Nervenschmerzen im Arm können den Alltag erheblich beeinträchtigen und auf verschiedene Erkrankungen hinweisen. Unbehandelt können sie chronisch werden. Spezialisten, wie die von Lumedis in Frankfurt, bieten eine umfassende Diagnostik und individuelle konservative Therapie an. Dieser Artikel, zuletzt aktualisiert von Dr. Bela Braag, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie bei Lumedis, beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Nervenschmerzen im Arm.
Was sind Nervenschmerzen im Arm?
Nervenschmerzen betreffen besonders den Oberarm, seltener den Unterarm. Der rechte und linke Arm sind gleichermaßen betroffen. Nervenschmerzen im Arm sind keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom einer zugrunde liegenden Funktionsstörung im Muskel- oder Gelenkapparat. Die Beschwerden entstehen, wenn ein Nerv durch enge anatomische Verhältnisse, entzündliche Prozesse oder Druck von außen beeinträchtigt wird.
Ursachen von Nervenschmerzen in den Armen
Nervenschmerzen im Arm können verschiedene Ursachen haben, die in unterschiedliche Kategorien unterteilt werden können:
Überlastung und Fehlbelastung
Überlastungen und Fehlbelastungen können dazu beitragen, dass Nerven im Bereich der Arme oder der Wirbelsäule gereizt werden. Fehlbelastungen bleiben oft lange unbemerkt, bis plötzlich Beschwerden auftreten. Chronische Fehlhaltungen, z. B. durch schlechte Ergonomie am Arbeitsplatz oder muskuläre Dysbalancen im Rücken oder Nacken, können über längere Zeit zu einer Nervenirritation führen - ganz ohne konkrete Verletzung.
Nervenkompressionssyndrome
Die bekanntesten Beispiele hierfür sind das Karpaltunnelsyndrom (Kompression des Nervus medianus am Handgelenk) und das Kubitaltunnelsyndrom (Einengung des Nervus ulnaris am Ellenbogen). Beim Karpaltunnelsyndrom kommt es zu einer Einengung des Nervus medianus an der Innenseite des Handgelenks, was Schmerzen und Gefühlsstörungen im Bereich des Daumens, Zeige- und Mittelfingers verursacht. Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch einen andauernden Druck auf den Nervus medianus. Um die Hand motorisch und sensorisch zu versorgen, muss der Mittelarmnerv den Karpaltunnel - eine anatomische Engstelle auf der Innenseite des Handgelenks - passieren. Neben dem Nerven verlaufen im Karpaltunnel die Sehnen der Fingerbeuger und des Daumenbeugers. Durch verschiedene Ursachen kann es im Karpaltunnel zu eng werden. Gerät dabei der Nerv unter Druck, resultieren Schmerzen und Missempfindungen. Am häufigsten tritt es im Alter von etwa 40 bis 70 Jahren auf. Vor allem Frauen ab dem 35. Lebensjahr sind von einem schmerzhaften Karpaltunnelsyndrom betroffen.
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Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule
Wenn ein Bandscheibenvorfall auf Nervenwurzeln in der Halswirbelsäule drückt, können ausstrahlende Schmerzen und Taubheitsgefühle entlang des Arms auftreten, oft bis in die Finger. Die Nerven, die sensibel die peripheren Muskeln oder Hautareale des Armes versorgen, treten aus unterschiedlichen Höhen der Halswirbelsäule (HWS) aus. Der Spinalkanal kann durch verschiedene Ursachen verengt werden, und es kommt daraufhin zu einer Kompression der entsprechenden Nervenwurzeln. Diese hat zur Folge, dass es zu Reizungen im Verlauf des Nerven kommt. Unter zervikale Radikulopathien versteht man Reizungen der Nervenwurzeln, die aus der Halswirbelsäule herausragen. Gründe dafür können Bandscheibenvorfälle, Gleitwirbel sowie degenerative Veränderungen der Wirbelsäule sein. Die Nerven, die als Wurzeln aus der Halswirbelsäule hervorgehen und in die Peripherie ziehen, versorgen vor allem den Armbereich.
Engpasssyndrome
Durch strukturelle Engpässe in den Bereichen, wo die Nerven verlaufen, können auch Engpasssyndrome wie das Thoracic-Outlet-Syndrom zu Nervenschmerzen im Arm führen. Beim Thoracic Outlet Syndrom fasst man verschiedene Kompressionssyndrome zusammen, die alle im Bereich der oberen Thoraxapertur auftreten und meistens zu einer Einengung eines großen Nervengeflechtes, dem Plexus brachialis, oder aber auch bestimmter Blutgefäße wie der Vena subclavia führen. Im Bereich des oberen Brustkorbs gibt es anatomisch bestimmte Engstellen, die durch verschiedene Ursachen verstärkt werden können und dann deutliche Beschwerden verursachen. Als Ursache wird vermutet, dass der Abstand zwischen Brustbein und der ersten Rippe zu klein ist.
Stoffwechselbedingte Ursachen
Auch Stoffwechsel-bedingte Ursachen können hinter Nervenschmerzen am Arm stecken. Der häufigste Grund für stoffwechselbedingte Ursachen ist der schlecht eingestellte Diabetes Mellitus. Diabetes mellitus gehört zu den Risikofaktoren für ein Karpaltunnelsyndrom. Das liegt daran, dass die Erkrankung - insbesondere bei schlecht eingestelltem Blutzucker - langfristig Gefäße und Nerven schädigt. Dadurch kann der Nervus medianus hypersensibel werden, wodurch schon bei minimalem Druck auf ihn Schmerzen und Missempfindungen ausgelöst werden. Auch bestimmte Vitaminmängel können zu neuropathischen Schmerzen führen. Zu nennen wäre der klassische Vitamin-B12-Mangel, der zu neuropathischen Schmerzen führen kann. Aber auch andere Vitamine aus dem B-Komplex können zu neuropathischen Schmerzen führen.
Toxische oder medikamenteninduzierte Neuropathie
Einige Medikamente und toxische Substanzen können ebenfalls Nervenschäden verursachen.
Verletzungen oder Traumata
Ein direktes Trauma, wie etwa durch eine Fraktur oder eine Prellung, kann Nervenschäden verursachen, wenn Nerven durch Knochenfragmente oder Schwellungen unter Druck geraten.
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Polyneuropathien
Unter Polyneuropathien versteht man Nervenreizungen oder sogar Schädigungen, die Schmerzen verursachen. Alle Körperregionen können von einer Polyneuropathie betroffen sein, am häufigsten sind jedoch die Beine oder Füße betroffen, seltener die Arme. Die Ursache ist in vielen Fällen unbekannt.
Multiple Sklerose (MS)
Die Multiple Sklerose ist eine neurologische Erkrankung, bei der es zu einer Reduktion der schützenden Myelinschicht um die Nerven kommt. Die Nervenreize und Impulse können somit nicht mehr wie gewohnt weitergeleitet werden, was zur Folge hat, dass neben anderen schwerwiegenden Beschwerden auch neuropathische Schmerzen auftreten können. Bei MS können neben den Armen sämtliche Körperregionen betroffen sein.
Schulter-Arm-Syndrom (Zervikobrachialgie)
Das Schulter-Arm-Syndrom, auch als Zervikobrachialgie bekannt, bezeichnet eine Reihe von Beschwerden, die den Bereich der Halswirbelsäule, Schulter und Arm betreffen. Es handelt sich dabei um einen Sammelbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die ähnliche Symptome verursachen. Es gibt verschiedene Ursachen, die das Schulter-Arm-Syndrom auslösen können:
- Bandscheibenprobleme
- Nervenkompression
- Verletzungen oder Entzündungen
Symptome von Nervenschmerzen im Arm
Die Symptome von Nervenschmerzen im Arm können vielfältig sein:
- Neuropathische Schmerzen im Arm werden als ziehend und sehr unangenehm beschrieben. Sie sind schneidend und nicht genau zu lokalisieren. In aller Regel werden sie bei Belastung sogar noch stärker. In Ruhe werden sie meistens etwas besser.
- Bewegungsbeeinträchtigungen
- Parästhesien (Kribbeln oder Taubheitsgefühl)
- Stechender oder brennender Schmerz im Schulterbereich
- Muskelschwäche, vor allem beim Heben oder Anheben des Arms
- Verändertes Empfinden wie Kälte-, Druck- oder Berührungsstörungen
- Ziehende Schmerzen im Arm in Ruhe können auf Nervenreizungen oder -kompressionen, Bandscheibenvorfälle, muskuläre Überlastung, Durchblutungsstörungen, Gelenkentzündungen oder Herz-Kreislauf-Probleme hinweisen.
- Stromschläge im Arm deuten auf eine Reizung der Nerven im Bereich der Nervenwurzel nahe der Bandscheibe hin.
Betroffene klagen oftmals nachts über Schmerzen im Bereich des Arms, da der ohnehin schon enge Raum im Bereich der Halswirbelsäule oder der Schulter noch kleiner wird, wenn man darauf liegt. Die meisten Menschen schlafen nachts seitlich mit angewinkeltem Arm, was die Engstellen zusätzlich verkleinert.
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Diagnose von Nervenschmerzen im Arm
Die Diagnose von Nervenschmerzen im Arm umfasst verschiedene Schritte:
- Anamnese und klinische Untersuchung: Der Arzt erfragt die Schmerzgeschichte, Begleitsymptome und mögliche Auslöser. Es folgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Patient im Schulterbereich untersucht wird und verschiedene Bewegungen des Arms durchführen muss. Die Übungen werden aktiv und passiv durchgeführt, und der Untersucher beurteilt, ob die Bewegung im Arm reiz- und blockadefrei durchgeführt werden kann oder ob es Widerstände gibt.
- Neurologische Untersuchung: Mit speziellen Funktionstests kann beurteilt werden, ob der betroffene Nerv sensible oder motorische Ausfälle zeigt. Auch Reflexveränderungen, Hautempfindlichkeit und Muskelkraft geben Hinweise auf die Ursache.
- Bildgebende Verfahren:
- Ultraschalluntersuchungen im Bereich der Schulter können zeigen, ob eine Engstelle in diesem Bereich vorhanden ist.
- Röntgenbilder der Schulter oder des Oberarmknochens in zwei Ebenen können anatomische knöcherne Engstellen darstellen.
- MRT-Aufnahmen des Arms und der Halswirbelsäule werden durchgeführt, um einen Bandscheibenvorfall als Ursache auszuschließen. Durch diese strahlungsfreie Schnittbilddiagnostik kann man nicht nur die Knochen, sondern auch die Bandscheiben und Nervenwurzeln sehen und beurteilen. Dies ist wichtig, um Engstellen und eine eventuell zu den Beschwerden führende Kompression herauszufinden.
- Spezialdiagnostik: Bei unklaren Fällen kann zusätzlich ein Nervenleitgeschwindigkeitstest (NLG) oder ein EMG (Elektromyografie) durchgeführt werden - etwa bei Verdacht auf chronische Nervenschädigungen oder Bandscheibenbeteiligung. Mittels Elektroneurografie kann der Arzt die Nervenleitgeschwindigkeit ermitteln und erkennt auf diese Weise Nervenschädigungen. Dafür klebt der Untersucher Elektroden an zwei Hautstellen des Patienten, die vom Medianusnerv versorgt werden. Nun stimuliert er den Nerv mit einem schwachen elektrischen Impuls. Bei einer Druckschädigung des Nerven zeigt sich eine verminderte Nervenleitungsgeschwindigkeit im Vergleich zur normalen Nervenfunktion.
Behandlung von Nervenschmerzen im Arm
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Nervenschmerzen im Arm zu behandeln:
Konservative Behandlung
Die konservative Behandlung steht im Fokus und umfasst:
- Schmerztherapie: Akut kann man bestimmte Massagetechniken anwenden, um die Muskeln im Bereich der Schulter und des Oberarms zu lockern. Hier können auch Öle oder schmerzlindernde Salben verwendet werden, wie zum Beispiel Franzbranntwein, Voltaren-Gel oder Doc-Salbe. Manchen Patienten helfen auch wärmende oder kühlende Auflagen, die man mit einer Wärmflasche oder einem in ein Handtuch gewickelten Eispack für 10 Minuten durchführen kann. Neben den gängigen normalen Entzündungshemmern gibt es auch spezielle Schmerzmittel, die vor allem bei Nervenschmerzen eingesetzt werden. Gabapentin ist eigentlich ein Medikament, was gegen Krampfleiden entwickelt wurde. Durch eine Enzymhemmung wird der hemmende Stoff GABA vermehrt gebildet, was dann zur Folge hat, dass Reize im Bereich von Nervenzellen nicht mehr so überschiessend gebildet und weitergeleitet werden. Pregabalin bindet im zentralen Nervensystem an sogenannte Calciumkanäle, was dazu führt, dass der Calciumeinstrom in die Zelle reduziert wird. Dies führt dann zu einer Reduktion von Nervenimpulsen. Oftmals sind neuropathische Schmerzen chronisch, d.h es wird eine lang anhaltende Behandlung notwendig sein. Neben den Medikamenten, die speziell gegen Nervenschmerzen zum Einsatz kommen, können diese auch immer mit gängigen schmerzlindernden Medikamente kombiniert werden. Zu nennen wären Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac für einen kurzen Zeitraum. Das etwas stärker wirkende Novaminsulfon, das verschreibungspflichtig ist kann auch unter einer Blutbildkontrolle über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden. Eine Schmerztherapie sollte immer multimodal sein. Die Spezialisten von Lumedis Frankfurt versuchen ohne Medikamente zu behandeln. Zielgerichtete Schmerztherapie, z. B. Infiltrationen, Wärme, Elektrotherapie.
- Physiotherapie und manuelle Mobilisation: Entlastung verspannter Muskelgruppen, Bewegungsaufbau. Durch eine leichte Massagetechnik im Bereich der Schulter und des Nackens kann man verhärtete Muskeln locker. Auch kann man hier Tigerbalm auf den verspannten Bereich auftragen. Ebenfalls um eventuell verursachende Muskelverhärtungen zu beheben kann man auch versuchen durch Wechselduschen eine Besserung der Beschwerden zu erreichen.
- Haltungs- und Bewegungsschulung: Korrektur von Fehlbelastungen, Stabilisation der Schulterregion.
- Neurodynamische Übungen (Nervengleitübungen): Gezielte Bewegung zur Förderung der Nervenmobilität.
- Alltagsanpassung und ergonomische Beratung: Arbeitsplatzoptimierung oder Sportmodifikation.
Hausmittel
Auch gibt es einige Hausmittel, die bei neuropathischen Schmerzen helfen können:
- Entspannungsverfahren und Stressabbau: Da Stress oft Nervenschmerzen verstärken kann, sind Entspannungstechniken wie Meditation, tiefe Atemübungen oder Yoga hilfreich.
- Magnesium und Vitamin B-Komplex: Magnesium kann zur Muskelentspannung beitragen und Krämpfe lindern, die oft mit Nervenschmerzen einhergehen. Der Vitamin-B-Komplex ist essenziell für eine gesunde Nervenfunktion und kann in Nahrungsmitteln wie Vollkornprodukten, Eiern und Fleisch gefunden werden.
- Retterspitz: Auch Retterspitzauflagen können helfen neuropathische Schmerzen zu lindern. Man sollte hierzu Kompressen oder Tücher nehmen und diese mit Retterspitz tränken. Nach Auflage wird man nach ca 10 Minuten merken, dass die Tücher trocken werden und der Retterspitz eingezogen ist.
- Massagen mit ätherischen Ölen: Eine sanfte Massage mit verdünntem ätherischem Pfefferminz- oder Lavendelöl kann entspannend und schmerzlindernd wirken. Die Öle wirken leicht kühlend und verbessern die Durchblutung. Eine Massage sollte jedoch vorsichtig erfolgen, um den schmerzenden Bereich nicht zusätzlich zu reizen.
Übungen gegen Nervenschmerzen im Arm
Ob Bewegung bei Nervenschmerzen helfen kann, hängt von der auslösenden Ursache ab. Bei einer akuten Nervenentzündung sollte man eher eine Schonung durchführen, da Bewegung unter Umständen sogar noch die Beschwerden verstärken könnte. Es gibt auch einige hilfreiche Übungen, die man durchführen kann, um Nervenschmerzen zu lindern. Vor allem muskellockernde Übungen können hierbei helfen.
- Dehnübungen:
- Dehnung der Beugemuskeln: Bei dieser Übung sollte man mit dem Bauch zum Tisch stehen. Stütze dich mit gestrecktem Arm und abgewinkelter Hand auf einem Tisch ab. Drehe die Hand in Richtung Kleinfingerseite, bis alle Finger zum Körper zeigen. Drücke die Handfläche auf die Tischplatte und verstärke vorsichtig die Dehnung, indem du die Streckung im Handgelenk erhöhst. Dabei entsteht ein Spannungsgefühl am inneren Unterarm. Halte die Dehnung mindestens 15 Sekunden und löse die Haltung dann langsam wieder auf. Wiederhole die Übung regelmäßig.
- Dehnung der Streckermuskeln: Winkele die Hand bei gestrecktem Arm zur Handfläche hin ab. Drehe die Hand soweit es geht in Richtung Kleinfingerseite, sodass die Finger vom Körper weg nach außen zeigen. Mit der anderen Hand kannst du nun die abgewinkelte noch etwas mehr in die Beugung drücken. Dabei sollte ein Spannungsgefühl in der Unterarmmuskulatur entstehen. Halte die Dehnung mindestens 15 Sekunden, wobei du den Druck bei Bedarf erhöhen kannst. Lasse dann langsam wieder los. Wiederhole die Übung regelmäßig.
- Kräftigungsübungen:
- Kräftigung der Handbeuger: Lege den Unterarm auf einen Tisch, wobei die Hand mit der Fläche nach oben über die Tischkante ragen soll. Lege nun einen Gegenstand hinein, der dir als Gewicht dienen kann (z.B. Hantel, Wasserflasche, Nudelholz, …). Hebe den Gegenstand langsam an, indem du das Handgelenk beugst, und lasse ihn dann so weit es geht nach unten sinken. Wiederhole die Übung 15-mal.
- Kräftigung der Handstrecker: Bringe deinen Unterarm in die gleiche Ausgangsposition wie bei Übung 3. Dieses Mal zeigt die Handfläche mit dem Gewicht jedoch nach unten, sodass nun die Handgelenksstreckung aktiv beübt werden kann. Ziehe die Hand kontrolliert nach oben und lasse sie dann wieder sinken, soweit es das Gelenk zulässt. Wiederhole die Übung 15-mal.
- Weitere Übungen:
- Eine Übung besteht darin, sich gerade hinzustellen. Die Beine sind gestreckt und stehen leicht auseinander. Nun wird die Handfläche der rechten Hand auf das rechte Schulterblatt gelegt. Mit der linken Hand wird der Ellenbogen des rechten Arms gegriffen und Richtung Wirbelsäule gezogen. Man wird hierbei eine Spannung im Bereich der Außenseite des Oberarms spüren. Diese Position sollte einige Sekunden gehalten und der Arm dann wieder gelockert werden. Nach 3-4 Wiederholungen sollte ein Seitenwechsel durchgeführt werden. Auch hier sind dann 3-4 Wiederholungen empfehlenswert.
- Eine weitere Übung wäre das moderate Armkreisen. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass man nicht in eine wild rudernde Bewegung verfällt. Die Arme sollten vielmehr leicht nach vorne gestreckt und gehalten werden. Dann werden d…
- Armkreisen im Stand: Verbessert die Beweglichkeit, fördert die Durchblutung unter dem Schulterdach und lockert verspannte Muskulatur.
- Wandengleiten mit dem Unterarm: Fördert die Gleitfähigkeit des Nervs, öffnet den Raum unter dem Schulterdach und verbessert die Schulterkoordination.
- Schulterpendel im Stand (nach Codman): Entlastet das Schultergelenk, reduziert Muskelspannung und fördert die Gelenkflüssigkeit - besonders hilfreich bei akuten Beschwerden.
Für alle Unterarm-Übungen gilt: Sollten die Übungen zusätzliche Schmerzen verursachen, breche die Durchführung bitte ab. Solltest du unsicher sein, besprich mit deinem Arzt, ob die Übungen für dich geeignet sind.
Operative Behandlung
Eine OP kommt nur infrage, wenn:
- der Nerv dauerhaft komprimiert ist,
- neurologische Ausfälle bestehen oder
- konservative Therapien nach 6-12 Wochen keine Wirkung zeigen.
Moderne minimalinvasive Verfahren - etwa bei einem Engpass-Syndrom im Schultergelenk - bieten heute gute Chancen, die Nervenstrukturen gezielt zu entlasten. Bei der endoskopischen Operation des Karpaltunnelsyndroms (Neurolyse) sind nur minimale Hautschnitte notwendig. Um den Nerv zu entlasten, führt der Operateur eine sogenannte Neurolyse durch. Dabei entfernt der Arzt einengende Gewebestrukturen wie übermäßig gewachsenes Bindegewebe. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter lokaler Betäubung ambulant. Er wird entweder als offene Operation oder endoskopisch (minimalinvasiv) durchgeführt. Die Orthopäden bevorzugen die endoskopische Operation, da sie für die Patienten schonender und mit einer sehr kleinen Narbe verbunden ist. Die offene Operationsmethode benötigt einen größeren Schnitt, der meist 2 bis 6 cm lang ist. Sie bietet Vorteile, wenn umfassendere Erkrankungen der Sehnenscheiden oder anderer Weichteile vorliegen. Vergleichende Studien zwischen operativen und konservativen Therapien beim Karpaltunnelsyndrom zeigen die Überlegenheit der Karpaltunneloperation (Neurolyse): Die Patienten werden durch Medianus-Neurolyse zu 99 % zuverlässig und dauerhaft von ihren Schmerzen befreit. Bei konservativer Behandlung ist die Erfolgsrate geringer und der Heilungsverlauf deutlich langwieriger. Bei vielen Patienten wird nach mehrmonatigen, konservativen Behandlungen mit unklaren Ergebnissen und leichter Symptomlinderung die Neurolyse später noch nachgeholt. Nach einer operativen Behandlung des Karpaltunnelsyndroms ist die operierte Hand nach etwa 3 Wochen wieder eingeschränkt belastbar. Nach 6 Wochen kann der Patient auch körperlich anspruchsvolle Arbeiten wieder verrichten. Ab dann ist die Hand wieder uneingeschränkt belastbar.
Alltagstipps und Ergonomie
Ein eingeklemmter Nerv in der Schulter kann durch Alltagsgewohnheiten verstärkt oder dauerhaft aufrechterhalten werden. Mit gezielten Anpassungen im Alltag lassen sich viele Beschwerden deutlich reduzieren - und Rückfälle vermeiden.
Hier sind wirksame Maßnahmen zur Schulterentlastung im täglichen Leben:
- Arbeitsplatz anpassen: Achten Sie auf eine ergonomische Sitzposition: Bildschirm auf Augenhöhe, Unterarme im 90-Grad-Winkel aufstützen, Rücken anlehnen. Vermeiden Sie ständiges Vorlehnen oder einseitiges Hochziehen der Schultern.
- Schultergurt vermeiden: Taschen oder Rucksäcke mit nur einem Gurt können Druck auf die Nervenbahnen ausüben. Tragen Sie Lasten immer möglichst beidseitig - oder wechseln Sie regelmäßig die Seite.
- Kein ständiges Smartphone-Klemmen: Das Einklemmen des Telefons zwischen Ohr und Schulter führt zu Muskelverspannungen im Nacken-Schulter-Bereich. Nutzen Sie lieber Headsets oder Lautsprecherfunktionen.
- Schulterschonende Schlafposition: Seitenschläfer sollten auf ein ausreichend hohes Kissen achten, um die Halswirbelsäule in neutraler Position zu halten. Rückenlage ist oft die schonendste Variante.
- Reizfreie Belastung statt Schonhaltung: Vermeiden Sie absolute Ruhe - sie führt oft zu noch mehr Verspannung. Stattdessen: leichte Mobilisation, Wärme und Pausen in belastenden Tätigkeiten wie Gartenarbeit oder Heimwerken.
Wann zum Arzt?
Nicht jeder ziehende Schmerz im Schulter- oder Nackenbereich ist gleich ein medizinischer Notfall - dennoch gibt es klare Warnsignale, bei denen eine ärztliche Abklärung dringend angeraten ist:
- Taubheitsgefühle oder Kribbeln, die länger als 48 Stunden anhalten
- Zunehmende Muskelschwäche, z. B. beim Anheben des Arms
- Nächtliche Schmerzen, die die Schlafqualität deutlich beeinträchtigen
- Fehlstellungen oder Bewegungseinschränkungen, die sich trotz Entlastung nicht bessern
- Schmerzen nach einem Unfall
Je früher strukturelle Probleme erkannt werden, desto besser lassen sie sich behandeln - oft sogar ohne Operation.
Prävention des Schulter-Arm-Syndroms
Um das Schulter-Arm-Syndrom zu vermeiden oder einem Rückfall vorzubeugen, kannst Du verschiedene Präventionsmaßnahmen ergreifen. Besonders wichtig sind regelmäßige Bewegung und die Vermeidung von Fehlhaltungen.
- Ergonomie am Arbeitsplatz: Achte auf eine ergonomische Sitzposition, wenn Du am Computer arbeitest.
- Bewegungspausen: Steh regelmäßig auf und bewege Dich, besonders wenn Du viel sitzt.
- Richtige Körperhaltung: Achte auf eine aufrechte Körperhaltung sowohl im Sitzen als auch im Stehen.