Die Alzheimer-Krankheit stellt eine der größten Herausforderungen im Bereich der Neurodegeneration dar. Weltweit arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, die Ursachen der Erkrankung besser zu verstehen, neue Diagnostikverfahren zu entwickeln und Therapien zu finden, die den Verlauf der Krankheit beeinflussen können. Noch gibt es keine Heilung, aber für einige Formen der Demenz gibt es bereits zuverlässige Diagnostikverfahren, Präventionsmaßnahmen und erste Therapien, die den Krankheitsverlauf verlangsamen können. Dieser Artikel beleuchtet die Schwerpunkte der Alzheimerforschung und -versorgung in Deutschland, von Früherkennung und neuen Medikamenten bis hin zur Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen und ihren Angehörigen.
Gedächtnisambulanzen: Spezialisierte Anlaufstellen für Diagnostik
Gedächtnisambulanzen sind auf die Diagnostik von Gedächtnisproblemen spezialisiert. Ärztinnen, Ärzte und andere Fachkräfte untersuchen dort, welche Ursachen den Gedächtnisproblemen zugrunde liegen und ob eine Demenzerkrankung wie Alzheimer vorliegt. In Deutschland gibt es rund 160 dieser Einrichtungen, die auch als Memory Kliniken oder Gedächtnissprechstunden bezeichnet werden. Die Überweisung erfolgt durch die Hausärztin oder den Hausarzt.
Mit den neuen Alzheimer-Medikamenten kommt den Gedächtnisambulanzen eine zusätzliche Rolle zu: Erste Zentren koordinieren bereits die notwendigen Schritte für eine mögliche Behandlung mit Leqembi oder Kisunla und begleiten die erforderlichen Untersuchungen.
Ausgewählte Gedächtnisambulanzen in Deutschland
Um die Suche nach einer geeigneten Einrichtung zu erleichtern, folgt eine Auflistung von Gedächtnisambulanzen in verschiedenen Regionen Deutschlands.
- Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, Universitäts-Gedächtnisambulanz: Fetscherstr. 74, 01307 Dresden, Tel.: 035 14 58 27 97, https://www.uniklinikum-dresden.de/de/das-klinikum/universitaetscentren/universitaets-demenzcentrum-udc
- Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig, Gedächtnisambulanz: Semmelweisstr. 10, 04103 Leipzig, Tel.: 034 19 72 43 04, https://www.uniklinikum-leipzig.de/einrichtungen/psychiatrie-psychotherapie/Seiten/gedaechtnisambulanz.aspx
- Helios Park-Klinikum Leipzig Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Psychiatrische Institutsambulanz - Gedächtnissprechstunde: Morawitzstr. 2, 04289 Leipzig, Tel.: 0341 864 - 11 10, https://www.helios-gesundheit.de/standorte-angebote/kliniken/leipzig/leistungen/fachbereiche/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/psychiatrische-institutsambulanz/
- Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Altenburg, Gerontopsychiatrische Ambulanz / Gedächtnissprechstunde Altenburg: Zeitzer Str. 28, 04600 Altenburg, Tel.: 034 47 56 22 40, https://www.psychiatrie-altenburg.de/teil-stationaere-ambulante-behandlung/ambulante-einrichtung
- Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Halle, Gedächtnissprechstunde: Julius-Kühn-Str. 7, 06112 Halle, Tel.: 03 45 55 73 639, https://www.umh.de/einrichtungen/kliniken-und-departments/psychiatrie-psychotherapie-und-psychosomatik/patientinnen-und-patienten/ambulant/spezialambulanzen/gedaechtnissprechstunde
- Universitätsklinikum Halle (Saale), Klinik und Poliklinik für Neurologie, Neurologie-Ambulanz, Gedächtnissprechstunde: Ernst-Grube-Str. 40, 06120 Halle, Tel.: 0345 5573340, https://www.umh.de/einrichtungen/kliniken-und-departments/psychiatrie-psychotherapie-und-psychosomatik/patientinnen-und-patienten/ambulant/spezialambulanzen/gedaechtnissprechstunde
- Universitätsklinikum Jena - Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Gedächtnissprechstunde Psychiatrische Ambulanz: Philosophenweg 3, 07743 Jena, Tel.: 036 41 93 90 400, https://www.uniklinikum-jena.de/psychiatrie/Klinik/Institutsambulanz.html
- Gedächtniszentrum des Universitätsklinikums Jena, Klinik für Neurologie (in Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie): Am Klinikum 1, 07747 Jena, Tel.: 036 41 93257 90, https://www.uniklinikum-jena.de/neuro/%C3%84rzte+_+Zuweisende/Neurologische+Zentren/Ged%C3%A4chtniszentrum.html
- HELIOS Klinikum Aue, Gedächtnissprechstunde: Gartenstr. 6, 08280 Aue, Tel.: 037 71 58 15 36, https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/schwerin/unser-angebot/unsere-fachbereiche-carl-friedrich-flemming-klinik/gerontopsychiatrie-und-psychotherapie/sprechzeiten-alterspsychiatrie/detail/sprechzeit/show/gedaechtnissprechstunde/
- Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig- Krankenhaus, Gedächtnissprechstunde: Große Hamburger Str. 5-11, 10115 Berlin, Tel.: 030 23 11 25 00, https://www.alexianer-berlin-hedwigkliniken.de/st-hedwig-krankenhaus/leistungen/ambulante-behandlung/gedaechtnissprechstunde
- Charité Mitte Psychiatrische Institutsambulanz, Gedächtnissprechstunde: Charitéplatz 1, 10117 Berlin, Tel.: 030 45 05 17 095, https://psychiatrie-psychotherapie.charite.de/fuerpatienten/ambulanzen/psychiatrischeinstitutsambulanz_pia/spezialsprechstunden/
- Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge Abt. Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Gedächtnisambulanz: Herzbergstr. 79, 10365 Berlin, Tel.: 030 54 72 49 60, https://www.keh-berlin.de/sprechzeiten/detail/gedaechtnissprechstunde-fuer-menschen-mit-intelligenzminderung
- Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik: Landhausstrasse 33-35, 10717 Berlin, Tel.: 030 54 72 78 54, https://www.bodelschwingh-klinik.de/einrichtungen-und-angebote/ambulante-angebote/gedaechtnissprechstunde.html
- Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Modul Altersmedizin: Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin, Tel.: 030 45 05 17 685, https://psychiatrie.charite.de/behandlungsangebot/ambulanzbereich/ambulanzfuerdemenzerkrankungen/
- Charité Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Neurologie, MVZ Neurologie: Hindenburgdamm 30, 12203 Berlin, Tel.: 030 45 05 50 606, https://neurologie.charite.de/leistungen/klinische_schwerpunkte/demenz/
- St. Joseph Krankenhaus Berlin-Weißensee, Memory-Klinik: Gartenstr. 1-5, 13088 Berlin, Tel.: 030 92 79 03 22, https://www.alexianer-berlin-weissensee.de/leistungen/tageskliniken/gedaechtnis-tagesklinik-memoryklinik-weissensee
- Charité - Universitätsmedizin Berlin Campus Berlin Buch, Gedächtnissprechstunde: Lindenberger Weg 80, 13125 Berlin, Tel.: 030 45 05 40 077, https://psychiatrie.charite.de/behandlungsangebot/ambulanzbereich/ambulanzfuerdemenzerkrankungen/
- Ernst von Bergmann Klinikum, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Institutsambulanz 2 / Gedächtnissprechstunde: Charlottenstr. 72, 14467 Potsdam, Tel.: 033 12 41 37 586, https://www.evb-gesundheit.de/klinikumevb/psychiatrie-und-psychotherapie/spezialsprechstunden
- Asklepios Fachklinikum Brandenburg, Klinik für Gerontopsychiatrie, Gedächtnissprechstunde: Anton-Saefkow-Allee 2, 14772 Brandenburg a.d. Havel, Tel.: 033 81 78 21 56, https://www.asklepios.com/details/sprechstunde~ref=b45aa7d3-c9f2-40d5-8961-f54aa1cbe986~coId=afkb-psy-03~
- Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Gedächtnissprechstunde: Müllroser Chaussee 7, 15236 Frankfurt Oder, Tel.: 0335 - 548 4530, https://www.klinikumffo.de/behandlungsangebot/unsere-fachbereiche/psychiatriepsychotherapie/gedaechtnissprechstunde.html
- Asklepios Fachklinik Teupitz, Klinik für Psychiatrie, Psychologie und Psychosomatik, Gedächtnissprechstunde: Buchholzer Str. 21, 15755 Teupitz, Tel.: 033 76 66 64 04, https://www.asklepios.com/teupitz/experten/psychiatrie/gedaechtnisstoerungen/
- Martin Gropius Krankenhaus GmbH, Psychiatrische Institutsambulanz für Erwachsene, Memory-Klinik: Oderberger Straße 8, 16225 Eberswalde, Tel.: 03334 53 24 8, https://www.krankenhaus.de/martin-gropius-krankenhaus-gmbh/
- Ev. Krankenhaus Bethanien gGmbH, Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Memory-Klinik: Güstzkower Landstr. 69, 17489 Greifswald, Tel.: 038 34 54 34 50, https://odebrecht-stiftung.de/krankenhaus/institutsambulanz/
- Gedächtnissprechstunde / Forschungsambulanz, Universitätsmedizin Rostock, Sektion für Gerontopsychosomatik und dementielle Erkrankungen an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin: Gelsheimer Str. 20, 18147 Rostock, Tel.: 03 81 494 9480, https://kpm.med.uni-rostock.de/patienten-interessenten/sektion-gerontopsychosomatik-und-demenzielle-erkrankungen
- Helios Kliniken Schwerin GmbH, Klinik für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie: Wismarsche Straße 393-397, 19055 Schwerin, Tel.: 0385 520 3388, https://www.heli…
Wohin führt die Forschung?
Alzheimer ist eine äußerst komplexe Krankheit. Viele der Prozesse, die im Gehirn ablaufen, sind noch immer nicht vollständig verstanden. Hinzu kommt: Alzheimer beginnt lange bevor die ersten Symptome sichtbar werden. Wenn das Gedächtnis nachlässt, sind die Schäden im Gehirn meist bereits weit fortgeschritten und der Krankheitsprozess nicht mehr umkehrbar.
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Doch es gibt Hoffnung. Erste Medikamente greifen gezielt in den Krankheitsverlauf ein, und Therapien können das Leben von Menschen mit Demenz bereits heute spürbar verbessern, indem sie den Alltag erleichtern, Fähigkeiten länger erhalten und die Lebensqualität steigern.
Forschende weltweit arbeiten daran, Alzheimer eines Tages zu stoppen oder zu heilen und dadurch das Leben künftiger Generationen entscheidend zu verändern.
Schwerpunkte der aktuellen Alzheimer-Forschung
Die Alzheimerforschung konzentriert sich auf verschiedene Bereiche, um die Krankheit besser zu verstehen, frühzeitig zu erkennen und wirksamer zu behandeln.
1. Früherkennung
Alzheimer und andere Demenzerkrankungen beginnen oft viele Jahre, bevor erste Symptome auftreten. Neue Bluttests, bildgebende Verfahren und digitale Methoden sollen es ermöglichen, die Krankheiten deutlich früher und zuverlässiger zu erkennen. Gerade weil Medikamente im frühen Stadium am besten wirken, wird die Früherkennung zu einem entscheidenden Schlüssel in der Versorgung.
Die App neotivCare ist darauf ausgelegt, frühzeitig ein aussagekräftiges Bild der Gedächtnisleistung zu erstellen und somit eine rechtzeitige Intervention zu ermöglichen. Das Team am DZNE entwickelte deswegen gemeinsam mit der Universität Magdeburg und dem Magdeburger Start-Up neotiv eine App, die darauf ausgelegt ist, die Frühzeichen der Erkrankung zu erkennen und somit eine rechtzeitige Intervention zu ermöglichen. Die App namens „neotivCare“ enthält eine Reihe sensibler kognitiver Tests, die spezifische Gehirnregionen ausleuchten und auf subtile kognitive Veränderungen hinweisen.
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2. Antikörper-Medikamente
Mit den Antikörpern Leqembi und Kisunla gibt es erstmals Medikamente, die den Verlauf von Alzheimer verlangsamen können. Sie richten sich an Menschen in einem frühen Krankheitsstadium und greifen gezielt in die Prozesse im Gehirn ein. Noch ist offen, wie groß ihr Nutzen langfristig ist und wie Nebenwirkungen am besten kontrolliert werden können. Forschungsteams arbeiten außerdem daran, ob sich die Antikörper künftig mit anderen Wirkstoffen kombinieren lassen.
Zwei vielversprechende Medikamente, die kürzlich die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Gemeinschaft auf sich gezogen haben, sind Lecanemab und Donanemab. Lecanemab erhielt 2023 in den USA die volle Zulassung. Die intravenöse Infusionstherapie soll die Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn entfernen und zeigte in klinischen Studien eine Verlangsamung des Fortschreitens der Krankheit. Für Europa sprach sich die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) im Sommer allerdings gegen die Zulassung von Lecanemab aus. Viele Fachleute und Patientenorganisationen reagierten enttäuscht. Ein großes Potenzial zeigt auch der Wirkstoff Donanemab, der ebenfalls Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn entfernt und im Juli 2024 in den USA zugelassen wurde.
3. Krankheitsmechanismen verstehen
Was genau passiert im Gehirn von Menschen mit Alzheimer? Forschende untersuchen zentrale Prozesse wie die Ablagerung der Proteine Amyloid-beta und Tau, entzündliche Vorgänge, die Bedeutung von Umwelteinflüssen und genetische Aspekte. Ziel ist es, die Entstehung der Erkrankungen besser zu verstehen und neue Ansatzpunkte für Therapien zu finden.
Alzheimer entsteht durch eine Kombination aus genetischen Ursachen und Umweltfaktoren. Altersbedingte Veränderungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ungesunde Lebensgewohnheiten und chronische Entzündungen tragen außerdem zur Krankheit bei. Ein Schlüsselmechanismus der Entstehung ist die Bildung von so genannten Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn, welche die Kommunikation zwischen den Nervenzellen stören und zur Neurodegeneration beitragen. Darüber hinaus kommt es zur Verklumpung sogenannter Tau-Proteine, auch als neurofibrilläre Tangles bekannt. Tau-Proteine helfen normalerweise, die Struktur der Zellen zu stabilisieren und den Transport von Nährstoffen innerhalb der Zellen zu organisieren. Diese Prozesse führen zu Synapsenverlust und neuronaler Degeneration, was Gedächtnis und Kognition beeinträchtigt.
4. Vorbeugung von Demenzerkrankungen
Rund 45 Prozent aller Demenzerkrankungen ließen sich nach aktuellem Stand der Wissenschaft durch die Reduktion bestimmter Risikofaktoren verzögern oder sogar verhindern. Dazu gehören Bluthochdruck, Diabetes, Hörverlust, Depressionen oder soziale Isolation. Die Forschung versucht, diese Zusammenhänge besser zu verstehen und Menschen dabei zu unterstützen, ihr persönliches Risiko zu senken.
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5. Pflege und Lebensqualität
Neben der medizinischen Forschung rückt auch der Alltag von Menschen mit Demenz in den Mittelpunkt. Studien befassen sich damit, wie die Versorgung individueller, die Belastung für Angehörige geringer und die Selbstständigkeit der Erkrankten länger erhalten werden kann. Technische Hilfen, soziale Teilhabe und neue Versorgungsmodelle spielen eine zentrale Rolle.
Die Rolle der Gedächtnissprechstunde in der Demenzdiagnostik
Die Gedächtnissprechstunde spielt eine zentrale Rolle bei der differentialdiagnostischen Abklärung bei Verdacht auf eine dementielle Erkrankung sowie bei der Verlaufsbeurteilung, insbesondere bei unklaren Demenzen. Hier wird eine umfassende Diagnostik durch ein ausführliches Anamnesegespräch, bei dem auch die Fremdperspektive durch Angehörige berücksichtigt wird, angeboten. Gemeinsam sichten die Fachkräfte eventuelle Vorbefunde oder fordern diese gegebenenfalls an. Zudem werden neben einer neurologischen Untersuchung neuropsychologische Testungen in Form von Screenings oder Assessments durchgeführt. Direkt im Anschluss wird das weitere Vorgehen besprochen. Gegebenenfalls erfolgt die Planung zusätzlich erforderlicher Diagnostik wie z. B. eine ausführliche neuropsychologische Testung, MRT- bzw. PET- Untersuchungen oder einer Nervenwasserentnahme mittels Lumbalpunktion. Nach Abschluss der Diagnostik erhalten die Patienten Therapieempfehlungen und werden über Behandlungsmöglichkeiten informiert. Zusätzlich informieren und beraten die Fachkräfte zu klinischen Studien und dem aktuellen Forschungsstand.
Leben mit Demenz: Herausforderungen und Unterstützung
Eine Demenz wirkt sich auf verschiedene Lebensbereiche aus, zum Beispiel auf den Alltag, das Verhalten und Gefühle, die Kommunikation, auf Familie und Partnerschaft sowie auf die soziale Teilhabe. Wie sich eine Demenz auswirkt, ist individuell verschieden. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle: beispielsweise die Form der Demenz, der Zeitpunkt der Diagnose sowie Möglichkeiten der Behandlung. Und nicht zuletzt kommt es auch auf die Lebenssituation und die praktische Unterstützung durch das Umfeld an.
Auswirkungen auf den Alltag
Für Menschen mit Demenz wird es mit fortschreitender Erkrankung schwieriger, den Alltag selbstständig zu bewältigen. Zum Beispiel nimmt die Fähigkeit ab, gewohnte Tätigkeiten durchzuführen, sich zeitlich und örtlich zu orientieren sowie Situationen einzuschätzen. Auch wird die Funktion von Gegenständen teilweise nicht mehr erkannt. Körperliche Beeinträchtigungen können den Alltag zusätzlich erschweren. Je stärker die Erkrankung ausgeprägt ist, umso weniger Selbstfürsorge ist in der Regel möglich, zum Beispiel im Haushalt, bei der Körperpflege, Ernährung, Medikation oder Freizeitgestaltung. Menschen mit fortgeschrittener Demenz können etwa die Finanzen und behördliche Angelegenheiten nicht mehr regeln.
Verhaltensänderungen
Mit fortschreitender Demenz kann sich das Verhalten deutlich ändern. Das kann sich zum Beispiel in häufigen Stimmungswechseln, Antriebslosigkeit oder unruhigem Umhergehen (Wandering-Syndrom) zeigen. Auch kann der Tag-Nacht-Rhythmus gestört sein. Dann ist die Person vermehrt am Abend oder nachts aktiv (Sundowning-Syndrom). Zudem können Wahrnehmungsstörungen bis hin zu Wahnvorstellungen auftreten. Das Verhalten von Menschen mit Demenz kann für das Umfeld unverständlich, anstrengend und auch mit Scham besetzt sein.
Kommunikation und soziale Teilhabe
Die Demenz wirkt sich erheblich auf die Kommunikationsfähigkeit aus. Zum Beispiel werden Worte nicht mehr richtig verwendet oder verstanden. Schließlich verlieren sie immer mehr an Bedeutung. Mimik, Gestik und Berührungen werden dann besser verstanden als Worte. Der Verlust von gewohnten Fähigkeiten, wie Orientierung und Gedächtnis, kann stark verunsichern. Mit fortschreitender Erkrankung wird es zudem schwieriger, am sozialen Leben teilzunehmen. Zum einen erschweren es kognitive und körperliche Symptome, gezielt aktiv zu sein und sich mit anderen auszutauschen. Zum anderen treffen Menschen mit Demenz im öffentlichen Raum mitunter aufgrund ihres Verhaltens auf Unverständnis oder gar Ablehnung.
Unterstützung für Betroffene und Angehörige
Mit der Diagnose einer Demenzerkrankung ergeben sich sowohl für die Betroffenen als auch für die Angehörigen zahlreiche Fragen. Im Rahmen einer Demenzsprechstunde besprechen Fachkräfte ausführlich das Krankheitsbild mit seinen Symptomen, den möglichen Formen und Verläufen und den Möglichkeiten der Behandlung. Dabei legen sie den Fokus auf das aktive Gestalten des Alltags, den selbstbestimmten Umgang mit der Erkrankung und auf Möglichkeiten zur Unterstützung und Entlastung Angehöriger und Pflegender, um Sicherheit zu schaffen und Lebensqualität zu erhalten.
Gesellschaftliche Initiativen und Aufklärung
Akzeptanz, Verständnis und Unterstützung durch das Umfeld sind wichtige Faktoren, damit Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen möglichst gut mit der Erkrankung leben können. Jedoch ist die Gesellschaft vielfach nicht auf darauf eingestellt. Viele wissen zum Beispiel nicht, wie sie mit fremden Menschen mit Demenz umgehen oder ihnen bei einer Begegnung helfen können, zum Beispiel in der Nachbarschaft, im Restaurant oder im Supermarkt. Darum sind gesellschaftliche Aufklärung und Sensibilisierung für die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz wichtig. Die aktuell größte bundesweite Initiative ist die Nationale Demenzstrategie (NDS), eine Weiterentwicklung der von der Bundesregierung initiierten „Allianz für Menschen mit Demenz“.
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