Ein Gerstenkorn (Hordeolum) ist eine häufige und in der Regel harmlose Augenlidentzündung, die durch Bakterien verursacht wird. Dabei entzündet sich eine der winzigen Schweiß- oder Talgdrüsen am Augenlid, was zu einer schmerzhaften Schwellung führt. Je nachdem, welche Drüse betroffen ist, kann sich das Gerstenkorn am Lidrand oder auf der Innenseite des Augenlids bilden. Es ist wichtig, ein Gerstenkorn von einem Hagelkorn (Chalazion) zu unterscheiden, welches sich langsamer entwickelt und meist nicht schmerzhaft ist.
Was ist ein Gerstenkorn?
Ein Gerstenkorn, medizinisch als Hordeolum bezeichnet, ist eine akute bakterielle Infektion der Drüsen im Augenlid. Diese Drüsen, die Talg für den Tränenfilm produzieren, können sich entzünden und zu einer schmerzhaften Schwellung am Lidrand oder der Innenseite des Augenlids führen. Ein Gerstenkorn entsteht recht schnell, meist innerhalb weniger Tage.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Hauptursache für ein Gerstenkorn ist eine bakterielle Infektion, meist durch Staphylokokken. Diese Bakterien sind häufig auf der Haut zu finden und können durch verschiedene Faktoren in die Drüsen des Augenlids gelangen:
- Mangelnde Hygiene: Das Reiben der Augen mit ungewaschenen Händen kann Bakterien ins Auge bringen.
- Kontaktlinsen: Unzureichende Hygiene beim Einsetzen und Herausnehmen von Kontaktlinsen kann das Risiko erhöhen. Kontaktlinsenträger können beim Einsetzen der Linsen Bakterien ins Auge bringen, wenn sie die notwendige Hygiene und die Reinigung der Linsen nicht sorgfältig genug beachten.
- Verstopfte Drüsen: Make-up kann die Drüsen am Augenlid regelrecht verkleben, was die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung eines Gerstenkorns erhöht. Talg oder Schweiß können dann nicht abfließen, sodass sich Bakterien leichter festsetzen können. Deshalb ist Abschminken so wichtig.
- Geschwächtes Immunsystem: Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder andere Faktoren, die das Immunsystem beeinträchtigen, können die Anfälligkeit für Gerstenkörner erhöhen. Das gilt auch für andere Situationen oder Verhaltensweisen, die das Immunsystem beeinträchtigen können, zum Beispiel Stress, Hormonschwankungen, Schlafmangel oder eine ungesunde Ernährung.
- Hauterkrankungen: Hauterkrankungen wie Rosazea können ebenfalls das Risiko erhöhen.
- Lidrandentzündung: Eine bestehende Lidrandentzündung (Blepharitis) kann die Entstehung eines Gerstenkorns begünstigen.
Symptome eines Gerstenkorns
Ein Gerstenkorn entwickelt sich typischerweise in mehreren Stufen:
- Rötung und Schwellung: Es beginnt in der Regel mit einem geröteten Augenlid, das typischerweise anschwillt. Das passiert meistens im Bereich der Wimpern.
- Schmerzen: Das Augenlid ist druckempfindlich und schmerzhaft. Menschen mit einem Gerstenkorn klagen über Schmerzen und Druckempfindlichkeit im entzündeten Bereich.
- Eiterpunkt: Punktuell wird die Schwellung größer, bis im Zentrum Eiter als gelber Punkt erkennbar ist. Im Verlauf kann sich am Augenlid ein gelbliches Bläschen bilden.
- Weitere Symptome: Hinzu kommen oftmals Juckreiz, ein Spannungsgefühl durch die Schwellung sowie Schmerzen am Augenlid. Zusätzlich kann das Gerstenkorn die Bindehaut reizen. Durch die Eiteransammlung lässt es sich normalerweise gut von anderen Augenerkrankungen wie einer Bindehautentzündung unterscheiden.
Es gibt zwei Arten von Gerstenkörnern:
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- Äußeres Gerstenkorn (Hordeolum externum): Hierbei sind die Drüsen am Lidrand betroffen, wodurch sich der Abszess äußerlich am Augenlid bemerkbar macht. Oft ist ein Eiterpunkt sichtbar.
- Inneres Gerstenkorn (Hordeolum internum): Diese Form betrifft die tiefer gelegenen Meibom-Drüsen im Lidinneren. Es ist oft nicht sichtbar, führt aber zu einer starken Rötung und Schwellung des Augenlids.
Diagnose
Ein Gerstenkorn kann in der Regel leicht anhand seiner Symptome erkannt werden. Ein äußeres Gerstenkorn am Auge kann der Arzt bereits per Blickdiagnose erkennen: Es präsentiert sich als deutlich sichtbare Schwellung und rötlicher, mit Eiter gefüllter Knoten (ähnlich einem Pickel) im Bereich der Wimpern.
Ein inneres Gerstenkorn ist dagegen oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen, weil hierbei Drüsen am Innenrand des Auges entzündet sind. Der Arzt wird in diesem Fall das Augenlid vorsichtig umklappen, um die Innenseite des Lids zu untersuchen.
Ein Augenarzt kann das Auge genauer untersuchen, um andere Ursachen auszuschließen. Bei einem Gerstenkorn im Auge führt der Arzt eine sogenannte Spaltlampenuntersuchung durch: Mithilfe eines Mikroskops und einer speziellen Lampe (Spaltlampe) kann der Mediziner das Auge vergrößert betrachten. Er begutachtet dabei besonders folgende Strukturen:
- Augenlider
- Lidkanten
- Bindehaut
- Tränenfilm
- Tränenmeniskus
Dabei muss der Arzt andere Ursachen ausschließen, die für die Entzündung am Auge verantwortlich sein könnten. Ein Gerstenkorn ist zum Beispiel einem Hagelkorn (Chalazion) sehr ähnlich und leicht mit diesem zu verwechseln. Es handelt sich dabei aber um eine chronische Entzündung der Meibom-Drüse, die nicht eitrig ist und nicht schmerzt. Ursache hierfür ist meist ein verstopfter Drüsen-Ausführungsgang.
Behandlung
In den meisten Fällen heilt ein Gerstenkorn nach einigen Tagen von selbst wieder ab. Die Schwellung öffnet sich und der Eiter tritt aus. Ist das nach maximal zwei Wochen nicht geschehen, sollten Sie unbedingt einen Augenarzt aufsuchen, damit es nicht zu Komplikationen kommt und die Entzündung beispielsweise auf die Bindehaut übergreift.
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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Heilung zu unterstützen:
- Trockene Wärme: Trockene Wärme - durch den Einsatz einer Rotlichtlampe. Die Wärme kann bewirken, dass sich das Gerstenkorn schneller öffnet und Eiter abließen kann. Bestrahlen Sie das geschlossene Auge für maximal fünf Minuten und halten sie etwa 50 cm Abstand zur Lampe ein. Länger als fünf Minuten sollte man allerdings nicht mit geschlossenen Augen vor der Rotlichtlampe sitzen. Wichtig für diese Behandlung ist auch, einen Abstand von etwa 50 Zentimetern zum Gerät einzuhalten.
- Lidrandmassage: Hilfreich kann auch eine Massage des Lidrandes sein, durch die sich die verstopften Drüsen öffnen sollen und Eiter und Sekret ablaufen können. Dafür gibt es in der Apotheke auch spezielle Reinigungstücher oder Flüssigkeiten, die auf eine Kompresse aufgetragen werden. Wichtig für diese Behandlung ist es, sich vor und nach der Lidrandmassage gründlich die Hände zu waschen.
- Antiseptische oder antibiotische Salben und Augentropfen: Diese können die Heilung beschleunigen und verhindern, dass sich die Entzündung auf das andere Augenlid und die Haut ausbreitet. Antibiotikahaltige Salben müssen verschrieben werden.
- Chirurgische Öffnung: Wenn sich das Gerstenkorn nicht entleert, kann ein kleiner Eingriff notwendig sein, bei dem der Arzt die Schwellung chirurgisch öffnet. Wenn sich ein Gerstenkorn nicht innerhalb von zwei Wochen von allein entleert, kann ein kleiner Eingriff (ambulant) in der Augenarztpraxis durchgeführt werden. Auf keinen Fall sollten Betroffene versuchen, ein Gerstenkorn selbst zu öffnen - weder durch Druck (ausdrücken) noch mit einem spitzen Gegenstand (aufschneiden).
- Kontaktlinsen: Wer Kontaktlinsen trägt, sollte bei einem Gerstenkorn auf das Tragen der Linsen verzichten und eine Brille tragen, solange die Entzündung anhält.
Es ist wichtig, das Gerstenkorn nicht selbst auszudrücken, da dies die Infektion verschlimmern und zu Komplikationen führen kann.
Vorbeugung
Einem Gerstenkorn können Sie in einem gewissen Rahmen vorbeugen:
- Hygiene: Da Bakterien meistens über die Hände in die Augen gelangen, sollten Sie die Hände regelmäßig waschen und sich möglichst nicht an den Augen reiben. Regelmäßige Hand- und Lidrandhygiene: Waschen Sie sich regelmäßig die Hände und vermeiden Sie übermäßiges Augenreiben.
- Kontaktlinsenpflege: Als Kontaktlinsen-Träger müssen Sie sich besonders gründlich die Hände waschen, bevor Sie sich beim Einsetzen und Herausnehmen der Sehhilfe ins Auge fassen. Achten Sie auch darauf, dass Sie Ihre Kontaktlinsen immer sachgemäß aufbewahren und gründlich reinigen. Das beugt Infektionen am Auge wie einem Gerstenkorn vor.
- Make-up: Make Up kann die Drüsen am Augenlid regelrecht verkleben, was die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung eines Gerstenkorns erhöht.
- Immunsystem stärken: Es lässt sich nicht immer ganz verhindern, dass Bakterien die Drüsen der Augenlider erreichen. Das heißt allerdings nicht automatisch, dass sich ein Gerstenkorn entwickelt. Der Körper kann die Erreger bekämpfen, bevor es zu einer Entzündung kommt. Zur Vorbeugung gehört es daher, das Immunsystem zu stärken, unter anderem durch eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und Entspannung.
Ansteckungsgefahr
Die Bakterien, die das Gerstenkorn verursacht haben, können über die Hände zu anderen Menschen gelangen - ein Gerstenkorn ist also ansteckend. Achten Sie daher darauf, beispielsweise Handtücher nicht gemeinsam mit anderen zu benutzen. Zudem sollten Sie, wenn Sie sich an das erkrankte Auge gefasst haben, anschließend direkt die Hände mit Seife waschen.
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