Gähnen vor Migräne: Ursachen und Zusammenhänge

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine vielschichtige neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Neben den typischen, oft halbseitig auftretenden, starken Kopfschmerzen können weitere belastende Symptome wie Übelkeit und Lichtempfindlichkeit auftreten. Ein weniger bekanntes, aber dennoch häufiges Anzeichen für eine bevorstehende Migräneattacke ist das Gähnen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Gähnen im Zusammenhang mit Migräne und wie dieses Symptom als Vorbote genutzt werden kann.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine anfallsartig auftretende, starke Kopfschmerzerkrankung, die Stunden bis Tage andauern kann. Sie wird oft von Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Die Forschung geht davon aus, dass eine genetische Veranlagung in Kombination mit verschiedenen Auslösern (Triggern) zu Migräneattacken führt.

Ursachen und Auslöser

Die genauen Ursachen der Migräne sind trotz intensiver Forschung noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Theorien über die Krankheitsmechanismen, die während einer Migräneattacke im Gehirn ablaufen. Eine Theorie besagt, dass Migräne-Betroffene eine aktivere Reizverarbeitung im Gehirn haben als Nichtbetroffene. Bestimmte Reize oder Einflussfaktoren (Trigger) können dann Veränderungen im Gehirn auslösen, die letztendlich zu einem Migräneanfall führen.

Häufige Trigger für Migräneattacken sind:

  • Stress und starke Emotionen
  • Hormonelle Veränderungen (z. B. Menstruationszyklus, hormonelle Verhütungsmittel)
  • Unregelmäßiges Essen und Auslassen von Mahlzeiten
  • Bestimmte Lebensmittel wie Käse und Rotwein
  • Wetterveränderungen
  • Unregelmäßiger Schlaf
  • Äußere Reize (helles Licht, Lärm, Gerüche, Rauch)
  • Bestimmte Medikamente

Verlauf und Symptome

Migräne erreicht ihre höchste Intensität und Häufigkeit typischerweise zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr und klingt ab dem 55. Lebensjahr langsam aus. Es gibt zwei Hauptformen der Migräne:

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  • Migräne ohne Aura (gewöhnliche Migräne)
  • Migräne mit Aura (klassische Migräne)

Beide Formen zeichnen sich durch starke, oft einseitige Kopfschmerzen aus, die als pulsierend und pochend wahrgenommen werden und bei körperlicher Betätigung zunehmen.

Phasen einer Migräneattacke

Migräneattacken lassen sich in verschiedene, ineinander übergehende Phasen einteilen:

  1. Vorbotenphase (Prodromalstadium): Unverkennbare Vorboten kündigen die Migräneattacke an. Diese Vorboten sind sehr individuell und können Heißhunger, häufiges Gähnen, Reizbarkeit oder Euphorie umfassen.
  2. Aura: Etwa 15 Prozent der Migräne-Betroffenen erleben eine Aura unmittelbar vor der Schmerzphase. Die Aura umfasst neurologische Symptome wie Schwindel, Sehstörungen (Doppelbilder, Lichtblitze, Wellenlinien, blinde Flecken), Hörprobleme, Empfindungsstörungen und Sprechstörungen. Eine Aura dauert in der Regel nicht länger als eine Stunde.
  3. Schmerzphase: Typisch sind stechende, pochende oder pulsierende Kopfschmerzen, die sich meist einseitig auf Stirn, Schläfe und Augenbereich ausbreiten. Die Schmerzphase dauert in der Regel zwischen vier und 72 Stunden. Häufige Begleitsymptome sind Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, verstärkte Geruchswahrnehmung und erschwerte Nasenatmung.
  4. Rückbildungsphase (Erholungsphase): Die pochenden Kopfschmerzen gehen in einen gleichbleibenden Schmerz über, der allmählich abklingt. Viele Betroffene haben ein erhöhtes Schlafbedürfnis.

Gähnen als Vorbote einer Migräne

Viele Migränepatienten kennen Gähnen als ein häufiges, auch frühes Anzeichen eines Migräneanfalls. Eine Querschnittsstudie des Ankara Dışkapı Yıldırım Beyazıt Training und Forschungshospitals in Ankara, Türkei, untersuchte dieses Phänomen genauer.

Studienergebnisse

In der Studie wurden 339 Migränepatienten untersucht. Die Ergebnisse zeigten:

  • 154 Patienten (fast die Hälfte) berichteten von häufigem Gähnen während der Migräneanfälle.
  • Jeder 10. Patient gähnte bereits vor Einsetzen der Kopfschmerzen.
  • Jeder 4. Patient gähnte während der Kopfschmerzen.
  • Einer von 10 Patienten gähnte sowohl vor als auch während der Kopfschmerzphase.
  • Fast die Hälfte der gähnenden Patienten erlebten eine Migräneaura, im Vergleich zu nur jedem 3. der nicht gähnenden Patienten.
  • Gähnende Patienten litten häufiger unter Übelkeit (90 % vs. 75 %) und mussten sich eher übergeben (50 % vs. 40 %).
  • Gähnende Patienten waren häufiger von Geruchsempfindlichkeit und gesteigertem Berührungsschmerz (Allodynie) betroffen.
  • Weitere dopaminerge Vorbotensymptome traten deutlich öfter bei den gähnenden Patienten auf (42 % vs. 27 %).
  • Ungewöhnliche Schläfrigkeit trat bei jedem 5. gähnenden Patienten auf, aber nur bei jedem 20. nicht-gähnenden Patienten.
  • Doppelt so viele gähnende Migränepatienten waren vor der Attacke reizbar oder ängstlich (jeder 5.), litten unter Übelkeit (jeder 10.) oder bemerkten deutliche Veränderungen im Appetit (jeder 5.).

Zusammenhang mit dem dopaminergen System

Das Gähnen im Zusammenhang mit Migräne wird auf die Aktivität des dopaminergen Systems, insbesondere im Hypothalamus, zurückgeführt. In diesem Gehirnteil werden verschiedene Nervenbotenstoffe freigesetzt, von denen speziell Dopamin die Empfindlichkeit der Verarbeitung in anderen Gehirnabschnitten beeinflusst. Ein sinkender Dopaminspiegel kann dazu führen, dass bestimmte Systeme stärker sensibilisiert werden und durch normale Reize bis zur Schmerzhaftigkeit überreizt werden.

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Eine frühere Studie (DaSilva et al., 2017) zeigte, dass der Dopaminspiegel während der Migräne auffällig schwankt und schließlich stark absinkt. Diese Veränderungen im Dopaminspiegel, verursacht durch eine veränderte Aktivität des Hypothalamus, können verschiedene Symptome wie das Gähnen auslösen, die bei Migränepatienten beobachtet werden können.

Implikationen für die Migränebehandlung

Die Erkenntnis, dass Gähnen ein verlässlicher Vorbote speziell bei Migränepatienten mit Aura und Übelkeit ist, kann für die Entwicklung neuer Therapieansätze von Bedeutung sein. Das dopaminerge System rückt zunehmend in den Fokus für die Entwicklung von Therapien, die noch vor der Kopfschmerzphase eingreifen sollen.

Schon jetzt kann das Gähnen oft frühzeitig signalisieren, dass eine Migräne beginnt. Insbesondere bei Übelkeit, die gähnende Patienten häufiger betrifft, ist eine frühe Akutbehandlung sinnvoll, da die Medikamente bei Übelkeit schlechter wirken und teilweise auch nur noch schwer eingenommen werden können.

Weitere frühe Anzeichen einer Migräneattacke

Neben dem Gähnen gibt es weitere Vorboten, die auf eine bevorstehende Migräneattacke hindeuten können. Diese Anzeichen treten in der Prodromalphase auf und können bereits zwei Tage vor der Attacke oder auch nur Stunden vorher einsetzen. Es ist wichtig zu beachten, dass sich die Vorboten von Person zu Person unterscheiden können.

Häufige Migräne-Anzeichen sind:

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  • Müdigkeit und Erschöpfung: Etwa die Hälfte der Migräne-Betroffenen berichten von Müdigkeit und Erschöpfung als Vorboten-Symptom.
  • Nackenbeschwerden: Migräne-Betroffene leiden deutlich häufiger unter Nackenschmerzen als Nicht-Betroffene. Nackenbeschwerden können ein Vorbote oder ein Begleitsymptom während der Migräneattacke sein.
  • Stimmungsschwankungen: Depressive Verstimmungen und innere Unruhe sind nicht untypisch in der Vorbotenphase.
  • Konzentrationsschwierigkeiten: Diese können ein weiterer Vorbote sein, treten aber häufiger in der Kopfschmerzphase auf.
  • Übelkeit, Erbrechen & Durchfall: Diese Symptome können auch schon als Vorboten einer Migräneattacke auftreten.
  • Photophobie und Phonophobie: Eine erhöhte Lärm- und Lichtempfindlichkeit kann bereits in der Vorbotenphase beobachtet werden.
  • Heißhunger: Verstärkte Essensgelüste auf Süßes oder hochkalorische Speisen können auftreten.

Diagnose und Behandlung von Migräne

Die Diagnose von Migräne erfolgt in der Regel durch eine neurologische Untersuchung und ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese). In einigen Fällen können weitere Untersuchungen des Gehirns, wie eine Bildgebung, erforderlich sein.

Da die Ursachen der Migräne noch nicht vollständig bekannt sind, ist bislang keine Heilung möglich. Es gibt jedoch verschiedene Medikamente und nicht-medikamentöse Maßnahmen, die die Symptome lindern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können.

Akuttherapie

In der Akuttherapie werden Medikamente zur Linderung der Kopfschmerzen und der Begleitsymptome eingesetzt. Dazu gehören:

  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Bei leichter bis mittelschwerer Migräne können NSAR wie Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen eingesetzt werden.
  • Triptane: Bei mittelschwerer und schwerer Migräne sind Triptane die Substanzen mit der besten Wirksamkeit. Sie lindern nicht nur die Kopfschmerzen, sondern auch Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen. Triptane sollten früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden.

Migräneprophylaxe

Eine Migräneprophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren. Sie kann aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen bestehen:

  • Medikamente: Verschiedene Medikamente, wie Betablocker und Antikörper, können zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
  • Entspannungsverfahren und psychotherapeutische Verfahren: Diese helfen, besser mit Stress umzugehen, der eine Migräneattacke triggern kann.
  • Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport kann ähnlich migränevorbeugend wirken wie Medikamente.
  • Persönliche Trigger erkennen und vermeiden: Das Führen eines Kopfschmerztagebuchs kann helfen, individuelle Trigger zu identifizieren und zu vermeiden.

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