Die Zeit nach der Schwangerschaft ist für viele Frauen eine Phase großer Veränderungen und Anpassungen. Neben den körperlichen Veränderungen erleben viele Mütter auch kognitive Veränderungen, die oft als "Schwangerschaftsdemenz" oder "Stilldemenz" bezeichnet werden. Diese Veränderungen können sich in Form von Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und allgemeiner geistiger Müdigkeit äußern. Glücklicherweise gibt es verschiedene Strategien und wissenschaftlich fundierte Ansätze, um die Gehirnleistung nach der Schwangerschaft zu verbessern und das geistige Wohlbefinden zu fördern.
Was ist Schwangerschafts- oder Stilldemenz?
Schwangerschafts- und Stilldemenz beschreiben die Vergesslichkeit, die manche Mütter während der Schwangerschaft und Stillzeit erfahren. Im Gegensatz zur klassischen Demenz sind diese Erfahrungen nur vorübergehend. Die Symptome beginnen meist im dritten Trimester und können von Schlaflosigkeit begleitet sein. Die Dauer variiert, beträgt aber in der Regel etwa ein Jahr oder bis zum Abstillen.
Ursachen der kognitiven Veränderungen
Fachleute sehen verschiedene Ursachen für diese Phänomene, sowohl hormonelle als auch emotionale:
- Hormonelle Veränderungen: Während der Schwangerschaft erhöht sich der Cortisolspiegel, was die Gehirnfunktion beeinträchtigen kann. Nach der Geburt steigen die Werte von Oxytocin und Prolaktin, was die Bindung zwischen Mutter und Kind stärkt, aber andere Lebensbereiche in den Hintergrund rücken lässt.
- Emotionale Belastungen: Intensive Gefühle von Freude und Angst, Konflikte in Partnerschaft oder Beruf, Schlaflosigkeit und Müdigkeit können den Stress für die werdende Mutter erhöhen und die Konzentration mindern.
- Schlafmangel: Schlafmangel ist ein großer Faktor bei der Entwicklung von Still- oder Schwangerschaftsdemenz.
Strategien zur Steigerung der Gehirnleistung
Es gibt verschiedene Ansätze, um die Gehirnleistung nach der Schwangerschaft zu steigern. Diese umfassen sowohl Lebensstiländerungen als auch gezielte Maßnahmen zur Förderung der kognitiven Funktionen.
Gesunde Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung spielt eine entscheidende Rolle für die Gehirnleistung. Die Vitamine C, E und B12 sowie das Spurenelement Zink helfen dem Gehirn, in Schwung zu bleiben. Empfehlenswerte Lebensmittel sind Fisch und Käse, Zitrusfrüchte, Paprika, Tomaten, Spinat, Haselnüsse und Salat.
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Brainfood-Lebensmittel
Bestimmte Lebensmittel sind besonders gut für unser Gehirn und unsere Nerven:
- Hefe: Enthält eine hohe Konzentration wertvoller Nährstoffe wie B-Vitamine und Lecithine.
- Nüsse: Liefern Energie und enthalten einige Nervenbotenstoffe bzw. ihre Ausgangssubstanzen.
- Vollkornprodukte: Sorgen für eine konstante Energiezufuhr und enthalten wichtige Nährstoffe.
- Omega-3-Fettsäuren: Dienen als "Schmiermittel" für die Informationsweiterleitung und erhöhen die Bindungsfähigkeit für Nervenbotenstoffe. Enthalten in Fisch (Kabeljau, Heilbutt, Sardinen), Leinöl und Chiasamen.
Ernährungsempfehlungen für den Tag
- Morgens: Kohlenhydratreserven des Gehirns auffüllen mit Vollkornprodukten (Haferflocken), Obst, Magermilch oder -joghurt.
- Vormittags: Frisches Obst für die geistige Leistungsfähigkeit.
- Mittags: Leichte Speisen wie Pellkartoffeln, Nudeln und Reis. Obst oder fettarme Milchprodukte als Nachspeise. Nicht zu viel essen, um Müdigkeit zu vermeiden.
- Nachmittags: Einen fettarmen Joghurt oder Quarkprodukte bzw. Hüttenkäse löffeln und frisches Obst (Banane) essen. Vollkorn-Sandwiches mit Eiweiß (fettarmer Käse, magere Wurst).
Ausreichend Schlaf
Schlafstörungen sind ein großer Faktor bei der Entwicklung von Still- oder Schwangerschaftsdemenz. Hier sind einige Tipps für einen besseren Schlaf:
- Richtig essen und trinken: Über den Tag verteilt trinken, statt kurz vor dem Schlafengehen. Früh zu Abend essen und auf üppige Portionen verzichten.
- Bewegung: Sanfte Aktivitäten wie Yoga oder Schwimmen. Ein täglicher Spaziergang an der frischen Luft hilft zusätzlich dabei, Schlafstörungen zu verringern.
- Ein freier Kopf: Ängste und Sorgen sollten nach Möglichkeit nicht mit ins Bett genommen werden. Gespräche mit dem Partner oder der Hebamme können helfen. Entspannungsübungen unterstützen dabei, die innere Unruhe zu besänftigen.
- Eine bequeme Schlafposition: Die Seitenlage mit Unterstützung von einem Stillkissen oder einem speziellen Bauchgurt für Schwangere.
- Wärme: Ein warmes Bad im Winter oder ein Fußbad mit Lavendelöl im Sommer entspannen ungemein und helfen dem Schlaf.
- Akzeptanz: Den veränderten Schlafrhythmus akzeptieren und die Schlafphasen des Babys auch als Mutter nutzen.
Bewegung und frische Luft
Regelmäßige Bewegung und Aufenthalte an der frischen Luft fördern die Durchblutung des Gehirns und tragen zur Verbesserung der Gehirnleistung bei.
Organisation und Gedächtnisstützen
Einige Kleinigkeiten können helfen, den Alltag zu managen und sicherzustellen, dass Sie nichts Wichtiges vergessen:
- Wandkalender: Führen Sie einen Wandkalender mit allen Terminen.
- Gemeinsame Termine: Nehmen Sie wichtige Termine zu zweit wahr.
- Feste Plätze: Bewahren Sie Alltagsgegenstände wie Geldbeutel, Schlüssel usw. an einem immer gleichen Ort auf.
Geistige Stimulation
Regelmäßige geistige Stimulation hilft, das Gehirn weiterhin zu fordern. Lesen Sie täglich Zeitung, ein gutes Buch, schauen Sie eine interessante Dokumentation oder führen Sie ein langes Gespräch mit einer lieben Person.
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Entspannung und Stressbewältigung
Stress kann die Gehirnleistung negativ beeinflussen. Entspannungsübungen wie Meditation oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die geistige Klarheit zu verbessern.
Nahrungsergänzungsmittel
Einige Nahrungsergänzungsmittel können die Gehirnleistung unterstützen. Es ist jedoch wichtig, die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln immer mit medizinischem Fachpersonal, der Hebamme oder dem Geburtshelfer abzusprechen.
Cholin
Cholin ist ein essenzieller Nährstoff, der für viele lebenswichtige Funktionen im Körper verantwortlich ist, insbesondere für die Gehirnfunktion, den Fettstoffwechsel und die Lebergesundheit. Cholin beeinflusst viele Prozesse, die für die Gesundheit entscheidend sind, wie den Stoffwechsel, die Gehirnfunktion und die Nerven. Es ist unerlässlich für einen gesunden Stoffwechsel, insbesondere für den Fettstoffwechsel, und hilft dem Körper, Fett effizient zu transportieren und abzubauen. Cholin ist die Vorstufe von Acetylcholin, einem der wichtigsten Neurotransmitter im Gehirn. Es kann helfen, die mentale Klarheit zu verbessern und Schlafstörungen zu reduzieren. Während der Schwangerschaft und Stillzeit steigt der Bedarf an Cholin, da es eine essenzielle Rolle für die Gehirnentwicklung des Babys spielt.
Lecithin
Lecithin ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembranen, insbesondere in Gehirn- und Nervenzellen. Es ist zuständig für den Ionentransport durch die Zellmembranen, isoliert die Nervenfortsätze und sorgt so für die reibungslose Weitergabe von Nervenimpulsen. Zudem ist Lecithin Ausgangssubstanz für wichtige Botenstoffe im Gehirn und Nervensystem. Obwohl Hersteller Lecithin nicht mit der Aussage für "Gehirn und Nerven" bewerben dürfen, gibt es noch etliche lecithinhaltige Produkte auf dem Markt, die so beworben werden. Sie umgehen das Werbeverbot, indem sie den Produkten bestimmte B-Vitamine (z.B. B1, B6) oder auch Spurenelemente wie Kupfer hinzugeben. Für diese Mikronährstoffe sind Gesundheitsaussagen, wie "leistet einen Beitrag zur normalen Funktion des Nervensystems" oder "trägt zur normalen psychischen Funktion bei" (für Niacin) erlaubt.
Ginkgo Biloba
Ginkgo Biloba hat eine nachgewiesenermaßen durchblutungsfördernde Wirkung und kann somit die Gehirnleistung verbessern.
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Omega-3-Fettsäuren (DHA)
DHA ist der mächtigste Wirkstoff in der Chemie des Gehirns überhaupt. Die Hälfte des Fettes in den Zellmembranen des Gehirns besteht aus DHA. Dadurch werden die Membranen geschmeidig gehalten, eine Voraussetzung für ihre Funktionsfähigkeit. Dies gilt auch für die Synapsen der Gehirnzellen. Außerdem ist DHA einer der wichtigsten natürlichen Entzündungsregulatoren. Diese Eigenschaft ist deshalb so bedeutend, weil viele Gehirnerkrankungen wie Alzheimer und Parkinson, ADHS und Multiple Sklerose entzündungsbedingt sind. DHA reduziert auf natürliche Weise die Aktivität des Enzyms COX-2, das die Produktion schädlicher chemischer Entzündungsmediatoren aktiviert.
Neuroenhancement: Keine Wunderlösung
Manche Menschen versuchen, ihre geistige Leistungsfähigkeit mit psychoaktiven Substanzen zu steigern. Diese sogenannten Neuroenhancer versprechen, die Aktivität der Nervenzellen im Gehirn zu erhöhen und so die kognitive Leistungsfähigkeit zu verbessern. Die Bandbreite der Substanzen reicht von harmlosen Stoffen wie Koffein über verschreibungspflichtige Medikamente wie Methylphenidat und Modafinil bis hin zu illegalen Drogen wie Speed oder Ecstasy.
Risiken und Nebenwirkungen
Die Einnahme von Neuroenhancern birgt gesundheitliche Risiken. Wer ohne medizinische Indikation, Verordnung und passende Dosis mit Stimulanzien wie Methylphenidat hantiert, riskiert zum Beispiel Kopfschmerzen, Schwindel, Zittern, übermäßige Nervosität, Schweißausbrüche, Bluthochdruck, Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen, Organschäden, Persönlichkeitsveränderungen, Krampf- und epileptische Anfälle oder sogar einen plötzlichen Herztod.
Überschaubare Wirkung
Studien zeigen, dass Neuroenhancer meist hinter den subjektiven Erwartungen zurückbleiben. Die Leistungssteigerung entspricht also nicht dem, was sich die Menschen erhoffen oder was sie zu erleben glauben.
Veränderungen im Gehirn während der Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft durchläuft das Gehirn der werdenden Mutter Veränderungen: Es schrumpft. Das Volumen der grauen Substanz nimmt ab, wenn die Hormonproduktion ansteigt. Dies bedeutet jedoch keinesfalls, dass die geistigen Fähigkeiten nachlassen. Vielmehr könnte diese Veränderung auf eine "Feinabstimmung" der Gehirnschaltkreise hindeuten, ähnlich dem, was während der Pubertät passiert, wenn sich das Gehirn spezialisiert. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass die elterliche Bindung zum Baby umso enger ist, je stärker das Gehirn die graue Substanz in entscheidenden Regionen reduziert.
Neben der Abnahme der grauen Substanz zeigt sich außerdem eine auffällige Zunahme der weißen Substanz. Sie ist im Allgemeinen für die Erleichterung der Kommunikation zwischen den Gehirnregionen verantwortlich.
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