Gerd Müller, der „Bomber der Nation“, ist nicht nur eine Ikone des deutschen Fußballs, sondern auch ein Beispiel dafür, wie Demenz jeden treffen kann. Seine Erkrankung und sein Tod haben die Fußballwelt erschüttert und das Bewusstsein für diese heimtückische Krankheit geschärft.
Der Aufstieg einer Legende
Gerd Müller wurde im November 1945 in Nördlingen geboren. Seine Karriere begann beim TSV Nördlingen, bevor er 1964 zum FC Bayern München wechselte. Mit dem FC Bayern erlebte er einen kometenhaften Aufstieg. Er schoss unglaubliche 552 Tore für die Münchner, darunter 40 Treffer in der Saison 1971/72 - ein Rekord, der erst 49 Jahre später von Robert Lewandowski gebrochen wurde. Viermal wurde er Deutscher Meister und dreimal Europapokalsieger. Sein wichtigstes Tor schoss er 1974 im WM-Finale gegen Holland zum 2:1-Sieg.
Franz Beckenbauer sagte einst: „Ohne den Gerd wäre der FC Bayern nicht das, was er heute ist. Ohne Gerd würden wir an der Säbener Straße noch in der Hütte sitzen, in der wir in 60er-Jahren angefangen haben.“
Die Diagnose und der Kampf gegen die Krankheit
Im Januar 2012, bei der Gala zum 60. Geburtstag von Uli Hoeneß, ahnten nur wenige Insider, dass Gerd Müller bereits an Alzheimer litt. Im Jahr 2015 wurde seine Erkrankung öffentlich gemacht. Von da an lebte er in einem Pflegeheim. Seine Frau Uschi besuchte ihn fast täglich.
Alzheimer ist eine unheilbare neurodegenerative Erkrankung, die das Gehirn betrifft und zu Gedächtnisverlust, Verwirrung und Veränderungen im Verhalten führt. In Deutschland leben rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz, wobei Alzheimer die häufigste Form ist.
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Der Abschied von der Öffentlichkeit
2013 hatte Müller seinen letzten öffentlichen Auftritt, als er in Hamburg den SPORT BILD Award für sein Lebenswerk erhielt. Sein Freund Franz Beckenbauer übernahm die Rede auf der Bühne.
Uschi Müller sagte 2017: „Er freut sich, wenn ich komme. Er ist aber auch nicht traurig, wenn ich wieder gehe.“ Auch Tochter Nicole besuchte ihn regelmäßig, ebenso alte Weggefährten wie Jupp Heynckes und Hermann Gerland.
Gerd Müllers Tod und das Vermächtnis
Gerd Müller starb in einem Pflegeheim bei München, nachdem er 15 Tage lang nicht gegessen und getrunken hatte. Er wurde 75 Jahre alt.
Sein Tod hat die Fußballwelt tief bewegt. Viele würdigten ihn als einen der größten Stürmer aller Zeiten und betonten seine Bescheidenheit und seinen Teamgeist.
Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsboss des FC Bayern, betonte: „Gerd war der beste Mittelstürmer aller Zeiten, insbesondere im Strafraum, dort war er wie das ,Phantom der Oper‘. Ich habe sehr viel von ihm gelernt.“
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Uli Hoeneß sagte: „Gerd war ein großartiger Spieler, ein großartiger Mannschaftskollege und ist bis heute ein wunderbarer, feiner Mensch. Ich bin sehr stolz, an seiner Seite gespielt zu haben. Wir alle hier beim FC Bayern sind ihm für alle Zeiten unheimlich dankbar.“
Alzheimer und Demenz: Eine wachsende Herausforderung
Müllers Tod lenkt den Blick auf die Herausforderungen, die mit Demenz verbunden sind. Obwohl es in der Behandlung von Demenz gewisse Fortschritte gibt, sind die Möglichkeiten, die Krankheit aufzuhalten oder zu heilen, weiterhin begrenzt.
Formen von Demenz
Es gibt verschiedene Formen von Demenz, wobei die Alzheimer-Krankheit die häufigste ist. Weitere verbreitete Formen sind die Lewy-Körper-Demenz und die Vaskuläre Demenz.
Stadien der Alzheimer-Demenz
Die Alzheimer-Demenz durchläuft verschiedene Stadien, von leichter Demenz bis hin zu schwerer Demenz, die mit zunehmenden motorischen und vegetativen Störungen einhergeht. Im Endstadium sind die Betroffenen pflegebedürftig und anfällig für Infektionen.
Risikofaktoren für Demenz
Es gibt verschiedene Risikofaktoren für Demenz, die nicht beeinflussbar sind, wie Alter, Geschlecht und genetische Faktoren. Es gibt aber auch veränderbare Risikofaktoren, wie Diabetes, Bluthochdruck, Adipositas, Bewegungsmangel, Rauchen, geringe Bildung und Depressionen.
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Neuere Studien haben auch folgende Risikofaktoren identifiziert: Small Vessel Disease, psychischer Stress in mittleren Jahren, Leben ohne Partner, kurzer REM-Schlaf und überzuckerte Getränke.
Prävention und Forschung
Die Erforschung von Demenz und Alzheimer ist von entscheidender Bedeutung, um neue Therapien und Präventionsstrategien zu entwickeln. Es wird geschätzt, dass sich die Zahl der Demenzerkrankten bis zum Jahr 2050 auf 2,4 bis 2,8 Millionen erhöhen wird, sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt.
Die Frage nach den Ursachen: Kopfbälle und Fußball
Die Alzheimer-Erkrankung von Gerd Müller wirft auch die Frage nach den möglichen Ursachen auf. Gibt es einen Zusammenhang zwischen seiner Erkrankung und seiner Karriere als Fußballspieler, insbesondere den zahlreichen Kopfbällen?
Studien zu Fußball und Demenz
Eine Studie der Universität Glasgow aus den Jahren 2017 bis 2019 untersuchte die Gesundheitsdaten von 7.676 verstorbenen schottischen Profi-Fußballern und verglich sie mit 23.028 Nicht-Sportlern. Das Ergebnis: Alzheimer war bei Profifußballern um das Fünffache häufiger die mitverantwortliche Todesursache.
Die Studie legt nahe, dass Schädel-Hirn-Traumata das Risiko erhöhen, an Alzheimer oder einer anderen Demenzform zu erkranken. Es wird vermutet, dass Erschütterungen zu Verletzungen von Nervenzell-Fortsätzen führen können, was Jahre oder Jahrzehnte später zu Symptomen führen kann.
Chronisch-Traumatische Enzephalopathie (CTE)
Eine weitere Form der Demenz, die im Zusammenhang mit Sport diskutiert wird, ist die Chronisch-Traumatische Enzephalopathie (CTE). CTE wird durch wiederholte Schläge und Stöße gegen den Kopf verursacht und ist vor allem im American Football untersucht worden.
Kopfballtraining und Prävention
Angesichts der möglichen Risiken fordern Experten, das Kopfballtraining im Fußball zu überdenken, insbesondere im Jugendbereich. Einige Verbände haben bereits Kopfballtraining für Kindermannschaften bis zur U12 untersagt.