Eine Hirnblutung ist ein medizinischer Notfall, der eine sofortige Behandlung erfordert. Die schnelle Diagnose und Einleitung geeigneter Maßnahmen sind entscheidend, um das Ausmaß der Hirnschädigung zu begrenzen und die Überlebenschancen der Betroffenen zu erhöhen. Dieser Artikel beleuchtet die Methoden und Geräte, die in England und Deutschland zur Diagnose von Hirnblutungen eingesetzt werden, und vergleicht die jeweiligen Ansätze.
Hirnblutung: Ein medizinischer Notfall
Eine Hirnblutung entsteht, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt oder reißt. Das austretende Blut bildet einen Bluterguss, der Druck auf das umliegende Hirngewebe ausübt und es schädigen kann. Dies kann zu einer Vielzahl von neurologischen Ausfällen führen, die von leichten Symptomen wie Kopfschmerzen und Schwindel bis hin zu schweren Lähmungen, Sprachstörungen und Bewusstseinsverlust reichen.
Aufgrund der potenziell lebensbedrohlichen Folgen ist eine Hirnblutung immer als medizinischer Notfall einzustufen, der eine sofortige Behandlung in einem Krankenhaus mit einer spezialisierten Stroke Unit erfordert.
Ursachen und Arten von Hirnblutungen
Die Ursachen für Hirnblutungen sind vielfältig. Ein Schädel-Hirn-Trauma nach einem schweren Sturz auf den Kopf kann Blutgefäße im Gehirn verletzen und eine Hirnblutung verursachen. Neben schwachen Gefäßwänden im Gehirn, Blutgerinnungsstörungen oder Gefäßmissbildungen (zum Beispiel ein Aneurysma) kommen auch spezielle blutverdünnende Medikamente als mögliche Auslöser einer Hirnblutung infrage. Besonders häufig verursacht hoher Blutdruck Hirnblutungen, da ein lang anhaltend erhöhter Druck die Gefäßwände schädigt. Bei zu großer Belastung können diese dann plötzlich platzen.
Es werden zwei Haupttypen von Hirnblutungen unterschieden:
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- Intrazerebrale Blutung: Hierbei tritt die Blutung direkt im Gewebe des Gehirns auf. Diese Art der Blutung wird häufig durch langjährigen Bluthochdruck verursacht und kann zu einem "blutigen Schlaganfall" führen, bei dem Hirngewebe abstirbt.
- Subarachnoidalblutung (SAB): Bei einer SAB kommt es aufgrund eines Traumas oder eines Aneurysmas der hirnversorgenden Gefäße zu Einblutungen unterhalb der Spinnwebhaut (Arachnoidea). Die Blutung kann sich bis in das Hirngewebe erstrecken und schwere neurologische Ausfälle hervorrufen.
Diagnose von Hirnblutungen
Die Diagnose einer Hirnblutung basiert in der Regel auf einer Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren.
Klinische Untersuchung
Die klinische Untersuchung umfasst die Erhebung der Krankengeschichte des Patienten und die Beurteilung seiner neurologischen Funktionen. Der Arzt wird nach Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Seh-, Sprach- oder Bewegungsstörungen fragen. Anschließend wird er eine neurologische Untersuchung durchführen, um die Hirnnerven, die Muskelkraft, die Koordination, die Reflexe und die Sensibilität des Patienten zu überprüfen.
Bildgebende Verfahren
Die wichtigsten bildgebenden Verfahren zur Diagnose von Hirnblutungen sind die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT).
- Computertomographie (CT): Die CT ist ein schnelles und zuverlässiges Verfahren, das in der Regel als erste Maßnahme zur Diagnose einer Hirnblutung eingesetzt wird. Sie kann Blutungen im Gehirn schnell und genau darstellen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist ein empfindlicheres Verfahren als die CT und kann auch kleinere Blutungen oder Veränderungen im Hirngewebe erkennen, die auf eine Hirnblutung hindeuten. Sie wird häufig eingesetzt, wenn die CT-Ergebnisse unklar sind oder wenn der Verdacht auf eine Subarachnoidalblutung besteht.
In bestimmten Fällen kann auch eine Angiographie durchgeführt werden, um die Blutgefäße im Gehirn darzustellen und die Ursache der Blutung zu identifizieren.
Schnelltests und Künstliche Intelligenz
In jüngster Zeit wurden auch neue Technologien zur schnelleren und genaueren Diagnose von Hirnblutungen entwickelt. Dazu gehören Schnelltests, die bereits an Bord von Rettungshubschraubern erprobt werden, und der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) zur Unterstützung der Radiologen bei der Auswertung von CT-Bildern.
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- Schnelltests: Die DRF Luftrettung erprobt derzeit in einer Studie einen Schnelltest auf Hirnblutungen an Bord des Rettungshubschraubers Christoph 51 in Stuttgart. Durch den Test sollen Patienten noch schneller und gezielter in Spezialkliniken geflogen werden können. Das Ergebnis des Schnelltests liegt nach etwa 15 Minuten vor.
- Künstliche Intelligenz (KI): Forscher arbeiten an selbstlernenden Systemen künstlicher Intelligenz, die anhand großer Datenmengen trainiert werden, um Hirnblutungen selbstständig zu detektieren und zu qualifizieren. Diese Systeme können Radiologen dabei helfen, kleine Blutungen zu übersehen und die Diagnose schneller und sicherer zu stellen.
Hirntoddiagnostik
Bevor es zu einer Organspende kommen kann, müssen speziell qualifizierte Ärzteteams den Hirntod feststellen und hierbei viele Schritte beachten. »Zuallererst müssen wichtige Voraussetzungen geprüft werden, insbesondere muss eine akute, schwerste Hirnschädigung vorliegen«, erklärt Privatdozent Dr. Hauke Schneider, Oberarzt der Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie am UKA. Das kann etwa durch eine große Hirnblutung oder einen Unfall mit schwersten Kopfverletzungen der Fall sein. Ausgeschlossen muss sein, dass zum Untersuchungszeitpunkt keine anderen Ursachen die Ausfallsymptome des Gehirns verursachen. Prinzipiell kann eine Hirntod-Untersuchung nur erfolgen bei künstlich beatmeten Patienten unter Aufrechterhaltung weiterer Organfunktionen.
»Der zweite Schritt ist die klinische Prüfung des vollständigen Hirnfunktionsausfalls, definiert durch Koma, Ausfall der Hirnstammreflexe und fehlende Atmung«, erläutert Schneider weiter. In Deutschland ist dieser Nachweis besonders streng geregelt etwa im Vergleich zu Ländern wie Großbritannien und den Mitgliedern des Commonwealth, in denen »lediglich« der Ausfall der Hirnstammfunktion nachzuweisen ist, während in Deutschland der Ausfall des Hirnstamms sowie des Groß- und Kleinhirns geprüft werden muss. So erfolgt bei Ausfall der Hirnstammfunktion keine Reaktion bei direktem Hineinleuchten in die Pupille. Zweitens reagiert der Patient nicht mit einer gegenläufigen Augenbewegung bei ruckartiger Drehung des Kopfes. Drittens erfolgt bei Berührung der Augenbindehaut, beispielsweise mit einem Wattestäbchen, kein Zusammenkneifen der Augen. Der Patient spricht viertens nicht auf beidseitig gesetzte Schmerzreize an. Es erfolgt fünftens keine Würgereaktion auf die wiederholte mechanische Reizung der Rachenhinterwand.
»Ist der vollständige Hirnfunktionsausfall nachgewiesen, dann muss in einem dritten Schritt gezeigt werden, dass der Hirnfunktionsausfall unumkehrbar - irreversibel - ist«, erklärt Dr. Schneider. Hierzu erfolgt eine erneute, vollständige klinische Untersuchung nach einem fest vorgegebenen Zeitraum. Dieser variiert je nach Art der Hirnschädigung zwischen zwölf und 72 Stunden nach erstmaliger Untersuchung. Alternativ zur zweiten Untersuchung können die untersuchenden Ärzte zum Nachweis der unumkehrbaren Hirnschädigung auch apparative Untersuchungstechniken einsetzen, z. B. die Messung der Hirnströme (Elektroenzephalogramm, EEG) oder die Untersuchung der Hirndurchblutung mittels Ultraschall. Seit 2015 ist auch die Gefäßdarstellung im Computertomogramm, die CT-Angiographie, als Methodik zulässig.
»Die Richtlinien sehen vor, dass die Hirntoddiagnostik jeweils von zwei qualifizierten Ärzten durchgeführt werden muss«, so Schneider. Die Ärzte müssen nicht nur eine Facharztausbildung haben, sie müssen auch über mindestens zwei Jahre Erfahrung in der Intensivmedizin und der Behandlung hirngeschädigter Patienten nachweisen können. Zudem dürfen die an der Hirntod-Diagnostik beteiligten Ärzte nicht Teil eines Organentnahmeteams sein.
Behandlung von Hirnblutungen
Die Behandlung von Hirnblutungen hängt von der Ursache, der Größe und der Lokalisation der Blutung sowie dem Zustand des Patienten ab. Ziel der Behandlung ist es, die Blutung zu stoppen, den Druck im Gehirn zu senken und weitere Komplikationen zu verhindern.
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In einigen Fällen kann eine konservative Behandlung ausreichend sein, die die Überwachung des Patienten, die Kontrolle des Blutdrucks und die Verabreichung von Medikamenten zur Reduzierung der Hirnschwellung umfasst. In anderen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um das Blutgerinnsel zu entfernen oder die Blutgefäße zu reparieren.
Vergleich der Diagnostik in England und Deutschland
In Deutschland ist der Nachweis des Hirntods besonders streng geregelt etwa im Vergleich zu Ländern wie Großbritannien und den Mitgliedern des Commonwealth, in denen »lediglich« der Ausfall der Hirnstammfunktion nachzuweisen ist, während in Deutschland der Ausfall des Hirnstamms sowie des Groß- und Kleinhirns geprüft werden muss.