Fibromyalgie und Ellbogenschmerzen: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Fibromyalgie, auch Faser-Muskel-Schmerz genannt, ist eine chronische Schmerzerkrankung, die durch weit verbreitete Schmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen und andere Symptome gekennzeichnet ist. Obwohl die genauen Ursachen der Fibromyalgie noch nicht vollständig geklärt sind, geht man davon aus, dass eine Kombination aus genetischen, psychologischen und umweltbedingten Faktoren eine Rolle spielt. Ellbogenschmerzen können ein Symptom der Fibromyalgie sein, aber auch andere Ursachen haben. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Fibromyalgie und Ellbogenschmerzen, die möglichen Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze.

Was ist Fibromyalgie?

Fibromyalgie (FMS) ist eine chronische Schmerzerkrankung, die nicht heilbar ist und vor allem Frauen betrifft. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie leiden in Deutschland etwa 1,5 Millionen Erwachsene an Fibromyalgie. Frauen sind demnach bis zu achtmal häufiger betroffen als Männer. Fibromyalgie bedeutet übersetzt Faser-Muskel-Schmerz. Die Schmerzen treten hauptsächlich in Muskeln und in der Nähe von Gelenken auf und können sich wie Muskelkater oder ein gezerrter Muskel anfühlen. Die Schmerzen können dauerhaft oder in Schüben im ganzen Körper auftreten.

Symptome der Fibromyalgie

Die Symptome einer Fibromyalgie sind unspezifisch und entwickeln sich meist über einen längeren Zeitraum. Die Diagnose ist komplex, und die Krankheit wird wegen der Vielzahl der Symptome und häufig unspezifischer Beschwerden oft sehr spät erkannt. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Chronische Schmerzen im ganzen Körper
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • Morgensteifigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Reizdarmsyndrom
  • Depressionen und Angstzustände

Die Schmerzen können phasenweise und in unterschiedlicher Intensität auftreten. Sie variieren abhängig von Wetter, Tageszeit, Stress und gerade ausgeübter Tätigkeit.

Ursachen der Fibromyalgie

Die Ursachen einer Fibromyalgie sind nicht komplett geklärt. Als mögliche Erklärung gilt eine herabgesetzte Schmerzschwelle bei Betroffenen, wodurch viel mehr Schmerzreize das Gehirn erreichen als bei gesunden Menschen. Untersuchungen haben gezeigt, dass viele Patienten veränderte Nervenfasern aufweisen. Dabei könnten genetische Veranlagungen eine Rolle spielen, denn es gibt Familien, in denen mehrere Fälle von Fibromyalgie bekannt sind. Fibromyalgie kann auch Folgeerkrankung einer Rheumatoiden Arthritis sein.

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Einige Faktoren, die das Auftreten einer Fibromyalgie begünstigen können, sind:

  1. Stress am Arbeitsplatz: Wer im Beruf besonders viel Stress erlebt, kann eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, eine Fibromyalgie zu entwickeln. Das Stress-Empfinden ist individuell.
  2. Psychisch belastende Erfahrungen: Psychisch belastende Erfahrungen bzw. Belastungen scheinen ebenfalls eine wichtige Rolle in der Entstehung von Fibromyalgie einzunehmen. In Umfragen zeigte sich, dass viele Betroffene von Fibromyalgie in ihrer Kindheit, Jugend oder im Erwachsenenalter körperliche Misshandlungen erlebt haben.
  3. Sexuelle Gewalt: Auch das Erleben sexueller Gewalt gilt als ein Risikofaktor für die Entstehung von Fibromyalgie. Dabei spielt keine Rolle, in welchem Alter diese erlebt wurde.
  4. Rheumatoide Arthritis: Nicht zuletzt besteht zwischen einer Fibromyalgie mit entzündlichen rheumatoiden Erkrankungen in Verbindung gebracht. So kann aus der rheumatoiden Arthritis als Sekundärerkrankung eine Fibromyalgie entstehen.
  5. Ungesunder Lebensstil: Ein ungesunder Lebensstil birgt vermutlich ebenfalls ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Fibromyalgie. Rauchen und Übergewicht und eine geringe körperliche Aktivität kann Symptome einer Fibromyalgie (Schmerzen in den Muskeln, Schlafstörungen und Müdigkeit) begünstigen.

Fibromyalgie und Ellbogenschmerzen

Mit zunehmender Zeit sind bei Fibromyalgie häufig fast alle Gelenke von Schmerzen betroffen: so beispielsweise Knie, Schultern und/oder Ellbogen. Eher selten sitzt der Schmerz bei Fibromyalgie in den Gelenken, sondern vielmehr in der näheren Umgebung.

Mögliche Ursachen für Ellbogenschmerzen bei Fibromyalgie

  • Generalisierte Schmerzempfindlichkeit: Fibromyalgie ist durch eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit im ganzen Körper gekennzeichnet. Dies kann dazu führen, dass auch normale Reize im Ellbogen als schmerzhaft wahrgenommen werden.
  • Muskelverspannungen: Fibromyalgie kann zu Muskelverspannungen im gesamten Körper führen, einschließlich der Muskeln um den Ellbogen. Diese Verspannungen können Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen.
  • Tender Points: Bei Fibromyalgie treten häufig Tender Points auf, das sind bestimmte Punkte am Körper, die bei Druck schmerzhaft sind. Einige dieser Tender Points befinden sich in der Nähe des Ellbogens.
  • Begleiterkrankungen: Fibromyalgie tritt häufig zusammen mit anderen Erkrankungen auf, die Ellbogenschmerzen verursachen können, wie z.B. Arthrose oder Arthritis.

Andere Ursachen für Ellbogenschmerzen

Es ist wichtig zu beachten, dass Ellbogenschmerzen auch andere Ursachen haben können, die nicht mit Fibromyalgie in Zusammenhang stehen. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Tennisarm (Epicondylitis lateralis): Eine Entzündung der Sehnenansätze an der Außenseite des Ellbogens, oft durch Überlastung verursacht.
  • Golferarm (Epicondylitis medialis): Eine Entzündung der Sehnenansätze an der Innenseite des Ellbogens, ebenfalls oft durch Überlastung verursacht.
  • Schleimbeutelentzündung (Bursitis): Eine Entzündung des Schleimbeutels im Ellbogen, oft durch wiederholte Belastung oder Verletzung verursacht.
  • Arthrose: Eine degenerative Gelenkerkrankung, die zu Schmerzen, Steifigkeit und Bewegungseinschränkungen führen kann.
  • Verletzungen: Verstauchungen, Zerrungen, Prellungen oder Brüche können Ellbogenschmerzen verursachen.
  • Nervenkompression: Eine Kompression eines Nervs im Ellbogenbereich, z.B. des Nervus ulnaris, kann zu Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühl führen.

Diagnose von Ellbogenschmerzen bei Fibromyalgie

Die Diagnose von Ellbogenschmerzen bei Fibromyalgie kann schwierig sein, da die Symptome unspezifisch sind und auch andere Ursachen haben können. Der Arzt wird in der Regel eine körperliche Untersuchung durchführen und die Krankengeschichte des Patienten erfragen. Um andere Ursachen auszuschließen, können bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen oder MRT eingesetzt werden.

Behandlung von Ellbogenschmerzen bei Fibromyalgie

Die Behandlung von Ellbogenschmerzen bei Fibromyalgie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Funktion zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen. Da Fibromyalgie nicht heilbar ist, konzentriert sich die Behandlung auf die Linderung der Symptome.

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Multimodaler Therapieansatz

Die Behandlung einer Fibromyalgie unterscheidet sich in der nationalen wissenschaftlichen Leitlinie zur Behandlung einer Fibromyalgie in zwei Schweregrade: Leichte und schwere Form einer Fibromyalgie:

Bei einer leichten Form wird regelmäßige Bewegung in Form eines leichten Ausdauertrainings empfohlen, eine aktive Pflege sozialer Kontakte, das Nachgehen von Freizeitaktivitäten und der Austausch mit einer vertrauten Person über das eigene Befinden mit der Erkrankung. Dies kann im Rahmen einer Psychotherapie erfolgen.

Bei einer schweren Form des Fibromyalgiesyndroms wird neben der regelmäßigen Bewegung, dem Wahrnehmen sozialer Kontakte, Ausleben von Hobbys und dem Austausch über die Erkrankung stark empfohlen, eine körperbezogene Therapie zu machen. Dies können beispielsweise Gymnastik, Yoga, Qigong, Tai-Chi, Kraftübungen und Dehnungen sein. Dazu kann zeitlich befristet eine Einnahme eines Medikaments erfolgen. Eine multimodale Therapie kann erfolgen, die beispielweise aus einer Kombination einer kognitiven Verhaltenstherapie und Ausdauertraining bestehen kann.

Ein multimodaler Therapieansatz, der verschiedene Behandlungsformen kombiniert, hat sich als besonders wirksam erwiesen. Zu den wichtigsten Therapiebausteinen gehören:

  • Bewegungstherapie: Gezielte Bewegung ist ein wichtiger Baustein der Behandlung. Vor allem leichtes Ausdauertraining hat sich als effektiv erwiesen. Auch die Bewegungseinheiten können Schmerzen verursachen. Wenn Betroffene dies akzeptieren und innere Widerstände überwinden, geht es ihnen anschließend meist besser. Empfohlen werden eigene Aktivitäten (Spazierengehen, Walking, Fahrradfahren, Tanzen oder Aquajogging), ein den eigenen Fähigkeiten angepasstes Ausdauertraining, Krafttraining in Maßen, Funktionstraining (Trocken- und Wassergymnastik), meditative Bewegungstherapie (Tai-Chi, Qigong, Yoga) und Entspannungsverfahren.
  • Physiotherapie: Physiotherapeutische Anwendungen haben in der Behandlung der Fibromyalgie den höchsten Stellenwert. Als besonders hilfreich erweisen sich kontinuierliche Bewegungsübungen, ein leichtes Herz-Kreislauf-Training und Massagen. Physiotherapeutische Übungen, die die Muskeln und Bänder dehnen und die Gelenke stabilisieren, wirken sich bei vielen Betroffenen ebenso positiv auf den Krankheitsverlauf aus. In Akutphasen der Krankheit können Massagen der betroffenen Region die Schmerzen lindern, vor allem dann, wenn begleitende Muskelverspannungen vorliegen.
  • Psychotherapie: Neben einer sanften Bewegungstherapie empfehlen Mediziner auch eine aktivierende Psychotherapie (kognitive Verhaltenstherapie), die die Schmerzwahrnehmung verändern soll. Unter Umständen kann eine mehrwöchige Therapie in einer psychosomatischen Klinik sinnvoll sein, die sich auf die Behandlung von Fibromyalgie spezialisiert hat. Auch teilstationäre Maßnahmen können helfen, wenn eine ambulante Therapie nicht ausreicht. Viele Patienten finden so wieder zurück in einen geregelten Alltag und können ihren Beruf weiter ausüben. Eine Psychotherapie kann Betroffenen helfen, ihr Leben trotz der Schmerzschübe erfüllend und Sinn bringend zu gestalten und neue Wege zu finden, mit der Krankheit umzugehen. Auch Selbsthilfegruppen, in denen sich Betroffene untereinander austauschen und Mut machen, erweisen sich als wichtiger Bestandteil der Therapie.
  • Medikamentöse Therapie: In Deutschland gibt es kein speziell für Fibromyalgie zugelassenes Medikament und auch keine medikamentöse Standardtherapie. Ärzte können niedrig dosierte Antidepressiva, zum Beispiel Amitriptylin, verschreiben, wenn eine Depression als Begleitsymptom vorliegt. Antidepressiva können für besseren Schlaf sorgen und Verspannungen lösen, mitunter lindern sie auch Schmerzen. Allerdings können Antidepressiva auch individuell ausgeprägte Nebenwirkungen haben. Nicht empfohlen werden reine Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Kortison-Präparate und Cannabinoide.
  • Entspannungsverfahren: Das Erlernen von Entspannungsverfahren ist ein wichtiger Baustein der Therapie bei Fibromyalgie. Ein entspannter Geist bringt entspannte Muskeln und eine bessere Schmerzverarbeitung. Entspannungsübungen wie etwa autogenes Training, Yoga, Meditation und progressive Muskelentspannung können das Schmerzempfinden ausgleichen und den gefühlten Schmerz so reduzieren.
  • Alternative Therapien: Darüber hinaus zeigen auch alternative Behandlungsmethoden Erfolg, so zum Beispiel Wärme- oder Kältetherapien in Saunen und Thermalbädern. Eine Akupunktur kann ebenfalls in die Behandlung einer Fibromyalgie integriert werden.

Spezifische Behandlungsansätze für Ellbogenschmerzen

Zusätzlich zu den oben genannten allgemeinen Behandlungsansätzen können bei Ellbogenschmerzen spezifische Maßnahmen ergriffen werden:

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  • Schmerzmittel: Bei akuten Schmerzen können Schmerzmittel wie Paracetamol oder NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) eingenommen werden.
  • Lokale Injektionen: In einigen Fällen kann der Arzt Kortikosteroide oder Lokalanästhetika in den Ellbogen injizieren, um die Schmerzen zu lindern.
  • Bandagen oder Schienen: Das Tragen einer Bandage oder Schiene kann den Ellbogen stabilisieren und die Schmerzen reduzieren.
  • Ergotherapie: Ein Ergotherapeut kann Übungen und Techniken vermitteln, um die Funktion des Ellbogens zu verbessern und die Belastung zu reduzieren.
  • Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Ellbogenschmerzen zu beheben, z.B. bei einer Nervenkompression oder einem Sehnenriss.

Was können Betroffene selbst tun?

Betroffene eines Fibromyalgiesyndroms neigen häufig dazu sich wenig zu bewegen. Generell wird für die Therapie einer Fibromyalgie eine Psychotherapie und eine Bewegungstherapie empfohlen, wie soziale Aktivitäten unterstützt. In manchen Fällen werden Medikamente zusätzlich, aber zeitlich begrenzt, eingesetzt. Linderung kann durch physikalische Therapien wie Massagen erreicht werden. Betroffene erhalten meist Schulungen, die Informationen über die Krankheit, Schmerzbewältigung und weitere Thematiken geben.

Neben den ärztlichen und therapeutischen Maßnahmen können Betroffene auch selbst einiges tun, um ihre Beschwerden zu lindern:

  • Stressmanagement: Stress kann die Symptome der Fibromyalgie verschlimmern. Daher ist es wichtig, Stress abzubauen und Entspannungstechniken zu erlernen.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann das Immunsystem stärken und Entzündungen reduzieren. Auswirkungen einer bestimmten Ernährungsform auf FMS-Beschwerden sind bislang nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Die Umstellung der Ernährung auf vegane, vegetarische oder zumindest sehr fleischarme Kost kann das Beschwerdebild der Fibromyalgie schnell verbessern. Patienten verspüren subjektiv weniger Schmerzen und leiden seltener unter Begleitsymptomen wie der Morgensteifigkeit und der allgemeinen Müdigkeit, wenn sie weitestgehend auf tierische Kost verzichten. Demnach wirken sich Rohkost und mehrfach ungesättigte Öle wie das Leinöl positiv auf das Schmerzempfinden aus.
  • Ausreichend Schlaf: Schlafstörungen sind ein häufiges Symptom der Fibromyalgie. Es ist wichtig, auf eine gute Schlafhygiene zu achten und ausreichend Schlaf zu bekommen.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Schmerzen zu lindern, die Muskeln zu stärken und die Stimmung zu verbessern.
  • Unterstützung suchen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren kann helfen, mit der Krankheit umzugehen und neue Strategien zur Schmerzbewältigung zu entwickeln.

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