Die Legalisierung von Cannabis markiert einen Wendepunkt in der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Was lange als Randphänomen galt, ist heute Teil des öffentlichen Lebens. Doch während die Freigabe für Erwachsene unter bestimmten Bedingungen erfolgt, rücken die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Risiken für Jugendliche stärker in den Fokus. Da sich das Gehirn von Jugendlichen noch in der Entwicklung befindet, kann selbst ein geringer Cannabiskonsum negative Auswirkungen haben.
Die Anfälligkeit des jugendlichen Gehirns
Bis das Gehirn vollständig ausgereift ist, kann es bis zu 23 Jahre dauern. In dieser Zeit finden umfangreiche Umbauprozesse statt, die durch Cannabiskonsum gravierend beeinflusst werden können. Studien legen nahe, dass sich Cannabiskonsum ungünstig auf die Reifung der Nerven und Nervenverbindungen auswirkt.
Strukturelle Veränderungen und kognitive Beeinträchtigungen
Schon ein geringer Cannabiskonsum bei 14-Jährigen kann Folgen für das jugendliche Gehirn haben. Forscher der Universität Vermont kamen zu dem Schluss, dass bereits ein- bis zweimaliger Konsum zu einer Zunahme des Volumens der grauen Substanz in einigen Hirnarealen führt. Diese Veränderungen können sich in Kognitions- und Verhaltenstests als erhöhtes Risikoverhalten, stärkere Ängste, psychomotorische Verlangsamung sowie Defizite beim logischen Denken äußern.
Heranwachsende, die früh und intensiv Cannabis konsumieren, riskieren längerfristig eine Verringerung ihres Intelligenzquotienten. Auch die Gedächtnisleistung in Bezug auf Sprache kann sich verschlechtern. Das Gehirn erholt sich zum Teil nicht mehr vollständig, selbst wenn der Jugendliche kein Cannabis mehr konsumiert.
Risiko für psychische Erkrankungen
Jugendliche, die Cannabis häufig nutzen, erhöhen ihre Chancen, bipolare Störungen zu entwickeln, um das Dreifache im Vergleich zu Nichtnutzern. Darüber hinaus sind Wahnvorstellungen, Halluzinationen oder Wahrnehmungsstörungen mögliche Folgen des Cannabiskonsums. Besonders riskant sind synthetische Cannabinoide, die ein hohes Suchtpotenzial, unberechenbare Effekte und eine mehr als 100-fach höhere Wirksamkeit haben. Vergiftungen mit synthetischem Cannabis können zu erhöhtem Puls, Unruhe, Übelkeit oder Erbrechen und einem erhöhten Risiko für Psychosen führen. Es gab auch Berichte über Todesfälle in Zusammenhang mit der Einnahme von synthetischem Cannabis.
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Studienergebnisse im Detail
Eine Metaanalyse von Scott et al. untersuchte den Zusammenhang zwischen kognitiver Leistungsfähigkeit und exzessivem Cannabiskonsum. Die Auswertung von 69 Studien mit insgesamt 8727 Teilnehmern ergab signifikante Defizite durch Cannabiskonsum in den Bereichen Lernen, Aufmerksamkeit, Erinnerungsvermögen und exekutive Funktionen. Interessanterweise war das Defizit nach einer Abstinenz von mehr als 72 Stunden deutlich geringer und nicht mehr signifikant.
Die Rolle der Abstinenz
Die geistige Leistungsfähigkeit erholt sich, wenn der Cannabiskonsum dauerhaft eingestellt wird. So konnte nachgewiesen werden, dass das Volumen des Hippocampus bei längerer Abstinenz von Cannabis wieder zunimmt. Auch scheinen sich das Gedächtnis ebenso wie die Intelligenz zu erholen. Entscheidend ist, dass die Abstinenz von Dauer ist.
Konsumformen und ihre Risiken
Am häufigsten wird Cannabis in Europa zusammen mit Tabak geraucht, was oft zu einer Co-Abhängigkeit von Tabak führt. Darüber hinaus kann Cannabis auch mithilfe von Sishas, E-Sishas und Vaporizern inhaliert werden. Ist Cannabis Keksen oder Süßigkeiten beigemengt, dauert es länger, bis die Rauschwirkung einsetzt, was Überdosierungen mit der Gefahr von Psychosen begünstigt.
Alternativen und Risikominderung
Es gibt verschiedene Wege, Cannabis zu konsumieren: inhalieren, essen oder äußerlich anwenden. Die Inhalation ist der schnellste Weg, Cannabis zu spüren. Am häufigsten rauchen Nutzer Cannabis als Joint - eine Mischung aus Tabak und Marihuana oder Haschisch. Auch Pfeifen und Bongs kommen zum Einsatz. Als eine etwas schonendere Alternative gilt das Verdampfen mit Vaporizern, bei dem Cannabis nur erhitzt, nicht verbrannt wird. Wer Cannabis isst oder trinkt, erlebt eine andere Dynamik: Die Wirkung setzt langsamer ein - oft erst nach 30 bis 90 Minuten -, ist dafür aber intensiver und hält deutlich länger an.
Anzeichen für Cannabiskonsum bei Jugendlichen
Eltern sollten mit Teenagern frühzeitig über die gesundheitlichen Probleme sprechen, die Cannabis auslösen kann. Anzeichen für Cannabiskonsum können sein, wenn sich Jugendliche grundlos sehr albern und untypisch verhalten, ungewöhnlich schnell gereizt reagieren, anscheinend ohne Grund das Interesse an Dingen verlieren, die sie sonst interessiert haben, Zeit mit Gleichaltrigen verbringen, die Cannabis nutzen, Schwierigkeiten haben, sich an Dinge zu erinnern, die gerade passiert sind, Pfeifen, Feuerzeuge, Vape Pens oder Zigarettenpapier bei sich tragen, rote Augen haben oder Heißhunger außerhalb der üblichen Essenszeiten entwickeln.
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Was tun bei Verdacht?
Haben Erziehungsberechtigte einen Verdacht, sollten sie sich mit dem Jugendarzt beraten. Es ist wichtig, frühzeitig aufzuklären und gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Rechtliche Aspekte und Prävention
Seit dem 1. April 2024 ist der Konsum von Cannabis in Deutschland unter bestimmten Bedingungen für Erwachsene erlaubt. Das neue Cannabisgesetz (CanG) erlaubt Erwachsenen ab 18 Jahren den Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis zum Eigenkonsum in der Öffentlichkeit und den Anbau von bis zu drei Cannabispflanzen zu Hause.
Schutz von Kindern und Jugendlichen
Gemäß dem Cannabisgesetz (CanG) ist der öffentliche Konsum von Cannabis in Deutschland an bestimmten Orten verboten, um den Kinder- und Jugendschutz zu gewährleisten. Dazu gehören Schulen, Kinderspielplätze, Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie öffentlich zugängliche Sportstätten und deren Sichtweite. Auch in Fußgängerzonen ist der Konsum zwischen 7 und 20 Uhr untersagt.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) betreibt zur Cannabisprävention das Internetangebot www.drugcom.de, das eines der reichweitenstärksten Präventionsportale der BZgA ist. Ergänzend bietet die BZgA einen Leitfaden zur Cannabisprävention für Schulen an und stellt pädagogischen Fachkräften methodisch-didaktisch aufbereitete Informationen zur Cannabisprävention zur Verfügung.
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