5-HTP Wirkung auf das Gehirn: Eine umfassende Betrachtung

Serotonin, oft als Glücksbotenstoff bezeichnet, spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulierung von Stimmung, Appetit, Schmerzempfinden und Schlaf. Viele Menschen suchen nach Möglichkeiten, ihre Serotoninproduktion auf natürliche Weise zu steigern, und greifen dabei auf Nahrungsergänzungsmittel wie Tryptophan und 5-HTP zurück. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung von 5-HTP auf das Gehirn, seine Anwendungsbereiche, Risiken und Alternativen.

Was ist 5-HTP?

5-Hydroxytryptophan (5-HTP) ist eine Aminosäure und die direkte Vorstufe von Serotonin. Im Körper wird 5-HTP in nur einem Schritt zu Serotonin umgewandelt. Die Abkürzung 5-HTP steht für 5-Hydroxytryptophan. Es ist wichtig zu beachten, dass Serotonin manchmal als 5-Hydroxytryptamin bezeichnet und dann mit 5-HT abgekürzt wird, was nicht mit 5-HTP zu verwechseln ist.

5-HTP ist ein Zwischenprodukt, wenn der Körper Serotonin bildet. Ausgangspunkt ist die essenzielle Aminosäure Tryptophan, die der Körper nicht selbst herstellen kann und über die Nahrung aufgenommen werden muss. Das aufgenommene Tryptophan wird durch verschiedene Enzyme zuerst in 5-HTP und schließlich in Serotonin umgewandelt.

Serotonin und seine Bedeutung

Serotonin ist an vielen wichtigen Vorgängen im Körper beteiligt. Es beeinflusst die Stimmung, den Appetit sowie das Schmerzempfinden und hilft beim gesunden Schlafrhythmus. Es spielt eine wichtige Rolle im Zentralnervensystem (ZNS) bei der Regulation der Stimmungslage, des Schlaf-Wach-Rhythmus, der Appetitkontrolle, der Stresstoleranz und der Schmerzwahrnehmung.

Serotonin wird hauptsächlich in den enterochromaffinen Zellen der Darmschleimhaut synthetisiert und auch gespeichert. Ein Anteil wird auch in den Blutplättchen gespeichert, die Serotonin zu mehreren peripheren Organen transportieren und dort freisetzen.

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5-HTP als Serotonin-Vorstufe

In den 1970er und 1980er Jahren wurde 5-HTP routinemäßig bei Depressionen verordnet. Auch die Aminosäure L-Tryptophan wurde und wird immer wieder zur Erhöhung des Serotoninspiegels und damit zur Stimmungsaufhellung oder auch zur Schlafförderung angepriesen. Während 5-HTP die direkte Vorstufe des Serotonins ist, handelt es sich bei L-Tryptophan um die Vorstufe von 5-HTP.

Vorteile von 5-HTP gegenüber L-Tryptophan

Die Einnahme von 5-HTP hat gegenüber L-Tryptophan einige Vorteile:

  1. Die Umwandlung von L-Tryptophan in 5-HTP kann von vielen Faktoren blockiert werden.
  2. L-Tryptophan muss erst ins Gehirn gelangen, um dort zu Serotonin umgewandelt zu werden, was oft ein Problem darstellt.
  3. L-Tryptophan ist nicht ausschließlich für die Serotoninherstellung zuständig, sondern wird auch für andere Aufgaben im Körper benötigt.

Fast 100 Prozent des eingenommenen 5-HTP werden auch tatsächlich zu Serotonin umgebaut. Die Einnahme scheint somit ein verführerisch einfaches Mittel zu sein, den Serotoninspiegel zu heben und Probleme wie Depressionen, Stimmungsschwankungen und Angstzustände zu lösen.

Die Blut-Hirn-Schranke

Serotonin kann die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden, 5-HTP hingegen ist dazu auch ohne aktiven Carrier problemlos in der Lage. Darüber hinaus kann 5-HTP ohne biochemische Feedbackhemmung zu Serotonin umgewandelt werden; der einzig benötigte Faktor ist das Enzym Aromatische L-Aminosäure-Decarboxylase (AADC). Die direkte Zufuhr von 5-HTP führt zur enzymunabhängigen Normalisierung der Serotoninwerte.

Anwendungsbereiche von 5-HTP

5-HTP wird in verschiedenen Bereichen eingesetzt, darunter:

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Depressionen

Nach wie vor ist nicht eindeutig geklärt, wie und warum Depressionen entstehen. Häufig wird bezweifelt, ob tatsächlich in jedem Fall ein Absinken des Serotoninspiegels beteiligt ist. Diese Ursachen können außerdem bei jedem Menschen wieder ganz anders geartet sein. Genauso verhält es sich bei 5-HTP. Die Ergebnisse waren nie einheitlich, mal zeigte 5-HTP Wirkung, ein andermal war die Wirkung nicht überzeugend.

Aus dem Jahr 2013 liegt jedoch eine randomisierte und doppelblinde Studie mit optimalen Ergebnissen vor. 60 depressive Patienten nahmen acht Wochen lang 5-http oder Fluoxetin (ein Antidepressivum). In einer jüngeren Übersichtsarbeit von 2020 zeigte sich bei Depressionen ein deutlicher Rückgang der Symptome durch 5-HTP. Unter 5-HTP sanken die Symptome stärker und Remissionen waren häufiger.

Schlafstörungen

Je gesünder der Serotoninspiegel, umso gesünder ist zumeist auch der Melatoninspiegel, der eine Voraussetzung für gesunden Schlaf darstellt. Wenn es daher gelingt, den Serotoninspiegel mit 5-HTP zu optimieren, dann reguliert sich u. U. auch der Melatoninspiegel.

Im Jahr 2004 wurden im European Journal of Pediatrics die Ergebnisse einer Studie mit Kindern veröffentlicht, die an Schlafstörungen (Nachtangst) gelitten hatten. Die Studienteilnehmer waren 45 Kinder zwischen 3 und 10 Jahren. 31 erhielten 20 Tage lang jeweils vor dem Schlafengehen 2 mg 5-HTP pro Kilogramm Körpergewicht. In der Placebogruppe war dies nur bei einem knappen Drittel der Kinder der Fall.

Gewichtsmanagement

Eine wichtige Aufgabe des Serotonins ist u. a. die Regulierung des Appetits. In verschiedenen Studien zeigte sich, dass 5-HTP in etlichen Fällen den Appetit zügeln und erfolgreich beim Abnehmen helfen konnte. Die Frauen aßen währenddessen normal, führten also keine Diät durch. Die Einnahme von 750 bzw. 900 mg 5-HTP pro Tag (was heute als eine zu hohe Dosis gilt, die mit Nebenwirkungen einhergehen könnte) führte bei übergewichtigen Männern und Frauen im Laufe von zwei bzw. drei Wochen zu einer Gewichtsabnahme.

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In einer 8-wöchigen doppelblinden Studie von 2022 nahmen sportlich aktive Erwachsene täglich 100 mg 5-HTP oder ein Placebo ein. Am Ende der Studie war die Fettmasse in der 5-HTP-Gruppe signifikant gesunken, in der Placebogruppe nicht.

Migräne und Kopfschmerzen

Bei Migränepatienten oder Patienten, die häufig an Kopfschmerzen leiden, liegen oft niedrige Serotoninspiegel vor. In der Methysergid-Gruppe berichteten 75 Prozent der Patienten von einer signifikanten Verbesserung ihrer Beschwerden.

Fibromyalgie

Die Fibromyalgie ist nach wie vor eine recht rätselhafte Erkrankung. Zur Fibromyalgie wurden bereits Anfang der 1990er Jahre klinische Studien mit 5-HTP durchgeführt.

Dosierung und Einnahme

5-HTP wird meist aus der Afrikanischen Schwarzbohne (Griffonia simplicifolia) hergestellt. Nur standardisierte Extrakte bis 30 % sind zulässig. Reine 5-HTP-Kapseln gibt es also nicht. Ein bis zwei Stunden nach der Einnahme ist der Stoff vollständig im Blutkreislauf angelangt.

Wenn man nach zwei Wochen keine Wirkung verspürt, erhöht man die Dosis auf je 100 mg dreimal täglich. Auch hier beginnt man mit der niedrigen Dosis (100 mg) und steigert diese erst nach frühestens drei Tagen auf z. B. eine höhere Dosis.

5-HTP kann - im Gegensatz zu L-Tryptophan - mit den Mahlzeiten eingenommen werden.

Risiken und Nebenwirkungen

Abgesehen von möglichen Qualitätsproblemen birgt die Einnahme von 5-HTP-Nahrungsergänzungen verschiedene Gesundheitsrisiken. Da der Großteil außerhalb des Gehirns umgewandelt wird, kann es zu Nebenwirkungen im Verdauungs- und Herz-Kreislauf-System kommen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen und Herzrasen sind mögliche Folgen.

Besonders riskant ist die Einnahme von 5-HTP zusammen mit Medikamenten, die ebenfalls in den Serotonin-Stoffwechsel eingreifen - etwa bestimmte Antidepressiva. Die Mittel können sich gegenseitig verstärken und das sogenannte Serotonin-Syndrom auslösen. Dabei treten Symptome wie innere Unruhe, Zittern und Schwitzen bis hin zu Fieber, Muskelzuckungen und Blutdruckkrisen auf. Im Extremfall kann es zu Krampfanfällen, Kreislaufversagen und sogar zum Tod kommen.

Eine ständige Einnahme könne die empfindliche Steuerung des Serotonin-Systems langfristig stören - und im ungünstigsten Fall genau das Gegenteil der gewünschten Wirkung erzeugen.

Eine Überdosierung könnte auch das Serotoninsyndrom auslösen, was eine Folge von zu viel Serotonin darstellt. Bei einer Überempfindlichkeit oder auch Allergie auf 5-HTP kann es zu Juckreiz kommen. Auch könnte es sein, dass 5-HTP bei langfristiger Anwendung in hohen Dosierungen das Gleichgewicht im Neurotransmitterstoffwechsel verschiebt, z. B. weil 5-HTP dasselbe Enzym (AADC) wie die Vorläufer von Dopamin benötigt.

Peak-X-Skandal

Im Jahr 1989 kam der Verdacht auf, Präparate mit L-Tryptophan könnten bei etwa 1.500 Personen in den USA (und 500 in Deutschland) der Auslöser des sog. Eosinophilie-Myalgie-Syndroms (EMS) gewesen sein. Die Erkrankung war bis dahin nahezu unbekannt. Grund für diese Verunreinigung soll ein bestimmtes mikrobiologisches Herstellungsverfahren bei einem japanischen Hersteller (Showa Denko) gewesen sein. Dennoch hieß es einst, dass auch manche 5-HTP-Präparate Peak X enthalten hätten.

Trotz eines weltweiten Einsatzes von 5-HTP ergaben sich [in den letzten 20 Jahren] keine Ereignisse, die auf eine Giftigkeit von 5-HTP hätten hinweisen können. Ausgiebige Analysen ganz unterschiedlicher 5-HTP-Quellen ergaben keine toxischen Verunreinigungen, die mit jenen vergleichbar wären, die sich seinerzeit in L-Tryptophan finden ließen, und auch keine anderen bedeutsamen Verunreinigungen.

Da in den Jahren 1988 bis 2003 die ersten Serotoninwiederaufnahmehemmer SSRI auf den Markt kamen (z. B. Fluoxetin 1988 in den USA und 1990 in Deutschland), wird an manchen Stellen spekuliert, dass die Pharmaindustrie beim Peak-X-Skandal ihre Finger im Spiel hatte.

Rechtliche Aspekte

5-HTP ist in jedem Fall ein Stoff, der in den entsprechenden Dosierungen auch pharmakologische Wirkung zeigt. Dies ist auch der Grund dafür, dass als Nahrungsergänzungsmittel nur noch Griffonia-Präparate mit maximal 30-prozentigem 5-HTP-Gehalt geduldet werden.

Alternativen zu 5-HTP

Setzen Sie aber dennoch bei Beschwerden lieber ein ganzheitliches Therapiekonzept um, statt allein auf 5-HTP zu hoffen. Daher sollte auch weniger eine langfristige Einnahme von 5-HTP oder anderer Mittel geplant werden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Serotoninspiegel auf natürliche Weise zu erhöhen, darunter:

  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit tryptophanreichen Lebensmitteln wie Eiern, Fisch und Geflügel kann die Serotoninproduktion unterstützen.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann den Serotoninspiegel erhöhen und die Stimmung verbessern.
  • Sonnenlicht: Ausreichend Sonnenlicht kann die Serotoninproduktion anregen.
  • Stressmanagement: Stress kann den Serotoninspiegel senken. Entspannungstechniken wie Yoga und Meditation können helfen, Stress abzubauen.
  • Weitere Vitalstoffe: Natürlich sollten Sie mit allen Vitalstoffen gut versorgt sein, denn viele beeinflussen den Serotoninspiegel auf die eine oder andere Weise (z. B. Vitamin B12, Magnesium, Vitamin C usw.).

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