Ein fibrilläres Astrozytom Grad 2 ist ein Hirntumor, der von den Astrozyten ausgeht, einer Art von Gliazellen, die das Stützgewebe des Nervensystems bilden. Diese Tumoren werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als niedriggradig eingestuft, was bedeutet, dass sie langsam wachsen und weniger aggressiv sind als höhergradige Astrozytome. Dennoch ist es wichtig, sie zu erkennen und zu behandeln, da sie im Laufe der Zeit in aggressivere Formen übergehen können.
Was ist ein Astrozytom?
Bei einem Astrozytom handelt es sich um einen Hirntumor, der den Gliomen angehört und wie diese aus Stützgewebe des Nervensystems (Gliazellen) hervorgeht. Der Name "Astrozytom" geht auf die Astrozyten zurück, diejenigen Gliazellen, aus denen sich ein Astrozytom entwickelt. Diese Hirntumoren sind mit einem Anteil von über 60 Prozent die häufigste Form von Gliomen und zählen mit etwa 40 Prozent zu den bei Kindern im Alter von fünf bis neun Jahren am häufigsten diagnostizierten Hirntumoren.
Formen und Abstufungen von Astrozytomen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterteilt Astrozytome in verschiedene Formen und Schweregrade, die für die Behandlungsplanung und Prognose relevant sind:
Gutartige bis niedrigmaligne (wenig bösartige) Astrozytome:
- WHO-Grad 1: Pilozystisches Astrozytom
- WHO-Grad 2: Diffuses Astrozytom
Hochmaligne (bösartige) Astrozytome:
- WHO-Grad 3: Anaplastisches Astrozytom
- WHO-Grad 4: Glioblastom
Das Glioblastom ist die häufigste und aggressivste Form von Astrozytom.
Diffuses Astrozytom (WHO-Grad 2)
Das diffuse Astrozytom tritt vor allem bei Erwachsenen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf. Es findet sich meist im Marklager des Großhirns, der weißen Substanz, und wächst unregelmäßig in das benachbarte Gewebe ein. Allerdings vergrößert er sich ebenfalls nur langsam.
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Das diffuse Astrozytom gilt als eingeschränkt gutartig oder niedriggradig bösartig, obwohl es fast nie heilbar ist. Es ist möglich, dass es im Laufe der Zeit in den anaplastischen Typ oder in ein Glioblastom übergeht.
Ursachen
Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Astrozytoms sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen eine Rolle spielt. Ein gesicherter Risikofaktor sind ionisierende Strahlen. Menschen sind aber meistens nur im Rahmen einer Strahlentherapie schädigenden Strahlendosen ausgesetzt.
Außerdem tritt diese Form von Hirntumor bei bestimmten Grunderkrankungen gehäuft auf, die in der Regel vererbt wurden. Dazu gehören die Neurofibromatose vom Typ I (Morbus von Recklinghausen) und Typ II, die tuberöse Sklerose (Morbus Bournville-Pringle), das Li-Fraumeni-Syndrom und das Turcot-Syndrom. Diese Erkrankungen sind sehr selten und gehen meistens mit typischen Veränderungen der Haut einher.
Symptome
Welche Symptome ein Astrozytom verursacht, hängt von seiner genauen Lokalisation im Gehirn und seiner Größe ab. Schnell wachsende Tumoren verdrängen nicht nur einzelne Hirnstrukturen, sondern erhöhen zudem den Hirndruck. Dadurch haben Betroffene meist Kopfschmerzen und leiden unter Übelkeit und Erbrechen. Prinzipiell ruft ein Astrozytom ähnliche Symptome wie andere Hirntumoren hervor.
Die Anzeichen für ein Astrozytom gleichen großteils denen von anderen Hirntumoren wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Abgeschlagenheit und neurologische Störungen. Je nach Lage des Tumors sind Seh-, Bewegungs- und Hormonstörungen möglich. Letztere äußern sich u.a. durch Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen.
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Ein pilozystisches Astrozytom wächst häufig entlang der Sehbahn und verursacht Sehstörungen. Beschädigt es hingegen den Thalamus, treten meist hormonelle Störungen auf. Befindet sich der Tumor im Kleinhirn, kommt es zum Beispiel zu Koordinationsproblemen, einer veränderten Sprache und Händezittern.
Diagnose
Der richtige Ansprechpartner bei Verdacht auf ein Astrozytom ist der Neurologe. Er fragt den Betroffenen genau nach seinen Beschwerden, eventuellen Vor- und Grunderkrankungen sowie seinen Lebensumständen (Erhebung der Krankengeschichte, Anamnese). Im Anschluss leitet er die weiteren diagnostischen Schritte und Untersuchungen ein.
Neben der körperlichen Untersuchung erfolgt die Diagnose mithilfe von Ultraschall, Magnetresonanztomografie (MRT), Computertomografie (CT), Gewebeuntersuchungen (Biopsie) sowie Blut- und Hormonuntersuchungen.
Das wichtigste diagnostische Verfahren bei einem Astrozytom ist die Magnetresonanztomografie (MRT) - ein bildgebendes Verfahren, das mithilfe von Magnetfeldern und elektromagnetischen Wellen genaue Schnittbilder des Körperinneren erzeugt. Oft erhalten Betroffene vor der Untersuchung ein Kontrastmittel in eine Vene gespritzt. Astrozytome nehmen das Kontrastmittel unterschiedlich stark auf.
Im Bild entsteht dadurch ein leuchtendes Areal. Ein pilozystisches Astrozytom leuchtet stark und gleichmäßig auf, ein diffuses oder anaplastisches Astrozytom nimmt hingegen meistens kein oder wenig Kontrastmittel auf und erscheint eher dunkel. Ein Glioblastom formt mit Kontrastmittel eine charakteristische ringförmige Struktur.
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Wenn aus verschiedenen Gründen keine MRT möglich ist, setzt der Arzt alternativ eine Computertomografie (CT) an.
Bei einem Astrozytom vom WHO-Grad 2 oder höher entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe und untersucht diese im Labor. Im Einzelfall sind weitere Untersuchungen angezeigt. So entnimmt und analysiert der Arzt in manchen Fällen zusätzlich Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquordiagnostik) oder führt eine Messung der elektrischen Hirnströme (EEG) durch.
Insgesamt fallen bei einem Astrozytom die gleichen ärztlichen und apparativen Untersuchungen an wie bei anderen Hirntumoren.
Therapie
Generell lässt sich diese Form von Hirntumor operieren, bestrahlen und mit speziellen Medikamenten (Chemotherapeutika) behandeln. Liegt ein pilozystisches Astrozytom vor, genügt meist eine Operation. Weitere Behandlungsoptionen kommen nur dann zum Einsatz, wenn es nicht möglich ist, den Tumor vollständig zu entfernen. Ein diffuses Astrozytom hingegen lässt sich fast nie durch eine Operation vollständig entfernen. Beginnen zurückgebliebene Tumorreste wieder zu wachsen, ist es oft erforderlich, den Tumor zu bestrahlen.
Die Therapie der Wahl besteht in der operativen Tumorentfernung. Nur bei inoperablem Rezidiv wird bestrahlt. Bei primär inoperablen Tumoren kommt eine lokale interstitielle Bestrahlung in Frage (Seed-Implantation = Brachytherapie).
Bei umschriebenen Tumoren kommt mitunter eine Brachytherapie infrage. Dazu pflanzt der Arzt kleine radioaktive Körnchen (Seeds) in die betroffene Körperregion ein. Der Vorteil dieser Bestrahlungsform ist, dass sie den Tumor sehr gezielt trifft und weniger gesundes Gewebe schädigt.
Vergrößert sich das Astrozytom unter einer Bestrahlung weiter, kommt eine Chemotherapie in Betracht. Bei einem anaplastischen Astrozytom bestrahlt der Arzt das Tumorgewebe meistens nach einer Operation sofort oder wendet Chemotherapeutika an.
Neben diesen Therapiemaßnahmen gibt es zahlreiche weitere Behandlungsmaßnahmen, die zwar nicht den Tumor selbst, aber die Symptome bekämpfen. So verabreichen Ärzte beispielsweise verschiedene Medikamente gegen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Außerdem gehört meist eine professionelle Psychotherapie zum Behandlungsplan. Einige Betroffene nehmen eine Seelsorge in Anspruch.
Krankheitsverlauf und Prognose
Krankheitsverlauf und Prognose hängen im Wesentlichen von der konkrete Form des Astrozytoms ab.
Ein pilozystisches Astrozytom ist bei einer vollständigen operativen Entfernung langfristig heilbar. Liegt der Tumor in der Nähe von wichtigen Hirnstrukturen wie beispielsweise der Sehbahn, ist nicht immer eine Operation möglich. Die Prognose einer alternativ durchgeführten Strahlen- oder Chemotherapie ist etwas schlechter. Insgesamt leben fünf Jahre nach der Diagnose aber noch 94 Prozent aller Betroffenen mit diesem Tumortyp.
Im Unterschied dazu hat ein Astrozytom mit WHO-Grad 2 oder 3 eine deutlich schlechtere Prognose. Zweit- und drittgradige Astrozytome sind zwar meistens operabel, kehren aber oft wieder zurück (Rezidive). In einigen Fällen entarten Tumoren beider Formen bösartig und gehen in ein Glioblastom (WHO-Grad 4) über. Dieses hat die schlechteste Prognose: Fünf Jahre nach der Diagnose leben nur noch fünf Prozent der Betroffenen.
Dank guter unterstützender therapeutischer Maßnahmen hat sich die Lebensqualität von Erkrankten mit einem Astrozytom verbessert.
Vorbeugung
Da die Ursachen bislang nicht eindeutig geklärt sind, gibt es keine gesicherten Maßnahmen, mit denen sich ein Astrozytom vorbeugen lässt. Mediziner empfehlen, dass Personen, die Risikogruppen angehören, möglichst regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Gibt es beispielsweise bei mehreren Personen in der Familie eine risikosteigernde Erbkrankheit, lassen sich so Anzeichen für einen Hirntumor frühzeitig ausmachen und eine gegebenenfalls notwendige Behandlung einleiten.
Hirntumore im Allgemeinen
Hirntumore sind abnormale Gewebewucherungen im Gehirn oder in den umgebenden Strukturen. Sie können gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein und unterscheiden sich in ihrer Wachstumsrate, Aggressivität und Prognose.
Einteilung von Hirntumoren
Nach Ursprung:
- Primäre Hirntumore: Entstehen direkt im Gehirn oder in den Hirnhäuten. Beispiele: Gliome (häufigster primärer Hirntumor), Astrozytome (z. B. Glioblastom, Grad IV), Oligodendrogliome, Ependymome, Meningeome (Tumore der Hirnhäute, meist gutartig), Medulloblastome (häufig bei Kindern, maligne), Schwannome (Tumore der Nervenscheiden, z. B. Akustikusneurinom).
- Sekundäre Hirntumore (Metastasen): Entstehen durch Absiedlung von Tumoren aus anderen Körperregionen (z. B. Lunge, Brust, Haut). Häufig bösartig.
Nach Wachstumsverhalten (WHO-Klassifikation):
- Grad I: Langsames Wachstum, meist gutartig (z. B. pilozytisches Astrozytom).
- Grad II: Langsames Wachstum, potenziell entartend.
- Grad III: Maligne, schnell wachsend (z. B. anaplastisches Astrozytom).
- Grad IV: Hochgradig bösartig (z. B. Glioblastom).
Symptome von Hirntumoren
Die Symptome hängen von der Tumorgröße, -lage und -art ab:
- Allgemeine Symptome (durch erhöhten Hirndruck): Kopfschmerzen (oft morgens verstärkt), Übelkeit und Erbrechen, Bewusstseinsstörungen, Papillenödem (Schwellung des Sehnervs).
- Fokale neurologische Symptome: Lähmungen oder Schwächen, Sprachstörungen, Sehstörungen (z. B. Gesichtsfeldausfälle), Epileptische Anfälle, Gedächtnis- oder Persönlichkeitsveränderungen.
- Hormonelle Symptome (bei Tumoren der Hypophyse): Hormonelle Dysbalancen (z. B. Akromegalie, Cushing-Syndrom).
Diagnostik von Hirntumoren
Bildgebende Verfahren:
- MRT: Goldstandard, liefert detaillierte Bilder von Tumorgröße und Lage.
- CT: Schnell, hilfreich bei Notfällen (z. B. Blutungen).
- PET-Scan: Bestimmung der Tumoraktivität.
Gewebeentnahme (Biopsie): Oft mittels stereotaktischer Biopsie zur genauen Diagnose.
Neurologische Untersuchung: Prüfung von Reflexen, Koordination und kognitiven Funktionen.
Molekulare Diagnostik: Genetische Tests (z. B. IDH-Mutationen, MGMT-Promoter-Methylierung) für Prognose und Therapieplanung.
Therapie von Hirntumoren
Die Therapie von Hirntumoren richtet sich nach Typ, Lokalisation, sowie Ausdehnung des Prozesses. Nach Möglichkeit wird eine operative Behandlung, mit dem Ziel eine maximale Entfernung des Tumors bei Erhalt der neurologischen Funktionen, angestrebt. Dabei werden moderne Techniken, inkl. introperative Bildgebung und Wacheingriffe angewandt. Bei tief oder eloquent gelegenen Tumoren soll primär eine feingewebliche Diagnostik erfolgen. Die Proben aus dem Tumor werden dafür im Rahmen einer stereotaktischen Biopsie entnommen und in der Abt. für Neuropathologie untersucht.
Bei nachgewiesener Bösartigkeit des Tumors werden folgende Nachbehandlungen initiiert:
- Strahlentherapie: Standard bei malignen Tumoren oder nach unvollständiger Resektion. Technologien: z. B. Protonentherapie, stereotaktische Bestrahlung (Gamma Knife).
- Chemotherapie: Einsatz bei malignen Tumoren (z. B. Temozolomid bei Glioblastomen). Oft in Kombination mit Bestrahlung.
- Immuntherapie/Targeted Therapy: Einsatz von spezifischen Medikamenten, die Tumorzellen angreifen (z. B. Bevacizumab bei Glioblastomen).
- Palliative Therapie: Symptomlinderung bei nicht heilbaren Tumoren (Schmerztherapie, Entzündungshemmer).
Prognose von Hirntumoren
Die Prognose hängt von mehreren Faktoren ab:
- Tumorart und -grad (z. B. Glioblastom hat eine schlechte Prognose, während Meningeome oft gut behandelbar sind).
- Lage des Tumors.
- Alter und Allgemeinzustand des Patienten.
- Molekulare und genetische Marker.
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