Flüssigkeit im Gehirn nach Unfall: Ursachen, Behandlung und mehr

Ein Unfall, ein Sturz oder ein Schlag auf den Kopf - ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) kann schneller passieren, als man denkt. Jährlich erleiden in Deutschland mehr als 270.000 Menschen ein solches Trauma, wie die Deutsche Hirnstiftung berichtet. Ein Schädel-Hirn-Trauma ist eine Verletzung des Schädelknochens und/oder des Gehirns, die zu einer Funktionsstörung des Gehirns führen kann. Mediziner unterscheiden zwischen einem offenen und einem geschlossenen Schädel-Hirn-Trauma, wobei der Schweregrad anhand der Glasgow-Coma-Skala (GCS) von eins bis drei bestimmt wird.

Arten von Schädel-Hirn-Trauma

  • Offenes Schädel-Hirn-Trauma: Hier ist zusätzlich zum Schädelknochen auch die äußere Hirnhaut (Bindegewebsschicht) verletzt. Das Schädelinnere steht mit der Außenwelt in Kontakt, was das Infektionsrisiko erhöht.
  • Geschlossenes Schädel-Hirn-Trauma: Betrifft ausschließlich den Schädelknochen, die Bindegewebsschicht bleibt unverletzt.

Schweregrade des Schädel-Hirn-Traumas

Der Schweregrad eines Schädel-Hirn-Traumas wird mithilfe der Glasgow-Coma-Skala (GCS) ermittelt. Diese Skala basiert auf neurologischen Tests wie Augenöffnen, Reaktion und Schmerzempfinden. Je niedriger der Wert, desto höher der Schweregrad der Verletzung.

  • Erster Grad (leicht): Betrifft etwa 80 Prozent der Notfallpatienten und wird oft als Gehirnerschütterung bezeichnet. Die Betroffenen sind weniger als fünf Minuten bewusstlos und klagen über Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit. Die Symptome bilden sich in der Regel innerhalb weniger Tage oder Wochen folgenlos zurück.
  • Zweiter Grad (mittelschwer): Hier können Betroffene bis zu 30 Minuten bewusstlos sein und leiden mehrere Monate an ähnlichen Symptomen wie bei einem leichten SHT. Auch dieser Grad des SHT bildet sich meist ohne Folgen zurück.
  • Dritter Grad (schwer): Personen mit einem schweren SHT sind länger als 30 Minuten bewusstlos. Die Länge der Bewusstlosigkeit und die Schwere der Kopfverletzung können zu Spätfolgen wie Gedächtnisstörungen, Bewegungseinschränkungen und/oder Persönlichkeitsveränderungen führen. Es handelt sich um schwere Hirnschäden (Gehirnquetschungen) von Nervenfasern, die vor allem in der Tiefe des Gehirns entstehen.

Ursachen und Symptome

Die Ursache eines Schädel-Hirn-Traumas liegt in der äußeren Gewalteinwirkung auf den Kopf. Die Symptome können sich von Person zu Person unterscheiden. Häufige Symptome sind:

  • Kopfschmerzen (leicht bis stark, oft anhaltend)
  • Schwindelgefühl
  • Benommenheit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bewusstseinsstörungen (verwirrt, orientierungslos, bewusstlos)
  • Sprach- und Sehstörungen
  • Krampfanfälle
  • Lähmungen oder motorische Störungen
  • Austritt von klarer Gehirnflüssigkeit aus Mund, Nase oder Ohren
  • Koma

Die Symptome treten möglicherweise nicht sofort nach dem Unfall oder Sturz auf, sondern erst Stunden oder Tage später. Bei einem Bluterguss können die Symptome sogar erst Wochen oder Monate später auftreten. Ein unbehandelter Bluterguss kann zu erhöhtem Hirndruck führen und lebensbedrohlich sein.

Diagnose

Die Diagnose eines Schädel-Hirn-Traumas umfasst mehrere Schritte:

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  1. Gespräch mit dem Arzt: Der Arzt stellt Fragen zu Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und dem Unfallhergang.

  2. Körperliche Untersuchung: Im Krankenhaus wird der Kopf untersucht und auf neurologische Ausfallerscheinungen geprüft (Sensibilität, Koordination, Hirnnervenfunktion, Muskeleigenreflexe).

  3. Laboruntersuchungen: Blutalkoholspiegel, Blutgerinnung, Leber- und Nierenwerte, Blutbild, Blutzucker und Blutgase werden untersucht.

  4. Bildgebende Verfahren:

    • Computertomografie (CT): Zeigt Verletzungen im Gehirn, Blutungen und erhöhten Hirndruck. Wird bei leichten SHT nicht immer als erste Wahl eingesetzt.
    • Magnetresonanztomografie (MRT): Detailliertere Bilder von Hirnverletzungen, Schädelfrakturen, Hämatomen, Nervenverletzungen oder Hirnblutungen.
    • Röntgenuntersuchung: Kann Knochenbrüche am Schädel oder der Halswirbelsäule nachweisen.
    • Elektroenzephalografie (EEG): Misst die elektrische Aktivität des Gehirns.
    • Evozierte Potenziale: Eine weitere Untersuchungsmethode zur Beurteilung der Hirnfunktion.

Behandlung

Die Behandlung eines Schädel-Hirn-Traumas hängt vom Schweregrad der Verletzung ab:

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  • Leichtes Schädel-Hirn-Trauma: Oft genügt es, wenn sich der Patient einige Tage schont.
  • Schweres Schädel-Hirn-Trauma: Zunächst Stabilisierung des Patienten, dann gezielte medizinische Maßnahmen. Bei Gehirnblutungen oder Schädelbrüchen kann eine Operation notwendig sein. Drainagen können eingesetzt werden, um Blut abzuleiten. Bei starker Schwellung des Gehirns wird der Sauerstoffverbrauch durch künstliche Beatmung in Narkose gesenkt oder ein Teil der Schädeldecke entfernt, um dem Gehirn mehr Raum zu geben.

Für schwer erkrankte Personen steht häufig noch während des Krankenhausaufenthalts die sogenannte Frührehabilitation an, die eine Kombination aus Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie umfasst. Ziel ist es, die Lebensqualität der Betroffenen so gut wie möglich wiederherzustellen.

Rehabilitation

Je nach Schweregrad des SHT erfolgen die weiteren Rehamaßnahmen ambulant, stationär oder mobil.

  • Frührehabilitation: Beginnt bereits während des Krankenhausaufenthalts und beinhaltet Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie bei neurologischen Symptomen.
  • Medizinische Rehabilitation: Ein wichtiger Baustein der Behandlung nach einem Schädel-Hirn-Trauma. Der Sozialdienst im Krankenhaus kann bei der Beantragung und Planung einer Reha helfen. Kostenträger ist für Erwerbstätige die Rentenversicherung. Reha-Leistungen können ambulant, stationär oder mobil erbracht werden.
  • Logopädie: Behandelt Störungen in der Kommunikation, beim Sprechen und Schlucken.
  • Physiotherapie: Verbessert oder erhält die motorischen Fähigkeiten, Beweglichkeit und Balance.
  • Ergotherapie: Konzentriert sich auf Alltagsaktivitäten und hilft den Patienten, ihre Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit zu verbessern oder zu erhalten.
  • Sporttherapie: Verbessert Ausdauer, Kraft und allgemeine körperliche Fitness.

Prognose und Langzeitfolgen

Die Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas hängen überwiegend vom Schweregrad der Verletzung ab. Patienten mit einem leichten Schädeltrauma können bereits nach wenigen Wochen problemlos ihrem gewohnten Alltag nachgehen. Eine Prognose für ein schweres Schädel-Hirn-Trauma lässt sich dabei nur schwer stellen, da der weitere Verlauf von verschiedenen Faktoren abhängt (Lebensalter, Verletzung des Hirngewebes, Größe und Lage). Bei einigen Betroffenen kommt es zu Langzeitfolgen, wie:

  • Sprachstörungen
  • Probleme mit der Feinmotorik
  • Psychische Veränderungen

30 bis 40 Prozent der Betroffenen versterben infolge eines schweren Schädel-Hirn-Traumas, während 10 bis 30 Prozent teilweise schwerbehindert bleiben und lebenslang auf Hilfe angewiesen sind.

Hydrocephalus als mögliche Folge eines Schädel-Hirn-Traumas

Ein Hydrocephalus, oft auch als „Wasserkopf“ bezeichnet, kann eine Folge eines Schädel-Hirn-Traumas sein. Dabei kommt es zu einer übermäßigen Ansammlung von Liquor (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit) im Schädelinneren.

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Ursachen des Hydrocephalus

Die Hauptursache eines Hydrocephalus ist eine Störung in der Zirkulation des Liquors im Gehirn. Diese Störung kann durch verschiedene Ereignisse erworben werden, z. B.:

  • Infektionen wie Meningitis oder Enzephalitis
  • Blutungen im Hirn
  • Tumore im Gehirn oder im Rückenmark
  • Kopfverletzungen

Die Hauptursachen für die übermäßige Ansammlung von Liquor im Gehirn sind:

  • Unzureichende Absorption von Liquor: Nachdem der Liquor das Gehirn umspült hat, wird er in das venöse Blutsystem aufgenommen. Ist dieser Prozess gestört, etwa durch Entzündungen oder Blutungen, kann sich Nervenwasser ansammeln.
  • Behinderung des Liquorabflusses: Eine Blockade kann verhindern, dass Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit aus den Hirnkammern abfließen kann. Eine solche Blockade kann durch Tumore, Blutgerinnsel, Membranen (Gewebebrücken) oder Narbengewebe verursacht werden.
  • Kommunikationsstörung: Nicht selten fließt der Liquor normal durch die Hirnkammern, kann aber im Subarachnoidalraum nicht richtig zirkulieren, was zu einer Ansammlung führt.
  • Verstärkte Produktion von Liquor: In sehr seltenen Fällen wird zu viel Liquor im Gehirn produziert.

Arten von Hydrocephalus

  • Kommunizierender Hydrocephalus (Hydrocephalus communicans): Der Liquorfluss zwischen den Hirnkammern und dem Subarachnoidalraum ist nicht blockiert. Das Problem liegt meist in der unzureichenden Aufnahme des Liquors.
  • Normaldruckhydrocephalus (NPH, Normal Pressure Hydrocephalus): Der Druck im Schädelinneren ist normal. Hauptsymptome sind Gangunsicherheit, Gedächtnisstörungen oder Inkontinenz.
  • Nichtkommunizierender Hydrocephalus (Hydrocephalus occlusus oder obstruktiver Hydrocephalus): Der Liquorfluss ist zwischen den Hirnkammern durch eine Blockade oder Verengung gestört.
  • Hydrocephalus e vacuo: Hierbei handelt es sich nicht um einen Hydrocephalus im eigentlichen Sinne, sondern um die Folgen einer Hirnatrophie, also der Abnahme des Hirnvolumens.

Symptome des Hydrocephalus

Die Symptome des Hydrocephalus können je nach Alter, Schweregrad und den betroffenen Gehirnregionen variieren. Bei Säuglingen können ein übermäßiges Schädelwachstum und das sogenannte „Sonnenuntergangsphänomen“ auftreten. Ältere Kinder fallen bei akutem Hirndruck vor allem durch Nüchternerbrechen, Wesensänderung, stärkste Kopfschmerzen, Sehstörungen, epileptische Anfälle und vermehrte Schläfrigkeit auf.

Erwachsene können unter Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen, Gangstörungen, Gedächtnisstörungen, Inkontinenz, Schlafsucht und Koma leiden.

Diagnose des Hydrocephalus

Die Diagnose basiert auf den Anzeichen der Betroffenen, der Anamnese und den Ergebnissen der bildgebenden Diagnostik:

  • Magnetresonanztomografie (MRT): Bietet detaillierte Bilder des Gehirns.
  • Computertomografie (CT): Kann in Notfallsituationen eingesetzt werden.
  • Lumbalpunktion (LP): Misst den Liquordruck und untersucht den Liquor auf Anomalien.

Behandlung des Hydrocephalus

Die Behandlung des Hydrocephalus zielt darauf ab, den Liquorabfluss zu verbessern und den Hirndruck zu senken. Es gibt verschiedene chirurgische Verfahren:

  • Ventrikulo-peritonealer Shunt: Ein Schlauchsystem aus Silikon leitet das Hirnwasser von einer Hirnwasserkammer in den Bauchraum ab, wo es wieder in den Blutkreislauf aufgenommen wird.
  • Externe Ventrikeldrainage (EVD): Das Hirnwasser wird vorübergehend aus dem Körper abgeleitet, z.B. bei einer frischen Blutung oder Infektion.
  • Minimal-invasive endoskopische Operation: Bei bestimmten Formen des Hydrocephalus kann ein neuer, innerer Abflussweg geschaffen werden (z.B. per Ventrikulozisternostomie).

Komplikationen bei der Shunt-OP

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff, sind als Hauptkomplikationen die Verletzung des Hirns, Blutungen oder Infektionen zu nennen. Weiterhin können später im Verlauf Materialversagen, die Verstopfung der Bauteile oder eine Fehllage der Bauteile auftreten.

Nachbehandlung und Prognose

Die Nachbehandlung findet im Rahmen regelmäßiger Nachkontrollen statt. Die Prognose hängt von der Ursache des Hydrocephalus und dem Zeitpunkt der Behandlung ab. Bei rechtzeitiger und zielgerichteter Therapie zeigen die Kinder im weiteren Verlauf eine gute Entwicklung und haben möglicherweise keinen zusätzlichen Förderbedarf.

Vorbeugung

Ein vorbeugender Schutz des Kopfes ist eine wichtige Maßnahme im Alltag. Unfälle sollten vermieden und Sicherheitssysteme wie Sicherheitsgurte oder Fahrradhelme genutzt werden. Im Haushalt sollten Stolperfallen beseitigt und glatte Böden vermieden werden. Bewegungsgesteuerte Lichtquellen verringern das Sturzrisiko auch in der Nacht.

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