Fotosensitive Epilepsie und Konsolenspiele: Wie man Risiken vermeidet

Videospiele sind eine beliebte Form der Unterhaltung, die jedoch für manche Menschen gesundheitliche Risiken bergen kann. Ein solches Risiko ist die photosensitive Epilepsie (PSE), bei der Anfälle durch visuelle Reize wie blinkende Lichter oder bestimmte Muster ausgelöst werden. Dieser Artikel beleuchtet, wie man das Risiko von Anfällen im Zusammenhang mit Konsolenspielen minimieren kann.

Was ist photosensitive Epilepsie?

Photosensitive Epilepsie (PSE) ist ein Zustand, bei dem Anfälle durch visuelle Reize ausgelöst werden, darunter blinkende Lichter oder bestimmte bewegte visuelle Formen und Muster. Dies betrifft etwa drei Prozent der Menschen mit Epilepsie und tritt häufiger bei Kindern und Jugendlichen auf. Viele Menschen entdecken ihre Epilepsie erst durch einen Anfall. Gamer können tatsächlich ihre ersten Anfälle durch Videospiele erleiden, was zu körperlichen Verletzungen führen kann.

Ursachen und Auslöser

Bei der photosensitiven Epilepsie können bestimmte Lichtreize einen epileptischen Anfall auslösen. Besonders Lichtreize mit hohem Kontrast und bestimmter Frequenz, wie sie z. B. auch in Fernsehfilmen oder auf Video gezeigt werden, können Auslöser sein. Die Ursache liegt wahrscheinlich darin, dass bei den Erkrankten ein Regelkreis des Nervensystems nicht funktioniert, der die Aufgabe hat, ab bestimmten Kontrast- und Frequenzreizen die dadurch erzeugte Nervenreizung zu unterdrücken.

Risikominimierung bei Konsolenspielen

Um das Risiko von Anfällen bei Konsolenspielen zu minimieren, gibt es verschiedene Maßnahmen, die sowohl von Spieleentwicklern als auch von Spielern ergriffen werden können.

Maßnahmen für Spieleentwickler

  • Automatisierte Prüfung: Verwenden Sie ein automatisiertes System, um das Spiel auf Reize zu überprüfen, die photosensitive Epilepsie auslösen könnten.
  • Blinkeffekte: Fügen Sie eine Ein/Aus-Option für Blinkeffekte als Einstellung hinzu und setzen Sie Blinken standardmäßig auf Aus.
  • Farbgestaltung: Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf Farbe, um Spielobjekte zu kommunizieren oder zu unterscheiden. Verwenden Sie einen Farbblindsimulator, um Ihre Designs zu testen, damit Sie Ihre Designs durch farbenblinde Augen anzeigen können. Dies kann Ihnen helfen, häufige Kontrastprobleme zu vermeiden.
  • Warnhinweise: Eine deutliche Anfallswarnung sollte im Spiel angezeigt werden, idealerweise bereits in der Bootsequenz.
  • Anpassungsmöglichkeiten: Bieten Sie Spielern die Möglichkeit, ihre Spielerfahrung anzupassen, beispielsweise durch das Dimmen von Lichtern oder die Nutzung eines Farbenblind-Modus.
  • Inklusives Design: Berücksichtigen Sie das Konzept des inklusiven Spieldesigns, um ein breiteres Spektrum von Spielern einzubeziehen.

Maßnahmen für Spieler

  • Day-1-Patch installieren: Installieren Sie immer den neuesten Patch für das Spiel, da diese oft Korrekturen für bekannte Probleme enthalten, die Anfälle auslösen könnten.
  • Helligkeit und Kontrast anpassen: Verringern Sie die Helligkeit des Bildschirms und passen Sie den Kontrast an, um potenziell gefährliche Lichteffekte zu minimieren.
  • Blaufilter nutzen: Dimmen Sie die blauen Lichter des Monitors durch einen Augenschonmodus, wie man es von Smartphones mit Blaufilter kennt.
  • Farbenblind-Modus aktivieren: Nutzen Sie einen Farbenblind-Modus, falls verfügbar, um die Farbdarstellung anzupassen.
  • Pausen einlegen: Machen Sie regelmäßige Pausen vom Spielen, um die Augen zu entlasten und die Exposition gegenüber visuellen Reizen zu reduzieren.
  • Auf Warnzeichen achten: Achten Sie auf Warnzeichen wie Schwindel, Übelkeit oder ein allgemeines Unwohlsein während des Spielens. Beenden Sie das Spiel sofort, wenn solche Symptome auftreten.
  • Arzt konsultieren: Wenn Sie oder jemand in Ihrem Haushalt an einer Epilepsieerkrankung leiden, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie neue Videospiele spielen.

Beispiele aus der Praxis

"Balan Wonderworld"

Ein Beispiel für die Bedeutung dieser Maßnahmen ist der Fall des Spiels "Balan Wonderworld". Kurz nach der Veröffentlichung wurde bekannt, dass eine Szene im Spiel bei einigen Spielern epileptische Anfälle auslösen konnte. Die Entwickler rieten daraufhin dringend dazu, den Day-1-Patch zu installieren, da ohne diesen Patch eine spezielle Szene Krampfanfälle auslösen könne. Auslöser in der Szene waren nicht nur Blinkeffekte, sondern ebenfalls eine schnelle Abfolge von weißen Blitzen im Hintergrund.

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"Cyberpunk 2077"

Auch das Spiel "Cyberpunk 2077" sorgte für Diskussionen im Zusammenhang mit photosensitiver Epilepsie. Kritisiert wurde, dass das Spiel helle, laute und aufdringliche Farben und Animationen enthält, die Anfälle auslösen können. Besonders die sogenannten "Braindance"-Szenen wurden als problematisch eingestuft, da das Headset, das der Charakter im Spiel aufsetzt, einem Gerät ähnelt, mit dem Neurologen Anfälle zu Diagnosezwecken auslösen. CD Projekt Red reagierte auf die Kritik und arbeitete eine gesonderte Epilepsie-Warnung in die Bootsequenz des Spiels ein.

Barrierefreiheit und Inklusives Design

Die Barrierefreiheit von Spielen ist ein wichtiger Aspekt, der oft übersehen wird. Microsoft betont, dass Spiele für alle Spaß machen sollten und dass Inklusivität ein zentraler Wert ist. Ein inklusives Spieldesign geht über das grundlegende Spieldesign hinaus und bezieht zusätzliche oder modifizierte Personas ein, um ein breiteres Spektrum von Spielern anzusprechen.

Prinzipien des inklusiven Designs

  • Anpassbarkeit: Bieten Sie Spielern die Möglichkeit, ihre Spielerfahrung anzupassen, beispielsweise durch die Neuzuordnung von Controllern oder die Anpassung der Schriftgröße.
  • Universelles Design: Verwenden Sie einen einheitlichen Ansatz, der nicht nur mehr Spieler anzieht, sondern auch die Erfahrung für alle verbessert. Zum Beispiel ein Bild sowie Text, ein Symbol sowie eine Farbe.
  • Feedback: Holen Sie Feedback von Spieltestern mit Behinderungen ein, um das Spiel weiter zu verbessern.

Technische Aspekte der Barrierefreiheit

Farbblindheit

Farbblindheit tritt auf, wenn ein oder mehrere der drei Arten von Lichtkegeln (Rot, Grün und Blau) nicht wie erwartet funktionieren. Verwenden Sie einen Farbblindsimulator, um Ihre Designs zu testen und häufige Kontrastprobleme zu vermeiden.

Untertitel und Beschriftungen

Bieten Sie lesbare Untertitel als Option an, damit Ihr Spiel auch ohne Audio genutzt werden kann. Wählen Sie eine ausreichend große Schriftgröße aus oder erwägen Sie eine anpassbare Schriftgrößenoption für mehr Flexibilität. Erstellen Sie hohen Kontrast zwischen Hintergrund und Schriftfarbe.

Audio

Ein gutes Spielaudiodesign kann die Barrierefreiheit für Spieler mit Sehbehinderungen verbessern. Gestalten Sie Sprache, die aussagekräftige Informationen für Spieler bereitstellt.

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Controller-Anpassung

Ermöglichen Sie die Neuzuordnung von Controllern, um Spielern mit unterschiedlichen Bedürfnissen entgegenzukommen. Es gibt Unternehmen und Organisationen wie SpecialEffect, die benutzerdefinierte Gamecontroller entwerfen, die mit verschiedenen Spielsystemen verwendet werden können.

Schwierigkeitsgrad

Das Entwerfen einer breiteren Auswahl an Schwierigkeitsoptionen erhöht die Chance, Spielern die richtige Menge an Herausforderungen zu bieten und macht Ihr Videospiel barrierefreier.

Die Rolle von Extended Reality (XR) in der Medizin

Das Zentrum für virtuelle und erweiterte Realität in der Medizin (ZvRM) der Universitätsmedizin Essen prüft, ob der Einsatz von "Extended Reality" (XR) das Wohlbefinden von stationären Patientinnen und Patienten verbessern kann. XR ermöglicht es, mithilfe virtueller Erlebniswelten für kurze Zeit aus dem Krankenhausalltag "auszusteigen". Im Krankenhaus erleben viele Menschen negative Gefühle wie Angst, Stress, Schmerzen oder Langeweile. Die Wirkung von XR wird in einer Studie untersucht, wobei das psychische Befinden (z. B. Reduktion negativer Affektivität wie Angst, Stress, Schmerz, Langeweile, Fatigue und Stärkung positiver Affektivität) im Fokus steht.

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