Folsäure: Ein wichtiger Nährstoff für gesunde Nerven

Das menschliche Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk, das lebenswichtige Prozesse wie Herzschlag, Stoffwechsel, Reizübertragung und Bewegungsabläufe koordiniert. Für eine gesunde Funktion benötigt der Körper eine ausreichende Versorgung mit B-Vitaminen, insbesondere Folsäure (Vitamin B9). Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung von Folsäure für das Nervensystem und die psychische Gesundheit.

Aufbau und Funktion des Nervensystems

Das Nervensystem gliedert sich in zwei Hauptbereiche:

  • Zentrales Nervensystem (ZNS): Umfasst Gehirn und Rückenmark, geschützt durch Schädel und Wirbelsäule.
  • Peripheres Nervensystem (PNS): Beinhaltet alle anderen Nervenbahnen.

Funktionell wird das Nervensystem in das willkürliche (somatische) und das unwillkürliche (autonome oder vegetative) Nervensystem unterteilt.

Die Bedeutung von B-Vitaminen für das Nervensystem

B-Vitamine sind für das Nervensystem unverzichtbar. Sie sorgen für die Energieversorgung der Nervenzellen in Form von Adenosintriphosphat (ATP), sind wichtig für die Produktion von Neurotransmittern und fördern die Myelinsynthese, eine Schutzschicht um die Nervenfasern. Besonders wichtig für ein gesundes Nervensystem sind die Vitamine B1, B6, B9 (Folsäure) und B12.

  • Vitamin B1 (Thiamin): Wichtig für den Energiestoffwechsel, die Umwandlung von Kohlenhydraten in Energie, die Myelinsynthese und die Produktion von Neurotransmittern. Es wirkt antioxidativ und schützt die Nervenzellen vor Schäden. Ein Mangel kann zu neurologischen Symptomen wie Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder Muskelschwäche führen.

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  • Vitamin B6 (Pyridoxin): Spielt eine wichtige Rolle bei der Produktion von Nervenbotenstoffen wie Dopamin, Serotonin und GABA. Es unterstützt die Energieproduktion, den Abbau von Kohlenhydraten und Fetten sowie die Bildung von Myelin. Ein Mangel kann sich durch Krämpfe oder Sensibilitätsstörungen äußern.

  • Vitamin B9 (Folat/Folsäure): Benötigt der Körper für die Bildung und Reparatur der Erbsubstanz DNA, die für das Wachstum und die Teilung von Zellen, einschließlich der Nervenzellen, unerlässlich ist. Da Folsäure eine wichtige Rolle bei der DNA-Synthese und Zellteilung spielt, kann eine Vitamin-B9-Unterversorgung die Regeneration und Funktion der Nervenzellen stören.

  • Vitamin B12 (Cobalamin): Unterstützt die Myelinsynthese und ermöglicht so eine reibungslose Reizweiterleitung in und zwischen den Nervenzellen. Zudem fördert es deren Regeneration nach Verletzungen und ist wichtig für den Energiestoffwechsel, die DNA-Synthese in Nervenzellen und die Produktion von Neurotransmittern.

Folsäure (Vitamin B9) im Detail

Folsäure, auch bekannt als Vitamin B9, ist ein wasserlösliches Vitamin, das der Körper nicht selbst herstellen kann. Es muss daher über die Nahrung aufgenommen werden. Folsäure ist wichtig für die Herstellung der Erbsubstanz und die Bildung der roten und weißen Blutkörperchen.

Folsäure und psychische Gesundheit

Folsäure spielt eine entscheidende Rolle für die psychischen Funktionen unseres Körpers. Es ist wichtig für die Bildung von Neurotransmittern, die für die Übertragung von Signalen zwischen den Nervenzellen verantwortlich sind. Studien haben gezeigt, dass ein ausreichender Folsäurespiegel im Körper mit einer verbesserten kognitiven Funktion und einer geringeren Wahrscheinlichkeit von Depressionen in Verbindung gebracht werden kann.

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Folsäure in der Schwangerschaft

Eine besonders wichtige Rolle spielt Folsäure in der Schwangerschaft. Denn Folsäure ist entscheidend für die Entwicklung des Neuralrohrs, einer frühen Struktur des Nervensystems. Eine Unterversorgung während der Schwangerschaft kann zu Fehlbildungen, Wachstumsproblemen oder sogar zu Früh- oder Fehlgeburten führen. Es wird daher empfohlen, dass Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere zusätzlich Folsäure einnehmen, um einen ausreichenden Spiegel sicherzustellen.

Folsäuremangel

Ein Mangel an Folsäure kann zu einer Vielzahl von Problemen führen:

  • Megaloblastär-hyperchrome Anämie: Eine bestimmte Form der Blutarmut.
  • Psychische Probleme: Depressionen, Angstzustände und Gedächtnisprobleme.
  • Entwicklungsstörungen bei Ungeborenen: "Offener Rücken" (Spina bifida).
  • Neurologische und psychische Störungen: In schweren Fällen können sich schwerwiegende neurologische und psychische Störungen entwickeln, die den Symptomen einer körperlich begründbaren Psychose entsprechen.

Ursachen für einen Folsäuremangel können sein:

  • Mangelnde Zufuhr: Einseitige Ernährung, z.B. bei Alkoholikern.
  • Gestörte Aufnahme (Resorption): Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn) oder Zöliakie.
  • Einnahme bestimmter Medikamente: Antiepileptika.
  • Vermehrt Bedarf oder Verlust an Folsäure: Schwangerschaft, Wachstumsphasen, Krebserkrankungen, Psoriasis oder bestimmte Formen von Blutarmut (Anämie).

Folsäure-Referenzwerte

Die Folsäurekonzentration im Blut wird in Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) gemessen. Folgende Werte gelten als Richtwerte:

  • < 2,0 ng/ml: Folsäuremangel
  • 2,0 - 2,5 ng/ml: Beobachtungswürdiger Wert
  • > 2,5 ng/ml: Normalbereich der Folsäure

Was tun bei einem Folsäuremangel?

Besteht ein Kinderwunsch, ist es ratsam, schon vorbeugend Folsäure einzunehmen, da der Bedarf in der Schwangerschaft erhöht ist. Hat sich bereits ein Mangel entwickelt, ist die Einnahme eines Folsäure-Präparats ebenfalls sinnvoll. Zur Therapie eines Folsäuremangels wird die Verabreiehung von ca. täglich (oral und/oder parenteral) empfohlen.

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Eine ausgewogene Ernährung mit viel grünem Blattgemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen kann ebenfalls dazu beitragen, den Folsäurespiegel zu erhöhen.

Folsäure überdosieren?

Zu viel Folsäure wird üblicherweise über die Nieren ausgeschieden. Eine Überdosierung ist daher nur bei einer viel zu hohen Einnahme über einen längeren Zeitraum möglich. Neue Studien haben außerdem ergeben, dass die übermäßige Einnahme von Folsäure gesundheitliche Schäden nach sich ziehen kann. Besonders in der Schwangerschaft hat zu viel Folsäure Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung. Außerdem können der Schwangerschaftsverlauf, die neurologische Entwicklung und das Krankheitsrisiko des Kindes negativ beeinflusst werden.

Ab welcher Menge man von einer Überdosierung mit schädlichen Auswirkungen ausgehen muss, ist derzeit noch Gegenstand der Forschung.

Weitere Faktoren für gesunde Nerven

Neben einer ausreichenden Versorgung mit B-Vitaminen, insbesondere Folsäure, gibt es weitere Faktoren, die zur Gesundheit der Nerven beitragen:

  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Bewegung wirkt positiv auf Körper und Nervensystem.
  • Entspannung: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation und Progressive Muskelentspannung tragen zu einer deutlichen Verbesserung des persönlichen Stressempfindens bei.
  • Atemtechniken: Spezielle Atemtechniken fördern insbesondere mentale Stabilität.
  • Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig, um die Energiereserven wieder aufzufüllen.
  • Stressmanagement: Vermeiden Sie chronischen Stress und lernen Sie, mit Stresssituationen umzugehen.
  • Nervennahrung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten.

Nervenregeneration

Verletzte oder geschädigte Nerven können sich bedingt regenerieren. Während im Gehirn und Rückenmark die Nervenfasern nach einer Verletzung in der Regel nicht nachwachsen können, zeigen die Nervenzellen im peripheren Nervensystem bei einer Nervenschädigung erstaunliche Regenerationsfähigkeiten. Dies hängt insbesondere von der Art der Schädigung und dem Überleben des Zellkörpers ab.

Die Nervenregeneration ist ein komplexer Prozess, bei dem die Nervenzelle abgebauten Zellbestandteile entsorgt und dann die abgebauten Teile der Axone wiederherstellt, um so wieder eine kontinuierliche Reizweiterleitung und Versorgung der innervierten Organe zu ermöglichen.

Für die Nervenregeneration sind verschiedene Nährstoffe wichtig, darunter:

  • Uridinmonophosphat (UMP): Ein Nukleotid, das an der Herstellung von Nervenzellproteinen und Membranlipiden beteiligt ist.
  • Cytidinmonophosphat (CMP): Ein weiteres Nukleotid, das für die Nervenregeneration wichtig ist.
  • B-Vitamine: Tragen zur normalen Funktion des Nervensystems bei und sind wichtig für den Energiestoffwechsel, die Zellteilung und die Herstellung von Nervenzellproteinen und Myelin.

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