Gedächtnisprobleme und Demenz: Ein neurologischer Überblick über Ursachen, Diagnose und Behandlung

Demenz ist ein Begriff, der viele Menschen beunruhigt, besonders im höheren Alter. Er bezeichnet einen krankheitsbedingten, erworbenen Verlust von Leistungen der höheren Gehirnfunktionen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Gedächtnisprobleme im Zusammenhang mit Demenz, beleuchtet die verschiedenen Ursachen, die diagnostischen Verfahren und die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten. Dabei werden sowohl die medizinischen Aspekte als auch die Bedeutung der Unterstützung für Betroffene und Angehörige berücksichtigt.

Was ist Demenz? Definition und Symptome

Der Begriff Demenz stammt aus dem Lateinischen ("Demens" bedeutet "ohne Geist") und beschreibt einen Zustand, bei dem die zuvor normale Denkfähigkeit dauerhaft und über das Altersmaß hinaus eingeschränkt ist. Unter einer Demenz versteht man eine Abnahme der normalen Hirnleistung im Hinblick auf die kognitiven Fähigkeiten des Menschen. Hierzu gehören Gedächtnis, Sprache, Orientierung, Konzentration, Erkennen und Wahrnehmen sowie kritische Urteils- und Entscheidungsfähigkeit. Betroffene sind nicht mehr in der Lage, den Alltag selbstständig zu bewältigen.

Die Symptome einer Demenz hängen von der Art der Erkrankung ab, da es verschiedene Demenzformen mit unterschiedlichen Ursachen gibt. Die kognitiven Fähigkeiten - wie z. B. Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache, Orientierung und Urteilsvermögen - lassen nach. Dadurch können Persönlichkeitsveränderungen und plötzliche Gemütsschwankungen auftreten.

Eine Vergesslichkeit allein bedeutet noch keine Demenz. Im Anfangsstadium der Demenz erleben Betroffene die beginnende Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Fehlbeurteilungen von Situationen meist noch sehr bewusst. Sie versuchen, ihre Defizite vor ihrer Umgebung zu verbergen, und entwickeln Kompensationsmechanismen. Im mittleren Stadium der Demenz nehmen die Patienten ihre Störungen immer weniger wahr oder leugnen sie. Häufig können sie die Schwere der Beeinträchtigung und ihre Auswirkungen auf den Alltag nicht mehr adäquat beurteilen. Im letzten Krankheitsstadium nimmt vor allem die verbale Kommunikationsfähigkeit stark ab und Verhaltensauffälligkeiten erschweren die Unterstützung und Pflege der Betroffenen.

Formen der Demenz: Ein Überblick über die verschiedenen Erkrankungen

Man unterscheidet verschiedene Formen der Demenz. Einige der häufigsten Erkrankungen sind nachfolgend aufgelistet:

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  • Alzheimer-Krankheit: Mit ca. 60 % die häufigste Ursache aller Demenzen. Charakteristisch ist der fortschreitende Untergang von Nervenzellen, der im Schläfen- und Scheitellappen des Gehirns am stärksten ausgeprägt ist. Bei der Alzheimer-Krankheit sterben nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab, was zu einem fortschreitenden Verlust der geistigen (kognitiven) Fähigkeiten führt.

  • Vaskuläre Demenz: Mit ca. 10-15 % aller Demenzen. Hier sind die das Gehirn versorgenden Blutgefäße erkrankt, zum Beispiel durch Arteriosklerose. Die Hauptursache der vaskulären Demenz ist eine Schädigung der Gefäße durch Arteriosklerose. Dadurch kommt es zu langfristigen Durchblutungsstörungen im Gehirn. Bei Verstopfung größerer Blutgefäße sind größere Infarkte (Schlaganfälle) die Folge, aber auch die Mangeldurchblutung von kleinsten Blutgefäßen kann zu einem schleichenden Nervenzelluntergang führen (Mikroangiopathie). Je nach Ort der Schädigungen im Gehirn ist die Symptomatik unterschiedlich. Menschen mit Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder mit Bluthochdruck (Hypertonie) haben ein besonders großes Risiko für Veränderungen der kleinen Blutgefäße im Gehirn, weswegen diese Erkrankungen unbedingt konsequent behandelt werden müssen.

  • Mischformen: Mischformen der vaskulären und der Alzheimer-Demenz in ca. 20 % der Fälle. Gemischte Demenz (ca. Mischform zwischen Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz.

  • Demenz mit Lewy-Körperchen: Mit ca. 10-15 % aller Demenzen. Bei der Demenz mit Lewy-Körperchen finden sich neben den Alzheimer-Plaques und Neurofibrillen noch weitere Eiweißablagerungen, so genannte Lewy-Körperchen, in den Nervenzellen der Großhirnrinde. Lewy-Körperchen in den Nervenzellen des Hirnstamms sind für das Parkinson-Syndrom charakteristisch. Das Erscheinungsbild der Demenz mit Lewy-Körperchen unterscheidet sich erheblich von der Alzheimer-Krankheit. Eine fortschreitende Demenz mit Gedächtnisstörungen besteht wie bei der Alzheimer-Krankheit. Doch neigen die Patienten neben detailreichen optischen Wahrnehmungsstörungen ("Besucher"), schwankenden Beeinträchtigungen der geistigen Fähigkeiten und der Wachheit im Tagesverlauf sowie spontanen motorischen Parkinson-Symptomen zu Stürzen, Ohnmacht und plötzlichem Bewusstseinsverlust, Wahn sowie Halluzinationen anderer Sinnesgebiete. Häufig sind die optisch-räumlichen Störungen ausgeprägter als bei Alzheimer-Patienten. Es sind wie bei der Parkinson-Krankheit mehr Männer als Frauen betroffen. Neuroleptika (antipsychotische Medikamente) werden schlecht vertragen. Dagegen sprechen die Patienten besonders gut auf die Behandlung mit (Acetyl)Cholinesterasehemmern an. Wegen der Gefahren, die den Patienten durch die Einnahme von Neuroleptika drohen, und dem besonders guten Ansprechen auf (Acetyl)Cholinesterasehemmer ist es wichtig, die Demenz mit Lewy-Körperchen von der Alzheimer- und dem Parkinson-Syndrom diagnostisch abzugrenzen. Charakteristisch sind Bewegungsstörungen im Sinne von Parkinson-Symptomen, eine deutlich schwankende geistige Leistungsfähigkeit sowie das frühe Auftreten visueller Halluzinationen. Hinzu kommt eine ausgeprägte Überempfindlichkeit gegenüber Medikamenten, die gegen die Halluzinationen eingesetzt werden. Häufig treten Stürze, kurzzeitige Bewusstlosigkeit und Störungen der vegetativen Funktionen mit niedrigem Blutdruck und Inkontinenz auf.

  • Fronto-temporale Demenz: Die Fronto-temporale Demenz ist seltener als die Alzheimer-Demenz (5%) und befällt eher jüngere Patienten (um das 50. Lebensjahr). Diese Form der Demenz wird durch eine Schrumpfung des Stirnlappens bzw. der Schläfenlappen verursacht. Typisch ist vor allem eine Wesensänderung und eine Störung der Verarbeitung von Emotionen. In speziellen Fällen kann es zu einem isolierten, langsam voranschreitenden Verlust der Sprache kommen (Aphasie). Gruppe von Erkrankungen mit Verlust an Nervenzellen im Stirnlappen oder vorderen Scheitellappen des Gehirns. Es werden drei Unterformen unterschieden, die oft schon ab ca. Schwierigkeiten, Worte richtig auszusprechen

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  • Kognitive Störung bei Depression: Bei bestimmten Depressionen (im höheren Lebensalter) kann es zu ungewöhnlich stark ausgeprägten Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der Konzentrationsleistung und der Denkabläufe kommen. Manchmal wirkt das hierbei entstehende Störungsbild wie eine Demenz. Werden diese Beeinträchtigungen bei den depressiv Kranken zutreffend erkannt und mit antidepressiv wirkenden Medikamenten behandelt, so können sie sich vollständig zurückbilden.

  • Andere Ursachen: Andere Ursachen wie z.B. chronischer Alkoholismus (Korsakow-Syndrom), Schädel-Hirn-Verletzungen, Hirntumore, Schilddrüsenunterfunktion, entzündliche Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Multiple Sklerose oder AIDS);

Eine andere Unterteilungsform spricht von primärer und sekundärer Demenz. Letztere ist eine Folge einer anderen organischen Störung (z.B. Schlaganfall), also eine sekundäre Erscheinung, wohingegen bei primärer Demenz entweder keine Ursache bekannt ist bzw. der demente Abbauprozess selbst die Wurzel der Erkrankung darstellt, wie z.B.

Ursachen von Demenz: Ein komplexes Zusammenspiel von Faktoren

Die Ursachen für Demenzerkrankungen sind vielfältig. Am häufigsten sind die sogenannten „neurodegenerativen Erkrankungen“ (z.B. die Alzheimer-Krankheit). Dabei kommt es aus bisher nicht vollständig aufgeklärten Gründen zur Anhäufung von Eiweißen im Gehirn und zu einem Absterben der Nervenzellen. Bei den Demenzen kommt es zur sogenannten Neurodegeneration, also dem schrittweisen Absterben von Gehirnzellen. Ursächlich ist oft eine Anhäufung von krankhaften Eiweißstoffen im Gehirn. Abhängig vom Ort dieses Prozesses treten dann zu verschiedenen Zeitpunkten der Erkrankung unterschiedliche Symptome auf.

Die „vaskuläre“ Demenz, bedingt durch Schlaganfälle oder chronische Durchblutungsstörungen des Gehirns, ist ebenfalls relativ häufig.

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Alzheimer-Krankheit: Ablagerungen und Zellschäden

Bei der Alzheimer-Krankheit sterben nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab, was zu einem fortschreitenden Verlust der geistigen (kognitiven) Fähigkeiten führt. Gedächtnisprobleme und Orientierungsschwierigkeiten sind nur zwei der Symptome, die den Alltag der erkrankten Menschen zunehmend erschweren. Die Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt. Über die Ursachen der Alzheimer-Krankheit wird viel geforscht. Fest steht: Bei Menschen mit Alzheimer kommt es zu Veränderungen im Gehirn, die sich in vielfältiger Weise auf die Betroffenen auswirken.

Ein typisches Frühsymptom sind Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, das heißt, man kann sich an kurz zurückliegende Ereignisse nicht mehr erinnern. Weitere Symptome sind Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, Dinge zu planen und zu organisieren. Amyloid-beta (abgekürzt Aß) ist ein Protein, das natürlicherweise im Gehirn vorkommt. Im Gehirn von Menschen mit Alzheimer sammelt sich übermäßig viel Amyloid-beta zwischen den Gehirnzellen an und bildet kleinere, giftige Klumpen (Oligomere) und riesige Zusammenlagerungen (Plaques).

Im Gehirn gibt es ein weiteres Protein, das mit Alzheimer in Verbindung gebracht wird: das Tau-Protein. Im Inneren der Gehirnzellen sorgt es für die Stabilität und Nährstoffversorgung. Bei der Alzheimer-Krankheit ist das Tau-Protein chemisch so verändert, dass es seiner Funktion nicht mehr nachkommen kann. Die chemische Veränderung des Tau-Proteins bewirkt, dass es eine fadenförmige Struktur bildet. Obwohl schon Alois Alzheimer vor fast 120 Jahren Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen im Gehirn seiner Patientin Auguste Deter als Ursache der „Krankheit des Vergessens“ vermutete, gibt es bis heute keinen Beweis dafür. So ist es beispielsweise gelungen, mit modernen Antikörper-Medikamenten die Amyloid-Plaques zu entfernen und damit den Krankheitsverlauf etwas zu verzögern - dauerhaft aufhalten lässt sich der kognitive Abbau jedoch nicht. Auch weiß die Wissenschaft bis heute nicht, warum sich die Oligomere, Plaques und Fibrillen bilden. Zum Teil vermuten Forscherinnen und Forscher, dass die Ablagerungen ein Nebenprodukt anderer Vorgänge sein könnten, deren Ursachen noch nicht bekannt sind.

Gliazellen: Mehr als nur Helfer im Gehirn

Neben den Ablagerungen von Amyloid und Tau kommen Fehlfunktionen bestimmter Zellen als mögliche Auslöser der Alzheimer-Krankheit in Frage. Im Fokus stehen hier insbesondere die Gliazellen, die etwa 90 Prozent aller Gehirnzellen ausmachen. Aufgabe der Gliazellen ist es, die Nervenzellen im Gehirn zu schützen und zu unterstützen, damit die Signalübertragung - und damit unser Denken und Handeln - reibungslos funktioniert. An der Signalübertragung selbst sind Gliazellen nicht beteiligt.

Mikrogliazellen spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem unseres Gehirns. Wie eine Gesundheitspolizei sorgen sie dafür, dass schädliche Substanzen wie Krankheitserreger zerstört und abtransportiert werden. Astrozyten sind Gliazellen mit gleich mehreren wichtigen Aufgaben, unter anderem versorgen sie das Gehirn mit Nährstoffen, regulieren die Flüssigkeitszufuhr und helfen bei der Regeneration des Zellgewebes nach Verletzungen. Astrozyten stehen im Verdacht, an der Verbreitung der giftigen Amyloid-beta-Oligomere und Tau-Fibrillen beteiligt zu sein.

Die Alzheimer-Krankheit verändert das Gehirn auf vielfältige Weise, aber bis heute ist nicht klar, welche Ursachen die Krankheit letztlich auslösen. Dies liegt zum einen daran, dass die Alzheimer-Krankheit sehr komplex ist, zum anderen aber auch daran, dass es sich zunächst um eine stumme Krankheit ohne Symptome handelt. Treten irgendwann Symptome auf, lässt sich nicht mehr feststellen, wo die Krankheit begonnen hat. Die Forschung geht davon aus, dass die für Alzheimer typischen molekularen Prozesse im Gehirn Jahre oder Jahrzehnte vor dem Auftreten der ersten Symptome beginnen. Selbst eine angeborene Erkrankung ist möglich.

Diagnose von Demenz: Der Weg zur Klarheit

Bei ersten Anzeichen von gesteigerter Vergesslichkeit oder dem Eindruck, dass sich die persönliche Denkleistung gravierend verändert, sollten Betroffene einen Facharzt für Neurologie bzw. einen Nervenarzt aufsuchen. Viele Menschen klagen über vermehrte Vergesslichkeit und befürchten, an einer Demenz zu erkranken. Dies sollte, wenn die Beschwerden über mehrere Wochen fortbestehen und auch anderen Personen auffallen, eine neurologische Abklärung erfahren. Die korrekte Diagnose der Symptome ist wichtig, um andere Ursachen (z.B. Depressionen, organische Erkrankungen etc.) auszuschließen und mit einer passenden Therapie zu beginnen.

Im Rahmen der Demenzdiagnostik wird nach Erhebung der Krankengeschichte zunächst eine sogenannte „neuropsychologische Testung" durchgeführt. Dafür braucht es in der Regel nur Papier und Stift. Die Ergebnisse werden unter Berücksichtigung des Lebensalters ausgewertet. Gibt es Auffälligkeiten, werden weitere Untersuchungen wie z.B. die Kernspintomographie (MRT) des Gehirns oder die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) durchgeführt. Bei Verdacht auf eine dementielle Erkrankung folgt die Überweisung in eine neurologische Facharzt-Praxis oder in eine Gedächtnisambulanz.

Dabei erfolgt zunächst eine ausführliche Befragung des Betroffenen und möglichst auch eines Angehörigen oder Freundes, sowie eine detaillierte körperliche Untersuchung. Dann werden die subjektiven Einschränkungen durch objektive Testverfahren (standardisierte Aufgaben anhand eines Fragebogens oder Computerprogrammes von ca. 10-30 Minuten Dauer) überprüft. Blutuntersuchungen, eine Ultraschall-Diagnostik der Hirngefäße, ggf. eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns schließen sich an. Häufig ergibt sich am Ende der Untersuchung, dass keine Demenz vorliegt. Der Begriff ‚mild cognitive impairment’ stellt alleine noch keine Diagnose dar und sollte zurückhaltend verwendet werden. Beachtet werden muss, dass auch psychische Faktoren eine große Rolle bei der Ursache von Hirnleistungsstörungen spielen können und so eine Demenz vortäuschen können (sog. Pseudodemenz). Dies gilt ferner auch für manche internistische Ursachen, bspw. eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Vitaminmangel.

Neurologische Untersuchungen in den Schön Kliniken

Ob tatsächlich eine Demenz vorliegt und was deren Ursache ist, klären wir in den Schön Kliniken genau ab. Dazu stellt unser neurologisches Personal zunächst die Ausfallserscheinungen fest, indem mit einer körperlichen Untersuchung Reflexe, Koordination, Gedächtnisleistung, Sprache und Orientierung überprüft werden. Die ausführliche kognitive Testung erfolgt mit standardisierten Fragebögen durch unser neuropsychologisches Personal.

Für eine exakte Diagnose kommen bildgebende Verfahren hinzu, wie die Kernspin- oder die Computertomografie, sowie auch eine Nervenwasserentnahme. CT und MRT des Kopfes liefern Schichtaufnahmen des Gehirns, der Knochen sowie der Blutgefäße. Bei der PET werden mittels radioaktiv markierter Substanzen bestimmte Funktionsprozesse des Gehirns dargestellt, wie der Stoffwechsel von Sauerstoff und Zucker. Mit Ultraschalluntersuchungen der Blutgefäße am Hals und Kopf stellen wir fest, ob die Gefäße verschlossen sind oder ob der Blutfluss zum Gehirn beeinträchtigt ist. Mittels einer dünnen Nadel entnehmen wir zwischen den Wirbelkörpern im Lendenwirbelbereich eine Probe des Nervenwassers. Im Anschluss untersuchen wir, ob in der Probe Entzündungszellen oder demenztypische Eiweiße vorhanden sind.

Leichte kognitive Beeinträchtigung (LKB)

Wenn kognitive Beeinträchtigungen bestehen, die aber noch nicht so ausgeprägt sind, dass eine „Demenz“ vorliegt, spricht man von leichten kognitiven Beeinträchtigungen (engl. Mild Cognitive Impairment, MCI). Eine leichte kognitive Beeinträchtigung (LKB) wird diagnostiziert, wenn bei einer Person ein leichter Rückgang der Gedächtnis- und Denkfähigkeit auftritt, der über dem durch das typische Altern erwarteten, Niveau liegt.

Therapie von Demenz: Linderung und Unterstützung

Die Behandlung richtet sich ganz nach der Ursache der Demenz. Auch neurodegenerative Demenzen können häufig zumindest in ihrem Verlauf verlangsamt werden. Daneben können bestimmte Medikamente viele begleitende Symptome wie bspw. Unruhe oder Schlafstörungen lindern.

Der ausführlichen Diagnostik folgen in der Regel Therapievorschläge, die sich sowohl auf die kognitiven wie die emotionalen Folgen der Erkrankung beziehen. Die medikamentöse Therapie befindet sich noch im Anfangsstadium. Eine Reihe von Substanzen ist mittlerweile erprobt und wird in den Demenz-Leitlinien der DGN aufgeführt.

Bei neurodegenerativen Demenzen (z.B. der Alzheimer-Krankheit) können nur die Symptome, nicht der krankhafte Prozess im Gehirn selbst nachhaltig beeinflusst werden. Spezielle Medikamente können jedoch das Voranschreiten der Symptome über eine Zeit verlangsamen. Das Gleiche gilt für ergotherapeutische Maßnahmen, aber auch für ein optimales soziales Umfeld und eine adäquate pflegerische Betreuung. Für andere Ursachen demenzieller Erkrankungen können ggf. auch sehr effektive Therapiemöglichkeiten bestehen (z.B. Antibiotika- oder Kortison-Therapien bei Entzündungen oder Hormonersatztherapie bei Schilddrüsenunterfunktion).

Medikamentöse und nicht-medikamentöse Ansätze

Auch hier wirkt sich neben der medikamentösen Therapie geistige Aktivität aus. Intellektuell tätige Menschen erkranken zwar nicht seltener an der Alzheimer-Krankheit, können aber der Erkrankung länger etwas entgegensetzen, wenn sie ihre Aktivitäten beibehalten. Medikamente wirken vorrangig in einem leichten Stadium, wenn also eine Demenzerkrankung noch nicht fortgeschritten ist.

In einem Schaubild werden verschiedene Therapieformen zur Behandlung von Demenz dargestellt. Es wird zwischen nicht medikamentös und medikamentösen Behandlungsmethoden unterschieden.

Cogniket Studie: Einblicke in die Forschung

Beispielhaft stellen wir Ihnen hier eine Studie genauer vor: die Cogniket Studie. Der Hauptzweck der Cogniket Studie ist die Beurteilung der Wirkungen eines Nahrungsergänzungsmittels (BrainXpert) im Vergleich zu Placebo auf die kognitive Funktion bei Teilnehmern mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung. BrainXpert besteht aus mittelkettigen Fettsäuren (Medium Chain Triglycerides, MCT) und Proteinen, um möglicherweise die Menge an Ketonen im Körper zu erhöhen und das Gehirn mit Energie zu versorgen. Basierend auf den Ergebnissen einer früheren klinischen Studie verbessert der MCT-Teil von BrainXpert das Gedächtnis, das Denken, das Wortgedächtnis und Multitasking. Darüber hinaus enthält BrainXpert B-Vitamine, die für die Unterstützung der normalen Gehirnfunktion wichtig sind.

Für die Studienteilnahme gelten folgende Voraussetzungen:

  • Mindestalter 60 Jahre
  • Diagnose einer leichten kognitiven Beeinträchtigung
  • Ein Studienpartner (z. B. Betreuer, Verwandter, Freund), der bereit und in der Lage ist, an den Studienbesuchen teilzunehmen

Die Teilnehmer werden bis zu 18,5 Monate lang an dieser Studie teilnehmen. Während dieser Studie nehmen die Teilnehmer Besuchstermine im Prüfzentrum wahr und führen Telefongespräche mit dem Studienpersonal. Zu Beginn der Studie werden geeignete Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip (randomisiert) dem Erhalt von BrainXpert oder Placebo in den ersten 52 Wochen zugewiesen. In den letzten 26 Wochen der Studie nehmen alle Teilnehmer (unabhängig von der anfänglichen Zuweisung) BrainXpert ein. Im Rahmen dieser Studie werden Laboruntersuchungen, körperliche Untersuchungen, kognitive Beurteilungen und Fragebogen sowie andere Verfahren durchgeführt.

Leben mit Demenz: Unterstützung und Perspektiven

Für die meisten Menschen ist die Nachricht, an einer Demenz erkrankt zu sein, ein großer Schock, der Ängste und Verunsicherung zufolge hat und viele Fragen aufwirft. Auch Selbsthilfeorganisationen können in dieser Situation sehr hilfreich sein. Nach der Diagnose ist es ebenfalls wichtig, rechtliche, gesundheitliche und finanzielle Angelegenheiten zu regeln, solange man dazu noch selbst in der Lage ist. Demenzkranke sind in der Regel im Frühstadium noch voll geschäftsfähig und können selbst in ihrem Sinn vorsorgen. über gesetzliche Leistungen, Rechte, Hilfsangebote vor Ort aber auch ehrenamtliche Angebote für Demenzkranke und Angehörige.

Eine Demenz allgemein verändert den Menschen mit dem Fortschreiten der Erkrankung. Dies mitzuerleben kann neben dem Betroffenen auch für die Angehörigen und das weitere Umfeld sehr belastend sein. Um das Miteinander möglichst harmonisch zu gestalten und, um Missverständnisse zu begrenzen, ist eine umfangreiche Aufklärung in dieser Situation sehr hilfreich. Wichtig ist, dass das Umfeld lernt zu verstehen, was in dementen Menschen vorgeht, was sie brauchen und wie sie reagieren. Angehörige sollten lernen, die Erkrankung zu akzeptieren und mit ihr umzugehen. Wichtig ist zudem, sich Hilfe und Unterstützung zu holen, wenn man sie braucht. Insbesondere pflegende Angehörige sollten sich ausführlich über Hilfsangebote beraten lassen.

Demenz in Deutschland: Eine wachsende Herausforderung

Demenzen gehören zu den häufigsten und folgenreichsten neuropsychiatrischen Erkrankungen im höheren Alter. In Deutschland leiden derzeit etwa 1,6 Millionen Menschen an diesem Verfall ihrer geistigen Leistungsfähigkeit, bis 2050 ist mit einem Anstieg auf knapp 3 Millionen Betroffene zu rechnen. Nach und nach werden Orientierung, Urteilsfähigkeit, aber auch Sprach- und Rechenfähigkeit sowie Teile der Persönlichkeit zerstört.

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