Die Geburt eines Frühchens stellt Eltern vor besondere Herausforderungen. Glücklicherweise entwickeln sich die meisten Frühgeborenen ohne langfristige Beeinträchtigungen. Jedoch können bei manchen Kindern körperliche und/oder geistige Einschränkungen auftreten. Besonders bei sehr unreifen Frühgeborenen besteht ein erhöhtes Entwicklungsrisiko. Komplikationen wie Hirnblutungen können die Entwicklung zusätzlich beeinflussen. Dieser Artikel beleuchtet die Behandlung und Prognose von Frühgeborenen mit Hirnblutung Grad 4 und gibt Hinweise auf mögliche Unterstützungsangebote.
Frühgeburtlichkeit: Ursachen und Risiken
Etwa 50.000 der jährlich in Deutschland geborenen Kinder kommen vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche zur Welt und gelten somit als Frühgeborene. Die Ursachen für eine Frühgeburt sind vielfältig. Dazu zählen:
- Gesundheitliche Probleme der Mutter (Bluthochdruck, Diabetes, chronische Nieren- oder Herzleiden)
- Psychische und psychosoziale Belastungen (Angst, Partnerschaftskonflikte)
- Komplikationen während der Schwangerschaft (vorzeitiger Blasensprung, Infektion der Geburtswege)
- Mehrlingsschwangerschaften
Bei etwa der Hälfte aller Frühgeburten sind jedoch keine eindeutigen Ursachen erkennbar. Die Unreife vieler Organe und Organsysteme stellt die größte Herausforderung bei der Behandlung von Frühgeborenen dar.
Hirnblutungen bei Frühgeborenen: Einteilung und Ursachen
Hirnblutungen sind ein gefürchtetes Problem, das vor allem Frühgeborene betrifft. Je kleiner ein Frühgeborenes ist, desto größer ist die Gefahr, dass eine Hirnblutung auftritt. Hirnblutungen treten meist in den ersten Lebenstagen auf.
Die Hirnblutungen werden in verschiedene Grade eingeteilt, wobei der Schweregrad die Prognose beeinflusst:
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- Grad I und II: Blutung in die inneren, mit Hirnwasser gefüllten Räume (Ventrikel). Es kann zu einem gestörten Abfluss des Hirnwassers kommen (Hydrozephalus).
- Grad III und IV: Blut gelangt auch in das Hirngewebe. Eine paraventrikuläre hämorrhagische Infarzierung (IVH Grad 4) ist nahezu obligat mit einem Gewebeuntergang in der weißen Substanz verbunden.
Das Gehirn sehr unreifer Frühgeborener ist besonders empfindlich. Faktoren, die das Risiko einer Hirnblutung erhöhen, sind:
- Unreife
- Sauerstoffmangel (Asphyxie)
- Sauerstoffunterversorgung (Hypoxie)
- Übersäuerung des Blutes (Azidose)
- Traumatische Geburt
- Reanimation
- Blutdruckschwankungen
- Schnell wechselnde Sauerstoffversorgung
Diagnose von Hirnblutungen
Das bevorzugte Verfahren zur Diagnose von Hirnblutungen ist die bettseitige Schädelsonografie. Mit ihr lassen sich auch kleinere intraventrikuläre Blutungen nachweisen, die zum Zeitpunkt ihres Entstehens meist klinisch stumm sind.
Behandlung von Hirnblutungen Grad 4
Die Behandlung einer Hirnblutung richtet sich nach den Symptomen und dem Schweregrad der Blutung. Bei einer Hirnblutung Grad 4 liegt eine schwere Schädigung des Hirngewebes vor.
Mögliche Behandlungsansätze sind:
- Überwachung und Stabilisierung der Vitalfunktionen: Dies ist besonders wichtig, um weitere Schädigungen des Gehirns zu vermeiden.
- Behandlung eines Hydrozephalus: Bei einem Hydrozephalus kann das Hirnwasser mit einem Schlauch in den Bauchraum abgeleitet werden.
- Unterstützung der Atmung: Frühgeborene mit Hirnblutungen benötigen oft Unterstützung bei der Atmung, beispielsweise durch Beatmung.
- Physiotherapie und Ergotherapie: Diese Therapien können helfen, motorische Fähigkeiten zu verbessern und Spastiken zu reduzieren.
- Frühförderung: Frühförderung kann die Entwicklung des Kindes unterstützen und Defizite ausgleichen.
Prognose bei Hirnblutung Grad 4
Die Prognose bei einer Hirnblutung Grad 4 ist von verschiedenen Faktoren abhängig, insbesondere vom Ausmaß der Hirnschädigung. Eine paraventrikuläre hämorrhagische Infarzierung (IVH Grad 4) ist nahezu obligat mit einem Gewebeuntergang in der weißen Substanz verbunden.
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Mögliche Langzeitfolgen einer Hirnblutung Grad 4 sind:
- Infantile Zerebralparese (ICP): Eine Bewegungsstörung, die durch eine Schädigung des Gehirns verursacht wird.
- Epilepsie: Krampfanfälle, die durch eine Störung der Hirnfunktion verursacht werden.
- Entwicklungsverzögerungen: Verzögerungen in der motorischen, kognitiven und sprachlichen Entwicklung.
- Sehbehinderungen: Sehschwäche und Bewegungsstörung der Augen können auftreten.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Schwierigkeiten mit dem Denken, Lernen und Gedächtnis.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Prognose individuell sehr unterschiedlich sein kann. Manche Kinder mit einer Hirnblutung Grad 4 entwickeln schwere Behinderungen, während andere nur geringe Einschränkungen haben.
Unterstützung für Familien mit Frühgeborenen
Familien mit Frühgeborenen, insbesondere solchen mit Komplikationen wie Hirnblutungen, benötigen umfassende Unterstützung.
Mögliche Unterstützungsangebote sind:
- Häusliche Kinderkrankenpflege: Bei anfangs sehr unreif geborenen Kindern kann die Unterstützung durch häusliche Kinderkrankenpflege auch nach der Entlassung aus der Klinik notwendig sein. Sie umfasst die Grund- und Behandlungspflege.
- Sozialpädiatrische Zentren (SPZ): SPZ bieten interdisziplinäre Betreuung für Kinder mit Entwicklungsstörungen und Behinderungen.
- Frühförderstellen: Frühförderstellen bieten spezielle Förderangebote für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen betroffenen Eltern kann sehr hilfreich sein.
- Psychologische Unterstützung: Eine psychologische Beratung kann Eltern helfen, mit den Belastungen der Frühgeburt und den möglichen Langzeitfolgen umzugehen.
- Pflegegrad und Schwerbehindertenausweis: Bei manchen Kindern liegt im Sinne des Gesetzes eine (Schwer‐)Behinderung vor. Mit einem (Schwer‐)Behindertenausweis haben Sie Steuervorteile und kommen in den Genuss von Ermäßigungstarifen oder bevorzugten Behandlungen. Betroffenen Familien steht dann gegebenenfalls Pflegegeld zu. Dieses kann bei der Pflegekasse der Krankenkasse des Kindes beantragt werden.
Die Geschichte von Paul: Mut machen
Die Geschichte von Paul, einem Frühchen mit Hirnblutung Grad 3, zeigt, dass Kämpfen sich lohnt. Trotz eines schweren Starts ins Leben hat sich Paul gut entwickelt und geht heute in die Kita. Seine Mutter Selina möchte anderen betroffenen Eltern Mut machen: „Wenn ihr für euer Kind kämpft, ist alles möglich.“
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Homöopathische Begleittherapie
In der Verlaufsbeobachtung von Neugeborenen mit Hirnblutung wurde eine homöopathische Begleittherapie durchgeführt. Das wichtigste Anfangsmittel bei einer Hirnblutung ist Arnica montana C30 oder C200. Bei Unruhephasen und Schreiattacken bewährte sich häufig die Einzelgabe von Opium C30 oder C200. Bei einem posthämorrhagischen Hydrocephalus mit Hirndruck wurde Apis C30 oder C200 in Einzelgaben wiederholt gegeben.
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