Die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen außergewöhnlicher Intelligenz, Kreativität und psychischen Erkrankungen besteht, beschäftigt die Menschheit seit langem. Der römische Philosoph Seneca bemerkte einst: „Es hat noch keinen grossen geist ohne Beimischung von Wahnsinn gegeben“. Moderne Forschungsergebnisse scheinen diese These zu erhärten. Immer mehr wissenschaftliche Befunde deuten auf einen Zusammenhang zwischen Genie und Wahnsinn hin. Viele berühmte Künstler und Wissenschaftler litten an psychischen Störungen.
Historische Beispiele: Künstler und Wissenschaftler am Rande des Wahnsinns
Die Geschichte ist voll von Beispielen für Menschen mit außergewöhnlichen Talenten, die gleichzeitig unter psychischen Problemen litten. Der Chemiker Justus von Liebig beispielsweise schwankte zwischen Depressionen und manischen Phasen. Die Dichterinnen Virginia Woolf und Sylvia Plath nahmen sich nach langem Leiden das Leben. Der Mathematiker und Wirtschaftsnobelpreisträger John Nash war schizophren. Sein Leben wurde in dem Film „A Beautiful Mind“ verfilmt.
Felix Post, ein pensionierter Psychiater aus London, untersuchte in seiner Studie „Kreativität und Psychopathologie“ die Lebensläufe von 291 weltberühmten Männern, darunter Charles Darwin und Erwin Schrödinger. Er stellte fest, dass ein hoher Prozentsatz von ihnen an schweren Gemütskrankheiten litt. Besonders betroffen waren bildende Künstler und Schriftsteller.
Arnold M. Ludwigs Untersuchung bestätigte diesen Trend. Er fand heraus, dass Musiker, Entertainer, Schauspieler und Schriftsteller dreimal so häufig psychiatrische Hilfe suchten wie die Normalbevölkerung. Ludwig nannte dies „Der Preis der Größe“ und stellte einen quantitativen Zusammenhang fest: Je erfolgreicher die Künstler waren, desto „verrückter“ - und umgekehrt.
Die Suche nach den Ursachen: Erbforschung und Gehirnfilter
Doch wie lässt sich dieser Zusammenhang erklären? Treibt ein aufregendes Künstlerleben die Genies in den Wahn? Oder gibt es eine genetische Veranlagung?
Lesen Sie auch: Informationen für Alzheimer-Patienten und Angehörige
Befunde aus der Erbforschung deuten auf die zweite Hypothese hin. Jon Karlsson vom Institut für Genetik in Reykjavik fand heraus, dass Studenten naturwissenschaftlicher Fächer mit hervorragenden Mathe-Noten ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen haben.
Der Psychologe Hans Eysenck spekulierte, dass der gemeinsame Nenner der Reichtum an Assoziationen sein könnte. Dieser werde durch Filterprozesse im Gehirn geregelt, bei denen Nervenüberträgerstoffe wie Dopamin und Serotonin eine Rolle spielen. Sind die Filter scharf eingestellt, helfen sie uns, aus einer Fülle von Eindrücken nur die relevanten herauszufinden und den Rest zu vergessen.
Shelley Carson von der Harvard-Universität entwickelte ein Testverfahren für das Maß an „latenter Inhibition“ (LI), dem Fachausdruck für die Wahrnehmungsfilter im Hirn. Sie fand heraus, dass besonders kreative Studenten häufiger am unteren Ende der LI-Skala zu finden waren. Carson vermutet, dass eine geringe latente Inhibition ein guter Schutz gegen das Risiko sein könnte, verrückt zu werden.
Die "Denkkappe": Kreativität auf Knopfdruck?
Eine andere Methode zur Steigerung der Kreativität kommt aus Australien: die „Denkkappe“. Sie funktioniert mit „transkranieller magnetischer Stimulation“ (TMS) - einer Art Störwellensender für Teile des Hirns. Sie baut auf Erkenntnissen auf, die an Autisten gewonnen wurden, genauer gesagt: an Savants.
Savants sind Menschen mit besonderen Inselbegabungen. Nach einer Theorie tragen alle Menschen diese besonderen Talente in ihrem Hirn. Die „Denkkappe“ soll diese Talente freisetzen, indem sie den „Zensor im Kopf“ abschaltet. Die Ergebnisse sind bisher jedoch nicht so spektakulär wie erwartet.
Lesen Sie auch: Kinder-Alzheimer: Ein umfassender Überblick
Asperger-Syndrom: Hochbegabung und unfreiwillige Marotten
Vielleicht sollte sich die Hirnforschung weniger auf die spektakulären Savants konzentrieren, sondern auf Menschen mit Asperger-Syndrom. Es sind Hochbegabte, die trotz ihrer unfreiwilligen Marotten erstaunliche Karrieren gemacht haben. Selbst Albert Einstein wird manchmal im Zusammenhang mit der Krankheit genannt.
Temple Grandin, eine Expertin für Tierzucht, beschreibt, wie sie in ihrer Vorstellung dreidimensionale bewegte Videos der Geräte ablaufen lassen und die Geräte in ihrer Vorstellung testen kann.
Genial daneben Demenz: Wenn die Orientierung verloren geht
Der Begriff "genial daneben" kann im Zusammenhang mit Demenz eine neue Bedeutung bekommen. Menschen mit Demenz können in ihrer eigenen Realität leben, die für Außenstehende oft unverständlich oder "daneben" wirkt. Ihre Handlungen und Äußerungen können unsicher, unpassend oder sogar bizarr erscheinen.
Der Alltag mit Demenz: Eine Herausforderung für alle Beteiligten
Die Versorgung von Menschen mit Demenz stellt eine große Herausforderung dar, sowohl für die Betroffenen selbst als auch für ihre Angehörigen und Pflegekräfte. Der Verlust der Orientierung, der Gedächtnisprobleme und die Verhaltensänderungen können den Alltag erheblich erschweren.
Eine besonders belastende Situation entsteht, wenn Menschen mit Demenz fixiert oder auf andere Weise in ihrer Freiheit eingeschränkt werden. Dies kann aus Unwissenheit, Überforderung oder Personalnot geschehen. Es ist jedoch wichtig, sich bewusst zu machen, dass solche Maßnahmen nicht nur ethisch fragwürdig sind, sondern auch das Wohlbefinden der Betroffenen beeinträchtigen können.
Lesen Sie auch: Alzheimer und Demenz im Vergleich
Schein-Bushaltestellen und andere kreative Lösungen
Um Menschen mit Demenz zu unterstützen und ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu geben, sind kreative Lösungen gefragt. Eine solche Lösung ist die sogenannte Schein-Bushaltestelle. Diese Haltestelle ist eine Art Treffpunkt, an dem sich Menschen mit Demenz austauschen und ihre Erinnerungen teilen können.
Die Schein-Bushaltestelle ist mit einem unechten Fahrplan und einer Sitzbank ausgestattet. Sie erinnert an eine echte Bushaltestelle, ohne jedoch tatsächlich eine solche zu sein. Dies kann Menschen mit Demenz helfen, sich zu orientieren und ihre Umgebung besser zu verstehen.
Die Bedeutung einer individuellen Betreuung
Es ist wichtig, Menschen mit Demenz individuell zu betreuen und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Eine biographische Anamnese kann helfen, die Vorlieben und Abneigungen der Betroffenen kennenzulernen und die Betreuung entsprechend anzupassen.
Es ist auch wichtig, sich bewusst zu machen, dass Menschen mit Demenz unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben und unterschiedliche Erinnerungen haben. Was für den einen eine positive Erinnerung ist, kann für den anderen eine negative Erinnerung sein.