Parkinson, nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung, betrifft in Deutschland etwa 400.000 Menschen. Die Ursachen sind noch immer nicht vollständig geklärt, aber neue Therapieansätze, darunter medizinisches Cannabis, bieten Hoffnung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Parkinson-Therapie, von traditionellen Methoden bis hin zu vielversprechenden neuen Ansätzen, und gibt Einblicke in das Leben mit der Krankheit.
Parkinson: Eine wachsende Herausforderung
Die Zahl der Parkinson-Erkrankten steigt, da die Bevölkerung immer älter wird - im Durchschnitt tritt Parkinson um das 60. Lebensjahr auf. Morbus Parkinson, auch bekannt als "Schüttelkrankheit", stellt Betroffene und ihre Angehörigen vor große Herausforderungen. Während die Ursachen der Erkrankung noch nicht heilbar sind, gibt es verschiedene Therapieansätze, die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern können.
Traditionelle Therapieansätze
Die konventionelle Medizin bietet eine Reihe von Medikamenten zur Behandlung von Parkinson-Symptomen. Ein häufig eingesetztes Medikament ist L-Dopa, das jedoch auch unerwünschte Nebenwirkungen wie unwillkürliche Bewegungen auslösen kann. Viele Patienten sind daher auf der Suche nach alternativen oder ergänzenden Therapieformen.
Medizinisches Cannabis: Eine neue Hoffnung?
Seit einigen Jahren dürfen Ärzte ihren Patienten medizinisches Cannabis gegen Parkinson verschreiben. Dieser Therapieansatz hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erregt und wird von vielen Patienten als große Hoffnung gesehen. Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass medizinisches Cannabis bei der Behandlung von Parkinson-Patienten unterstützend wirken kann.
Die Wirkstoffe von Cannabis
Cannabis enthält Cannabinoide wie CBD (Cannabidiol) und THC (Tetrahydrocannabinol), die auf das Endocannabinoid-System im Körper wirken können. Dieses System spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Funktionen wie Schlaf, Stimmung, Appetit und Schmerzen. Bei Parkinson-Patienten ist dieses System gestört, was zu den typischen Symptomen der Erkrankung beitragen kann.
Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen
Von den mehr als 60 Inhaltsstoffen im Cannabis sind zwei besonders wichtig:
- THC (Tetrahydrocannabinol): Dieser Stoff ist für die psychoaktive Wirkung von Cannabis verantwortlich und kann Halluzinationen hervorrufen. THC ist als Öl oder in Kapseln erhältlich.
- CBD (Cannabidiol): CBD wirkt nicht halluzinogen und wird derzeit als Nahrungsergänzungsmittel und nicht als Medikament zugelassen.
Die Wirkung von Cannabis auf Parkinson-Symptome
Man erhofft sich, dass Cannabis das Zittern, das bei Parkinson typisch ist, nachlässt. Dafür gibt es aber bisher keine eindeutigen Hinweise. Der einzige Effekt, den die Forschung bislang nahegelegt hat, ist, dass Cannabis möglicherweise eine dämpfende Wirkung auf die Unruhebewegungen haben könnte, die durch das Medikament L-Dopa ausgelöst werden.
Schaut man sich allerdings die Studienlage an, reden wir nicht einmal von 50 Patienten, die bisher in methodisch guten Studien beschrieben wurden. Und nur bei einem Teil von ihnen hat man den Effekt beobachtet. Wirkungen auf die Kernsymptome des Parkinson-Syndroms wie Muskelsteifigkeit, Unbeweglichkeit oder Zittern sind bisher nicht nachgewiesen. Es ist also viel, viel zu früh, um eine Therapieempfehlung auszusprechen.
Risiken und Nebenwirkungen
In den Studien sind bei einigen Patienten Halluzinationen aufgetreten. Das ist nicht verwunderlich, weil Halluzinationen bei Parkinson nicht selten sind und halluzinogene Medikamente wie Cannabis das noch verstärken können. Außerdem leiden Parkinsonpatienten oft unter Kreislaufschwäche und sehr niedrigem Blutdruck. Das kann ebenfalls durch THC noch verstärkt werden. Weiterhin gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte. Insgesamt sind diese Nebenwirkungen nicht zu vernachlässigen.
Die paradoxe Situation
Die Gesetzesänderung hat eine paradoxe Situation geschaffen: Auf einmal kann man Medikamente, deren Nutzen-Risiko-Bewertung noch nicht abgeschlossen ist, bei Patienten mit einem schwer geschädigten Nervensystem einsetzen.
Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt
Die Erfahrung eines Arztes
Ein Arzt berichtet, dass er in den vergangenen zwei Jahren etwa zehn Parkinsonpatienten mit Cannabis behandelt hat. Manche wollen es unbedingt versuchen, dann probieren wir es auch meistens. Und dann gibt es noch die Patienten, bei denen wir mit regulären Medikamenten nicht weiterkommen. Es hängt sehr von der Leidensfähigkeit des weiterbehandelnden Arztes ab, ob er den administrativen Aufwand auf sich nimmt. Meist klappt die Kostenübernahme, aber man braucht oft einen langen Atem.
Der Arzt erwartet nicht, dass THC bei Parkinson eine große Rolle spielen wird, allein schon wegen der Nebenwirkungen. Er ist aber gespannt, ob man von CBD - dem anderen in Cannabis enthaltenen Wirkstoff - noch mehr hören wird.
Weitere Therapieansätze und Forschung
Man versucht vermehrt, Therapien zu entwickeln, die die Ursache der Erkrankung bekämpfen. Manche davon werden schon am Menschen getestet, zum Beispiel Antikörper gegen toxische Eiweiße. Gelingt es, damit die Ablagerungen im Gehirn zu reduzieren, hätten wir eine Art Parkinson-Impfstoff. Man würde ihn bei neu aufgetretenem Parkinson geben.
"Alles Was Gut Tut!": Leben mit Parkinson meistern
Heino und Carsten aus Neu Wulmstorf sind ein Paar, das den Alltag mit Parkinson vorbildlich meistert. Ihr Geheimrezept ist schlicht und ergreifend: reden. Miteinander reden ist besonders wichtig bei einer Krankheit, deren Ausprägung sich tagtäglich ändert. Dies betrifft sowohl das aktive Gespräch wie auch die nonverbale Kommunikation.
Die Diagnose, die er 2015 mit 46 Jahren bekam, war für Heino ein großer Schock. Auch sein Mann Carsten, Dipl.-Krankenpfleger im Erstberuf, musste erst einmal schlucken. Dann holte er tief Luft und begann sich über die Krankheit zu informieren. Inzwischen hat er ein gutes Feingefühl für die Symptomatik bei Heino entwickelt und begleitet ihn oft zu Arztterminen. Er weiß aber auch sich zurückzunehmen und fordert Heino manchmal gerne. Es ist beiden wichtig, dass Heino so lange wie möglich selbstständig handeln kann.
Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson
Ein weiteres Geheimrezept der beiden lautet: teilen - den Haushalt, die Verantwortung und „Alles Was Gut Tut!“. Beide sind noch 100 % berufstätig, aber sie nutzen die Freizeit, um auch mal etwas Neues auszuprobieren. Manchmal kommt der Impuls von Carsten und manchmal von Heino. Zum Beispiel hatte Heino die Idee, ein paar einfache Tanzschritte aus der Fernsehsendung „Let’s dance“ auszuprobieren, als Vorbereitung auf den Tanzkurs, den sie im Herbst machen wollen. Beide haben es sich nämlich angewöhnt die Vorfreude auf geplante Aktivitäten oder schöne Urlaube auszukosten. Gerade in Zeiten, wo es mal nicht so gut läuft, wie jetzt, als sich Heino einen komplizierten Bruch der Schulter zugezogen hat, der mehrere OPs erforderte und noch immer auf die finale siebte Operation hofft. Da freuen sie sich umso mehr auf die Kreuzfahrt, die sie für Ende des Jahres geplant haben.
Heino und Carsten sind auch in der Selbsthilfe aktiv. Carsten tauscht sich regelmäßig in einem Angehörigen-Chat aus und Heino trifft sich online mit anderen Betroffenen.
Ernährung und Lebensstil
"Im Prinzip hat man etwa um die 60 die Würfel in der Hand und kann nun entscheidend mitsteuern, ob man mit 80 auch noch genügend gesund ist", sagt Ernährungsspezialist Prof. Dr. Die mediterrane Küche gilt als besonders gefäß- und herzfreundlich. Das liegt daran, dass viele Gerichte einen großen Gemüseanteil haben und eher Fisch als Fleisch auf den Tisch kommt. Gerne werden auch Hülsenfrüchte als Eiweißlieferanten eingesetzt. Außerdem werden die meisten Gerichte mit cholesterinsenkendem Olivenöl zubereitet.
Schokolade: Glücklichmacher oder Kalorienproblem?
Internationaler Tag der Schokolade am 07. Für die einen ist sie Glücklichmacher und ein Muss, für die anderen nur ein Kalorienproblem: Schokolade. Tatsächlich verbindet Mensch und Kakaobohne eine lange Geschichte - und die hat auch immer wieder gesundheitliche Fragen aufgeworfen. Schützt sie wirklich das Herz? Stimuliert sie Hirn und Libido? Oder doch nur das Körpergewicht?
tags: #geheimrezept #bei #parkinson