Die Fußreflexzonenmassage (FRM) ist eine manuelle Behandlungstechnik, die ursprünglich aus der traditionellen chinesischen Medizin stammt. Anfang des 20. Jahrhunderts erlernte der US-Amerikaner William Fitzgerald die Techniken der Fußreflexzonenmassage bei Indianern in Mittel- und Nordamerika. Den Europäern erschien diese Form zu laienhaft, sodass sich am Ende eine noch intensiver weiterentwickelte Form durchgesetzt hat.
Grundlagen der Fußreflexzonenmassage
Bei der Fußreflexzonenmassage werden mit der Hand, den Fingern oder Stäbchen, sogenannte "Deuter Stäbchen", spezielle Griffe am Fuß durchgeführt, um Reize an den Reflexzonen auszuüben. Der menschliche Körper wird für diese Massagetechnik in 10 senkrechte und 3 waagerechte Körperzonen unterteilt. Alle Linien enden am Fuß, der in einer Wechselbeziehung zum Körper und insbesondere dessen Organen steht. Somit bietet die Massage an den Punkten der Fußreflexzonen die Möglichkeit, therapeutisch auf den Ursprung der Beschwerden einzuwirken.
Die Bedeutung des Vagusnervs
Der Vagusnerv spielt eine zentrale Rolle bei der Verbindung von Körper und Psyche. Er ist einer von zwölf Hirnnerven und verbindet den Verdauungstrakt, die Lunge und das Herz mit dem Gehirn. Über den Vagusnerv erhält das Gehirn Informationen über den Zustand der Organe und hilft uns, schnell das passende Verhalten auszuwählen. Die Stimulation des Vagusnervs wirkt entspannend und lindert Stress, indem sie den Parasympathikus aktiviert, der für Erholung und Regeneration wichtig ist.
Wirkungsweise der Fußreflexzonenmassage
Die Wirkung der Fußreflexzonenmassage ist vielfältig. Sie fördert die Durchblutung und steht in einer Wechselbeziehung zum ganzen Körper, insbesondere zu den Organen. Die Massage stimuliert die Durchblutung, fördert den Energiefluss und wirkt entspannend auf Körper und Geist. Durch eine spezielle Strichtechnik mit dem Ringfinger wird das subkutane Gewebe bearbeitet, was über sogenannte Segmentreflexe auch auf entferntere Organe wirken kann.
Weitere vorteilhafte Wirkungen
Der Fußreflexzonenmassage werden unter anderem diese vorteilhaften Wirkungen zugeschrieben:
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- Fördern des Lymphabflusses in Armen und Beinen
- Lösen von Muskelverspannungen
- Linderung von Schmerzen
- Verbesserung des Schlafs
- Kräftigen der körperlichen Verfassung
- Anregen des Abwehrsystems
- Wohltuender Stressabbau
Weiterhin kann die Fußreflexzonenmassage das vegetative Nervensystem positiv beeinflussen. In diesem Fall spricht man von einer „Umstimmungstherapie“, die vor allem bei chronischen Erkrankungen eingesetzt wird, um die Heilung zu fördern.
Anwendungsgebiete der Fußreflexzonenmassage
Als unterstützende Behandlung kommt die Fußreflexzonenmassage vorrangig auch bei diesen Symptomen zum Einsatz:
- Wirbelsäulen- und Gelenkbeschwerden
- Migräne und Kopfschmerzen
- Funktionsstörungen von Organen
- Erschöpfung
- Arthritis
- Hormonstörungen und Beschwerden in den Wechseljahren
Die Fußreflexzonenmassage als Umstimmungstherapie
Die Fußreflexzonenmassage gilt als sogenannte Umstimmungstherapie, also als ein Behandlungsverfahren, dessen Ziel darin besteht, allgemein die Körperreaktionen positiv zu beeinflussen oder das Immunsystem anzuregen. Umstimmungstherapien wie die Massage der Fußreflexzonen kommen vor allem bei chronischen Erkrankungen zum Einsatz, um deren Heilung anzukurbeln und zu unterstützen. Ob die Fußreflexzonenmassage eine langfristige Wirkung hat, ist allerdings wissenschaftlich bisher nicht nachgewiesen. Fußreflexzonenmassagen gelten jedoch als fast nebenwirkungsfrei.
Die Rolle des vegetativen Nervensystems
Das vegetative Nervensystem steuert unbewusste Körperfunktionen, die für Erholung und Regeneration wichtig sind. Es besteht aus dem Sympathikus, der den Körper in Stress- oder Gefahrensituationen aktiviert, und dem Parasympathikus, der für Entspannung und Erholung zuständig ist. Die Fußreflexzonenmassage kann das vegetative Nervensystem positiv beeinflussen, indem sie den Parasympathikus aktiviert und so zur Entspannung beiträgt.
Ablauf einer Fußreflexzonenmassage
Vor Beginn einer Fußreflexzonenmassage (FRM) steht die Durchführung einer äußerlichen Untersuchung der Füße: Dabei betrachtet die Therapeutin oder der Therapeut die Füße genau und tastet sie feinfühlig (mit Daumen oder Zeigefinger) ab, um Veränderungen (z. B. Abweichungen von der normalen Fußform, Schwellungen, Druckstellen) sowie die Schweißbildung und Hauttemperatur zu erfassen. Bei der Fußreflexzonenmassage bearbeitet die Masseurin oder der Masseur die Zehen, Sohlen und Fußränder beider Füße durch Drücken und Reiben. Die Anwendung beginnt mit oberflächlich angesetzten Streichungen. Anschließend kommen bestimmte Griffe zum Einsatz, die - je nach Grund für die Anwendung der Reflexzonenmassage - anregend/kräftigend (bzw. tonisierend) oder beruhigend/abschwächend (bzw. sedierend) wirken: Soll die Massage der Fußreflexzonen zum Beispiel akute Schmerzen lindern (wie bei einer Ischialgie), werden eher sedierende Griffe angewendet. In der Regel dauert eine Fußreflexzonenmassage etwa 20 bis 25 Minuten.
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Fußreflexzonenmassage und ihre Wirkung auf Stressabbau
In unserer schnelllebigen Welt leiden viele Menschen unter einem Nervensystem, das im Dauer-Alarmmodus steckt. Die gezielte Ansprache des Vagusnervs in der Massagetherapie kann dabei helfen, das Nervensystem zu beruhigen und tiefgreifende Regeneration zu ermöglichen. Die Polyvagal-Theorie zeigt, dass ein erhöhter Vagustonus die emotionale Selbstregulation stärkt und das Nervensystem aus dem Alarmzustand zurück in Sicherheit führen kann.
Fußmassage zur Erdung des Nervensystems
Die Füße zu massieren wirkt auf den ersten Blick einfach - doch ihre Wirkung auf das Nervensystem ist tiefgehend. Die Fußsohlen sind reich an Nervenenden, die mit Rückenmark und Gehirn verbunden sind. Sanfte, achtsame und rhythmische Berührung kann hier starke Signale von Sicherheit und Verbundenheit aussenden. Forschung belegt, dass eine Fußmassage den Vagustonus erhöht, den Blutdruck senkt und die Aktivität des sympathischen Nervensystems reduziert. In der BodyMind-Massage sind die Füße ein Zugangstor zu innerer Ruhe, Stabilität und emotionalem Loslassen.
Gesicht, Hals und Ohren: Von oben nach unten beruhigen
Der Vagusnerv verläuft durch den Hals und hat Äste, die Teile des Gesichts und der Ohren versorgen - vor allem den Gehörgang und die Ohrmuschel. Eine sanfte Massage dieser Bereiche kann das parasympathische System direkt ansprechen. Studien zeigen, dass aurikuläre Stimulation (Ohrmassage) die HRV verbessert und damit den Vagus aktiviert. Auch der Bereich seitlich am Hals - dort, wo sich der Vagusnerv in der Nähe des Karotissinus befindet - ist sensibel. Leichte Berührung kann hier sogenannte barorezeptorische Reflexe auslösen, die beruhigend auf Herz und Kreislauf wirken. Selbst ein kurzer Nacken- oder Schultermassage-Einsatz von nur zehn Minuten kann nachweislich die vagale Aktivität erhöhen.
Wann sollte die Fußreflexzonenmassage nicht durchgeführt werden?
Wie viele andere Massagetechniken auch, kann die Fußreflexzonenmassage schmerzhaft sein. Es gibt aber auch Umstände, in denen diese Massageart einige Risiken mit sich bringen kann. Besteht eines dieser Probleme, sollte die Behandlung nicht durchgeführt werden:
- Gelenk- oder Knochenbeschwerden im Fußbereich
- Pilzinfektionen wie zum Beispiel Fußpilz
- Offene Wunde/n am Fuß
- Diabetischer Fuß
Ebenso existiert ein Risiko bei…
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- Psychosen
- Risikoschwangerschaften
- Entzündeten Venen und Lymphgefäßen
- Morbus Sudeck im 1. Stadium
Leidet Ihr Kunde oder Patient unter einer akuten Infektionskrankheit, die mit hohem Fieber einhergeht, sollte die FRM ebenfalls nicht durchgeführt werden. In diesem Fall kann die Erregung des vegetativen Nervensystems dazu führen, dass die Beschwerden sich verstärken.
Erstverschlimmerung
Ja, auch bezogen auf das zentrale Nervensystem lässt sich mitunter das Phänomen der Erstverschlimmerung anmerken. So könnte es sein, dass nach einer Massage, welche die Psyche anregen soll, zunächst eine Verschlimmerung bereits vorhandener Symptome wie Angst, Unruhe oder Schlaflosigkeit einsetzt, ehe sich jene Beschwerden bessern. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Körper auf die Massage reagiert und beginnt in seinem komplexen System etwas umzustrukturieren.
Alternativen zur Fußreflexzonenmassage
Neben einer Massage gibt es noch viele andere Möglichkeiten, den körperlichen sowie seelischen Stress zu schmälern. Nachweislich entspannend wirken zum Beispiel kontrollierte Atemübungen wie tiefes Atmen oder progressive Muskelentspannung. Wenn die Übungen zusätzlich mit einer Vagusnervstimulation gekoppelt werden, ist die Wirkung besonders gut, dazu gibt es erste Hinweise. Auch die Boxatmung, bei der man auf vier Zählzeiten einatmet, vier Zählzeiten die Atmung hält, auf vier ausatmet und wieder vier Zählzeiten hält oder eine verlängerte Ausatmung können die Entspannung fördern.
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