Diabetes mellitus, insbesondere Typ-1-Diabetes (T1D), stellt eine erhebliche gesundheitliche Herausforderung dar. Diese chronische Autoimmunerkrankung, die durch die Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse gekennzeichnet ist, führt zu einer lebenslangen Insulinabhängigkeit und schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen. In den letzten Jahren hat die Forschung bedeutende Fortschritte im Verständnis der Pathogenese und potenziellen Therapieansätze erzielt. Dieser Artikel beleuchtet aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen im Bereich der Gehirn Insulinabhängigkeit, wobei der Fokus auf neuen Therapieansätzen und diagnostischen Methoden liegt.
Diabetes Mellitus: Ein Überblick
Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselstörung, die durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) gekennzeichnet ist. Dies entsteht entweder durch eine unzureichende Insulinproduktion (Typ 1) oder eine verminderte Insulinempfindlichkeit der Körperzellen (Typ 2). Die Zahl der Diabetiker steigt weltweit stark an, wobei in Deutschland etwa 7 % der Bevölkerung betroffen sind, von denen fast 90 % an Typ-2-Diabetes leiden.
Typ-1-Diabetes
Typ-1-Diabetes (T1D), auch als juveniler Diabetes mellitus oder Insulin-abhängiger Diabetes bekannt, ist eine Autoimmunerkrankung. Dabei kommt es infolge einer Fehlsteuerung des Immunsystems zu einer meist rasch fortschreitenden Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Dadurch ist die Bauchspeicheldrüse nicht mehr in der Lage, Insulin zu produzieren (absoluter Insulinmangel), was einen stark erhöhten Blutzuckerspiegel zur Folge hat. Um das fehlende körpereigene Insulin zu ersetzen, müssen Typ-1-Diabetiker lebenslang Insulin spritzen (Insulinabhängigkeit). Die Erkrankung beginnt vor dem 40. Lebensjahr, meist schon im Kindes- und Jugendalter. Auslöser ist häufig eine Stresssituation wie z. B. eine schwere Infektion oder Operation. Die Veranlagung zum Typ-1-Diabetes ist erblich bedingt, die entsprechenden Gene sind bereits identifiziert. Typ-1-Diabetes ist nicht heilbar, aber nach intensiver Schulung und unter regelmäßigen Selbstkontrollen kann ein weitgehend normales Leben geführt werden; Spätschäden am Gefäßsystem lassen sich nur hinausschieben, nicht aber verhindern. Haupttodesursache sind Nierenschäden durch chronisches Nierenversagen.
Typ-2-Diabetes
Typ-2-Diabetes, früher auch als Erwachsenen- oder Altersdiabetes bezeichnet, ist durch eine verminderte Insulinempfindlichkeit (Insulinresistenz) des Körpers in Kombination mit einer eingeschränkten bzw. zeitlich verzögerten Insulinproduktion gekennzeichnet. Dieser relative Insulinmangel kann langfristig in einen absoluten Insulinmangel übergehen, der eine Insulinabhängigkeit zur Folge hat. Ursächlich für den Typ-2-Diabetes ist ein Zusammenspiel von erblichen Veranlagungen und ungünstigen Umweltfaktoren, wobei Übergewicht und Bewegungsmangel die wichtigsten Faktoren darstellen.
Neue Therapieansätze bei Typ-1-Diabetes
Die Forschungsgruppe Typ-1-Diabetes-Immunologie (TDI) von Helmholtz Munich hat zusammen mit Wissenschaftlern der Goethe-Universität Frankfurt einen vielversprechenden neuen Therapieansatz identifiziert. Vidofludimus Calcium, ein Medikament, das sich derzeit in klinischen Studien der Phase 3 zur Behandlung von Multipler Sklerose befindet und von Immunic Therapeutics entwickelt wurde, hemmt selektiv das Enzym Dihydroorotatdehydrogenase (DHODH). In zwei verschiedenen präklinischen Mausmodellen für T1D reduzierte die Behandlung mit Vidofludimus Calcium die Krankheitsinzidenz signifikant.
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Immunmodulatorische Therapie
„Mit dieser Veröffentlichung entdecken wir zum ersten Mal, dass die Hemmung des Enzyms DHODH immunprotektive Tregs während der Inselautoimmunität fördert und das Fortschreiten zu manifestem T1D in präklinischen Modellen verzögert“, sagt Prof. Diese Ergebnisse stellen einen entscheidenden Schritt in Richtung immunmodulatorischer Therapien für T1D dar, die über die Symptombehandlung hinausgehen und direkt auf die zugrunde liegende Autoimmunreaktion einwirken. Hipp et al. zeigten in ihrer Publikation (2025: Inhibition of pyrimidine de novo synthesis fosters Treg cells and reduces diabetes development in models of Type 1 Diabetes. Molecular Metabolism), dass die Hemmung der Pyrimidin-De-novo-Synthese die Entwicklung von regulatorischen T-Zellen (Tregs) fördert und die Diabetesentwicklung in Modellen des Typ-1-Diabetes reduziert.
Bedeutung der Früherkennung und Prävention
Die Früherkennung und Prävention von Diabetes sind von entscheidender Bedeutung, um die Morbidität und Mortalität zu reduzieren. In Bayern besteht seit 2014 ein Screening-Programm für Diabetes Typ 1, bei dem Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren durch Haus- oder Kinderärzte auf Inselautoantikörper im Blut untersucht werden. Dies ermöglicht eine frühzeitige Diagnose und Intervention.
Prädiabetes und Screening
Prädiabetes ist der Ausdruck für Personen, deren Glucosekonzentrationen nicht die Kriterien eines manifesten Diabetes mellitus erfüllen, aber trotzdem einen abnormen Glucosemetabolismus haben. Die US Preventive Services Task Force (USPSTF) und die American Diabetes Association (ADA) haben eine Herabsetzung des Alters zur Abschätzung des Screenings auf Diabetes auf 35 Jahre gefordert, damit früher die Diagnostik und Therapie eines Diabetes erfolgen kann.
Diabetes und Begleiterkrankungen
Diabetes mellitus ist oft mit anderen systemischen Erkrankungen verbunden. Die Ausgabe 8 der MT im Dialog widmet sich systemischen Erkrankungen und beleuchtet die vielschichtigen Probleme, die mit solchen Erkrankungen einhergehen.
Neurologische Auswirkungen
Dr. Herbert Wilmsen gibt einen Überblick über die Parkinson-Erkrankung, die zwar im Gehirn ihren Ausgangspunkt hat, aber auch Auswirkungen auf andere Körpersysteme haben kann. Ebenfalls runtergespielt wurde zu Beginn der Pandemie das Thema Diabetes nach SARS-CoV-2-Infektion. Dazu zählt Diabetes, der zu lebenslanger Insulinabhängigkeit führen kann. Ulrike Kaiser beschreibt die Problematik.
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Ophthalmologische Veränderungen
Zahlreiche metabolische Erkrankungen gehen mit ophthalmologischen Veränderungen einher, die jedoch über lange Zeit symptomlos bleiben. In diesem Zusammenhang nimmt die Retina als ein vaskularisiertes neuronales Gewebe und Teil des Zentralnervensystems eine besondere Rolle ein. Ihre Zugänglichkeit ermöglicht es, vaskuläre und neurodegenerative Veränderungen mit Hilfe der optischen Kohärenztomographie als einem nicht-invasiven Verfahren darzustellen.
Diabetische Retinopathie
Die diabetische Retinopathie (DR) ist eine häufige Komplikation des Diabetes mellitus und wird lange Zeit primär als klassische Mikrozirkulationsstörung der Netzhaut betrachtet. Sie wurde lange Zeit primär als klassische Mikrozirkulationsstörung der Netzhaut betrachtet, die aufgrund der schädlichen metabolischen Effekte der Hyperglykämie per se und durch die dadurch ausgelösten metabolischen Veränderungen an den Gefäßen entsteht (Villarroel et al. Wie häufig eine Retinopathie bei Patienten mit Diabetes mellitus auftritt, hängt neben der Stoffwechsellage auch vom Alter bei Krankheitsbeginn und damit von der Erkrankungsdauer ab. Mehr als 95% der Patienten mit Typ-1-Diabetes zeigen ab einer Krankheitsdauer von 15 Jahren Zeichen einer diabetischen Retinopathie, während dies "nur" bei 60% der Patienten mit Typ-2-Diabetes der Fall ist (Kellner & Joachim 2008). Da die Retinopathie über lange Zeit symptomfrei verläuft, werden auch ohne Verschlechterung des Sehvermögens regelmäßige ophthalmologische Kontrollen empfohlen. Patienten mit T1DM sollten ab einem Alter von 11 Jahren oder ab einer Erkrankungsdauer von mehr als 5 Jahren alle 1 bis 2 Jahre eine Funduskopie in Mydriasis durch einen für die Fragestellung routinierten Augenarzt erhalten (Danne & Ziegler 2017).
Optische Kohärenztomographie (OCT)
Die optische Kohärenztomographie (OCT) des Auges ist ein diagnostisches Verfahren, das ermöglicht, in kurzer Zeit und ohne direkten Kontakt mit dem Auge mikroskopisch genaue Schnittbilder der Retina anzufertigen. Neben dem Einsatz unter rein ophthalmologischen Aspekten wird der Einsatz im Rahmen neurodegenerativer Erkrankungen diskutiert, da die retinalen Neurone und Axone Teil des Zentralnervensystems (ZNS) sind und pathologische Veränderungen des ZNS durch die OCT am Auge erfasst werden können.
Eine Studie aus dem Jahr 2018 verglich OCT-Daten von Patienten mit T1DM im Kindes- und Jugendalter mit OCT-Daten von 30 gleichaltrigen gesunden Probanden. Im Rahmen der Erkrankungen waren im Vergleich zu den gesunden Probanden die Gesamtdicke der Retina sowie die Ganglienzellschicht und die innere plexiforme Schicht ausschließlich parafoveal reduziert. Diese Veränderungen erwiesen sich als unabhängig vom Alter, dem Blutdruck, der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) sowie dem HbA1c der Patienten.
Diabetesmanagement und Schulung
Der Diabetes mellitus ist eine chronische Erkrankung, die kontinuierlich einer medizinische Betreuung bedarf, einem Training im Management der Erkrankung und in der Schulung akute Komplikationen zu meistern, um längerfristig akute und chronische Komplikationen zu überstehen und zu reduzieren.
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Intensivierte konventionelle Therapie (ICT)
Die intensivierte konventionelle Therapie (ICT) kommt zum Einsatz, wenn der Insulinbedarf des Körpers mehr oder weniger vollständig substituiert werden muss. Es ist die häufigste Therapieform bei Typ-1- und jüngeren Typ-2-Patienten mit dem Ziel der nahezu normoglykämen Stoffwechsellage. Die Therapie umfasst die ein- bis zweimal tägliche Gabe von Verzögerungsinsulin plus die bedarfsgerechte Injektion von schnell wirksamen Insulinen.
Insulinpumpentherapie (CSII)
Die Insulinpumpentherapie (CSII) ist eine Sonderform der ICT. Die Basalrate (entspricht dem Verzögerungsinsulin) wird kontinuierlich zugeführt. Die Dosis wird einprogrammiert und automatisch abgegeben, zum Beispiel 0,8 Einheiten pro Stunde. Angepasst an den individuellen Grundbedarf kann sie stündlich variiert werden, zum Beispiel zur Beherrschung des Dawn-Phänomens, und bedarfsweise vorübergehend reduziert oder erhöht werden.
Selbstmonitoring der Glucose (SMBG) und Continuous Glucose Monitoring (CGM)
Das Selbstmonitoring der Glucose (SMBG) ermöglicht dem Patienten die individuelle Antwort auf die Therapie zu kontrollieren, festzustellen ob die Zielwerte erreicht werden und eine Hypoglykämie unter medikamentöser Therapie zu vermeiden. Continuous glucose monitoring (CGM): Eine internationale Expertengruppe aus Ärzten, Forschern und Diabetikern mit Erfahrungen im CGM hat empfohlen, dass es sich beim CGM um eine robuste Forschungsmethode handelt.
Genetische Aspekte und Risikofaktoren
Die Veranlagung zum Typ-1-Diabetes ist erblich bedingt, die entsprechenden Gene sind bereits identifiziert. Bei Typ-1-Diabetes treten gehäuft die humanen Leukozytenantigene HLA-DR3 und -DR4 auf. Daher wird das Blut nach der Diagnose umgehend auf diese Antikörper untersucht. Je nach Ergebnis ist dann eindeutig, ob es sich um einen durch die Autoimmunreaktion ausgelösten Diabetes mellitus Typ 1 handelt oder ob weiter nach den Ursachen gesucht werden muss.
MODY
Neben dem TD1 und T2D umfasst der MODY eine kleine Gruppe nicht Insulin abhängiger Diabetiker, deren Erkrankung sich bei Kindern und im jungen Erwachsenenalter manifestiert. Die Patienten haben hoch penetrante autosomal dominante Mutationen in einem Gen (monogener Diabetes), die zu einer Dysfunktion der β-Zellen führen.