Das Morton Neurom, auch bekannt als Morton Syndrom, Morton Neuralgie oder Chivini-Morton Syndrom, ist eine schmerzhafte Erkrankung, die durch eine mechanische Überlastung der Nerven unter den Mittelfußköpfchen verursacht wird. Es handelt sich um eine gutartige, aber dennoch beeinträchtigende Erkrankung, die vor allem Frauen im mittleren Alter betrifft. In etwa 20 % der Fälle sind beide Füße betroffen, was die Belastung für die Betroffenen erheblich erhöht. Sportlich ambitionierte Läufer sind ebenfalls eine besonders betroffene Patientengruppe.
Was ist ein Morton Neurom?
Das Morton Neurom ist eine krankhafte und schmerzhafte Verdickung eines Nervs, meist zwischen der zweiten und dritten oder der dritten und vierten Zehe. In unter zwanzig Prozent der Fälle treten auch mehrere Nervenverdickungen an einem Fuß auf. Diese Nerven (Nervi plantares), die Endäste des Nervus tibialis, verlaufen in den Zehenzwischenräumen.
Benannt wurde das Morton Neurom nach dem US-amerikanischen Chirurgen Thomas G. Morton (1835-1903). Neurom steht dabei für die Vermehrung von Nervengewebe. Doch was ist das Morton Neurom nun eigentlich genau? Es können sowohl einer als auch beide Füße betroffen sein. Bei rund zwei Drittel der Patientinnen und Patienten findet sich die Nervenreizung zwischen der 3. und der 4. Zehe - seltener zwischen der 2. und 3. Die Nervenverdickungen werden auch als Nervenknoten bezeichnet. Diese sind nicht immer gleich groß, sondern von Patient zu Patient sehr unterschiedlich: Zwischen wenigen Millimetern und der Größe einer Erbse ist alles möglich. Jeder einzelne dieser Umbauprozesse führt zu einer Größenzunahme des betroffenen Nervs und der Strukturen um ihn herum - und dadurch zu starker mechanischer Belastung beim Laufen. Frauen leiden etwa viermal häufiger unter dem Morton Neurom als Männer.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genaue Ursache für die Entstehung eines Morton Neuroms ist nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine chronische mechanische Reizung der Nerven, die durch verschiedene Faktoren verursacht werden kann, eine entscheidende Rolle spielt. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:
- Spreizfuß: Der wichtigste und häufigste Auslöser der Überlastung beim Morton Neurom ist ein Spreizfuß. Beim Spreizfuß ist das Quergewölbe des Fußes abgesenkt, was zu einer Verbreiterung des Vorfußes führt. Dadurch werden die Mittelfußknochen stärker belastet und die Nerven zwischen den Mittelfußköpfchen eingeengt.
- Überlastung des Vorfußes: Für das Morton Neurom sind viele Risikofaktoren bekannt - vor allem eine Überlastung des Vorfußes sollte konsequent vermieden werden. Sportarten mit hoher Stoß- und Druckbelastung des Vorfußes.
- Falsches Schuhwerk: Schuhe mit hohen Absätzen, enge Schuhe und Schuhe mit harter Sohle können den Vorfuß zusätzlich belasten und die Entstehung eines Morton Neuroms begünstigen.
- Übergewicht: Neben der korrekten Schuhwahl muss auch die Vermeidung von Übergewicht genannt werden.
- Verkürzte Wadenmuskulatur: Auch die verminderte Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk kann ein Morton Neurom auslösen. So kann es vorkommen, dass Patienten mehrere Wochen nach einer Umknickverletzung des oberen Sprunggelenks immer noch von Bewegungseinschränkungen betroffen sind. Regelmäßiges Dehnen der Wadenmuskulatur ist daher wichtig.
- Fehlstellungen der Zehen: Anomalien wie Hammerzehen oder Krallenzehen können die Druckverteilung im Fuß verändern und einen erhöhten Druck auf die Nerven zwischen den Zehen verursachen.
- Einseitige Belastungen: Sie sorgen dafür, dass Muskeln und Faszien hohe Spannungen aufbauen.
Symptome
Die Symptome eines Morton Neuroms können vielfältig sein und variieren von leichten Beschwerden bis hin zu starken Schmerzen, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Typische Symptome sind:
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- Brennende Schmerzen: Oft werden brennende Schmerzen unter der 3. und 4. Die Schmerzen beim Morton Neurom strahlen in die Zehen aus und sind abhängig von Alltagsbelastung und Schuhwahl.
- Stechende Schmerzen: Die Schmerzen haben den Charakter von Nervenschmerzen, schießen meist blitzartig in die Zehen ein und nehmen belastungsabhängig deutlich zu.
- Missempfindungen und Taubheit: Es entstehen Missempfindungen oder Taubheit in den Zehen, die als „Ameisenlaufen“ und einschießende stechende Schmerzen empfunden werden können.
- Fremdkörpergefühl: Manche Patienten beschreiben Fremdkörpergefühle unter den Zehen und ein schmerzhaftes schnappen und klicken beim Gehen und Laufen.
- Belastungsabhängige Schmerzen: Zu Beginn treten Schmerzen erst nach längerer Zeit auf und vergehen nach dem Ausziehen der Schuhe und einer Pause wieder von selbst. Schreitet die Erkrankung Morton Neurom weiter fort, erleben die Patienten Kribbeln, Missempfindungen und manches Mal auch Taubheitsgefühle in / unter den Zehen. Nun lassen die Schmerzen nicht mehr so schnell nach und können auch über Nacht bleiben. Ein sehr ausgeprägtes Morton Neurom beschreiben die Patienten mit spontanen Klickphänomenen oder unangenehmem Schnappen zwischen den Zehen und unter der Fußsohle. In dieser Phase der Erkrankung sind Schmerzen und Taubheit oft dauerhaft vorhanden oder schon durch wenige Schritte immer wieder auslösbar.
Diagnose
Die Diagnose eines Morton Neuroms basiert in der Regel auf einer Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren.
- Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten ausführlich nach seinen Beschwerden, Vorerkrankungen und Risikofaktoren.
- Klinische Untersuchung: Bei der körperlichen Untersuchung achtet der Arzt auf Druckschmerzhaftigkeit im Bereich der Mittelfußköpfchen und führt spezielle Tests durch, wie das Mulder-Zeichen. Das sogenannte Mulder Zeichen (auch Mulder Klick) ist ein spürbares Klicken beim Zusammendrücken der Mittelfußköpfchen. Oft kann man als Patient dabei das Klicken oder Schnappen zwischen den Mittelfußköpfchen auf der Fußsohlenseite bei der Untersuchung auch spüren.
- Bildgebende Verfahren: Mit einer hochauflösenden Ultraschalluntersuchung kann ein großes Morton Neurom oft direkt aufgespürt werden. Die MRT Untersuchung ist eine Standardmethode zur Darstellung des Morton Neuroms. Falls möglich, sollte das MRT in Bauchlage durchgeführt werden. Neben der direkten Darstellung des Morton Neuroms bietet das MRT einen großen Vorteil: Wichtige weitere Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden auslösen, können zeitgleich identifiziert werden (z.B. Ermüdungsbruch der Mittelfußknochen). Gut zu wissen: In 17% der Fälle wird das Morton Neurom in MRT übersehen. Sie haben typische Schmerzen wie bei Morton Neurom - im MRT wurde aber kein Morton Neurom nachgewiesen? Wenden Sie sich an einen Spezialisten für Fuß und Sprunggelenk! Ein anderswo oft vernachlässigter aber essentieller Aspekt ist die gewissenhafte Analyse der Fußstatik. Dazu gehören im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk die dynamische Pedobarografie und die Digitale Volumentomografie des Fußes. Der Nachweis eines Morton Neuroms im MRT ist nur relevant, wenn der Patient auch Beschwerden hat die zu einem Morton Neurom passen! Bei etwa jedem dritten US-Amerikaner kann man im MRT ein kleines Morton Neurom nachweisen, ohne dass diese Personen jemals Beschwerden hatten (Bencardio J. et al., AJR 2000).
Konservative Behandlungsmethoden
Ziel der konservativen Behandlung ist es, die Schmerzen zu lindern und die Funktion des Fußes zu verbessern. In vielen Fällen können die Beschwerden durch konservative Maßnahmen ausreichend kontrolliert werden. Zu den wichtigsten konservativen Behandlungsmethoden zählen:
- Schuhmodifikation: Schuhe mit ausreichend Platz im Vorfußbereich, einer weichen Sohle und niedrigen Absätzen sind empfehlenswert. Schuhe mit sehr fester Sohle und hartem Untergrund verschlimmern die Schmerzen.
- Einlagen: Durch die passiven Einlagen wird das Fußgewölbe besser abgestützt und der Druck auf das Morton Neurom wird geringer. In vielen Fällen reicht diese gezielte Maßnahme bereits aus, um die Beschwerden deutlich zu lindern. Spezielle orthopädische Einlagen sollen die Nerven im Mittel- und Vorfuß entlasten. Kurzfristig kann das die Schmerzen lindern.
- Dehnübungen: Regelmäßiges Dehnen der Wadenmuskulatur und der Plantarfaszie kann helfen, die Spannung im Fuß zu reduzieren und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Physiotherapie: Physiotherapie (z.B. Bei Luftsportlern empfehlen wir zu Beginn eine reduzierte Fersensprengung sowie fokussiertes Kraft- und Techniktraining bei einem speziell ausgebildeten Therapeuten. Hier beginnt die Therapie oft mit der Erkenntnis, dass der Vorfußlauf zwar natürlicher und dynamischer sein kann, aber eine sehr starke Belastung für den Fuß bedeutet. Die erhoffte und oft diskutierte Eigendämpfung beim Vorfußlauf durch Fußgewölbe und Wadenmuskulatur kann helfen Beschweden an Knie, Hüfte und Rücken zu lindern.
- Stoßwellentherapie: Die fokussierte und radiale Stoßwellentherapie hat in mehreren Studien gezeigt, dass die Schmerzen bei Morton Neurom mit dieser Methode reduziert werden können (Fridman R. et al., J Am Podiatr Med Assoc 2009; Seok H. et al., J Am Podiatr Med Assoc 2016).
- Injektionstherapie: Ist bereits ein größeres Morton Neurom nachgewiesen, bietet die Injektion mit Cortison und Lokalanästhetikum (Schmerzmittel) gute Erfolgschancen. et al., FAS 2021). Empfohlen werden 1-3 Injektionen, die vom Fußspezialisten gezielt im Bereich des Morton Neuroms verabreicht werden. Besonders effektiv sind die Injektionen mit Cortison und Lokalanästhetikum, wenn spätestens 12 Monate nach Beginn der ersten Symptome begonnen wird (Markovic M. Falls in kurzen Abständen immer wieder neue Injektionen mit Cortison nötig sind, müssen die langfristigen Nebenwirkungen wiederholter Cortison Injektionen bei Morton Neurom beachtet werden. Auf Dauer verursacht Cortison Fettgewebsnekrosen im Bereich der Injektion - dadurch geht die Polsterwirkung des Fettgewebes verloren und die mechanische Belastung auf das Morton Neurom wird noch intensiver!
Operative Behandlungsmethoden
Wenn die konservativen Behandlungsmethoden nicht ausreichend helfen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Es gibt verschiedene operative Verfahren, die je nach Ausprägung des Morton Neuroms und den individuellen Bedürfnissen des Patienten eingesetzt werden können.
- Neurektomie: Falls sich die Diagnose eines sehr großen Morton Neuroms bestätigt, ist die operative Entfernung (Neurektomie) aktuell die beste Empfehlung. Bei dieser Operation wird der krankhaft veränderte Teil des Nervs unter Lupenbrillenvergrößerung entfernt. Der Eingriff kann in aller Regel von Dr. Böhr ambulant in Berlin durchgeführt werden. Der Hautschnitt kann dabei auf dem Fußrücken oder der Fußsohle liegen. Dr. Gemäß Studien, sind bei einer Entfernung des Morton Neuroms / Neurektomie nach knapp 6 Jahren 85% der operierten Patienten mit dem Ergebnis zufrieden oder sehr zufrieden und 65% vollständig schmerzfrei. Etwa jeder 3. Patient nutzt nach der OP passive Einlagen (Coughlin MJ. Die Entfernung des Nervs / Neurektomie hat den Nachteil, dass der Patient im Bereich des betroffenen Nervs dauerhaft die Sensibilität verliert. Daher versuchen wir im Zentrum für Fuß und Sprunggelenk in Berlin bei kleinen und mittelgroßen Neuromen eine Neurektomie zu vermeiden, indem wir die Fußstatik durch operative Umstellung der Knochen verbessern. Nach der operativen Entfernung eines Morton Neuroms (Neurektomie) kommt es im Schnitt nach 7 Jahren in etwa 4 % der Patienten zur Ausbildung eines Neurinoms (Nery C, et al., JBJS Am 2012). Das bedeutet, dass die zurückgebliebenen Nervenenden neue Nervenfasern ausgebildet haben. Da der Nerv entfernt ist und damit die Leitstruktur für ein zielgerichtetes Nevenwachstum fehlt, entsteht ein klumpiger Nervenknoten, den man Neurinom nennt. Solch ein neu entstandenes Neurinom wird nach den gleichen Prinzipien behandelt wie das Morton Neurom selbst.
- Dekompression des Nervs: Hier steht die operative Therapie der sehr häufigen Spreizfußfehlstellung im Vordergrund. Die angewendeten OP Methoden überschneiden sich stark mit den Methoden zur Hallux Valgus Korrektur. Je nach Ausprägung der knöchernen Fehlstellung sind zusätzliche Eingriffe an den Kleinzehen notwendig (z.B. Weil Osteotomie).
- Operative Spreizfußtherapie: Zur dauerhaften Lösung kommt dann oft die bewährte Spreizfußtherapie zum Einsatz:
Was kann man selbst tun?
Neben den ärztlichen und physiotherapeutischen Maßnahmen gibt es auch einiges, was Betroffene selbst tun können, um die Beschwerden zu lindern und den Heilungsprozess zu unterstützen:
- Fußmuskulatur stärken: Durch gezielte Übungen kann die Fußmuskulatur gestärkt werden, was zur Stabilisierung des Fußgewölbes beiträgt und die Belastung der Nerven reduziert.
- Gewicht reduzieren: Übergewicht belastet die Füße zusätzlich. Eine Gewichtsreduktion kann daher helfen, die Beschwerden zu lindern.
- Regelmäßige Pausen: Bei längeren Belastungen sollten regelmäßige Pausen eingelegt werden, um die Füße zu entlasten.
- Fußmassagen: Sanfte Fußmassagen können helfen, die Durchblutung zu fördern und Verspannungen zu lösen.
- Kühlen: Bei akuten Schmerzen kann das Kühlen der betroffenen Stelle Linderung verschaffen.
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