Die Friedreich-Ataxie (FA) ist eine fortschreitende, neuromuskuläre Erkrankung, die durch eine pathologische GAA-Trinukleotid-Expansion im Frataxin (FXN)-Gen verursacht wird. Die Erkrankung betrifft nicht nur das Rückenmark, sondern mehrere Körpersysteme und gilt daher als Multisystemerkrankung. Typische Anzeichen sind Gleichgewichtsprobleme, Muskelabbau, Sprachstörungen und manchmal Herzprobleme. Die Friedreich-Ataxie (FA) ist bislang nicht heilbar, aber die Beschwerden lassen sich lindern. Seit 2024 ist das Medikament Omaveloxolon für Betroffene ab 16 Jahren zugelassen.
Bedeutung der Diagnose
Für eine zügige Diagnose ist es unerlässlich, das Zusammenspiel der Symptome zu betrachten. Dies gelingt am besten durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärztinnen und Ärzten. Eine sichere FA-Diagnose gibt dabei ein spezifischer Gentest. Dieser kann als Teil der Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherungen von Ärztinnen und Ärzten veranlasst werden. Die genetische Testung bleibt unentbehrlich, da klinisch-neurologische Befunde allein ungenügend sind.
Genetische Tests
Die GAA-Expansion lässt sich mittels spezifischer Gentests nachweisen. Findet sich die Expansion nur in einem Allel, sollte das zweite auf pathogene Varianten sequenziert werden. Methoden des Next-Generation-Sequencing sind für die Diagnose der Friedreich-Ataxie hingegen nicht zielführend, da sie die Triplett-Repeat-Expansionen nicht zuverlässig nachweisen können. Eine genetische Blutuntersuchung klärt, ob jemand Anlageträger ist. Nur wenn ein Kind von beiden Eltern ein defektes Gen erbt, bricht die Krankheit aus. Etwa jeder hundertste Mensch ist Träger.
Klinische Studien und Beobachtungsstudien
Für Patienten mit Friedreich-Ataxie werden aktuell mehrere Beobachtungsstudien angeboten, welche sich ggf. miteinander kombinieren lassen. Ziele dieser Beobachtungsstudien ist es, klinische Daten bei Personen mit Friedreich Ataxie zu erheben und Biomaterialien (Blut und Urin) sowie Bildgebungsdaten (MRT) zu untersuchen. Diese Daten sollen dazu dienen, neue Instrumente zur Verfolgung des Krankheitsverlaufs zu identifizieren und bestehende Instrumente zu verbessern. Dies ist für die Durchführung von zukünftigen Therapiestudien wichtig.
FACROSS-Studie
FACROSS ist eine Studie, die die Multiorgan-Komplexität bei der Friedreich Ataxie untersucht. Dabei ist das Ziel, nicht nur die Symptome des Nervensystems zu untersuchen, sondern auch andere betroffene Körpersysteme in die Forschung mit einzubeziehen, z.B. Herz, Stoffwechsel oder Muskel-Knochensystem. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten verschiedene Fachrichtungen der Uniklinik RWTH Aachen zusammen und es bestehen Kooperationen mit dem Forschungszentrum Jülich (FZJ), dem Institut für Medizinische Statistik (Uniklinik RWTH Aachen) und dem Lehrstuhl für Mathematik der Informationsverarbeitung (RWTH Aachen Universität).
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Zielgruppe: Gesucht werden Patienten und Patientinnen mit genetisch gesicherter Friedreich Ataxie und gesunde Kontrollprobanden.
Einschlusskriterien für Patienten und Patientinnen:
- genetisch gesicherte Diagnose der Friedreich Ataxie
- Bei Teilnahme an bestimmten, optionalen Untersuchungen: keine Metallteile im Körper (z. B. feste Zahnspange, Schrauben/Platten, Herzschrittmacher), keine Schwangerschaft
Welche Tests werden durchgeführt?
Die FACROSS-Studie enthält einige Untersuchungen, die sich mit Untersuchungen der klinischen Visite oder anderer Studien (z.B. EFACTS bzw. der globalen Nachfolgestudie UNIFAI) überschneiden. Dies können beispielsweise funktionelle Untersuchungen (z.B. Blutdruck, Elektrokardiogramm), kardiologische Untersuchungen (z.B. Echokardiographie) und einige Fragebögen umfassen. Die Ergebnisse können auch für die FACROSS-Studie verwendet werden, sodass die Untersuchungen nicht wiederholt werden müssen. Ob und welche zusätzlichen Untersuchungen durchgeführt werden, wird im Einzelfall besprochen und entschieden. Alle Untersuchungen sind optional. Die Studie beinhaltet folgende mögliche Untersuchungen:
- Neurologische Untersuchungen, optional inklusive Videoaufzeichnung
- Orthopädische Untersuchungen (z.B. Wirbelsäulenanalyse, Ganganalyse z.B. mit Sensor Schuhsohlen)
- Bioproben (Blut, Speichel, Urin, Stuhl)
- Kognitive und sprachliche Tests
- Verschiedene Fragebögen
TRACK-FA-Studie
TRACK-FA ist ebenfalls eine Beobachtungsstudie für Patienten mit Friedreich-Ataxie. Ziel ist es, mittels MRT Veränderungen des Gehirns und des Rückenmarks zu untersuchen. Die Studie wird an verschiedenen Standorten weltweit durchgeführt (multizentrisch).
Zielgruppe: Gesucht werden Patienten mit genetisch gesicherter Friedreich Ataxie, insbesondere in frühen Stadien der Erkrankung, und gesunde Kontrollprobanden.
Einschlusskriterien:
- genetisch gesicherte Diagnose der Friedreich Ataxie
- Alter bei Erstsymptomen ≤ 25 Jahre
- Erkrankungsdauer ≤ 25 Jahre
- keine Metallteile im Körper (z. B. feste Zahnspange, Schrauben/Platten, Herzschrittmacher)
- keine Schwangerschaft
Welche Tests werden durchgeführt?
- Erhebung von Daten zur Demografie, Familien- und Krankengeschichte, Medikation, Begleiterkrankungen, Aktivitäten des täglichen Lebens und Lebensqualität.
- Bestimmung der Vitalzeichen (Größe, Gewicht)
- Körperlich-neurologische Untersuchung
- Tests zu Feinmotorik, Sprache, Sehvermögen und Kognition
- Blutabnahme
- MRT des Gehirns und Rückenmarks
Häufigkeit der Visiten: Jährlich für 2 Jahre (3 Visiten insgesamt)
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SCA-Register/ESMI
Das SCA Register ist eine Beobachtungsstudie für Patienten mit spinozerebellären Ataxien (SCA).
Zielgruppe: Patienten mit genetisch gesicherter SCA (alle Genotypen), gesunde Angehörige sowie gesunde Kontrollprobanden. Gesucht werden SCA Patienten, insbesondere SCA Typ 3 und gesunde Kontrollprobanden.
Welche Tests werden durchgeführt?
- Erhebung von Daten zur Demografie, Familien- und Krankengeschichte, Medikation, Begleiterkrankungen, Aktivitäten des täglichen Lebens und Lebensqualität erhoben.
- Bestimmung der Vitalzeichen (Blutdruck, Größe, Gewicht)
- Körperlich-neurologische Untersuchung
- Tests zur Gehfähigkeit und Feinmotorik
- Blutabnahme
- ggf. neuropsychologische Testung
- MRT
Häufigkeit der Visiten: Jährlich
UNIFAI-Studie
Die UNIFAI-Studie ist eine globale, multizentrische, prospektive, longitudinale Beobachtungsstudie zum natürlichen Krankheitsverlauf der Friedreich-Ataxie.
Weitere Studien
Es gibt auch verschiedene Phase-3-Studien zur Bewertung von Medikamenten bei Friedreich-Ataxie.
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- Nomlabofusp: Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte, multizentrische Phase-3-Studie zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von subkutan verabreichtem Nomlabofusp bei Patienten mit Friedreich-Ataxie. Die Rekrutierung wird vermutlich 2026 beginnen.
- Omaveloxolone (Skyclarys): Eine zweiteilige, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-3-Studie (Teil 1) und eine offene Verlängerungsstudie (Teil 2) zur Untersuchung der Wirksamkeit, Sicherheit, Pharmakokinetik und Pharmakodynamik von Omaveloxolone (BIIB141) bei Teilnehmern mit Friedreich-Ataxie im Alter von 2 bis > 16 Jahren. Die Rekrutierung beginnt vermutlich ab Herbst 2025.
- Registerstudie zu Omaveloxolone: Ein multinationales Register zur Beobachtung von mit Omaveloxolone behandelten Patienten mit Friedreich-Ataxie nach der Markteinführung. Die Rekrutierung beginnt ab Sommer 2025.
Symptome und Verlauf
Meist beginnen Symptome in der Pubertät mit Gleichgewichtsstörungen und häufigem Stolpern. Der Verlauf ist sehr individuell. Einige benötigen früh Gehhilfen, andere bleiben lange mobil. Die kognitiven Fähigkeiten bleiben in der Regel erhalten. Auch undeutliches Sprechen, Skoliose, Fußdeformitäten, hypertrophe Kardiomyopathien, Sehstörungen, Hörverlust und in einem späteren Stadium Diabetes mellitus gehören zu den möglichen Symptomen.
Behandlung
Die Friedreich-Ataxie ist bislang nicht heilbar. Seit 2024 ist das Medikament Omaveloxolon für Betroffene ab 16 Jahren zugelassen. Ergänzend wirken regelmäßige Therapien wie Physio-, Ergo- und Logopädie symptomlindernd. Regelmäßige Facharzttermine (Neurologie, Kardiologie, Orthopädie) sind zentral. Schreibhilfen und Mobilitätsunterstützung können helfen. Der Tremor kann je nach Lebenssituation sehr unterschiedlich belasten. Neben den motorischen Einschränkungen spielt die soziale Stigmatisierung eine Rolle.
Häufigkeit
Die Häufigkeit beträgt etwa 1 zu 50.000. Es handelt sich um die häufigste vererbbare Ataxie (Störung der Bewegungskoordination). Etwa 3 bis 4 von 100.000 Einwohnern in Deutschland sind betroffen, weltweit sind es ca.
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