Vibrationstherapie mit Galileo bei Neuropathie: Ein umfassender Überblick

Einführung

Die Vibrationstherapie, insbesondere mit Geräten wie Galileo, gewinnt zunehmend an Bedeutung bei der Behandlung von Neuropathien. Dieser Artikel beleuchtet die Grundlagen der Galileo Vibrationstherapie, ihre Wirkungsweise bei Polyneuropathie und gibt praktische Hinweise zur Anwendung.

Was ist Galileo Vibrationstherapie?

Das Prinzip von Galileo Standgeräten beruht auf dem natürlichen Bewegungsablauf des Menschen beim Gehen. Die Therapieplattform arbeitet mit einer seitenalternierenden Bewegungsform, ähnlich einer Wippe, wobei Amplitude und Frequenz veränderbar sind. Dadurch wird ein Bewegungsmuster stimuliert, das dem menschlichen Gang ähnelt.

Die seitenalternierende Bewegung

Die schnelle Wipp-Bewegung der Therapieplattform verursacht eine Kipp-Bewegung des Beckens, ähnlich wie beim Gehen, jedoch in höherer Frequenz. Der Körper reagiert darauf mit rhythmischen Muskelkontraktionen im Wechsel zwischen linker und rechter Körperhälfte. Ab einer Frequenz von etwa 12 Hertz werden Dehnreflexe ausgelöst. Bei einer Stimulationsfrequenz von beispielsweise 25 Hertz erfolgen pro Sekunde 25 Kontraktionszyklen in Beuger- und Streckermuskulatur.

Galileo: Das Original

Galileo war weltweit das erste seitenalternierende Vibrationstrainingsgerät. Bereits 1996 meldete der Firmengründer Hans Schießl die ersten Patente an. Seine Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit Osteoporose-Forschern zeigten ihm, wie wichtig die Muskelfunktion für gesunde Knochen ist. Eine der ersten Studien mit Galileo-Geräten von 1998 prägte den Begriff Vibrationstraining (Whole Body Vibration Training oder WBV). Galileo hat somit über 25 Jahre Erfahrung im Vibrationstraining und der daraus hervorgehenden Vibrationstherapie.

Unterschiede zu anderen Vibrationsarten

Varianten des Vibrationstrainings bzw. der Vibrationstherapie werden auch als Beschleunigungstraining, Schwingungstraining, Low-intensity Vibration (LIV) oder stochastisches Resonanztraining bzw. Resonanztherapie (SRT) bezeichnet. Es ist wichtig, zwischen Trainings- und Therapiegeräten zu unterscheiden. Die wesentlichen mechanischen Unterschiede ergeben sich aus der Bewegungsart der Platte (seitenalternierend (Galileo), vertikal, horizontal drehend oder zufällig), der maximalen Auslenkung (Amplitude bzw. Hub = Amplitude * 2) und der Vibrationsfrequenz.

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Vorteile der Seitenalternation

Die Simulation des menschlichen Ganges durch die Wipp-Bewegung macht Galileo Therapieplattformen im Gegensatz zu anderen Plattformen mit vertikaler Auf- und Ab-Bewegung zu einer Therapiemethode auf Basis einer physiologischen Bewegungsart. Durch diese seitenalternierende Bewegung wird die Wirbelsäule durch eine leichte seitliche Kippung des Beckens in einer physiologischen Kipp-Bewegung angeregt.

Galileo Therapie bei Polyneuropathie

Vibrationstraining wird bei Polyneuropathie immer wieder empfohlen. Das Training kann helfen, allerdings müssen einige Dinge beachtet werden. Denn Training mit Polyneuropathie funktioniert anders als das in Fitnesstudios gängige Vibrationstraining.

Wirkung auf das Nervensystem

Die Vibration bewirkt nämlich besondere Effekte im Nervensystem. Denn während die Effekte auf die Muskulatur nicht sonderlich groß sind, hat die Vibration dort eine stärkere Wirkung. Die Vibration stellt einen sehr intensiven Reiz für das Nervensystem dar, was jeder der sich auf ein Vibrationsgerät stellt sofort wahrnehmen kann. Verschiedene Arten von Nervenzellen in den Extremitäten werden gereizt und senden ein Feuerwerk von Informationen an das zentrale Nervensystem. Als Folge davon werden verschiedene Botenstoffe ausgeschüttet, die im Nervensystem Anpassungen hervorrufen. Dadurch scheinen Synapsen besser zu funktionieren und ein Schutz vor Schäden des Nervensystems zu entstehen. Dadurch wurde sogar eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten in Tierversuchen festgestellt.

Klinische Studien und Forschungsergebnisse

In der Forschung wurde eine Verbesserung der Schmerzen bei Patienten, die aufgrund einer Chemotherapie Polyneuropathie entwickelten, beobachtet. Auch mit Menschen mit diabetischer Polyneuropathie wurden Studien zum Vibrationstraining durchgeführt. Auch hier wurden Verbesserungen der Schmerzen nach Vibrationstraining beobachtet. Allerdings ist die Qualität der Studien nicht so gut, dass sich eine klare Aussage darüber treffen lässt, wie groß die Effekte tatsächlich sind. Es wird vermutet, dass Schmerzen und Missempfindungen bei Polyneuropathie durch Vibrationstraining etwas gemildert werden können. Die langfristigen Effekte des Vibrationstrainings bei Polyneuropathie wurden außerdem noch nicht untersucht. Bisher liegen nur Studien zum Training über einige Wochen vor.

Anwendungshinweise für Polyneuropathie-Patienten

Im Fitnesstraining wird meistens eine Dauer von 10-15 Minuten angewandt und auf der vibrierenden Platte Übungen gemacht. Das Ziel des Trainings ist es bei Polyneuropathie, die Nerven zu stimulieren und nicht, Muskeln zu aktivieren. Deshalb reicht es, sich einfach auf die Platte zu stellen, oder sich sogar neben die Platte auf einen Stuhl zu setzen und die Füße darauf zu stellen. Im Sitzen oder Stehen ohne zusätzliche Bewegungen scheint die Wirkung sogar größer zu sein, als wenn man gleichzeitig Übungen macht. Es ist also besser, während einer Trainingseinheit erst das Vibrationstraining abzuschließen bevor man mit Kraftübungen weitermacht. Das Training sollte außerdem immer nur kurz dauern. Die Vibration sollte immer nur 1 Minute angewandt werden, dann sollte man mindestens 1 Minute Pause machen, bevor man weiter macht. Man kann dies dann mehrmals wiederholen. Wenn man neu mit dem Vibrationstraining beginnt, sollte man mit langsamen Schwingungen beginnen und diese mit der Zeit langsam steigern.

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Frequenz und Intensität

Die Vibrationsfrequenz, bei der in der vorliegenden Forschung die stärksten Effekte gemessen wurden ist 30 Hz. 30 Hz bedeutet, dass die Platte sich mit einer Frequenz von 30 Schwingungen pro Sekunde bewegt. Bei den meisten Geräten dürfte das im schnellsten Bereich dessen sein was die Platte schafft.

Geräteauswahl und Kosten

Die Geräte von Power Plate und Galileo kosten allerdings einige tausend Euro und benötigen viel Platz, sodass sie nur für wenige Patienten als Gerät für zu Hause in Frage kommen. Falls man ein billigeres Gerät für den Hausgebrauch anschaffen will, sollte man prüfen, ob es eine ausreichende Frequenz schafft.

Trainingshäufigkeit und Kombination mit anderen Therapien

Wenn man die Vibration wie empfohlen anwendet und immer nach einer Minute Vibration eine Pause von einer Minute macht, kann man in den meisten Fällen ein tägliches Training durchführen. Denn das Nervensystem erholt sich relativ schnell von der Belastung. Bei Polyneuropathie sind außer Vibrationstraining auch Gleichgewichtstraining, Massage und Dehnung, sowie Krafttraining und Ausdauersport sinnvoll. Alle diese Methoden wirken auf ihre Weise und haben positive Effekte. Wenn Sie die verschiedenen Methoden kombinieren möchten, ist es wahrscheinlich am erfolgversprechendsten, zuerst mit dem Vibrationstraining das Nervensystem zu aktivieren, bevor man andere Trainingsmethoden anwendet. Wenn man aufgrund eines anderen Trainings Muskelkater hat, kann man das Vibrationstraining am Tag einer Trainingspause dennoch anwenden. Falls während der Chemotherapie die Blutplättchen unter 20 000 sinken sollten, sollte man nur im Sitzen auf einem Stuhl trainieren und die Füße auf die Platte stellen um jede Sturzgefahr zu vermeiden.

Weitere Anwendungsbereiche von Galileo Therapie

Galileo Therapie kann erfolgreich bei der Behandlung von Multipler Sklerose (MS), Parkinson, inkompletter Paraplegie (inkomplette Querschnittlähmung, SCI), Muskeldystrophie, bei Schlaganfall-Patienten sowie bei chronischen Schmerzen wie beispielsweise Fibromyalgie oder Gelenksschmerz eingesetzt werden.

Spezifische Therapieziele durch Frequenzanpassung

Abhängig von der Indikation kann mit Hilfe unterschiedlicher Frequenzen ein Therapiefortschritt erreicht werden. Je nach eingestellter Frequenz können Balance, Koordination, Muskelfunktion oder Muskelleistung gesteigert, Spastik reduziert (Spastikmanagement) oder Kontrakturen reduziert werden.

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Vorteile der Galileo Therapie

Reproduzierbarkeit und Sicherheit

Die sinusförmige, sich andauernd wiederholende Bewegung von Galileo kann motorische und neuronale Lerneffekte ermöglichen.

Reflektorische Aktivierung

Aufgrund der reflektorischen Stimulation (Mechano-Stimulation) handelt es sich bei Galileo Therapie um eine Stimulationsform, welche die Muskulatur unwillkürlich aktivieren kann und somit vom Patienten nicht bewusst gesteuert werden muss.

Hohe Compliance

Gleichgewichtsstörungen, Kraft- und insbesondere Leistungsverlust sind altersassoziierte Begleiterscheinungen, welchen man mit Galileo effektiv entgegenwirken kann. Somit ist Galileo Therapie ein effektives Mittel zur Sturz-Prophylaxe.

Entspannung und Kräftigung

Aufgrund der seitenalternierenden Bewegung der Galileo Therapieplattform können sich die ausgelösten reflektorischen Muskelkontraktionen bis hinauf in den Rücken erstrecken. Die Seitenalternation ist dabei entscheidend, da gerade sie es ermöglicht, dass die Muskulatur seitlich abwechselnd (alternierend) anspannen und relaxieren (entspannen) kann.

Dehnfähigkeit und Flexibilität

Galileo Therapy kann äußerst effektiv zur Lockerung von verspannter Muskulatur, zum Dehnen verkürzter Strukturen und damit zur Erhöhung der Beweglichkeit eingesetzt werden.

Muskelaufbau

Während der Galileo Anwendung kann deshalb bei hohen Frequenzen bevorzugt diejenige Muskulatur stimuliert und effektiv zum Wachstum angeregt werden, die für hohe Kräfte und schnelle Bewegungen genutzt wird.

Knochenaufbau

Ein aktiver Muskel verhindert den Knochenabbau und kann bei ausreichend intensiver Anwendung den Knochen stärken.

Präventive Studien bei Chemotherapie-induzierter Polyneuropathie (CIPN)

Patienten die eine Oxaliplatin- oder Vincaalkaloid-haltige Chemotherapie erhalten, erleiden zu 70-90% eine Chemotherapie-induzierte Neuropathie (CIPN). Aus vorangegangen Studien wissen wir, dass spezifische Bewegungsinterventionen eine Neuropathie positiv beeinflussen können. Derzeit laufen Studien, die die präventive Wirkung eines Sensomotorik- oder Vibrationstrainings auf die Oxaliplatin- oder Vincaalkaloid- induzierten Polyneuropathie untersuchen.

Studiendesign

Das Training erfolgt progressiv, vom Einfachen zum Komplexen.

  • Sensomotorik Training: Patienten trainieren auf einer zunehmend instabiler werdenden Unterstützungsfläche (vom bipedalen zum monopedalen Stand, von einer statischen Unterstützungsfläche hinzu dynamischen) Es werden pro Trainingseinheit 4 Übungen durchgeführt. Jede Übung besteht aus 3 Wiederholungen á 20sec. Zwischen jeder Wiederholung werden 40sec., zwischen jeder Übung 3min Pause eingehalten um neuronale Ermüdung zu vermeiden. Die Übungen erfolgen Barfuß oder in Socken, die Knie leicht (~30°) gebeugt mit dem Ziel das Gleichgewicht zu halten ohne im monopedalen Stand den Fuß absetzen zu müssen oder sich festzuhalten. Das Training soll mind.
  • Vibrationstraining: Die Patienten trainieren auf einer seitalternierenden Vibrationsplatte (Galileo Med M der Firma Novotec) Dieses Training wird ebenfalls progressiv aufgebaut. Die Patienten absolvieren barfuß 4 Übungen á 30sec-2min bei einer Frequenz von 18-30Hz und einer Amplitude von 2-4mm. Das Training soll mind.
  • Kontrollgruppe: Probanden der Kontrollgruppe werden beim Auftreten einer PNP nach bisherigen Standards behandelt. Diese können Medikamente wie Gabapentin und Pregabalin sowie physikalische Therapie beinhalten. Von der Therapie ausgeschlossen sind sensomotorisches Training und Vibrationstraining.

Messzeitpunkte

Es finden 3-4 Messzeitpunkte statt: Eine Prä-Messung vor Therapiebeginn (T0), sobald Neuropathie-spezifische Symptome berichtet oder festgestellt werden (dies wird zudem alle 6 Wochen mit einem kurzen neurologischen Assessment überprüft - außer der Neuroelektrographie) (T1) und nach Beendigung der Therapie (2-3Monate) (T2). Sollte bei manchen Patienten die Therapie länger als 3 Monate dauern, wird T2 zur Zwischentestung und eine weitere Testung (T3) nach Beendigung der THerapie durchgeführt. Alle sekundären Parameter werden ebenfalls zu 3-4 Messzeitpunkten untersucht: vor Therapiebeginn (T0), sobald neuropatische Symptome berichtet oder festgestellt werden (T1) und nach Beendigung der Therapie (T2). In Fällen einer Therapiedauer von mehr als 3 Monaten wird T2 als Zwischentestung durchgeführt und eine weitere Messung nach Ende der THerapie (T3) nötig.

Ausschlusskriterien

  • Vorliegen einer PNP (NLG <40; Amp <5) anderer Ursache (z.B.

Wichtige Hinweise zur Anwendung von Vibrationsplatten

Allgemeine Vorsichtsmaßnahmen

Ganz ohne Einschränkungen sind die Trainingseinheiten auf der Platte nicht zu empfehlen. Ohne eigenes Zutun wird man auf der Vibrationsplatte nicht fit. «Nur wenn schon Muskulatur vorhanden ist, kann man diese auch trainieren», sagt Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln. Eine Grund-Muskelkraft sollte vorhanden sein. „Erst Muskeln aufbauen, zum Beispiel durch regelmäßigen Sport oder EMS-Training, und dann auf die Platte“, rät Froböse. „So sollte die Reihenfolge sein.“ EMS steht für Elektromyostimulation. Bei dieser Trainingsform werden die Muskeln durch Stromimpulse stimuliert.

Risiken und Kontraindikationen

„Vibrationen sind erst einmal eine starke Belastung für den Körper.“ Dabei litten der Rücken und das Skelettsystem. Sind die Muskeln nicht stark genug, um den Körper während der Vibrationen zu stabilisieren, kann es zu Schädigungen kommen. „Auch Menschen mit Gelenkproblemen wie Arthrosen und vor allem Träger von Endoprothesen, also künstlichen Gelenken, sollten beispielsweise nicht auf der Vibrationsplatte trainieren“ sagt Froböse. Durch die Vibrationen könnten sich Teile der Prothese lockern. Bei rheumatischen und neurologischen Erkrankungen, die mit Muskelhypertonie einhergehen - beispielsweise in Folge eines Schlaganfalls -, rät Froböse von der Platte ab. Im Zweifelsfall holt man sich vorher lieber ärztlichen Rat.

Auswahl der richtigen Vibrationsplatte

„Achten Sie auf eine breite Standfläche, um die Übungen stabil ausführen zu können“, rät Froböse. Wer etwas tiefer ins Portemonnaie greift, bekommt ein Modell mit Haltestange. Diese hilft dabei, das Gleichgewicht zu halten. Idealerweise sind die Schwingungen dreidimensional, also nicht nur wippend, sondern in alle Richtungen des Raums gerichtet. Auch die Schwingungsfrequenz, gemessen in Hertz, verdient Aufmerksamkeit. Die verschiedenen Strukturen im Körper reagieren unterschiedlich auf Vibrationen. Knochen bräuchten also eher eine ruhigere, kräftigere Frequenz von 8 bis 10 Hertz, zum Beispiel wenn man die Platte zur Osteoporose-Prävention einsetzen möchte. Wolle man hingegen die schnellen Muskelfasern aktivieren, müsse man mindestens in den Bereich von 25 bis 40 Hertz gehen können. Carl Christopher Büttner vom Deutschen Verband für Physiotherapie rät, sich vor dem Kauf fachkundig beraten zu lassen, auch wenn man als Nutzer bereits Erfahrungen damit gesammelt hat, zum Beispiel in der Physiotherapie-Praxis: Oft stünden dort andere, hochwertigere Platten - „und die sind nicht unbedingt mit den Heimgeräten vergleichbar“, begründet Büttner.

Richtige Anwendung und Übungen

Geübt wird meist im Stehen, für 10 bis 20 Minuten, und immer mit leicht gebeugten Knie- und Hüftgelenken, weil die Muskulatur unter Spannung ist und die Vibrationen besser vom Körper abfangen kann. Eine der wichtigsten Übungen ist die Kniebeuge in allen Variationen. „Generell zielen Vibrationsplatten auf die unteren Extremitäten ab, also Beine, Gesäßmuskulatur und untere Rückenmuskulatur“, erklärt Sportwissenschaftler Froböse.

Oberkörperübungen und Vorsichtshinweise

Wer im Internet nach Übungsvideos sucht, findet oft auch Übungen für den Oberkörper, etwa Liegestütze auf dem Brett. Hier ist aber Vorsicht angebracht, warnt Froböse: „Wenn ich da kein ausreichendes Muskelkorsett an den Schultern und im oberen Rücken habe, um die Vibrationen abzufedern, dann kann es passieren, dass sich die Vibrationen zu weit im Körper bis zu den inneren Organen oder sogar zum Sehnerv ausbreiten und zu Irritationen führen.“ Wichtig sei, dass man die Übungen sauber durchführen könne und auf der Vibrationsplatte keine Unsicherheit verspüre, sagt Physiotherapeut Büttner. Die Auswahl der Übungen sollte in jedem Fall zusammen mit fachkundigem Personal getroffen werden, rät er. Vor dem Kauf besser gründlich ausprobieren. Eine einfache Variante wäre beispielsweise, die Vibrationsplatte erst einmal im Fitnessstudio unter Anleitung eines ausgebildeten Trainers auszuprobieren und einige Übungen korrekt zu lernen.

Weitere Therapieansätze bei Polyneuropathie

Neben der Vibrationstherapie gibt es zahlreiche weitere Therapieansätze, die bei Polyneuropathie Linderung verschaffen können.

Physikalische und Ergotherapeutische Maßnahmen

Bei den physikalischen Maßnahmen handelt es sich zum einen um ein Training für die geschädigten Nerven, das macht die Ergotherapie und die Physiotherapie. Dazu kommen elektrische Behandlungen, Elektrotherapie. Im Bereich Polyneuropathie speziell hat sie unter anderem den Sinn, etwaige Schmerzen, die Polyneuropathie ist ja auch ein Schmerzsyndrom, besser bewältigen zu können - also Schmerzbewältigung. Es gibt sehr deutliche Hinweise darauf, dass diese auch bei der Chemotherapie-induzierten Polyneuropathie sehr gut eingesetzt werden kann.

Elektrotherapie

Dann die Elektro-Therapie. Hier gibt es verschiedene Formen: Es gibt galvanische Bäder. Dann gibt es ergänzend zum Beispiel Kohlensäurebäder, die die Durchblutung verbessern. Das kann eine TENS-Therapie sein, eine transkutane elektrische Nervenstimulation. Da gibt’s solche kleine Kasterln, da kommt der Strom raus. Dann gibt’s die Hochtontherapie. Sie können aber auch Sensibilisierungstraining machen. Sie können sich Reis, waschen Sie sich vorher die Hände, dann können Sie den Reis dann auch noch verwenden, Reis in eine Schale tun und die Sensibilität der Finger wieder schulen.

Medikamentöse Therapie

Man wird zunächst die Medikamente einsetzen, die jetzt nicht als Schmerzmittel stärkere Nebenwirkungen befürchten lassen, sondern eher nebenwirkungsärmer sind, also die Antidepressiva Pregabalin und Gabapentin. Es ist häufig notwendig, dass man die Chemotherapie entweder pausiert oder die Dosis reduziert, wenn die Nebenwirkungen zu stark sind. Man hat früher versucht, durch Medikamente, die während der Chemotherapie gegeben wurden, das Voranschreiten zu verhindern. Das Medikament Duloxetin gehört in diese Gruppe der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Antikonvulsiva sind Medikamente, die eigentlich zur Behandlung von Epilepsien entwickelt worden sind.

Rehabilitation

Im Reha-Aufenthalt erhalten die Patienten neben der ärztlichen und pflegerischen Betreuung Therapien nicht nur zur Behandlung der Polyneuropathie, sondern auch zu anderen Beschwerden, die oft auch ebenfalls als Folge der Chemotherapie aufgetreten sind. Dazu gehören eine ganze Reihe von Einzelbehandlungen in Ergotherapie und Physiotherapie, aber auch Teilnahme an Gruppen: die Handfunktionsgruppe zum Beispiel, die Gruppe für die Behandlung von Polyneuropathie der Füße. Sie werden Physiotherapie-Bewegungsabläufe trainieren, Sie werden unter anderem zum Beispiel eine Vibrationstherapie bei uns erhalten, einem Gerät, das Galileo heißt. Dazu kommen verschiedene Formen der Elektrotherapie.

Tipps für den Alltag

Bekleiden Sie sich entsprechend mit Hilfsmitteln. Beim Gehen können Sie aufpassen, dass Sie Sturzfallen entfernen, damit Sie nicht stolpern. Letzten Endes brauchen nicht 3 Perserteppich übereinanderzuliegen. Die gehören weg. Auch sinnlose Schuhabstreifer oder ähnliches. Der hat vor der Tür vielleicht noch einen Sinn. In der Wohnung brauchen Sie nicht zusätzliche Sturzfallen aufzubauen. Sie können auch Schuhe, die rutschfest sind, anziehen oder auch entsprechende Pantoffel, wenn man so will, die rutschfest sind. Und, ganz wichtig: Ich habe Ihnen ganz zu Beginn gesagt: Gehen mit den Augen. Sie stolpern nicht nur extern draußen, sondern auch in der Wohnung, wenn Sie schlecht sehen. Schauen Sie darauf, dass Sie gut sehen.

Körperwahrnehmung und Achtsamkeit

Körperwahrnehmung, aktive Achtsamkeit mit mir. Ich kann die Körperwahrnehmung schulen, auch während ich andere Therapien mache. Ich habe früher Musiktherapie gemacht, jetzt eben Hochtontherapie. Und wenn dieses An- und Abschwellen kommt, dann nutze ich das, um mit meinem aktiven Denken beteiligt zu sein. Ich stell mir vor bei meinen Füßen, ich zeichne einen Regenbogen, oder ich dirigiere zu meiner Lieblingsmusik, oder ich schicke durch jede Zehe einen Strahl bis zur Sonne. Auch bei den Händen: Ich sage zu meiner Hand: „Es ist gut, dass du da bist.“ Ich tapse vielleicht mit jedem Finger auf meine Elektrode oder Therapie-Unterlage. So kann ich durch mein Gehirn, durch die aktive Leistung das unterstützen oder verbinden, was vielleicht an Nervenleistung gerade nicht da ist. Und ich kann da ganz viel dazu beitragen, dass ich mich mit meinem Körper wieder wohler fühle.

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