. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit mit Schulen, Arbeitgebern und anderen relevanten Institutionen.

Die Reha-Einrichtungen bieten in der Regel spezielle Programme zur Unterstützung der schulischen und beruflichen Reintegration an. Diese Programme umfassen beispielsweise:

  • Beratung und Unterstützung bei der Schulwahl oder Berufswahl
  • Vermittlung von Kontakten zu Schulen und Arbeitgebern
  • Unterstützung bei der Anpassung des Arbeitsplatzes
  • Training von Fähigkeiten, die für die Schule oder den Beruf relevant sind

Angebote für Familien

Die familienorientierte Reha umfasst eine Vielzahl von Angeboten für Familien, die darauf abzielen, die Familie zu unterstützen und ihre Kompetenzen zu stärken. Zu diesen Angeboten gehören beispielsweise:

  • Elterngespräche und -beratung
  • Familientherapie
  • Elternschulungen
  • Selbsthilfegruppen
  • Freizeitangebote für Familien

Die Angebote für Familien tragen dazu bei, dass die Familie mit der Erkrankung besser umgehen kann und ihre Lebensqualität verbessert.

Qualitätssicherung und -anforderungen

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) sorgt dafür, dass die fachlich und regional erforderlichen Rehabilitationseinrichtungen in ausreichender Zahl und Qualität zur Verfügung stehen. Hierfür stellen sie Anforderungen, die sich z. B. Die Strukturqualität formuliert Voraussetzungen für eine individuelle und umfassende Rehabilitation. Die Anforderungen beziehen sich auf die räumliche, medizinisch-technische und personelle Ausstattung sowie strukturnahe Prozessmerkmale.

Die Deutsche Rentenversicherung hat Anforderungen an das Medizinische Konzept einer Reha-Einrichtung formuliert. Im ärztlichen Konzept werden von der Einrichtung bzw. der jeweiligen Fachabteilung neben allgemeinen Daten strukturelle Angaben zur räumlichen, medizinisch-technischen und personellen Ausstattung erwartet. Die Deutsche Rentenversicherung stellt hier ein abgestimmtes Manual zur Erstellung eines Medizinische Konzeptes einer Reha-Einrichtung zur Verfügung.

Die Leistungen der medizinischen Rehabilitation basieren auf reha-medizinischen Konzepten, in denen unter anderem die notwendigen Rahmenbedingungen und die konzeptionellen Grundlagen dargelegt werden. Rahmenkonzepte beschreiben indikationsübergreifend die Erwartungen der Deutschen Rentenversicherung an die Rehabilitationseinrichtungen. Neben dem Rahmenkonzept zur medizinischen Rehabilitation finden Sie hier u. a.

Die Klassifikation therapeutischer Leistungen (KTL) für die medizinische Rehabilitation wird eingesetzt, um das therapeutische Leistungsspektrum der Reha-Einrichtungen zu dokumentieren, zu analysieren und zu bewerten. Die KTL gilt sowohl für die stationäre als auch für die ganztägig ambulante medizinische Rehabilitation von Erwachsenen sowie die stationäre Rehabilitation von Jugendlichen und Kindern.

Reha-Therapiestandards (RTS) beschreiben Anforderungen an die medizinische Rehabilitation bei wichtigen Krankheitsgruppen. Sie dienen der Evidenzbasierung und formulieren Anforderungen an Umfang, Häufigkeit und Mindestanteil entsprechend zu behandelnder Rehabilitanden für alle relevanten Therapiebereiche. Als ein Bestandteil der Reha-Qualitätssicherung wird die Erfüllung dieser Anforderungen über die KTL überprüft und jährlich an die Reha-Einrichtungen und die Rentenversicherungsträger zurückgemeldet. Alle stationären Rehabilitationseinrichtungen müssen nach einem Verfahren, das von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e.V.

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