Folsäure und Multiple Sklerose: Ein umfassender Überblick

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Nervenzellen angreift. Diese Angriffe führen zu vielfältigen Schäden, die mit chronischen Entzündungen einhergehen. Die Krankheit verläuft oft in Schüben, wobei sich die Symptome nach einem Schub vollständig zurückbilden können oder teilweise bestehen bleiben. Die Schulmedizin steht MS, wie den meisten Autoimmunerkrankungen, oft hilflos gegenüber.

Unkonventionelle Therapien und Ernährung bei MS

Viele MS-Patienten greifen auf unkonventionelle Therapien zurück, insbesondere spezielle Diäten. Der Nutzen dieser Therapien ist jedoch oft unsicher, und die möglichen Risiken sind weitgehend unbekannt. Die Datenlage ist spärlich, aber es gibt Hinweise auf günstige Auswirkungen von ungesättigten Fettsäuren sowie spekulative Wirkungen von Mineralstoffen wie Selen, Antioxidantien, Fischöl oder Vitaminen.

Die Rolle von Mikronährstoffen

Eine bestimmte Ernährung kann die Multiple Sklerose beeinflussen. Zu den relevanten Mikronährstoffen gehört Folsäure. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 400 Mikrogramm. Gute Folsäurequellen sind grünes Blattgemüse und Hülsenfrüchte.

Vitamin D und MS-Risiko

Studien haben gezeigt, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel das Risiko, an MS zu erkranken, erhöhen kann. Umgekehrt scheint ein gesunder Vitamin-D-Spiegel in gewisser Weise vor MS schützen zu können. Ein Vitamin-D-Mangel ist ein beeinflussbarer Risikofaktor für Multiple Sklerose. Daher sollte der Vitamin-D-Spiegel bei Personen mit hohem MS-Risiko oder bei bereits an MS erkrankten Personen regelmäßig überprüft und gegebenenfalls behoben werden. Die Leitlinie zur Diagnostik und Therapie bei MS empfiehlt, einen solchen Mangel auszugleichen.

Bei Menschen, die schon länger an MS leiden und aufgrund ihrer Immobilität seltener ins Freie gelangen können, um dort unter der Sonne ihre Vitamin-D-Vorräte aufzufüllen, kann die Krankheit schneller voranschreiten.

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Eine Studie mit Hilfe von genauen UV-Werten (gemessen durch Satelliten) konnte nachweisen, dass die Häufigkeit der MS Erkrankungen umso geringer ist, je höher die Sonneneinstrahlung ist. Der ermittelte UV-Index zeigte dabei eine 20-mal stärkere Korrelation zur MS-Prävalenz als z.B. nur der Breitengrad.

Analysen von Blutspender-Datenbanken zeigen, dass die höchsten 25-OH-Vitamin-D-Spiegel gegenüber den niedrigsten Spiegeln das Risiko für MS signifikant reduzieren. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass vor allem eine gute Vitamin-D-Versorgung in der Kindheit und Jugend der Entstehung von MS vorbeugen könnte.

Die SOLAR-Studie, die größte Untersuchung zum ergänzenden Einsatz von Vitamin D zusätzlich zur konventionellen MS-Therapie, zeigte, dass eine Dosis von 14.000 IE pro Tag zwar nicht ausreichte, um eine vollständige Remission zu erreichen, aber eine positive Wirkung hatte: Die MRT-Scans zeigten eine deutliche Besserung der Läsionen um 32 % und die Schubrate sank um über 30 %.

Weitere Mikronährstoffe und ihre potenzielle Rolle

  • Vitamin E: Wirkt als hochwirksames Antioxidans und bekämpft Entzündungen im Körper.
  • Magnesium: Experten empfehlen eine tägliche Aufnahme von mindestens 320 Milligramm.
  • Lutein und Zeaxanthin: Carotinoide, die meist kombiniert miteinander auftreten.
  • Quercetin: Ein Flavonoid, das in Kapern und Liebstöckel reichlich vorkommt.

Alpha-Liponsäure

Die Einnahme der Fettsäure Alpha-Liponsäure kann den Verlauf einer Multiple Sklerose günstig beeinflussen, die Symptome lindern und womöglich auch einem krankheitsbedingten Verlust an Hirnvolumen (Hirnatrophie) bremsen kann. Dies legen verschiedene Studien nahe, allen voran eine randomisierte kontrollierte Pilotstudie aus dem Jahr 2017 in den USA, die vier Jahre lang die Wirkung hoch dosierter Liponsäure speziell bei MS-Patienten mit einer sekundär progredienten MS (SPMS) untersucht hat.

Einer anderen Untersuchung (2021) zufolge könnten es die ausgeprägten antioxidativen und anti-entzündlichen Eigenschaften der Liponsäure sein, die zum Abklingen der MS-Entzündungsherde im Gehirn beitragen könnten. Erhöhte oxidative Belastungen (z.B.

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Da Alpha-Liponsäure insbesondere in Geweben mit hoher Mitochondrienanzahl und intensivem Energiestoffwechsel enthalten ist, liefern tierische Produkte wie Leber, Herz und Niere nennenswerte Mengen. Pflanzliche Lieferanten für Alpha-Liponsäure sind Spinat, Brokkoli und Tomaten. Auch Hefe gilt als eine gute Quelle für diese Fettsäure. Bei Multipler Sklerose scheint die Synthese von Alpha-Liponsäure nicht ausreichend zu sein.

Ernährungsgewohnheiten und Darmflora

Die Ernährungsgewohnheiten könnten eine Rolle bei MS spielen. Eine Studie verglich die Ernährung von Patienten kurz nach einem ersten Schub mit der von Kontrollpersonen und stellte fest, dass die Patienten mit MS weniger Vitamin D, Folsäure, Purine, B-Vitamine und Pflanzenprotein zu sich nahmen, dafür aber mehr schnell resorbierbare Kohlenhydrate. Auch das Verhältnis von pro- zu antientzündlichen Fettsäuren war ungünstiger.

Möglicherweise hat die Darmflora dabei eine gewisse Bedeutung. Eine Arbeitsgruppe fand deutliche Unterschiede bei der Zusammensetzung der Darmflora von Patienten mit aktiver und stabiler MS. Eine Kasuistik zeigte, dass eine Patientin mit sekundär progredienter MS über zehn Jahre hinweg stabil blieb, nachdem sie ihr Darmmikrobiom ersetzt hatte.

Weitere unkonventionelle Therapieansätze

  • Cannabinoide: Viele Patienten berichten über eine subjektive Besserung von Spastik, Ataxie oder Schmerzen unter Cannabinoiden, auch wenn objektive Parameter unverändert bleiben.
  • Hyperbare Oxygenation: Zeigte in mehreren Studien heterogene Ergebnisse.

Schulmedizinische Therapie der MS

Die Ziele der schulmedizinischen Therapie sind, MS-Schübe zu verhindern, ein Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und Behinderungen möglichst lange hinauszuzögern.

Diagnose

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist für die Diagnostik einer Multiplen Sklerose unverzichtbar, da sie MS-bedingte Veränderungen von Gehirn und Rückenmark bereits in einem sehr frühen Stadium sicher nachweisen kann. Eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) wird durchgeführt, um Entzündungszellen sowie bestimmte Muster von Antikörpern, sogenannte isolierte oligoklonale Bande (OKB), nachzuweisen. Für eine sichere Diagnose müssen die aktuellen McDonald-Kriterien (2017) erfüllt sein.

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Eine etablierte Methode der Augenheilkunde, die optische Kohärenztomographie (OCT), könnte künftig zur Vorhersage des wahrscheinlichen Krankheitsverlaufs einer frisch diagnostizierten MS herangezogen werden.

Therapieansätze

  1. Akute Schubtherapie: Die Kortisonstoßtherapie (zum Beispiel Methylprednisolon) ist eine bewährte Methode zur Behandlung eines akuten Schubs.
  2. Verlaufsmodifizierende Therapie: Medikamente, die einen direkten Einfluss auf das Immunsystem nehmen, indem sie entweder verändernd (immunmodulierend) oder dämpfend (immunsuppressiv) wirken.
  3. Symptomatische Therapie: Die dritte Säule des Therapiemodells.

Die aktuelle Patientenleitlinie empfiehlt allen Menschen mit einer diagnostizierten Multiple Sklerose eine Immuntherapie. Daten legen nahe, dass vor allem jüngere Menschen mit einer entzündlich-aktiven MS profitieren, wenn sie direkt nach der Diagnose mit einer Immuntherapie beginnen. Mit dem Alter nimmt die Wirksamkeit einer Immuntherapie jedoch ab und das Risiko für Nebenwirkungen nimmt zu.

Begleitend zur medikamentösen Behandlung haben sich nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Physio- und Ergotherapie, Logopädie, Psychotherapie, Gruppentherapie, neuropsychologische Therapie und andere Behandlungsmöglichkeiten bewährt.

Komplementäre und alternative Therapien

Zusätzlich zu den Standard-Therapieformen der MS gibt es eine Fülle weiterer Therapien, die sich hinsichtlich Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit stark unterscheiden. Fundierte Informationen sowie Abstimmung mit den behandelnden Ärzten helfen MS-Erkrankten bei der Wahl der für sie ggf. geeigneten Ergänzungen und Alternativen.

Verschiedene Studien zeigen, dass negativer Stress ein möglicher Faktor beim Auslösen von MS-Schüben ist und dass Stress die Symptome einer Multiplen Sklerose verschlechtern kann. Therapien, die helfen können, Stress zu vermeiden, können daher für MS-Erkrankte wirkungsvoll sein. Gute Methoden der Stressreduktion sind unter anderem Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR), Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung sowie Bewegungstherapien mit Aufmerksamkeitskomponente (Yoga, Tai-Chi, Heileurythmie, Feldenkrais, Qigong).

Drei pflanzliche Wirkstoffe haben sich mit ermutigenden Studienergebnissen hervorgetan: Ginseng, Cannabis und Weihrauch. Auch bei Omega-Fettsäuren kann die entzündungshemmende Wirkung positive Effekte bei MS-Erkrankten haben, das gilt nachweisbar für die pflanzlich basierten Omega-6-Fettsäuren, die in Borretsch- oder Nachtkerzenöl vorkommen.

Als Teil der Traditionellen chinesischen Medizin ist fachkundig ausgeführte Akupunktur eine Option bei der funktionellen und regulativen Therapie zur Symptomlinderung bei MS.

Es gibt auch gefährliche Behandlungsmethoden, die zudem in der Regel nicht wissenschaftlich untersucht worden sind. Zu ihnen zählen die Verstärkung der Immunreaktion (sogenannte Immunaugmentation), die Frischzellentherapie, die Behandlung mit Schlangen- oder Bienengift sowie die intrathekale Stammzellentherapie. Auf diese Behandlungen sollten MS-Erkrankte in jedem Fall verzichten. Auch die Amalgamsanierung kann nach heutigem Kenntnisstand nicht empfohlen werden.

Verlauf und Prognose

Der Krankheitsverlauf der Multiple Sklerose ist bei etwa 85 Prozent der Betroffenen schubförmig mit weitgehend beschwerdefreien Phasen zwischen den Schüben. Bei etwa 10 bis 15 Prozent der Betroffenen nimmt die Erkrankung von Beginn an einen fortschreitenden (progredienten) Verlauf, der eine kontinuierliche Verschlechterung der Beschwerden mit einer Zunahme der Einschränkungen zur Folge hat.

Eine viel beachtete Bevölkerungsstudie aus Norwegen deutet darauf hin, dass die Lebenserwartung von MS-Patienten heute kaum kürzer ist als die von Gesunden. Multiple Sklerose ist keine tödliche Krankheit. Es gibt jedoch Komplikationen, die einen potenziell tödlichen Verlauf nehmen können.

Symptome

Kaum eine Erkrankung zeigt sich so individuell wie Multiple Sklerose. So können die verschiedenen Krankheitszeichen in unterschiedlicher Intensität und Kombination auftreten - je nachdem, welche Bereiche des Zentralen Nervensystems von den MS-bedingten Entzündungsherden bzw. Schädigungen betroffen sind.

Eine Multiple Sklerose kann sich durch die unterschiedlichsten Erstsymptome ankündigen. Es gibt jedoch einige Symptome, die zu Beginn der Erkrankung besonders oft auftreten. Bei 20 bis 30 Prozent stehen im Anfangsstadium (meist einseitige) Gefühlsstörungen in den Beinen oder Störungen der Sensibilität wie Taubheitsgefühle oder Ameisenkribbeln in anderen Regionen wie Rumpf und/oder Arme im Vordergrund.

Häufige Symptome sind:

  • Sehstörungen
  • Empfindungs- bzw. Koordinations- und Bewegungsstörungen
  • Sprechstörungen
  • Schmerzen
  • Spastik
  • Psychische Veränderungen (z.B. Depression)
  • Kognitive Beeinträchtigungen
  • Fatigue

Fallbeispiel

Ein Patient berichtet von Kribbeln in den Fingerkuppen, das durch einen Folsäure- und Vitamin B12-Mangel verursacht wurde. Nach der Einnahme von FolPlus verschwand das Kribbeln, jedoch nimmt er Empfindungen an den Fingerkuppen anders wahr. Zusätzlich tritt manchmal ein Gefühl in den Händen auf, als wären diese unterzuckert. Weiterhin beschäftigt ihn, dass er eine Art Muskelkater im Arm hat, ohne diesen großartig belastet zu haben. Er sorgt sich, ob es sich um Erstsymptome einer MS handeln könnte.

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