Ingwer und seine potenziellen Auswirkungen auf Parkinson

Ingwer (Zingiber officinale), mehr als nur ein Gewürz, hat eine lange Geschichte in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), wo er seit über 2000 Jahren medizinisch genutzt wird. Die knollenartige Wurzel zeichnet sich durch ätherische Öle und Scharfstoffe wie Gingerole und Shogaole aus. Gingerole sind vor allem in frischem Ingwer vorhanden und wandeln sich bei Lagerung oder Erhitzen in die schärferen Shogaole um. Im Jahr 2018 wurde Zingiber officinale aufgrund seines breiten medizinischen Wirkspektrums sogar zur Heilpflanze des Jahres gekürt.

Die vielfältigen Wirkungen von Ingwer

Verdauungsförderung und Linderung von Übelkeit

Die Scharfstoffe im Ingwer regen die Speichel- und Magensaftproduktion an, was die Verdauung beschleunigt. Bereits Hildegard von Bingen nutzte im Mittelalter die anregende Wirkung von Ingwer auf den Magen-Darm-Trakt. Die Einnahme vor dem Essen, beispielsweise als Tee, kann Völlegefühl reduzieren. Auch die Wirkung von Ingwer auf Übelkeit ist gut untersucht.

Schmerzlinderung und Entzündungshemmung

Ingwer wirkt antientzündlich und kann sich positiv auf entzündliche Darmerkrankungen auswirken. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2011 analysierte Studien zur schmerzstillenden Wirkung von Ingwer und kam zu dem Ergebnis, dass Ingwer Schmerzen lindert. Diese Wirkung wird vermutlich durch die antientzündlichen Eigenschaften vermittelt, die auf einer Hemmung der Prostaglandin-Bildung beruhen. Prostaglandine sind Botenstoffe, die Entzündungen fördern und bei der Schmerzübermittlung eine Rolle spielen. Ingwer-Pulver wurde unter anderem in Studien zur Schmerzlinderung eingesetzt.

Unterstützung für Sportler

Studien deuten darauf hin, dass Ingwer die Regeneration nach dem Krafttraining beschleunigen und Entzündungsreaktionen nach intensivem Cardio-Training verringern kann. Einige Sportler setzen nach dem Training auch auf die durchblutungsfördernde äußere Anwendung in Form von Wickeln oder Salben, um Muskelkater vorzubeugen.

Schutz vor oxidativem Stress

Mehrere Studien zeigen, dass Ingwer vor oxidativem Stress schützt. Reaktive Sauerstoffspezies, sogenannte freie Radikale, werden für die Zellalterung und viele Erkrankungen wie Krebs und Arteriosklerose verantwortlich gemacht. Ingwer erhöht die Expression verschiedener antioxidativer Enzyme, die freie Radikale unschädlich machen, was auch für Sportler von Vorteil ist.

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Herz-Kreislauf-Gesundheit

Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sind weltweit die häufigste Todesursache. Ingwer-Konsum kann helfen, typische Risikofaktoren wie erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck und Übergewicht zu vermeiden. Studien haben gezeigt, dass Ingwer den Blutdruck senken und die Blutfettwerte verbessern kann. Die Scharfstoffe Shogaole und Gingerole sollen zudem den Fettaufbau hemmen und den Fettabbau fördern.

Neuroprotektive Effekte und Potenzial bei neurodegenerativen Erkrankungen

Aufgrund seiner entzündungshemmenden Eigenschaften soll Ingwer die Gedächtnisfunktion positiv beeinflussen und könnte so zur Behandlung sowie Prävention von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson beitragen.

Ingwer bei Parkinson: Was die Forschung sagt

Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Zellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies führt zu motorischen Symptomen wie Zittern, Steifheit, verlangsamten Bewegungen und Gleichgewichtsproblemen. Es gibt zwar keine Heilung für Parkinson, aber Behandlungen können helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Die Rolle von Dopamin und L-Dopa

Die wichtigste medikamentöse Therapie bei Parkinson ist die Einnahme von L-Dopa (Levodopa). L-Dopa ist eine Aminosäure, die im Gehirn zu Dopamin umgewandelt wird und so den Dopaminmangel ausgleichen kann. Allerdings kann die Behandlung mit synthetischem L-Dopa mit Nebenwirkungen wie unkontrollierten Bewegungen (Dyskinesien) und einem Nachlassen der Wirkung im Laufe der Zeit verbunden sein.

Ingwer als potenzieller neuroprotektiver Wirkstoff

Die potenziellen neuroprotektiven Eigenschaften von Ingwer könnten bei der Behandlung von Parkinson von Interesse sein. Studien haben gezeigt, dass Ingwer antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen hat, die dazu beitragen könnten, Nervenzellen vor Schäden zu schützen.

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Eine Studie von Park et al. (2013) zeigte, dass 6-Shogaol, ein Wirkstoff aus Ingwer, dopaminerge Neuronen in Modellen der Parkinson-Krankheit durch Anti-Neuro-Entzündung schützt. Dies deutet darauf hin, dass Ingwer möglicherweise dazu beitragen könnte, das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit zu verlangsamen.

Curcumin und Gelber Ingwer (Curcuma longa)

Die Arbeitsgruppe um B. Ahmad von der Michigan State University/USA konnte nachweisen, dass Verklumpungen von sogenannten α-Synuclein-Proteinen im Gehirn, der Vorstufe zur Auslösung von Morbus Parkinson, durch Curcumin verhindert werden kann. Curcumin ist ein essenzieller Bestandteil in dem Gewürz Curcuma (Curcuma longa), auch bekannt als Gelber Ingwer oder Safranwurzel.

Die Juckbohne (Mucuna pruriens) als alternative L-Dopa-Quelle

Die Samen der Juckbohne (Mucuna pruriens) enthalten ebenfalls L-Dopa, und zwar in beträchtlicher Menge (bis zu 7 %). Mehrere klinische Studien attestieren, dass die Wirkung der Juckbohne bei Menschen mit Parkinson vergleichbar mit der von L-Dopa-Medikamenten ist - bei deutlich weniger Nebenwirkungen. Es besteht aufgrund bisheriger Studien der Grund zur Annahme, dass die Juckbohne besser vertragen wird, wobei lediglich gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit oder Völlegefühl nach der Einnahme beobachtet wurden.

Es wird vermutet, dass die positiven Wirkungen der Juckbohne nicht allein auf dem L-Dopa-Gehalt beruhen, sondern dass auch die antioxidativen Wirkungen eine wichtige Rolle spielen, da sie einen schützenden Effekt auf Nervenzellen haben.

Ernährungsempfehlungen für Parkinson-Patienten

Es gibt keine spezielle Ernährung oder Diät, die Parkinson heilen kann. Dennoch ist es mit einer zielgerichteten Kost und bestimmten Maßnahmen oft möglich, die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern. Eine gesunde Ernährung ist vor allem entscheidend, um einer Mangelernährung vorzubeugen, da Parkinson-Patienten häufig an Körpergewicht verlieren.

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Allgemeine Ernährungstipps

  • Ausgewogene und abwechslungsreiche Kost: Viel leicht verdauliches Gemüse und Ballaststoffe.
  • Ausreichend Ballaststoffe: Zur Verbesserung der Verdauung und Vorbeugung von Verstopfung. Geeignete Lebensmittel sind Gemüse, Getreide und Obst.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Mindestens 2,5 Liter Wasser am Tag.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Um eine gleichmäßige Versorgung mit Nährstoffen zu gewährleisten.
  • Anpassung der Konsistenz: Bei Schluckstörungen kann eine Dysphagie- oder Breikost erforderlich sein. Ungeeignet sind meist Speisen von körniger, trockener, faseriger oder harter Konsistenz.

Besonderheiten bei der Einnahme von L-Dopa

  • Eiweißreiche Ernährung: Kann die Aufnahme von L-Dopa beeinträchtigen. Daher sollte die notwendige Eiweißmenge in kleinen Portionen über den Tag verteilt aufgenommen werden und nicht in einer großen Mahlzeit.
  • Einnahme von L-Dopa: Im Idealfall eine halbe Stunde vor oder eine Stunde nach dem Essen.

Weitere wichtige Nährstoffe

  • Vitamin D, K, Kalzium und Magnesium: Zur Vermeidung von Begleiterkrankungen wie Osteoporose.
  • Omega-3-Fettsäuren: Vor allem in fetten Kaltwasserfischen wie Lachs, Forelle, Hering, Heilbutt, Thunfisch oder Kabeljau.
  • Calcium: Für die Knochengesundheit. Enthalten in Spinat und Milchprodukten.
  • Vitamin D: Wichtig für die Knochengesundheit und wird vor allem durch Sonneneinstrahlung gebildet. Bei Bewegungsmangel und unzureichender Sonneneinstrahlung wird die Einnahme über Tabletten oder Tropfen empfohlen.

Was man vermeiden sollte

  • Süßigkeiten, Puddings und Milchprodukte: Können für dicken, zähen und schleimigen Speichel sorgen.
  • Übermäßig viel Salz: Besser mit Kräutern und Gewürzen arbeiten.

Bewegung und Thermoregulation

Regelmäßige Bewegung ist für Parkinson-Patienten essenziell, um die Steifheit zu reduzieren und die Beweglichkeit zu erhalten. In den Wintermonaten kann es jedoch aufgrund von Kälte und widrigen Wetterverhältnissen schwierig sein, aktiv zu bleiben.

Tipps für die Wintermonate

  • Tägliche Bewegung: Sofern es zu kalt oder glatt ist, sollten die täglichen Bewegungsübungen in der Wohnung stattfinden.
  • Aufwärmen von innen: Heißen Tee trinken oder eine heiße Suppe genießen. Mit Chili oder Ingwer würzen.
  • Warme Kleidung: Sich der Umgebungstemperatur angepasst anziehen. Das Zwiebelschalenprinzip verwenden.
  • Vermeidung von Eisfüßen: Warmes und nässedichtes Schuhwerk tragen.
  • Handschuhe tragen: Um die Finger warm zu halten.
  • Richtiges Atmen: Beim Einatmen kalter Luft durch die Nase atmen. Ein Schal vor Mund und Nase ist ebenfalls hilfreich.
  • Hautpflege: Die Haut im Winter mit fetthaltiger Kälteschutzcreme pflegen.
  • Licht für die Seele: Für ausreichend Licht in der Wohnung sorgen. Bei Winterdepression kann eine Lichttherapie hilfreich sein.
  • Sonnenhormon: In den Wintermonaten zusätzlich Vitamin D in Kapselform einnehmen.

Ingwertee als einfache Möglichkeit zur Integration

Ingwertee ist eine großartige und einfache Möglichkeit, das Superfood Ingwer in den Alltag zu integrieren, um von seinen gesundheitlichen Vorteilen zu profitieren. Die Wirkungen von Ingwer gehen auf den hohen Anteil an Polyphenolen und ätherischen Ölen zurück, die durch die Zubereitung als Tee optimal freigesetzt werden.

Rezept für Ingwertee

  • Zutaten:
    • Stück Ingwer
    • Zwei Tassen kochendes Wasser
    • Teelöffel Honig
    • Halbe Biozitrone
  • Zubereitung:
    1. Ingwer schälen und in feine Scheiben oder Stifte schneiden oder reiben.
    2. Ingwerraspeln in ein Teesieb oder direkt in eine Tasse geben und mit kochendem Wasser überbrühen.
    3. 5 bis 10 Minuten ziehen lassen und gelegentlich umrühren.
    4. Nachdem der Tee durchgezogen ist, Honig und Zitronensaft hinzufügen.

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