Fieber bei Krebspatienten tritt oft im Zusammenhang mit einer Infektion auf. Einige Tumorarten und Medikamente können jedoch auch ohne Beteiligung von Keimen Fieber verursachen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Fieber im Zusammenhang mit Hirntumoren und bietet einen Überblick über Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Grundlagen von Fieber bei Krebs
Fieber ist ein Symptom, das bei Krebspatienten häufig auftritt. Es kann verschiedene Ursachen haben, wobei Infektionen die häufigste Ursache darstellen. Allerdings können auch bestimmte Tumorarten und Krebsmedikamente Fieber auslösen, ohne dass eine Infektion vorliegt.
Symptome: Wie sich Fieber bei Krebs äußert
Fieber ist definiert als eine erhöhte Körpertemperatur über dem Normalwert. Die normale Körpertemperatur liegt üblicherweise zwischen 36,5°C und 37,5°C. Von Fieber spricht man in der Regel ab einer Temperatur von 38°C. Begleitend zum Fieber können weitere Symptome auftreten, wie:
- Schüttelfrost
- Schwitzen
- Muskelschmerzen
- Kopfschmerzen
- Appetitlosigkeit
- Allgemeines Krankheitsgefühl
Ursachen von Fieber bei Hirntumoren
Es gibt verschiedene Ursachen für Fieber bei Patienten mit Hirntumoren:
Infektionen
Da das Immunsystem von Krebspatienten oft durch die Krebserkrankung selbst oder durch die Krebsbehandlung geschwächt ist, sind sie anfälliger für Infektionen. Diese Infektionen können Fieber verursachen. Eine Verringerung der weißen Blutkörperchen, die für die Immunabwehr zuständig sind, ist ein wesentlicher Faktor.
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Tumorbedingtes Fieber
In manchen Fällen kann Fieber auch direkt durch die Krebserkrankung selbst verursacht werden, ohne dass eine Infektion vorliegt. Dies tritt insbesondere bei bestimmten Krebsarten auf, wie beispielsweise Lymphomen.
Medikamenteninduziertes Fieber
Einige Krebsmedikamente, insbesondere Zytostatika und Immuntherapien, können als Nebenwirkung Fieber verursachen. In den meisten Fällen tritt das Fieber nur während der Einnahme des Medikaments auf.
Fieber als Warnzeichen bei Lymphomen
Wenn Fieber in Kombination mit starkem nächtlichen Schwitzen und ungewolltem Gewichtsverlust auftritt, kann dies auf sogenannte B-Symptome hindeuten, die typischerweise bei Lymphomen beobachtet werden.
Untersuchung: Fieber messen und Begleitbeschwerden abklären
Um die Ursache von Fieber abzuklären, sind verschiedene Untersuchungen notwendig:
Fiebermessen mit dem Thermometer
Die Körpertemperatur kann an verschiedenen Stellen gemessen werden:
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- Oral: Unter der Zunge bei geschlossenen Lippen.
- Axillar: Unter den Achseln, wobei der Messfühler in der Achselhöhle liegen und die Oberarme eng am Körper anliegen sollten.
- Rektal: Im Darmausgang, wobei das Thermometer etwa 1 bis 2 cm in den After eingeführt wird.
- Im Ohr oder an der Stirn: Mit einem Infrarot-Thermometer.
Die rektale Messung mit einem Digital-Thermometer gilt als die zuverlässigste Methode, da sie die Körperkerntemperatur am besten widerspiegelt. Auch die Messung im Ohr mit Infrarot-Thermometern entspricht eher der Körperkerntemperatur. Unter den Achseln ist die Temperatur meist niedriger als im Körperinneren.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Im Gespräch mit dem Arzt werden wichtige Informationen erfragt, wie beispielsweise:
- Schmerzen
- Rötungen
- Schwellungen
- Nachtschweiß
- Gewichtsverlust
- Aktuelle Operationen
- Impfungen
- Medikamente
Bei der körperlichen Untersuchung achtet der Arzt auf Anzeichen wie erhöhten Puls, schnellere Atmung oder niedrigen Blutdruck.
Laboruntersuchungen
Bei Fieber können bestimmte Blutwerte verändert sein. Zudem können Bakterien oder andere Erreger im Urin nachgewiesen werden.
Bildgebung
Deuten die Beschwerden auf eine Infektion eines inneren Organs hin, können Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen zur Diagnose beitragen. Bei Verdacht auf einen Hirntumor sind Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) die wichtigsten bildgebenden Verfahren.
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Behandlungsmöglichkeiten: So lässt sich Fieber senken
Die Behandlung von Fieber richtet sich nach der Ursache. Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika eingesetzt. Virale Infektionen heilen meist von selbst aus, wobei fiebersenkende Mittel die Symptome lindern können.
Allgemeine Maßnahmen zur Fiebersenkung umfassen:
- Bettruhe: Körperliche Anstrengung sollte vermieden werden.
- Flüssigkeitszufuhr: Ausreichend trinken, um den Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen auszugleichen.
- Fiebersenkende Medikamente: Paracetamol oder Ibuprofen können die Körpertemperatur senken.
- Wadenwickel: Kühle Wadenwickel können helfen, die Körpertemperatur zu senken.
Hirntumoren: Ein Überblick
Ein Hirntumor ist eine Geschwulst im Kopf, die durch unkontrollierte Vermehrung von Zellen im Gehirn entsteht. Es gibt gutartige und bösartige Hirntumoren. Die Symptome, Prognose und Behandlungsmöglichkeiten hängen vom Tumortyp, seiner Bösartigkeit und seiner Lokalisation ab.
Symptome von Hirntumoren
Die Symptome eines Hirntumors sind vielfältig und hängen von der Lage und Größe des Tumors ab. Häufige Symptome sind:
- Kopfschmerzen (insbesondere nachts oder in den frühen Morgenstunden)
- Übelkeit und Erbrechen
- Sehstörungen
- Neurologische Ausfälle (Lähmungen, Sprachstörungen, Gefühlsstörungen)
- Epileptische Anfälle
- Persönlichkeitsveränderungen
- Kognitive Beeinträchtigungen (Gedächtnis-, Konzentrationsstörungen)
Diagnose von Hirntumoren
Die Diagnose eines Hirntumors erfolgt in der Regel durch:
- Neurologische Untersuchung
- Bildgebende Verfahren (CT, MRT)
- Liquoruntersuchung (in manchen Fällen)
- Biopsie (zur Bestimmung des Tumortyps)
Behandlung von Hirntumoren
Die Behandlung von Hirntumoren hängt vom Tumortyp, seiner Lage und Größe sowie dem Allgemeinzustand des Patienten ab. Zu den gängigen Behandlungsoptionen gehören:
- Operation: Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen.
- Strahlentherapie: Zerstört Tumorzellen durch hochenergetische Strahlen.
- Chemotherapie: Setzt Medikamente ein, um Tumorzellen abzutöten oder ihr Wachstum zu verlangsamen.
- Kombinationstherapie: Oft werden mehrere Behandlungsansätze kombiniert, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.
Spezifische Hirntumorarten
- Gliome: Die häufigsten Hirntumoren, die von den Gliazellen ausgehen. Es gibt verschiedene Untergruppen, wie Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome.
- Meningeome: Tumoren, die sich aus den Hirnhäuten entwickeln. Sie sind meist gutartig.
- Neurinome: Tumoren, die von den Schwann-Zellen der Hirn- und Rückenmarknerven ausgehen.
- Lymphome: Tumoren, die aus Lymphzellen im Gehirn entstehen.
- Hypophysenadenome: Tumoren der Hirnanhangdrüse (Hypophyse).
- Hirnmetastasen: Tochtergeschwülste von Krebserkrankungen anderer Organe.
Fallbeispiel: Fieber und epileptische Anfälle bei Hirntumor
Ein Patient wird mit 38,9°C Fieber und epileptischen Anfällen ins Krankenhaus eingeliefert. Im Laufe des Aufenthalts sinkt das Fieber auf normale Werte ab. Es wird ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert.
In diesem Fall stellt sich die Frage, welche Diagnose als Hauptdiagnose (HD) kodiert werden soll: Fieber oder Hirntumor?
Die Entscheidung hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- War das Fieber der Hauptgrund für die Aufnahme? Wenn der Patient primär wegen des Fiebers aufgenommen wurde und die epileptischen Anfälle erst später auftraten, könnte das Fieber als HD kodiert werden.
- Ist der Hirntumor die Ursache der epileptischen Anfälle? Wenn die epileptischen Anfälle durch den Hirntumor verursacht werden und diese ebenfalls ein Aufnahmegrund waren, ist der Hirntumor die wahrscheinlichere HD.
- Wie hat sich das Fieber im Krankenhaus entwickelt? Wenn das Fieber schnell abgeklungen ist und keine weitere Rolle spielte, spricht dies eher für den Hirntumor als HD.
In diesem speziellen Fall, in dem der Arzt angibt, dass der Patient nicht allein wegen des Fiebers, sondern auch wegen der epileptischen Anfälle aufgenommen wurde und der Hirntumor für diese Anfälle verantwortlich ist, wäre es angemessen, den bösartigen Hirntumor als Hauptdiagnose zu kodieren. Das Fieber könnte als Nebendiagnose (ND) angegeben werden.
Therapieansätze bei Hirntumoren
Die Therapiemethoden sind vom Gewebetyp des Tumors, vom Alter und Allgemeinzustand des Patienten und von der Größe und Lage des Tumors im Gehirn abhängig. Grundsätzlich gilt auch hier, je früher ein Gehirntumor erkannt wird, umso günstiger ist die Prognose für den Patienten. In Abhängigkeit von der WHO-Klassifikation des Tumors ist meist jedoch keine Heilung, sondern eine Symptomkontrolle ggf. mit Verlängerung des Überlebens und Stabilisierung bzw. Reduktion der Tumorgröße möglich.
Drei verschiedene Therapiemöglichkeiten können alleine oder auch in Kombination zum Einsatz kommen:
- Operation: Im Idealfall kann der Gehirntumor vollständig operativ entfernt werden, ohne Tumorzellen zurückzulassen. Häufig gelingt es jedoch nur, einen Grossteil des Tumors zu entfernen. In manchen Fällen kann auch nur die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe (Biopsie) zur Diagnosesicherung möglich sein.
- Operation mit anschließender Strahlentherapie mit/ohne Chemotherapie: Da in den allermeisten Fällen keine vollständige Entfernung der Tumorzellen möglich ist und durch eine ausgedehnte Operation lebenswichtige Strukturen des Gehirns verletzt werden würden, ist eine Nachbehandlung mittels Strahlentherapie und/oder Chemotherapie angeraten. Auch bei vollständiger Tumorentfernung ist in Abhängigkeit vom WHO-Grad des Tumors eine Nachbehandlung sinnvoll.
- Strahlentherapie als Ersttherapie: Eine Strahlentherapie als Ersttherapie wird insbesondere dann eingesetzt, wenn der Tumor an einer besonders kritischen Stelle im Gehirn liegt und deswegen nur eine Biopsieentnahme und keine Operation möglich ist.
Chemotherapie bei Hirntumoren
Eine Chemotherapie alleine, ohne Operation und Strahlentherapie, zeigt bei den meisten Gehirntumoren eine nur geringe Wirkung. Jedoch kann eine Chemotherapie bei kombiniertem Einsatz mit der Strahlentherapie die Wirkung der Strahlentherapie verbessern.
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