Gehirne im Zombie-Mythos: Eine wissenschaftliche Untersuchung der Untoten

Die Faszination für Zombies ist ungebrochen. Seit George A. Romeros "Night of the Living Dead" aus dem Jahr 1968 haben die Untoten ihren festen Platz in Filmen, Serien, Videospielen und Comics. Doch was steckt hinter dem Mythos? Sind Zombies nur Hirngespinste oder könnte eine Zombie-ApokalypseRealität werden? Dieser Artikel untersucht den Zombie-Mythos aus wissenschaftlicher Sicht und beleuchtet die biologischen und neurologischen Aspekte, die eine solche Pandemie denkbar - oder eben auch undenkbar - machen.

Die Ursprünge des Zombie-Mythos

Um den Zombie-Mythos zu verstehen, ist es wichtig, seine Wurzeln zu kennen. Der Begriff "Zombie" stammt aus dem Voodoo-Glauben Haitis. Dort versteht man unter einem Zombie einen Menschen, dem ein böser Zauberer, ein sogenannter "bókó", die Seele gestohlen hat. Der Zombie wird daraufhin willenlos und dient dem Zauberer als Sklave.

Diese Vorstellung hat ihren Ursprung in der Kolonialzeit, als Sklaven durch Gifte und Trance in einen Zustand der Entseelung versetzt wurden. Der Zombie wurde so zum Symbol für den entrechteten und unterdrückten Menschen, der seiner Identität und seines Willens beraubt wurde.

Zombie-Hirsche und die Gefahr für den Menschen

In den USA sind Hirsche von einer Prionenkrankheit betroffen, die das Gehirn der Tiere aufweicht. Diese Krankheit, die Chronic Wasting Disease (CWD), zählt zu den sogenannten Prionenfehlfaltungskrankheiten und ist in Nordamerika bereits seit 1967 bekannt. Das infektiöse "Prion-Protein", ein Eiweiß, ist dabei fehlgefaltet und treibt das Krankheitsgeschehen. Die Tiere magern ab und zehren regelrecht aus, daher spricht man auch von "Chronic Wasting" - für chronische Auszehrung. Sie bekommen einen ungleichmäßigen Gang, was typisch für eine neurologische Erkrankung ist. Im Fach spricht man von einer Ataxie. Erkrankte Tiere verlieren zudem die Scheu vor Menschen und sondern sich von der Herde ab.

Die Krankheit ist hochinfektiös und die Tiere nehmen den Erreger oral auf, beispielsweise über die Nahrung, den Boden, über Speichel, Nachgeburten, Kot oder Samenflüssigkeit. Sogar im Geweihbast von Wild ist der Erreger nachweisbar. Die Ausbreitung in Nordamerika zeigt, dass sich die Erkrankung dort massiv ausweitet, inzwischen sind bereits 33 US-Bundesstaaten betroffen, sowie fünf kanadische Provinzen. CWD bedroht inzwischen auch die nördlichen Karibu-Populationen.

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Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob diese Krankheit auch für den Menschen gefährlich werden kann. Die sogenannte Speziesbarriere, also die Übertragung vom Tier auf den Menschen, scheint bei der Krankheit CWD sehr hoch zu sein. Wir können eine Übertragung jedoch nicht mit aller letzter Sicherheit ausschließen, das Risiko wird aktuell jedoch als äußerst gering angesehen. Grundsätzlich würde man jedoch immer raten, kein ungetestetes Hirschfleisch in CWD-Gebieten Nordamerikas zu essen.

Wissenschaftliche Erklärungen für Zombie-Verhalten

Obwohl der Zombie-Mythos auf magischen Vorstellungen basiert, gibt es auch wissenschaftliche Erklärungsversuche für das zombieartige Verhalten.

Parasitäre Gedankenkontrolle im Tierreich

Einige Parasiten sind in der Lage, das Verhalten ihrer Wirte zu manipulieren. Ein bekanntes Beispiel sind die sogenannten "Zombie-Ameisen". Diese Ameisen werden von einem parasitären Pilz namens Ophiocordyceps befallen, der in das Nervensystem der Ameise eindringt und deren Verhalten steuert. Befallene Ameisen verlassen ihre Kolonie und klettern auf Pflanzen, wo sie festbeißen, bis der Pilz aus ihrem Körper herauswächst und seine Sporen freisetzt.

Ein weiteres Beispiel ist der Parasit Toxoplasma gondii, der das Verhalten von Nagetieren beeinflusst. Er sorgt dafür, dass Mäuse und Ratten keine Angst mehr vor Katzen haben - was für den Parasiten nützlich ist, da Katzen seine Endwirte sind.

Viren und Bakterien als Auslöser

Die Vorstellung, dass ein Virus oder Bakterium Menschen in Zombies verwandeln könnte, ist ein häufiges Szenario in Filmen und Spielen. Ein bekanntes Beispiel ist Tollwut. Dieser Virus befällt das Gehirn und verursacht extreme Aggressionen und Wutanfälle bei den infizierten Tieren und Menschen. Bei fortgeschrittener Tollwut kann es zu Krämpfen, Halluzinationen und einem fast "wilden" Verhalten kommen.

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Wissenschaftler halten es für extrem unwahrscheinlich, dass ein Virus mutiert, der solche Effekte verstärkt und ein zombieähnliches Verhalten auslöst. Die Natur zeigt jedoch, dass Viren und Bakterien das Verhalten ihrer Wirte manipulieren können. Moderne Technologien wie die Gentechnik könnten theoretisch solche Szenarien realistischer machen.

Chemische Substanzen und Drogen

Die Idee von Menschen, die durch Chemikalien oder Drogen in zombieähnliche Zustände versetzt werden, hat ebenfalls eine lange Geschichte. In der haitianischen Tradition gibt es Berichte über sogenannte "Zombies", die angeblich durch den Einsatz von Giften in einen Zustand zwischen Leben und Tod versetzt wurden. Ein Stoff, der oft im Zusammenhang mit diesen Geschichten genannt wird, ist Tetrodotoxin. Dieser hochgiftige Stoff kommt unter anderem im Kugelfisch vor und kann in sehr geringen Dosen zu einer Art Scheintod führen.

In der modernen Welt gibt es ebenfalls Drogen, die Menschen in einen zombieartigen Zustand versetzen können. Eine besonders berüchtigte Substanz ist "Krokodil", eine Droge, die in Osteuropa und Russland als billiger Ersatz für Heroin verwendet wird. Die Droge hat extrem zerstörerische Auswirkungen auf den Körper und das Verhalten der Konsumenten. Ein weiteres Beispiel ist "Flakka", auch bekannt als die "Zombie-Droge". Diese synthetische Droge kann zu extremen Verhaltensänderungen führen, darunter gewalttätige Ausbrüche und psychotische Episoden.

Das Zombie-Gehirn: Eine neurologische Dekonstruktion

Um das Verhalten von Zombies zu verstehen, ist es hilfreich, einen Blick auf ihr Gehirn zu werfen. Welche Veränderungen müssten im Gehirn stattfinden, um die typischen Zombie-Symptome wie Aggression, unstillbaren Hunger, Koordinationsverlust und kognitive Defizite zu erklären?

  • Aggression und Wut: Eine hyperaktive Amygdala (unser Emotionszentrum) plus ein geschädigter präfrontaler Kortex (der für Impulskontrolle zuständig ist). Ohne die hemmende Wirkung des Kortex würde die Amygdala ungehindert Wut und Angriff auslösen.
  • Unstillbarer Hunger (Hyperphagie): Ein kaputter ventromedialer Hypothalamus (der das Sättigungsgefühl steuert) und ein ungezügelter lateraler Hypothalamus (der Hunger auslöst).
  • Der schlurfende Gang (Ataxie): Ein schwer geschädigtes Kleinhirn (Cerebellum), das für Gleichgewicht und Koordination zuständig ist.
  • Kognitive Defizite und Dummheit: Ein tiefgreifend geschädigter Frontallappen, der Sitz der Vernunft und Problemlösung.
  • Mangelnde Wiedererkennung: Eine Störung der Hirnregionen für Gesichtserkennung und emotionales Wiedererkennen.

Die Physiologie des Zombie-Körpers: Ein Blick auf die Widersprüche

Die Physiologie des Zombie-Körpers birgt einige Widersprüche. Wie kann ein Zombie sich bewegen, wenn er keinen funktionierenden Stoffwechsel hat? Woher kommt die Energie für die ständigen Bewegungen, wenn er nur Fleisch frisst, aber kein funktionierendes Verdauungssystem hat? Und wie kann ein Zombie ohne Heilungsfähigkeit überleben, wenn er ständig offenen Wunden und Infektionen ausgesetzt ist?

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Eine mögliche Erklärung für diese Paradoxe ist die Vorstellung, dass der Zombie nicht als Individuum, sondern als "wandelnde ökologische Nische" betrachtet werden muss. Der Krankheitserreger wandelt den Körper des Wirts in ein mobiles, sich selbst erhaltendes Ökosystem um. Das "Hunger auf Fleisch" dient dann nicht der Ernährung des Zombies, sondern der Beschaffung von Rohstoffen für die Erregerkolonie. Der Erreger könnte sogar eigene Stoffwechselprozesse haben und konservierende Verbindungen produzieren, um den Verfall seines "Fahrzeugs" zu verlangsamen.

Zombie-Apokalypse: Fiktion oder Realität?

Nachdem wir die verschiedenen wissenschaftlichen und biologischen Aspekte durchleuchtet haben, bleibt die entscheidende Frage: Könnte eine Zombie-Apokalypse tatsächlich passieren?

Die Fälle von "Zombie"-Phänomenen, die wir in der Natur sehen - sei es durch parasitische Pilze, Viren oder Chemikalien - betreffen in der Regel nur Tiere oder sehr spezifische Situationen. Ein realistisches Szenario einer globalen Katastrophe wäre vielmehr eine Pandemie, wie wir es mit COVID-19 erlebt haben. Viren können sich schnell weltweit ausbreiten, aber sie mutieren nicht in einer Weise, die Menschen in untote, fleischfressende Kreaturen verwandelt.

Ein weiteres Argument gegen eine Zombie-Apokalypse ist die logistische Herausforderung, die Kontrolle über das menschliche Gehirn oder Verhalten auf derart massive Weise zu erlangen. Auch wenn Technologien wie Neuro-Implantate existieren, sind wir noch weit davon entfernt, Menschen in willenlose "Zombies" zu verwandeln.

Zusammengefasst bleibt die Zombie-Apokalypse also weiterhin ein fesselndes Element der Science-Fiction, das uns aus psychologischen und kulturellen Gründen fasziniert.

Die Faszination des Zombie-Mythos

Die Vorstellung von Zombies, die einst nur in düsteren Legenden und Horrorfilmen existierte, hat sich mittlerweile tief in unsere Popkultur eingebrannt. Doch was macht diese Kombination aus Wissenschaft und Horror so faszinierend?

Es ist das Spiel mit dem Möglichen und dem Unmöglichen. Zombies verbinden die Urängste der Menschheit - den Verlust der Kontrolle, den Verfall der Zivilisation und den Tod - mit spekulativen wissenschaftlichen Erklärungen. Das Spannende an der Zombie-Thematik ist die feine Grenze zwischen Fiktion und Realität. Parasitäre Pilze, manipulative Viren und aggressive Krankheiten existieren tatsächlich, und das macht die Idee einer Zombie-Apokalypse so packend.

Auch wenn es höchst unwahrscheinlich ist, dass wir jemals gegen eine Horde Untoter kämpfen müssen, stellt uns das Szenario vor grundlegende Fragen: Wie gut sind wir auf unvorhergesehene Katastrophen vorbereitet? Was passiert mit uns, wenn wir ums Überleben kämpfen? Wie reagieren wir in Extremsituationen?

Am Ende ist es genau diese Mischung aus Wissenschaft, die das Unheimliche plausibel macht, und Fiktion, die die Extreme erkundet, die uns so fesselt.

Zombies als Spiegel der Gesellschaft

Der Zombie-Mythos ist nicht nur ein Ausdruck von Angst und Schrecken, sondern auch ein Spiegel der Gesellschaft. Zombies verkörpern oft die Angst vor Kontrollverlust, vor dem Unbekannten und vor dem Untergang der Gesellschaft. Sie stehen für die seelenlose Existenz in einer entfremdeten Arbeitswelt, für die Gier und Dummheit der Menschheit und für die Ausgrenzung und Marginalisierung von Minderheiten.

In Filmen wie "The Walking Dead" oder "28 Days Later" wird deutlich, dass die wahre Gefahr nicht nur von den Untoten ausgeht, sondern auch von der menschlichen Natur selbst. Was passiert mit uns, wenn wir ums Überleben kämpfen? Wie reagieren wir in Extremsituationen?

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