Riechstörungen als Frühwarnzeichen von Parkinson: Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die sich oft schleichend entwickelt und vielfältige Symptome aufweisen kann. Ein häufiges, aber oft übersehenes Frühsymptom ist die Störung des Geruchssinns, auch Anosmie genannt. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Riechstörungen im Zusammenhang mit Parkinson, die Bedeutung der Früherkennung und die verschiedenen diagnostischen und therapeutischen Ansätze.

Einführung

Die Fähigkeit zu riechen ist komplex und wichtig für unser Wohlbefinden. Sie dient als Warnsystem, beeinflusst die interpersonelle Kommunikation und trägt wesentlich zum Geschmackserlebnis beim Essen bei. Riechstörungen können daher die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Besonders im Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer kommt dem Geruchssinn eine besondere Bedeutung als mögliches Frühwarnzeichen zu.

Ursachen von Riechstörungen

Riechstörungen können vielfältige Ursachen haben. Man unterscheidet zwischen sinunasalen und nicht-sinunasalen Ursachen:

  • Sinunasale Ursachen: Diese Ursachen liegen im Bereich der Nase und der Nasennebenhöhlen. Dazu gehören:
    • Schiefe Nasenscheidewände
    • Nasenpolypen (Geschwulste der Schleimhaut)
    • Geschwollene Nasenschleimhäute (z.B. bei Erkältungen, Allergien oder chronischer Nasennebenhöhlenentzündung)
    • Toxische Reizungen
  • Nicht-sinunasale Ursachen: Diese Ursachen liegen außerhalb der Nase und der Nasennebenhöhlen. Dazu gehören:
    • Traumata (z.B. nach Unfällen)
    • Virale Infekte der oberen Atemwege
    • Medikamente (z.B. Antibiotika)
    • Hirnhautentzündung
    • Kopfverletzungen
    • Tumore
    • Neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer

Riechstörungen als Frühsymptom von Parkinson

Bei Morbus Parkinson können Riechstörungen als eines der ersten Symptome der degenerativen Hirnkrankheit auftreten, oft Jahre oder sogar Jahrzehnte vor den typischen motorischen Symptomen wie Zittern und Bewegungsverlangsamung. Studien zeigen, dass etwa 90 % der Parkinson-Erkrankten bereits im Frühstadium Geruchsstörungen aufweisen. Betroffene können bestimmte Gerüche nicht mehr erkennen oder haben Schwierigkeiten, Gerüche zu unterscheiden. So kann es beispielsweise vorkommen, dass Parkinson-Patienten im Frühstadium den Duft von Oregano und Vanille nicht mehr richtig wahrnehmen.

Untersuchungen legen nahe, dass die Erkrankung Parkinson am Riechkolben beginnen und sich dann in andere Hirnregionen ausbreiten kann. Auch die Darmschleimhaut wird inzwischen als mögliche Eintrittspforte für den Krankheitsbeginn von Parkinson diskutiert.

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Weitere Frühsymptome von Parkinson

Neben Riechstörungen können im Frühstadium von Parkinson auch weitere Symptome auftreten, die jedoch oft nicht mit der Erkrankung in Verbindung gebracht werden:

  • Schulter-Arm-Schmerzen
  • Störungen der Verdauung (z.B. Verstopfung)
  • Schlafstörungen mit starken Bewegungen der Extremitäten in Kombination mit aggressiven Träumen
  • Depressionen (Gefühle von Traurigkeit und Niedergeschlagenheit, Antriebsmangel sowie Schlaf- und Konzentrationsstörungen)
  • Ruhetremor (Zittern, das vor allem in Ruhe auftritt)
  • Mikrographie (kleiner werdende Handschrift)
  • Bewegungs- und Gangschwierigkeiten (Steifheit, eingeschränkte Bewegungsfähigkeit)
  • Weiche oder heisere Stimme
  • Gesichtsmaskierung (ernster, steifer oder ausdrucksloser Gesichtsausdruck)
  • Schwindel oder Ohnmacht beim Aufstehen
  • Veränderte Körperhaltung (Bücken oder Beugen beim Stehen)

Diagnose von Riechstörungen

Bei Verdacht auf eine Riechstörung sollte ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) aufgesucht werden. Dieser wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben, um mögliche Ursachen wie vorangegangene Traumata, Operationen, Infektionen oder Entzündungen zu identifizieren. Anschließend erfolgt eine Untersuchung der Nase mit einem Nasenendoskop, um beispielsweise Polypen oder andere Auffälligkeiten in der Riechrinne zu erkennen.

Ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik ist der Geruchstest. Dabei werden dem Patienten verschiedene Düfte unter die Nase gehalten, um festzustellen, ob er diese erkennen kann. Häufig werden Düfte wie Kaffee, Zitrone, Rose oder Eukalyptus verwendet. Ein standardisierter Geruchstest ist der UPSIT („University of Pennsylvania Smell Identification Test“), bei dem die Teilnehmer zwölf unterschiedliche Gerüche erkennen müssen.

Bedeutung der Früherkennung

Die Früherkennung von Parkinson ist von entscheidender Bedeutung, da eine frühzeitige Diagnose und Behandlung die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern und den Verlauf der Krankheit verlangsamen können. Obwohl es derzeit keine Heilung für Parkinson gibt, stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die dazu beitragen können, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu steigern.

Da Riechstörungen häufig ein erstes Warnzeichen von Parkinson sind, sollten Menschen mit einem nachlassenden Geruchssinn diese Auffälligkeit ernst nehmen und einen Arzt aufsuchen. Dies gilt insbesondere, wenn weitere Frühsymptome von Parkinson vorliegen.

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Behandlung von Riechstörungen

Die Behandlung von Riechstörungen richtet sich nach der Ursache.

  • Sinunasale Ursachen: Wenn Polypen, eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung oder eine verbogene Nasenscheidewand die Ursache für die Anosmie sind, kann eine Operation helfen. Dabei können Polypen entfernt, die engen Gänge der Nasennebenhöhlen erweitert oder die Nasenscheidewand begradigt werden. Bei einer Verkleinerung der Nasenmuscheln können Operationstechniken mit Laser oder Radiofrequenz eingesetzt werden.
  • Nicht-sinunasale Ursachen: Bei Riechstörungen, die durch virale Infekte oder Medikamente verursacht werden, ist es wichtig, die Grunderkrankung zu behandeln oder das Medikament abzusetzen (in Absprache mit dem Arzt).

Unabhängig von der Ursache kann ein Riechtraining helfen, den Geruchssinn zu verbessern. Dabei müssen die Patienten täglich früh und abends an vier verschiedenen Düften riechen, z.B. Zitrone, Eukalyptus, Nelke und Rose. Dieses Training sollte über einen Zeitraum von mindestens vier bis sechs Monaten durchgeführt werden.

Aktuelle Forschung und Studien

Die Forschung zum Thema Riechstörungen und Parkinson ist weiterhin aktiv. Tübinger Hirnforscher führen beispielsweise gemeinsam mit der „Michael J. Fox Foundation“ eine klinische Studie im Rahmen der „Initiative zu Progressionsmarkern der Parkinsonkrankheit“ (PPMI) durch. Ziel dieser Studie ist es, zuverlässige Biomarker für Parkinson zu identifizieren, um eine schnelle und verlässliche Testung auf die Erkrankung zu ermöglichen.

Ein weiterer vielversprechender Ansatz ist die Identifizierung von flüchtigen Biomarkern im Talg von Parkinson-Patienten. Eine britische Arbeitsgruppe konnte zeigen, dass bestimmte Substanzen wie Eicosan, Hippursäure und Octadecanal im Talg von Parkinson-Patienten vermehrt vorkommen. Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, einen einfachen Frühtest für Parkinson zu entwickeln.

Tipps für den Alltag mit Riechstörungen

  • Sicherheit: Da der Geruchssinn eine wichtige Warnfunktion hat, sollten Menschen mit Riechstörungen besonders aufmerksam sein, um Gefahren wie verdorbene Lebensmittel oder Gasaustritt zu erkennen.
  • Ernährung: Bei eingeschränktem Geruchs- und Geschmackssinn können schonende Methoden der Essenszubereitung und frische, duftende Zutaten das Geschmackserlebnis positiv beeinflussen.
  • Riechtraining: Regelmäßiges Riechtraining kann helfen, den Geruchssinn zu verbessern.
  • Ärztliche Beratung: Bei Verdacht auf eine Riechstörung sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

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