Frühsymptome der Alzheimer-Demenz: Früherkennung und Behandlungsmöglichkeiten

Die Alzheimer-Demenz, oft einfach als Alzheimer bezeichnet, ist eine fortschreitende Gehirnerkrankung, die Gedächtnis, Denken und Verhalten beeinträchtigt. Sie ist die häufigste Form der Demenz, einem Oberbegriff für Erkrankungen, die mit einem allmählichen Verlust der kognitiven Fähigkeiten einhergehen. Obwohl die Alzheimer-Krankheit meist erst nach dem 65. Lebensjahr auftritt, können auch jüngere Menschen betroffen sein. Die frühzeitige Erkennung von Symptomen ist entscheidend, um den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien zu verbessern.

Was ist Demenz?

Der Begriff "Demenz" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich "ohne Geist". Er beschreibt den Verlust der geistigen Fähigkeiten, der über normale altersbedingte Veränderungen hinausgeht. Eine Demenz betrifft nicht nur das Gedächtnis, sondern auch die Orientierung, das Denkvermögen, die Sprache und das Verhalten. Im fortgeschrittenen Stadium sind Betroffene oft nicht mehr in der Lage, für sich selbst zu sorgen.

Frühsymptome der Alzheimer-Demenz

Die Alzheimer-Demenz entwickelt sich meist langsam und schleichend. Die ersten Symptome sind oft unspezifisch und werden leicht übersehen oder als normale Alterserscheinungen abgetan. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jedes Symptom automatisch auf Alzheimer hindeutet und eine ärztliche Abklärung erforderlich ist.

Hier sind einige der häufigsten Frühsymptome der Alzheimer-Demenz:

1. Gedächtnisprobleme und Vergesslichkeit

Eines der Hauptsymptome ist eine Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses. Betroffene vergessen häufig kürzlich erlernte Informationen, wichtige Termine oder Ereignisse. Sie wiederholen Fragen, sind auf Gedächtnisstützen wie Notizen oder Erinnerungen angewiesen und verlegen Gegenstände. Im Gegensatz dazu erinnern sie sich oft noch gut an Ereignisse aus der fernen Vergangenheit.

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Beispiele:

  • Vergessen, wo man etwas hingelegt hat.
  • Vergessen von kürzlich geführten Gesprächen oder Terminen.
  • Ständiges Wiederholen von Fragen.
  • Schwierigkeiten, sich an Namen von neuen Bekannten zu erinnern.

Normale altersbedingte Veränderung: Kurzfristiges Vergessen von Namen oder Terminen, die später wieder in Erinnerung kommen.

2. Schwierigkeiten beim Planen und Problemlösen

Betroffenen fällt es schwer, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren, vorausschauend zu planen und Aufgaben umzusetzen. Sie benötigen mehr Zeit für Tätigkeiten, die früher leicht von der Hand gingen.

Beispiele:

  • Probleme beim Kochen oder Backen nach bekannten Rezepten.
  • Schwierigkeiten im Umgang mit Zahlen oder beim Bezahlen von Rechnungen.
  • Schwierigkeiten, komplexe Aufgaben zu planen und zu organisieren.

Normale altersbedingte Veränderung: Zerstreutheit, wenn viele Dinge gleichzeitig zu tun sind.

3. Probleme mit gewohnten Tätigkeiten

Alltägliche Handlungen, die früher selbstverständlich waren, werden plötzlich als große Herausforderung empfunden. Dies kann sich sowohl auf berufliche als auch auf private Aktivitäten beziehen.

Beispiele:

  • Schwierigkeiten beim Bedienen von technischen Geräten.
  • Probleme beim Autofahren, selbst auf bekannten Strecken.
  • Vergessen von Regeln bekannter Spiele.

4. Zeitliche und räumliche Desorientierung

Menschen mit Alzheimer können den Bezug zu Daten, Jahreszeiten und dem Zeitverlauf verlieren. Sie haben Schwierigkeiten, Dinge zu verstehen, die nicht im gegenwärtigen Moment geschehen.

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Beispiele:

  • Vergessen des aktuellen Datums oder Wochentags.
  • Verlaufen in vertrauter Umgebung.
  • Schwierigkeiten, sich in neuen Umgebungen zurechtzufinden.
  • Nicht erkennen von Orten, an denen man früher war.

5. Sprachprobleme und Wortfindungsstörungen

Es fällt schwer, einem Gespräch zu folgen und sich aktiv daran zu beteiligen. Betroffene verlieren den Faden, verwenden unpassende Füllwörter oder haben Wortfindungsprobleme. Sie vergessen die Bedeutung von Worten und verstehen den Gesprächspartner nicht mehr. Mit dem Fortschreiten der Demenz verwenden sie statt der „fehlenden“ Worte häufig unpassende Füllworte oder ganze Phrasen, die nicht in den Zusammenhang passen. Dadurch werden ihre Sätze schwer verständlich.

Beispiele:

  • Schwierigkeiten, das richtige Wort zu finden.
  • Ersetzen von Wörtern durch unpassende Begriffe.
  • Verwenden von vagen oder inhaltsleeren Sätzen.
  • Schwierigkeiten, dem Inhalt eines Fernsehfilms zu folgen.
  • Beim Reden den roten Faden verlieren.

6. Schwierigkeiten beim Erkennen von Bildern und räumlichen Dimensionen

Viele Menschen mit Alzheimer-Demenz haben große Schwierigkeiten, Bilder zu erkennen und räumliche Dimensionen zu erfassen. Dies kann sich beispielsweise beim Lesen, Einschätzen von Entfernungen oder Bestimmen von Farben und Kontrasten äußern. In Bezug auf die Wahrnehmung können sie an einem Spiegel vorbeigehen und denken, dass sich eine andere Person im Raum befindet.

7. Verlegen von Gegenständen

Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, verlieren oft Dinge oder legen sie an ungewöhnliche Orte. Sie können gedanklich nicht mehr zurückverfolgen, wo sie etwas hingelegt haben. Manchmal bezichtigen sie andere des Diebstahls.

Beispiele:

  • Verlegen von Schlüsseln, Geldbörse oder Brille.
  • Ablegen von Gegenständen an ungewöhnlichen Orten (z.B. Schuhe im Kühlschrank).
  • Schwierigkeiten, verlorene Gegenstände wiederzufinden.

8. Veränderungen im Urteilsvermögen und Entscheidungsverhalten

Es kommt zu Veränderungen des Urteilsvermögens oder beim Treffen von Entscheidungen. Zum Beispiel zeigen sie ein schlechtes Urteilsvermögen beim Umgang mit Geld, geben große Beträge bei Teleshops aus.

9. Rückzug aus sozialen Aktivitäten

Viele Menschen mit Alzheimer verlieren ihre Eigeninitiative und gehen immer weniger ihren Hobbys, sozialen oder sportlichen Aktivitäten nach. Sie ziehen sich aus dem Freundes- und Bekanntenkreis zurück, verlieren die Lust und das Interesse an gemeinsamen Aktivitäten und Hobbys.

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10. Veränderungen in Stimmung und Persönlichkeit

Starke Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Grund können eine Folge einer Alzheimer-Erkrankung sein. Die Stimmung und der Charakter von Menschen mit Alzheimer kann sich verändern. Sie können verwirrt, misstrauisch, depressiv, ängstlich oder unruhig sein. Sie können zu Hause, am Arbeitsplatz, mit Freunden oder an Orten, an denen sie sich außerhalb ihrer gewohnten Umgebung befinden, leicht aus der Fassung geraten. Bisher sanftmütige Menschen entwickeln sich z.B. zu streitsüchtigen, aggressiven Personen. Auch eine ungewohnte Unruhe am Tage und in der Nacht sowie Feindseligkeit, selbst gegenüber vertrauten Personen, zählen zu den ersten Anzeichen einer Alzheimer-Demenz.

Stadien der Alzheimer-Demenz

Die Alzheimer-Demenz verläuft in mehreren Stadien, die sich durch unterschiedliche Symptome und Beeinträchtigungen auszeichnen. Der Verlauf ist individuell, folgt jedoch bestimmten Mustern.

1. Frühes Stadium (leichte kognitive Beeinträchtigung, MCI)

  • Leichte Beeinträchtigungen des Denkens und Erinnerns, die im Alltag zunächst kaum einschränken.
  • Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Probleme bei komplexen Alltagsaufgaben.
  • Veränderungen im Verhalten und der Gemütslage (Angst, Stress, Wut, Scham).
  • Rückzug aus sozialen Aktivitäten, Interessenverlust.

2. Mittleres Stadium (mittelschwere Alzheimer-Demenz)

  • Deutliche Vergesslichkeit im Alltag, insbesondere was das Kurzzeitgedächtnis betrifft.
  • Schwierigkeiten, neue Informationen zu behalten.
  • Gespräche sind anstrengender - oft fehlen Worte oder der Gedanke geht verloren.
  • Gegenstände werden häufiger verlegt.
  • Probleme mit der Orientierung in Raum und Zeit.
  • Veränderungen im Verhalten und im Wesen (Misstrauen, Reizbarkeit, Nervosität, aggressive Ausbrüche).
  • Störung des Tag-Nacht-Rhythmus, Schlafstörungen.
  • Selbstständige Lebensführung nicht mehr möglich.

3. Fortgeschrittenes Stadium (schwere Alzheimer-Demenz)

  • Starke Beeinträchtigung des Gedächtnisses, der Sprache und der Motorik.
  • Verlust der Sprache - nur noch einzelne Wörter oder Laute, keine sinnvolle Kommunikation mehr.
  • Selbst engste Familienmitglieder werden nicht mehr erkannt.
  • Völlige Orientierungslosigkeit, leben nur noch im unmittelbaren Moment.
  • Inkontinenz - Kontrolle über Blase und Darm gehen verloren.
  • Schluckstörungen, die die Nahrungsaufnahme erschweren.
  • Unruhe, Halluzinationen, Vermischen von Gegenwart und Vergangenheit.
  • Vollständige Abhängigkeit von Pflege.
  • Geschwächtes Immunsystem, erhöhte Anfälligkeit für Infektionen.

Risikofaktoren für Alzheimer-Demenz

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz erhöhen können. Dazu gehören:

  • Alter: Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter.
  • Genetische Faktoren: Bestimmte Genvarianten, insbesondere der ApoE4-Genotyp, erhöhen das Risiko.
  • Familiengeschichte: Menschen, deren Eltern oder Geschwister an Alzheimer erkrankt sind, haben ein höheres Risiko.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck, Diabetes und hohe Cholesterinwerte erhöhen das Risiko.
  • Lebensstil: Eine ungesunde Lebensweise mit wenig Bewegung, unausgewogener Ernährung und mangelnder geistiger Stimulation kann das Risiko erhöhen.

Diagnose der Alzheimer-Demenz

Die Diagnose der Alzheimer-Demenz basiert auf einer Kombination verschiedener Untersuchungen:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Symptome.
  • Kognitive Tests: Überprüfung der Gedächtnisleistung, der Orientierung, des Denkvermögens und der Sprache.
  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Reflexe, der Koordination und der Sinnesfunktionen.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) des Gehirns, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen und Veränderungen im Gehirn zu erkennen.
  • Bluttests: Zum Ausschluss anderer Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können.
  • Liquoruntersuchung: Untersuchung des Nervenwassers, um bestimmte Biomarker für Alzheimer nachzuweisen.
  • Amyloid-PET-Scan: Bildgebendes Verfahren, um Amyloid-Ablagerungen im Gehirn sichtbar zu machen.
  • Bluttests (Precivity-Bluttest, Elecsys pTau181-Test): Können bei ersten Symptomen nachweisen, ob es sich um eine Alzheimer-Demenz handelt, indem sie das Verhältnis von zwei Amyloid-Proteinen zueinander ermitteln oder das chemisch veränderte Tau-Protein messen.

Behandlung der Alzheimer-Demenz

Bisher gibt es keine Heilung für die Alzheimer-Demenz. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu verbessern.

Medikamentöse Therapie

  • Cholinesterase-Hemmer (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin): Vermehren die Botenstoffe im Gehirn und steigern dadurch die geistige Leistungsfähigkeit.
  • Glutamat-Antagonisten (Memantin): Werden bei weiter fortgeschrittener Demenz eingesetzt.
  • Antidepressiva: Zur Behandlung von Depressionen, die häufig bei Alzheimer-Erkrankten auftreten.
  • Antikörper-Therapie (Lecanemab, Donanemab): Richten sich gegen die Amyloid-Stückchen, so dass diese vom Immunsystem beseitigt werden können, bevor sie Schaden anrichten. Sie können das Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung verlangsamen, aber bereits eingetretene Symptome können nicht beeinflusst werden.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Kognitives Training: Übungen zur Verbesserung der Gedächtnisleistung, der Konzentration und des Denkvermögens.
  • Ergotherapie: Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben und der Erhaltung der Selbstständigkeit.
  • Physiotherapie: Förderung der Beweglichkeit und der Koordination.
  • Logopädie: Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
  • Musiktherapie: Einsatz von Musik zur Förderung der emotionalen und kognitiven Fähigkeiten.
  • Realitätsorientierungstraining (ROT): Unterstützung bei der Orientierung in Zeit und Raum.
  • Validation: Wertschätzender Umgang mit den Gefühlen und Bedürfnissen der Betroffenen.
  • Psychotherapie: Unterstützung bei der Bewältigung von Ängsten, Depressionen und anderen psychischen Problemen.
  • Anpassung der Lebensumstände: Schaffung einer sicheren und vertrauten Umgebung, Anpassung der Wohnung an die Bedürfnisse der Betroffenen, Unterstützung bei der Körperpflege und Ernährung.

Neue Therapieansätze

  • Impfungen: Von den empfohlenen Impfungen zur Vorbeugung von Entzündungen im Gehirn scheint vor allem die Impfung gegen Herpes Zoster (Gürtelrose) gute Ergebnisse zu erzielen. Laut einer Studie sank das Demenz-Risiko mit der Impfung um etwa 20 Prozent.

Bedeutung der Früherkennung

Die frühzeitige Diagnose der Alzheimer-Demenz ist aus mehreren Gründen wichtig:

  • Bessere Behandlungsmöglichkeiten: Die neuen Antikörper sind vor allem in den frühen Erkrankungsstadien wirksam.
  • Verlangsamung des Krankheitsverlaufs: Durch eine frühzeitige Behandlung können die Symptome gelindert und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden.
  • Planung der Zukunft: Betroffene und ihre Familien können rechtzeitig geeignete Unterstützung suchen und wichtige Entscheidungen für die Zukunft treffen (z.B. finanzielle Angelegenheiten, Patientenverfügung).
  • Teilnahme an klinischen Studien: Betroffene können an klinischen Studien teilnehmen, um neue Therapieansätze zu erforschen.

Unterstützung für Betroffene und Angehörige

Die Alzheimer-Demenz ist eine große Belastung für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Es gibt jedoch zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten:

  • Beratungsstellen: Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft und andere Organisationen bieten Beratung und Unterstützung für Betroffene und ihre Familien.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen kann sehr hilfreich sein.
  • Pflegedienste: Unterstützung bei der häuslichen Pflege.
  • Tagespflege: Betreuung und Aktivierung der Betroffenen tagsüber.
  • Wohngruppen: Gemeinsames Wohnen von Menschen mit Demenz in einer familiären Umgebung.
  • Stationäre Einrichtungen: Pflege und Betreuung in einem Pflegeheim.
  • Entlastungsangebote: Unterstützung für pflegende Angehörige, um ihnen eine Auszeit zu ermöglichen.

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