Frühe Parkinson-Symptome: Anzeichen erkennen und richtig handeln

Die Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson oder Parkinson-Syndrom genannt, ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung des Nervensystems. Sie ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. In Deutschland sind laut Deutscher Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) derzeit bis zu 400.000 Menschen von Parkinson betroffen. Das sogenannte Lebenszeitrisiko, an Morbus Parkinson zu erkranken, liegt laut DPG für Männer bei zwei und für Frauen bei 1,3 Prozent. In der Regel wird die Krankheit zwischen dem 55. und dem 60. Lebensjahr diagnostiziert. Es gibt aber auch jüngere Menschen, die betroffen sind: Bei jedem zehnten Patienten oder jeder zehnten Patientin wird Parkinson sogar vor dem 40. Lebensjahr festgestellt.

Die Diagnose Parkinson ist für viele ein Schock, denn die Krankheit ist bislang nicht heilbar. Dank der wissenschaftlichen Erkenntnisse und Fortschritte, die in den letzten Jahrzehnten gemacht wurden, können die Symptome heute aber teilweise gelindert werden. Die Lebenserwartung wird so durch Parkinson normalerweise nicht mehr beeinträchtigt. Laut DPG gibt es zudem erste vielversprechende Erfolge mit neuen molekularen und genetischen Methoden, die Anlass zur Hoffnung geben, dass in den nächsten Jahrzehnten möglicherweise Therapien zum Einsatz kommen könnten, die die Parkinson-Krankheit verzögern oder gar heilen könnten.

Parkinson entwickelt sich schleichend. Erste Anzeichen können schon Jahre vor den typischen Parkinson-Symptomen auftreten. Nach und nach verschlechtern sich die Symptome und beeinträchtigen erkrankte Personen immer mehr in ihrem Alltag. Viele Symptome treten zunächst nur auf einer Körperseite auf. Die ersten klinischen Anzeichen werden oft nicht von den Betroffenen selbst, sondern von ihrem Umfeld bemerkt. Umso früher Sie diesen Schritt gehen, desto besser können Therapiemaßnahmen greifen.

Was ist Parkinson?

Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die bestimmte Nervenzellen im Gehirn betrifft, vor allem in der sogenannten Schwarzen Substanz (Substantia nigra) im Hirnstamm. Dort kommt es zur Störung der Energiesysteme der Mitochondrien, zu oxidativem Stress und nachfolgend zu Ablagerungen von fehlgefalteten Proteinen (alpha-Synuklein) in den Nervenzellen. Die Folge: Die Nervenzellen verlieren zunehmend ihre Funktion und sterben ab. Dadurch fehlt es auch immer mehr an Botenstoffen wie Dopamin. Dopamin spielt eine wichtige Rolle für die Bewegung. Die deutlichsten Symptome im Verlauf der Erkrankung betreffen das Bewegungssystem, die Motorik.

Bei Parkinson sterben immer mehr dieser Nervenzellen ab. Es kommt zu einem Mangel an Dopamin und zu einem Ungleichgewicht der Nervenbotenstoffe Dopamin, Acetylcholin und Glutamat im Gehirn. Da Dopamin unter anderem wichtig für die Bewegungssteuerung ist, entstehen durch den Mangel die typischen Symptome der Parkinson-Krankheit, wie Bewegungsstörungen und Zittern. Was genau zum Absterben der Neuronen führt, ist bislang noch nicht eindeutig geklärt.

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Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache von Parkinson ist bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren eine Rolle spielt.

  • Alter: Das Risiko, an Parkinson zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter.
  • Genetische Faktoren: In einigen Fällen kann Parkinson erblich bedingt sein. Etwa 5 Prozent der Betroffenen haben einen nahen Verwandten mit Parkinson.
  • Umweltfaktoren: Bestimmte Umweltgifte wie Pestizide, Schwermetalle und Lösungsmittel können das Risiko erhöhen. Seit dem Frühjahr ist Parkinson für Pestizid-Einsetzende Personen in Deutschland auch als Berufserkrankung anerkannt. Besonders gefährdet sind Landwirte, Winzer und andere Anwender. Wer unzureichend geschützt mindestens 100 Anwendungstage mit einem dieser Pestizide im Berufsleben hatte, kann die Parkinson-Erkrankung als Berufskrankheit anerkennen lassen.
  • Kopfverletzungen: Schwere Kopfverletzungen können das Risiko für sekundären Parkinson erhöhen.

Frühe Anzeichen von Parkinson

Parkinson entwickelt sich oft schleichend über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Die Frühsymptome sind oft unspezifisch und werden daher leicht übersehen oder als normale Alterserscheinungen abgetan. Es ist wichtig, diese frühen Anzeichen zu erkennen, um eine frühzeitige Diagnose und Behandlung zu ermöglichen.

Zu den frühen Anzeichen von Parkinson gehören:

  • Schlafstörungen: Insbesondere die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD), bei der Betroffene im Schlaf um sich schlagen, treten oder schreien. Bei dieser Schlafstörung sprechen beziehungsweise schreien Betroffene oder bewegen sich ruckartig im Traum. Sie können sich oder andere sogar verletzen.
  • Sehstörungen
  • Riechstörungen: Ein nachlassender Geruchssinn, insbesondere für bestimmte Lebensmittel wie Bananen, Essiggurken oder Lakritze, kann ein frühes Anzeichen sein.
  • Muskel- und Gelenkschmerzen: Schmerzen im Nacken- oder Lendenwirbelbereich können auftreten.
  • Beschwerden im Nacken- oder Lendenwirbelbereich
  • Störung der Feinmotorik: Veränderungen der Handschrift (Mikrographie, d.h. die Handschrift wird kleiner und die Buchstaben stehen enger beieinander) oder Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben wie dem Zuknöpfen eines Hemdes können auftreten.
  • Veränderung beim Mitschwingen der Arme beim Gehen
  • Abgeschlagenheit
  • Müdigkeit
  • Unsicherheit und Unruhe
  • Zittern: Ein leichtes Zittern, oft als Ruhetremor (Zittern im Ruhezustand) bezeichnet, kann auftreten. Der Ruhetremor bei Parkinson-Patienten kann als eine Art „Pillendrehen“ oder „Münzrollen“ beschrieben werden, bei dem die Finger langsam und wiederholt Bewegungen ausführen, die einem Münzrollen ähneln.
  • Depressive Verstimmungen
  • Verstopfung: Anhaltende Schwierigkeiten beim Stuhlgang und Anstrengung können ein frühes Symptom sein.
  • Weiche oder heisere Stimme: Eine Veränderung der Stimme, die als „Hypophonie“ bezeichnet wird, kann auftreten.
  • Gesichtsmaskierung: Ein ernster, steifer oder ausdrucksloser Gesichtsausdruck, auch wenn die Betroffenen sich nicht schlecht gelaunt fühlen, kann ein weiteres charakteristisches Merkmal sein.
  • Schwindel oder Ohnmacht: Schwindel oder Ohnmacht beim Aufstehen können ein weiteres Zeichen sein.
  • Bücken oder Beugen: Eine veränderte Körperhaltung, bei der sich die Betroffenen beim Stehen bücken oder beugen, kann auftreten.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch andere Ursachen haben können. Wenn Sie jedoch mehrere dieser Symptome bei sich oder einem Angehörigen bemerken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abzuklären.

Klassische Parkinson-Symptome

Die klassischen Parkinson-Symptome treten im Laufe der Erkrankung auf und beeinträchtigen die Motorik des Körpers.

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  • Zittern (Tremor): Das Zittern ist oft das bekannteste Symptom. Es tritt meist als Ruhetremor auf, kann aber auch bei Bewegung auftreten.
  • Muskelsteifheit (Rigor): Die Muskeln sind angespannt und steif, was zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen führen kann. Die Spannung in der Streck- und Beugemuskulatur ist Auslöser für die oft gebeugte und manchmal seitwärts geneigte Haltung vieler Parkinson-Patienten. Schmerzen im Hals- und Schulterbereich, aber auch in den Armen und Beinen können Begleiterscheinungen des Rigors sein.
  • Verlangsamte Bewegungen (Bradykinese): Die Bewegungen werden langsamer und schwieriger auszuführen. Die Akinese wird als Bewegungsarmut definiert. Ihre Ausprägungen reichen vom verlangsamten Bewegungsablauf (Bradykinese) bis zur deutlich geschwächten Beweglichkeit (Hypokinese). Auch eine plötzliche Blockade der Bewegung (Freezing-Effekt) kann auftreten.
  • Gleichgewichtsstörungen (Posturale Instabilität): Die Fähigkeit, das Gleichgewicht zu halten, ist beeinträchtigt, was zu Stürzen führen kann.

Diagnose von Parkinson

Es gibt keinen spezifischen Test, um Parkinson zu diagnostizieren. Die Diagnose basiert in der Regel auf einer neurologischen Untersuchung, der Anamnese des Patienten und dem Ausschluss anderer Erkrankungen.

  • Neurologische Untersuchung: Ein Neurologe untersucht die motorischen Fähigkeiten des Patienten, wie z.B. Gang, Gleichgewicht, Koordination und Muskelkraft.
  • Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten nach seinen Symptomen, seiner Krankengeschichte und möglichen Risikofaktoren.
  • Ausschluss anderer Erkrankungen: Um andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen, können bildgebende Verfahren wie MRT oder CT eingesetzt werden.
  • L-Dopa-Test: Die Gabe von L-Dopa, einem Medikament, das den Dopaminmangel ausgleicht, kann helfen, die Diagnose zu bestätigen. Bessern sich die Beschwerden unter dem Wirkstoff Levodopa, ist das ein weiteres Indiz für eine Parkinson-Erkrankung. Bleiben die Beschwerden gleich oder verschlechtern sie sich, deutet das fast immer auf eine andere Erkrankung hin.

Behandlung von Parkinson

Parkinson ist bislang nicht heilbar. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

  • Medikamentöse Therapie: Medikamente können helfen, den Dopaminmangel auszugleichen und die Symptome zu kontrollieren. In der Therapie des Morbus Parkinson ist seit über 40 Jahren das L-Dopa, ein Dopamin-Vorbote, bewährt. Weiter wurden Medikamente entwickelt, um L-Dopa für das Gehirn besser verfügbar zu machen oder dem Gehirn seine Anwesenheit vorzuspielen (Dopaminagonisten), diese Medikamente gibt es auch als Pflaster bzw. als Spritze.
  • Tiefe Hirnstimulation (THS): Bei diesem Verfahren werden Elektroden ins Gehirn eingesetzt, um bestimmte Hirnregionen zu stimulieren. Durch elektrische Impulse können so bestimmte Hirnregionen positiv beeinflusst werden. In Studien hat sich gezeigt, dass auf eine früh durchgeführte THS vor allem jüngere Betroffene gut ansprechen.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit, Kraft und Koordination zu verbessern.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag besser zu bewältigen und die Selbstständigkeit zu erhalten.
  • Logopädie: Logopädie kann helfen, Sprach- und Schluckstörungen zu behandeln.
  • Weitere Therapien: Körperliche Aktivität, regelmäßiger Kaffeekonsum und eine gesunde mediterrane Ernährung mit vielen Ballaststoffen und Polyphenolen können das Risiko für die Entstehung und das Fortschreiten von Parkinson senken.

Leben mit Parkinson

Leben mit Parkinson kann auch heißen: je nach Erfordernis regelmäßig Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie in Anspruch zu nehmen. Damit können gute Erfolge in Sachen Erhalt der Lebensqualität erzielt werden.

Parkinson ist eine chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinflussen kann. Es ist wichtig, sich frühzeitig mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und sich professionelle Hilfe zu suchen. Es gibt viele Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, die Unterstützung und Informationen anbieten.

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