Frühe Symptome und Anzeichen von Alzheimer: Ein umfassender Überblick

Eine Demenzerkrankung im Alter entwickelt sich meistens langsam, oft über Jahre oder sogar Jahrzehnte, bevor die eigentlichen Symptome deutlich werden. Die frühzeitige Erkennung von Alzheimer ist entscheidend, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten. Gerade im Hinblick auf neue Alzheimer-Medikamente, die in frühen Erkrankungsstadien wirksamer sind, gewinnt die Sensibilisierung für Frühsymptome an Bedeutung.

Was ist Demenz und Alzheimer?

Demenz ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Oberbegriff für eine Gruppe von Symptomen, die verschiedene Ursachen haben können. Typisch sind anhaltende Einschränkungen in Bereichen wie Gedächtnis, Orientierung, Sprache, Denken oder Problemlösen. Eine Demenz liegt vor, wenn diese Störungen so stark werden, dass sie den Alltag merklich beeinträchtigen.

Alzheimer-Demenz ist die häufigste Form von Demenz (ca. 60-80 % der Fälle). Sie beginnt meist schleichend mit Gedächtnisproblemen und betrifft im Verlauf auch andere geistige Fähigkeiten sowie die Persönlichkeit. Alzheimer ist eine fortschreitende, neurodegenerative Erkrankung, bei der sich im Gehirn schädliche Eiweißablagerungen (sogenannte Plaques und Tangles) bilden. Diese Ablagerungen stören die Kommunikation der Nervenzellen im Gehirn.

Frühe Anzeichen und Symptome von Alzheimer

Die ersten Alzheimer-Symptome oder Anzeichen einer beginnenden Demenz zeigen sich oft in alltäglichen Situationen. Sie entwickeln sich schleichend und werden anfangs leicht übersehen. Es ist wichtig zu beachten, dass gelegentliche Vergesslichkeit im Alter normal ist. Die Unterscheidung zwischen altersbedingter Vergesslichkeit und den ersten Anzeichen von Alzheimer kann jedoch schwierig sein.

Hier sind einige typische frühe Anzeichen und Symptome, die auf eine beginnende Alzheimer-Erkrankung hindeuten können:

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  • Gedächtnisprobleme und Vergesslichkeit: Eines der Hauptsymptome einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung ist eine Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses, die sich auf das tägliche Leben auswirkt. Betroffene vergessen wichtige Termine, verlegen Gegenstände oder können sich nicht daran erinnern, was sie vor kurzem gesagt oder getan haben. Sie stellen häufig die gleichen Fragen oder benötigen vermehrt Merkzettel, um ihren Alltag zu bewältigen. Im Gegensatz dazu werden Namen oder Termine bei normaler altersbedingter Veränderung kurzfristig vergessen, später aber wieder erinnert.
  • Schwierigkeiten beim Planen und Problemlösen: Den Betroffenen fällt es schwer, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren oder etwas vorausschauend zu planen und umzusetzen. Sie brauchen für vieles mehr Zeit als zuvor. Probleme tauchen beispielsweise beim Kochen oder Backen nach bekannten Rezepten, beim Umgang mit Zahlen oder beim Bezahlen von Rechnungen auf. Normale altersbedingte Veränderung ist eher Zerstreutheit, wenn viele Dinge gleichzeitig zu tun sind.
  • Probleme mit gewohnten Tätigkeiten: Alltägliche Handlungen werden plötzlich als große Herausforderung empfunden. Ehemals routinierte Tätigkeiten wie Einkaufen, Wäsche waschen oder die Bedienung von Fernseher oder Telefon fallen schwer. Im frühen Stadium treten solche Schwierigkeiten oft nicht ständig auf.
  • Orientierungsprobleme: Ein weiteres Anzeichen beginnender Demenz kann sein, dass eigentlich bekannte Orte einem fremd vorkommen. Betroffene wissen nicht mehr genau, wo sie sind oder wie sie nach Hause kommen. Das zeitliche Orientierungsgefühl kann auch nachlassen, was dazu führt, dass das Datum oder der Wochentag verwechselt werden. Sie erkennen Plätze nicht wieder, an denen sie früher waren, oder finden sich in einem oft besuchten Gebäude nicht mehr zurecht.
  • Sprachschwierigkeiten: Im Frühstadium der Krankheit fällt es häufig schwer, die richtigen Worte zu finden oder einem Gespräch konzentriert zu folgen. Betroffene verlieren öfter den roten Faden, stocken mitten im Satz oder greifen vermehrt auf Floskeln zurück. Auch deutliche Wortfindungsstörungen bei alltäglichen Begriffe sind häufig. Sie verwenden unpassende Füllwörter oder falsche Begriffe (z. B. Schienenbus statt Bahn).
  • Schwierigkeiten beim Erkennen von Bildern und räumlichen Dimensionen: Viele Menschen mit Alzheimer-Demenz haben große Schwierigkeiten, Bilder zu erkennen und räumliche Dimensionen zu erfassen.
  • Verlegen von Gegenständen: Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, verlieren oft Dinge oder legen sie an ungewöhnliche Orte. Sie können gedanklich nicht mehr zurückverfolgen, wo sie etwas hingelegt haben oder schauen an den falschen Orten nach ihnen.
  • Sozialer Rückzug: Viele Menschen mit Alzheimer verlieren ihre Eigeninitiative und gehen immer weniger ihren Hobbys, sozialen oder sportlichen Aktivitäten nach. Sie ziehen sich aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis zurück, verlieren die Lust und das Interesse an gemeinsamen Aktivitäten.
  • Veränderungen in Stimmung und Verhalten: Starke Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Grund können eine Folge einer Alzheimer-Erkrankung sein. Betroffene ziehen sich vielleicht von Hobbys und sozialen Aktivitäten zurück. Die Person wirkt apathischer, ängstlicher oder verliert an Eigeninitiative. Auch Stimmungsschwankungen oder ungewöhnliche Reizbarkeit können auffallen. Bisher sanftmütige Menschen entwickeln sich z.B. zu streitsüchtigen, aggressiven Personen. Auch eine ungewohnte Unruhe am Tage und in der Nacht sowie Feindseligkeit, selbst gegenüber vertrauten Personen, zählen zu den ersten Anzeichen einer Alzheimer-Demenz. In manchen Fällen ändern sich sogar Schlaf- und Essgewohnheiten - zum Beispiel kann nachlassender Appetit oder gestörter Schlaf ein begleitendes Anzeichen sein.
  • Verlust des Urteilsvermögens: Ihr Urteilsvermögen ist eingeschränkt, so ziehen sie im kalten Winter z.B. leichte Sommersachen an. Komplexere Aufgaben, wie das Berechnen des Wechselgeldes oder das Ausfüllen von Formularen, fallen ihnen schwer.

Wichtig: Gerade am Anfang treten Symptome nicht dauerhaft auf, Betroffene können sie phasenweise überspielen oder kompensieren.

MCI (Mild Cognitive Impairment)

MCI (Mild Cognitive Impairment) bedeutet auf Deutsch „leichte kognitive Beeinträchtigung“. Dabei ist das Gedächtnis oder eine andere geistige Fähigkeit messbar eingeschränkt, aber die Person kann ihren Alltag noch weitgehend selbstständig bewältigen. MCI ist keine Demenz - es ist ein mögliches Frühstadium, das sich stabilisieren, zurückbilden oder in eine Demenz, etwa Alzheimer, übergehen kann.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wenn eines oder mehrere dieser Anzeichen bei Ihnen oder einem Familienmitglied wiederholt auftreten, sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Eine Faustregel lautet: Wenn kognitive Aussetzer zunehmen, sollte das ärztlich abgeklärt werden. Typische Warnzeichen sind z. B. Orientierungsprobleme in vertrauter Umgebung, anhaltende Wortfindungsstörungen oder das Vergessen wichtiger Informationen, ohne dass eine spätere Erinnerung einsetzt.

Es ist wichtig, sich nicht zu schämen und die Hausärztin oder den Hausarzt frühzeitig ins Vertrauen zu ziehen. Bei einer zunehmenden kognitiven Störung sollte immer die Ursache geklärt und entsprechend behandelt werden.

Diagnose von Alzheimer

Der erste Weg führt in der Regel zur Hausärztin oder zum Hausarzt. Schildern Sie offen, welche Veränderungen Ihnen (oder Ihrem Angehörigen) aufgefallen sind - notieren Sie am besten vorher konkrete Beispiele.

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Zur Demenz-Früherkennung gibt es spezialisierte Anlaufstellen, oft Gedächtnissprechstunden genannt (häufig an Kliniken oder spezialisierten Zentren). Dort führen Neurolog:innen, Psychiater:innen oder Gerontolog:innen umfangreiche Untersuchungen durch - inklusive ausführlicher neuropsychologischer Tests.

Die Diagnostik bei Demenz-Erkrankungen umfasst verschiedene Schritte. Ärztinnen und Ärzte erfragen zunächst die Krankengeschichte und beobachten, welche Demenz-Symptome auftreten. Eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf andere mögliche Ursachen liefern, gibt aber keine sichere Diagnose für Alzheimer. Mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich strukturelle Veränderungen im Gehirn erkennen, die für eine Demenzerkrankung typisch sind.

Behandlung von Alzheimer

Obwohl es derzeit keine Heilung für Alzheimer gibt, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die helfen können, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.

Die Behandlung bei ersten Anzeichen von Alzheimer basiert auf zwei Säulen: medikamentös und nicht-medikamentös. Medikamente können Symptome lindern und das Gedächtnis zeitweise stabilisieren. Ebenso wichtig sind Alltagshilfen und kognitives Training, um die Selbstständigkeit zu fördern.

  • Medikamentöse Behandlung: Um die geistige Leistung zu stärken, werden vor allem sogenannte Antidementiva eingesetzt. Medikamente, gezieltes Training und strukturierende Alltagshilfen können dazu beitragen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.
  • Nicht-medikamentöse Therapien: Auch nicht medikamentöse Therapien können die geistigen Fähigkeiten fördern, Alltagsfertigkeiten stabilisieren und das seelische Wohlbefinden erhöhen. Beispiele hierfür sind:
    • Verhaltenstherapie: Hilft vor allem Patienten in einem frühen Stadium, mit der Krankheit besser umzugehen.
    • Logopädie: Für Menschen mit einer beginnenden Demenz, stärkt kommunikative Fähigkeiten und Wortfindung, verbessert Aussprache sowie Sprachverständnis.
    • Kognitives Training: Für Demenzkranke in einem frühen Stadium zum Training der geistigen Fähigkeiten.
    • Ergotherapie: Körperliche Aktivierung hilft Patienten in einem frühen und mittleren Stadium, Alltagstätigkeiten möglichst lange durchführen zu können.
    • Musiktherapie: Unterstützt Betroffene in allen Krankheitsstadien dabei, positive Erinnerungen und Gefühle zu wecken.
    • Realitätsorientierungstraining: Übt mit Demenzkranken aller Krankheitsstadien die zeitliche und räumliche Orientierung.
    • Erinnerungstherapie: Mithilfe von Fotos, Geschichten und Alltagsgegenständen werden Erinnerungen geweckt und die geistigen Fähigkeiten angeregt, wirkt stimmungsaufhellend in allen Krankheitsstadien.

Viele Städte bieten Gedächtnistrainings über Alzheimer-Gesellschaften oder Volkshochschulen an. Wichtig ist, die passende Unterstützung zu finden - etwa durch Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder Kurse für pflegende Angehörige. Auch digitale Lösungen wie die Cogthera App, speziell für Menschen mit leichter kognitiver Störung oder beginnender Alzheimer-Demenz, können helfen. Sie enthält tägliche Übungen, praktische Tipps und Achtsamkeitseinheiten zur Förderung der kognitiven Fähigkeiten.

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Umgang mit der Diagnose und Unterstützung für Angehörige

Die Diagnose Demenz ist für jeden Betroffenen ein Schock. Es ist wichtig, sich nicht zu isolieren und offen mit der Familie über die Veränderungen zu sprechen. Viele Angehörige haben möglicherweise selbst schon etwas bemerkt und sind erleichtert, wenn das Thema angesprochen wird. Gemeinsam können Sie überlegen, wie Sie einander den Alltag erleichtern.

Für erwachsene Kinder ist es wichtig zu wissen, wo sie helfen können - und Betroffene sollten kein falsches Schamgefühl haben, Unterstützung anzunehmen. Frühzeitig zusammen planen bedeutet auch, dass alle sich auf die Zukunft einstellen können. Zum Beispiel können Angehörige dabei helfen, Arztbesuche zu organisieren oder bei Bedarf die Wohnung altersgerecht umzubauen.

Die Diagnose Demenz stellt Angehörige oft vor große Herausforderungen. Wichtig ist, dass Sie sich selbst nicht überfordern. Suchen Sie bei Bedarf Hilfe und Unterstützung - ob durch Angehörigengruppen, Pflegedienste oder Beratungsstellen. Als Angehöriger können Sie dem Erkrankten helfen, indem Sie die Therapieinhalte auch im Alltag aufgreifen oder üben. Um als Angehöriger mit dieser Herausforderung besser umgehen zu können, bietet die AOK den „Famliencoach Pflege“ an, ein Online-Selbsthilfe-Programm, das hilft, den seelisch belastenden Pflegealltag besser zu bewältigen und sich vor Überlastung zu schützen.

Prävention von Demenz

Obwohl es keine Garantie dafür gibt, Alzheimer zu verhindern, gibt es bestimmte Lebensstilfaktoren, die das Risiko einer Demenzerkrankung verringern können. Dazu gehören:

  • Regelmäßige körperliche Aktivität: Fördert die Durchblutung des Gehirns und kann das Wachstum neuer Nervenzellen anregen.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann das Gehirn schützen.
  • Geistige Aktivität: Fordern Sie Ihr Gehirn regelmäßig durch Lesen, Schreiben, Puzzles oder das Erlernen neuer Fähigkeiten heraus.
  • Soziale Interaktion: Bleiben Sie sozial aktiv und pflegen Sie Kontakte zu Freunden und Familie.
  • Kontrolle von Risikofaktoren: Achten Sie auf die Kontrolle von Bluthochdruck, Diabetes und Herzerkrankungen.
  • Vermeidung von Alkoholmissbrauch: Übermäßiger Alkoholkonsum kann das Gehirn schädigen.

Leben mit Demenz

Eine frühe Diagnose mag Angst machen, bringt aber auch Vorteile. Sie erfahren, womit Sie es zu tun haben - und können proaktiv Maßnahmen ergreifen. Die wichtigste Botschaft: Wenn Sie erste Anzeichen erkennen, suchen Sie frühzeitig und proaktiv professionelle Unterstützung. Sie sind nicht allein auf diesem Weg: In der modernen Medizin stehen Ihnen wirkungsvolle Hilfsmittel und Therapien zur Verfügung.

Scheuen Sie sich nicht, offen mit der Familie über die Veränderungen zu sprechen. Viele Angehörige haben möglicherweise selbst schon etwas bemerkt und sind erleichtert, wenn das Thema angesprochen wird. Gemeinsam können Sie überlegen, wie Sie einander den Alltag erleichtern.

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