Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der schnelles Handeln erfordert. Jede Minute zählt, da bei einem plötzlichen Verschluss eines Hirnblutgefäßes pro Minute circa 1,9 Millionen Nervenzellen absterben. Das entspricht einem Alterungsprozess des Gehirns von 3,6 Jahren pro Stunde. Mit der FAST-Regel können Sie die Anzeichen eines Schlaganfalls erkennen und sofort den Notruf 112 wählen.
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall, auch Apoplex genannt, ist eine plötzliche Störung der Blutversorgung des Gehirns. In beiden Fällen werden die Nervenzellen im Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und sterben innerhalb kürzester Zeit ab. Ein Blutgerinnsel (Thrombus) kann ein Blutgefäß im Gehirn verstopfen und einen solchen Schlaganfall auslösen. Die Ursache für einen Schlaganfall kann entweder ein verstopftes Gefäß im Gehirn, ein sogenannter Hirninfarkt, oder in selteneren Fällen auch eine gerissene Hirnarterie sein, die eine Hirnblutung verursacht.
In Deutschland erleiden jährlich etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Das sind rund 740 Fälle pro Tag. Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache und verursacht die meisten nicht-unfallbedingten dauerhaften Behinderungen im Erwachsenenalter. Laut einer Studie mit umfangreichen epidemiologischen Schätzungen zum Schlaganfallgeschehen auf Basis der Abrechnungsdaten der AOK Niedersachsen liegt die Schlaganfallinzidenz bei 292 Fällen pro 100.000 Einwohner.
Fortschritte in der Schlaganfallbehandlung
Dank intensiver Forschung und stetiger Verbesserung der Versorgungsstrukturen konnten in den vergangenen Jahren große Fortschritte in der Behandlung erzielt werden. Bis Mitte der 1990er Jahre war ein Schlaganfall ein schicksalhaftes Ereignis. Mitte der 1990er trat dann eine durchgreifende Änderung ein. Die erste positive Thrombolysestudie mit Alteplase beim akuten ischämischen Schlaganfall wurde 1995 veröffentlicht (NINDS-Studie). Die Lysestudien der 1990er Jahre waren die Basis für die heutige Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls. Dabei kommt die systemische Thrombolyse zum Einsatz. Das optimale Zeitfenster liegt innerhalb der ersten 4,5 Stunden, in Einzelfällen ist eine Ausdehnung auf bis zu 9 Stunden möglich.
Da klar war, dass bei einem Schlaganfall jede Minute zählt, wurden vor allen Dingen die zeitlichen Abläufe verbessert. Stroke-Units sind spezialisierte Abteilungen in Krankenhäusern zur Behandlung von Schlaganfallpatienten. Hier arbeiten Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten verschiedener Fachrichtungen eng zusammen, sodass die Diagnostik innerhalb kürzester Zeit abgeschlossen und die Behandlung begonnen werden kann. Das Sterberisiko reduziert sich demnach signifikant durch die spezialisierte Versorgung in einer Stroke-Unit.
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Bei einer Thrombolyse innerhalb von 90 Minuten nach Symptombeginn haben 50 % der Patienten nach 3 Monaten keine oder nur geringe Behinderungen. Eine Thrombektomie ist bis zu 6 Stunden nach Symptombeginn sinnvoll. Danach nimmt der Nutzen deutlich ab.
Die FAST-Regel: Schlaganfall schnell erkennen
Um Betroffene zu retten und effektiv zu behandeln sind die Kenntnisse der Symptome der Erkrankung und eine schnelle Reaktion wichtig. Die Abkürzung FAST steht für:
- Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Achten Sie darauf, ob das Gesicht Ihres Angehörigen plötzlich schief wirkt. Verzieht sich das Gesicht einseitig, deutet das auf eine Gesichtslähmung hin. Hängt ein Mundwinkel herab, deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin.
- Arms (Arme): Bitten Sie die Person, beide Arme zu heben und nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Wenn ein Arm absinkt, seitlich wegdreht oder nicht mitbewegt wird, liegt möglicherweise eine halbseitige Lähmung vor. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, ein Arm sinkt oder dreht sich. Bei einer einseitigen Lähmung kann ein Arm diese Bewegung nicht oder nur verzögert ausführen.
- Speech (Sprache): Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen. Sagen Sie Ihrem Angehörigen dafür einen Satz vor, den er nachsprechen soll, etwa: „Heute freue ich mich auf das Mittagessen“. Wenn Ihr Familienmitglied Mühe damit hat, die Sprache beispielsweise verwaschen oder abgehackt klingt, kann das ein Anzeichen für einen Schlaganfall sein. Gelingt dies nicht oder nur undeutlich, ist das als Warnsignal zu werten.
- Time (Zeit): Ab jetzt zählt jede Minute! Zögern Sie nicht und rufen Sie sofort den Notruf 112. Beim Schlaganfall zählt jede Minute, um bleibende Schäden zu verhindern.
Was: „Medizinischer Notfall“: „Verdacht auf Schlaganfall - FAST-Sequenz positiv“ evtl. Meldekette bis zur Straße aufbauen, falls genügend Personen anwesend sind, z. B.
Symptome eines Schlaganfalls im Überblick
Zu den wichtigsten Symptomen, an denen sich ein Schlaganfall erkennen lässt, zählen:
- Plötzlich auftretende einseitige Lähmung und Taubheitsgefühle in Arm, Bein oder Gesicht
- Sehstörungen wie verschwommenes, doppeltes oder eingeschränktes Sehen
- Sprach- und Sprachverständnisstörungen
- Schluckstörungen
- Gleichgewichtsstörungen, Schwindel und Gangunsicherheiten
- Plötzlich einsetzende, extreme Kopfschmerzen, die zum Teil mit Übelkeit einhergehen
Schlaganfall bei Frauen: Symptome können anders ausfallen
Auch ein Schlaganfall kann sich bei Frauen anders äußern. So kann Ihre Angehörige zwar typische Schlaganfall-Anzeichen entwickeln, daneben aber auch unspezifische Beschwerden. Ihr Familienmitglied kann etwa über Schmerzen im Kopf, in den Gliedern und Gelenken klagen. Auch Übelkeit, Verwirrtheit oder Schluckstörungen können mit einem Schlaganfall zusammenhängen. Das Gleiche gilt für eine Ohnmacht, für Krämpfe, eine Harninkontinenz oder Kurzatmigkeit.
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Symptome vom Schlaganfall im Auge
Losgelöst vom klassischen Schlaganfall kann es auch zu einem retinalen Venenverschluss, einem Schlaganfall im Auge, kommen. Im Auge verschließt sich die eine Vene, die das arterielle Blut aus dem Auge hinaus schleust. Dadurch kann das Blut nicht mehr abfließen, die Netzhaut verdickt sich. Die Symptome vom Schlaganfall im Auge ergeben sich langsam oder urplötzlich. Betroffene geben dabei an, wie einen Schleier vor dem Auge zu haben.
Richtiges Verhalten bei Verdacht auf Schlaganfall
Beim Verdacht auf einen Schlaganfall ist es wichtig, sofort die 112 anzurufen und die Vermutung gegenüber dem Mitarbeiter der Leitstelle zu äußern. Wenn Sie einen Schlaganfall vermuten, sollten Sie zunächst Ruhe bewahren. Sind Sie hektisch und aufgelöst, kann auch Ihr Familienmitglied leicht in Panik geraten. Verständigen Sie sofort den Notruf, nutzen Sie keine Fahrdienste oder den Umweg über den Hausarzt - nur der Rettungsdienst kann eine rasche Versorgung sicherstellen.
Bis zum Eintreffen des Rettungsdiensts können Sie der betroffenen Person mit geeigneten Erste-Hilfe-Maßnahmen helfen:
- Lassen Sie den Betroffenen nach Möglichkeit nicht allein.
- Beruhigen Sie ihn und signalisieren Sie, dass Hilfe unterwegs ist. Sprechen Sie ruhig mit Ihrem Familienmitglied und suchen Sie den Körperkontakt, halten Sie etwa die Hand.
- Lockern Sie beengende Kleidung.
- Bringen Sie den Betroffenen bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage. Der Oberkörper des Betroffenen sollte bei Bewusstlosigkeit nicht erhöht werden. Eine Erhöhung des Oberkörpers ist nur bei wachen Patienten zu empfehlen. Die stabile Seitenlage hält die Atemwege frei.
- Geben Sie Ihrem Angehörigen nichts zu essen oder zu trinken, er könne sich daran verschlucken.
- Notieren Sie sich zudem die Symptome und ihren Beginn - damit erleichtern Sie die Arbeit des Notarztes bzw.
Risikofaktoren und Vorbeugung
Die Auslöser für einen Schlaganfall können vielschichtig sein, eine ganze Reihe von Risikofaktoren sind inzwischen bekannt. Dazu zählen Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, Stress, Diabetes, Alkohol oder Störungen des Fettstoffwechsels, die alle die Elastizität der Gefäße negativ beeinflussen. Viele dieser Faktoren sind grundsätzlich vermeidbar bzw. beeinflussbar, oft kommen allerdings mehrere zusammen. Eine Veränderung des persönlichen Lebensstils und der achtsame Umgang mit sich selbst senken deshalb das Risiko deutlich, einen Schlaganfall zu erleiden.
Zu den häufigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für einen Schlaganfall zählen Bluthochdruck, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Fettstoffwechselstörungen und Herzerkrankungen.
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Online-Test der Deutschen Schlaganfall-Hilfe: Schlaganfälle sind vermeidbar, wenn man die Risikofaktoren im Blick behält. Eine erste Information bietet der Risikotest der Deutschen Schlaganfall-Hilfe. Online kann man das eigene Risikoprofil ermitteln. Der Nutzer beantwortet Fragen nach Alter, Größe, Gewicht, Geschlecht, Lebensgewohnheiten und Vorerkrankungen. Die Angabe von Blutzucker- und Cholesterin-Werten macht den Test noch treffsicherer. Es geht aber auch ohne diese Angaben.
Schlaganfall-Apps
Schlaganfall-Apps helfen, Risiken zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln.
- FAST Schlaganfallerkennung: Die kostenlose App „FAST Schlaganfallerkennung“ hilft im Notfall einen Schlaganfall zu erkennen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das Wort FAST (schnell) steht für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit). Denn im Ernstfall zählt jede Sekunde. Die App kann im Google Play Store und im Apple Store heruntergeladen werden.
- Herzrhytmus: Schlaganfälle werden häufig durch Herzkrankheiten verursacht. So erhöht Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko außerordentlich. Deshalb helfen die Apps zur Überwachung der Herzfunktionen gleichzeitig, Schlaganfälle zu vermeiden.
- RecoverBrain: App zur Schlaganfall-Nachsorge: Die RecoverBrain App hilft Menschen nach einem Schlaganfall, bei einer Aphasie oder bei Demenz und Alzheimer. Die App bietet sieben Schulungsmodule in unterschiedlichen kognitiven Bereichen. Dazu zählen Sprachverständnis, Verstehen komplexer Sätze, Verständnis von Grammatik, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Exekutivfunktion, Gesichtsfeld, Aufmerksamkeit für Details und Arbeitsgedächtnis. Der Schwierigkeitsgrad des kognitiven Trainings passt sich in allen Rehabilitationsphasen an die Bedürfnisse des Users an.
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