Krebs und Alzheimer sind zwei der am meisten gefürchteten Krankheiten unserer Zeit. Die Forschung nach wirksamen Medikamenten und Behandlungsmöglichkeiten ist daher von enormer Bedeutung. In den letzten Jahren gab es bedeutende Fortschritte in beiden Bereichen, die neue Hoffnung für Patienten und ihre Familien geben. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Forschung zu Krebs und Alzheimer, die jüngsten Fortschritte und die vielversprechendsten Therapieansätze.
Einleitung
Die Forschung in den Bereichen Krebs und Alzheimer hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Obwohl es sich um unterschiedliche Krankheiten handelt, gibt es interessante Verbindungen und sogar inverse Beziehungen zwischen ihnen. Während Krebs durch unkontrolliertes Zellwachstum gekennzeichnet ist, ist Alzheimer eine neurodegenerative Erkrankung, die zum Verlust von kognitiven Fähigkeiten führt. Trotz dieser Unterschiede gibt es gemeinsame Forschungsansätze und vielversprechende Therapieentwicklungen, die in diesem Artikel näher betrachtet werden.
Inverse Beziehung zwischen Krebs und Alzheimer
Eine interessante Beobachtung ist die inverse Beziehung zwischen Krebs und Alzheimer. Studien haben gezeigt, dass Menschen, die eine Krebserkrankung überstanden haben, ein geringeres Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken, und umgekehrt. Eine Auswertung der Framingham-Studie aus den Vereinigten Staaten bestätigte diese Beobachtung. Jane Driver vom Boston Medical Center und ihr Team bestätigten anhand dieses Kollektivs zwei vorhergehende Studien aus Chile, die erstmals auf diesen inversen Zusammenhang zwischen Krebs und Alzheimer aufmerksam machten.
Diese inverse Beziehung könnte auf gemeinsame biologische Mechanismen hinweisen, die bei beiden Krankheiten eine Rolle spielen. Es wird vermutet, dass metabolische Veränderungen, die in Krebszellen auftreten, auch in Alzheimer-Nervenzellen zu finden sind.
Gemeinsame metabolische Veränderungen: Der Warburg-Effekt
Forschungen haben gezeigt, dass Alzheimer-Nervenzellen ähnliche metabolische Veränderungen durchmachen wie Krebszellen. Dieser Effekt, bekannt als Warburg-Effekt, beschreibt einen Wechsel im Metabolismus von Krebszellen vom Erwachsenen- ins Embryonalstadium. Dr. Larissa Traxler und ihre Kollegen vom Neural Aging Laboratory bestätigten, dass dieser Effekt auch bei Alzheimer-Nervenzellen auftritt.
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Diese Erkenntnis eröffnet neue Therapieansätze, da in der Krebstherapie bereits Wirkstoffe eingesetzt werden, die speziell auf den Warburg-Effekt abzielen. Insbesondere das Protein Pyruvat Kinase M2 (PKM2), das vermehrt in Krebszellen und Alzheimer-Neuronen produziert wird, gilt als einer der Hauptregulatoren beim Wechsel zum embryonalen Metabolismus. In Zellversuchen konnte gezeigt werden, dass Wirkstoffe, die den Warburg-Effekt in Krebszellen inhibieren, auch bei Alzheimer-Nervenzellen dazu führen, dass die Nervenzellen ihr Erwachsenenstadium länger beibehalten.
Fortschritte in der Krebstherapie
Die Krebstherapie hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gemacht. Ein wichtiger Trend ist die zunehmende Personalisierung der Behandlung. Durch das Verständnis der genetischen und molekularen Eigenschaften von Tumoren können Therapien gezielter eingesetzt werden.
Immunonkologie
Ein vielversprechender Ansatz ist die Immunonkologie, bei der die körpereigene Immunabwehr zur Bekämpfung von Krebs mobilisiert wird. Medikamente, die das Immunsystem aktivieren, haben bei verschiedenen Krebsarten zu beeindruckenden Ergebnissen geführt.
Gentherapie
Auch die Gentherapie bietet neue Möglichkeiten in der Krebstherapie. Dabei werden genetische Veränderungen in den Krebszellen korrigiert oder Immunzellen gentechnisch so verändert, dass sie Krebszellen gezielt angreifen.
Neue Medikamente
Für 2025 werden mehrere neue Krebsmedikamente erwartet, insbesondere für das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC), eine der häufigsten krebsbedingten Todesursachen. Diese Medikamente gehören zu verschiedenen Klassen, darunter Kinasehemmer, Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, Checkpoint-Inhibitoren und bispezifische Antikörper.
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Fortschritte in der Alzheimerforschung
Die Alzheimerforschung steht vor großen Herausforderungen, da die Krankheit komplex ist und die Ursachen noch nicht vollständig verstanden sind. Dennoch gibt es auch hier vielversprechende Entwicklungen.
Früherkennung
Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Früherkennung von Alzheimer. Da die Gehirnschädigungen bereits weit fortgeschritten sind, wenn die ersten Symptome auftreten, ist es entscheidend, die Krankheit so früh wie möglich zu erkennen. Forscher haben Blut-Biomarker identifiziert, die auf frühe Veränderungen im Gehirn hindeuten können.
Eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) hat gezeigt, dass erhöhte Spiegel des sauren Gliafaserproteins (GFAP) im Blut bereits bis zu 17 Jahre vor der Diagnose einer Alzheimer-Demenz auftreten können. GFAP könnte somit ein sehr früher Alzheimer-Risikomarker sein. Auch die Blutkonzentrationen der Biomarker NfL und P-tau 181 steigen etwa neun Jahre vor der Manifestation der Erkrankung an.
Neue Medikamente
Für 2025 werden erstmals seit 2002 wieder neue Medikamente gegen die Alzheimer-Demenz erwartet. Diese Medikamente enthalten Antikörper, die den Demenzprozess verlangsamen können, wenn sie frühzeitig angewendet werden. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die Zulassung eines Medikaments bereits empfohlen, für das zweite ist die Zulassung beantragt.
Metabolische Ansätze
Die Erkenntnis, dass Alzheimer-Nervenzellen ähnliche metabolische Veränderungen durchmachen wie Krebszellen (Warburg-Effekt), eröffnet neue Therapieansätze. Wirkstoffe, die den Warburg-Effekt in Krebszellen inhibieren, könnten auch bei Alzheimer-Nervenzellen wirksam sein.
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Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Trotz der Fortschritte in der Krebs- und Alzheimerforschung gibt es noch viele Herausforderungen. Die Entwicklung neuer Medikamente ist teuer und zeitaufwendig. Zudem ist es schwierig, die komplexen Ursachen und Mechanismen dieser Krankheiten vollständig zu verstehen.
Erstattungsbedingungen
Die Verfügbarkeit neuer Medikamente hängt oft von den Erstattungsbedingungen in den einzelnen Ländern ab. Pharmaunternehmen sind motiviert, ihre Neuentwicklungen in möglichst vielen Ländern zu vermarkten, aber die Erstattungsbedingungen können den Zugang zu diesen Medikamenten einschränken.
Zukünftige Forschung
Die zukünftige Forschung wird sich weiterhin auf die Früherkennung, die Entwicklung neuer Medikamente und die Personalisierung der Therapie konzentrieren. Ein besseres Verständnis der gemeinsamen biologischen Mechanismen von Krebs und Alzheimer könnte zu neuen Therapieansätzen führen, die bei beiden Krankheiten wirksam sind.
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