Sulcus-ulnaris-Syndrom: Ursachen, Diagnose und Behandlung der Ellennervschädigung

Das Sulcus-ulnaris-Syndrom, auch bekannt als Kubitaltunnelsyndrom oder Ulnarisrinnensyndrom, ist das zweithäufigste Nervenkompressionssyndrom der oberen Extremität nach dem Karpaltunnelsyndrom. Es betrifft den Nervus ulnaris, der an der Innenseite des Ellenbogens verläuft. Eine Einengung oder Schädigung dieses Nervs in der Region des Sulcus ulnaris kann zu einer Reihe von Symptomen führen, die von Gefühlsstörungen bis hin zu Muskelschwäche reichen können.

Anatomie und Pathophysiologie

Der Nervus ulnaris zieht gemeinsam mit der A.ulnaris durch die Loge de Guyon am Handgelenk. Diese liegt auf dem Retinaculum flexorum und erstreckt sich vom Os pisiforme bis zum Hamulus ossis hamati.

Der Nervus ulnaris verläuft im Bereich des Ellenbogens durch eine knöcherne Rinne (lat. sulcus), welche Kubitaltunnel genannt wird. Diese soll den Nerv vor Druckschädigung bei Bewegung im Ellenbogengelenk schützen. Im Bereich des Ellenbogens verläuft der Ellennerv (Nervus ulnaris) 3cm bis 4cm lang durch eine knöcherne Rinne, die durch ein kräftiges Band zu einem Kanal vervollständigt wird. In manchen Fällen kann ein zusätzlicher Muskel über dem „Sulcus ulnaris“ auf den Nerven drücken.

Diese Rinne, der Sulcus ulnaris, ist eine knöcherne Struktur an der Innenseite des Ellenbogens, in der der Nervus ulnaris sehr oberflächlich unter einem zarten Bindegewebsband verläuft. Er ist nur durch Haut und wenig Bindegewebe geschützt. Seine exponierte Lage führt dazu, dass der Nerv dort besonders anfällig für Druckeinwirkungen ist, etwa beim Anstoßen oder Aufstützen. Verengungen dieser Rinne oder entzündliche Prozesse können dazu führen, dass der Nerv dauerhaft irritiert wird - mit entsprechend schmerzhaften und funktionellen Folgen.

Der Nervus ulnaris versorgt sensibel die Innenseite des Ringfingers und den gesamten Kleinfinger sowie die Haut über dem Kleinfingerballen und der korrespondierenden Region des ellenseitigen Handrückens. Motorisch versorgt der Nervus ulnaris wichtige kleine Handmuskeln wie z.B. die Muskeln zwischen den Mittelhandknochen, die für das Spreizen der Finger verantwortlich sind.

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Eine Einengung an seiner sensiblen Engstelle im Sulcus ulnaris kann daher sowohl das Tastempfinden als auch die Motorik erheblich beeinträchtigen.

Das Kubitaltunnelsyndrom entsteht durch eine Einengung des Nervus ulnaris im Bereich des Ellenbogens, genauer gesagt im sogenannten Sulcus ulnaris, einer knöchernen Rinne, die sich auf der Innenseite des Ellenbogens befindet. Dort verläuft der Nervus ulnaris sehr oberflächlich unter einem Bindegewebsband, das den Nerven vor dem „Herausrutschen“ aus diesem knöchernen Kanal schützt. Aufgrund dieser oberflächlichen Lage ist der Nerv anfällig gegenüber mechanischen äußeren Reizen.

Ursachen und Risikofaktoren

Das Sulcus ulnaris Syndroms hat vielfältige Ursachen. Meist ist es eine Kombination aus mechanischen Reizen und anatomischen Engstellen. Risikofaktoren sind etwa langanhaltendes Aufstützen des Ellenbogens - etwa am Schreibtisch oder beim Telefonieren -, das häufige Anstoßen des sogenannten „Musikantenknochens“, aber auch zurückliegende Verletzungen wie Frakturen oder Verrenkungen im Ellenbogengelenk. Zusätzlich können knöcherne Veränderungen durch Arthrose, Raumforderungen wie Zysten oder Tumoren sowie entzündliche Erkrankungen wie Rheuma die Ursache sein. Auch Diabetes mellitus erhöhen das Risiko an einem Sulcus ulnaris Syndrom zu erkranken.

Weitere Ursachen und Risikofaktoren sind:

  • Kompression / Schädigung des Nervus ulnaris im Sulcus ulnaris
  • Längeres Aufstützen des Ellenbogens
  • Direktes stumpfes Trauma
  • Ganglion
  • Ligamentäre Strukturen (Ligamentum collaterale ulnare, Struther'sches Ligment)
  • Kompression zwischen M. flexor carpi ulnaris und Ligament
  • Überlastung bzw. Verletzungen/Traumata
  • Bei manchen Personen kann der Kubitaltunnel von Geburt an enger ausgebildet sein.
  • Des Weiteren können Fehlbildungen an Knochenvorsprüngen ebenfalls Druck auf den Nervus ulnaris ausüben.

Betroffen sind oftmals Menschen, die ihre Ellenbogen regelmäßig stark und vor allem langanhaltend beugen, etwa beim Telefoniern, bei handwerklicher Tätigkeit oder bei sportlicher Belastung.

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Es werden zwei Formen unterschieden:

  • Primäres/idiopatisches Kubitaltunnelsyndrom: Aus unbekannten Gründen wird das bindegewebliche Dach des Kubitaltunnels straff und komprimiert den Nerven.
  • Sekundäres Kubitaltunnelsyndrom oder auch Spätparese des N. ulnaris (Bedingt durch Verletzungen/Veränderungen des Ellenbogengelenkes oder des Nerven).

Symptome

Die Beschwerden beim Kubitaltunnelsyndrom entwickeln sich in vielen Fällen schleichend. Sie treten häufig nachts, bei längerem Beugen des Arms und bei anhaltendem Aufstützen auf dem Ellenbogen auf.

Durch den Druck auf den Nerven kommt es zu Kribbeln und Gefühlsminderungen an der Außenseite des Ringfingers und des gesamten Kleinfingers. Damit sind oftmals Sensibilitätsstörungen (z. B. Taubheitsgefühl) vor allem am Unterarm und der Hand (kleiner Finger und Ringfinger) verbunden.

Durch die Nervenkompression bzw. Schädigung kommt es anfangs zu Gefühlsstörungen, wie Taubheitsgefühl, Kribbeln (Ameisenlaufen) und Schmerzen im Versorgungsbereich des Nervus ulnaris. Diese sind hauptsächlich am Unterarm (kleinfingerseitig) und an den Fingern (vor allem rund um den kleinen Finger und Ringfinger) lokalisiert. Infolgedessen kann es im späteren Verlauf zu Kraftlosigkeit/Muskelschwäche an der Hand kommen. Betroffene können dadurch selbst einfache Bewegungen am Handgelenk und den Fingern nicht mehr, oder nur sehr schwer ausüben.

Bei längerem und starkem Druck kann es unter anderem zu einer Lähmung der Beuger des 4. und 5. Fingers kommen.

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Ein Symptom des Spätstadiums ist die sog. Krallenhand. im Spätstadium: Muskelrückbildung (Atrophie) insbesondere des Muskels zwischen 1. und 2. ersichtlich anhand eines eingefallenen oder gar fehlenden Muskels (musculus interosseus 1) in diesem Bereich des Handrückens.

Typische Symptome des Kubitaltunnelsyndroms (KUTS) sind:

  • Kribbelparästhesien ("Ameisenlaufen")
  • Taubheitsgefühl und Schmerzen im Bereich des Klein- und Ringfingers
  • Kraftminderung in der Hand der betroffenen Seite - zunächst Ungeschicklichkeit/Kraftlosigkeit der Hand, so dass Dinge fallen gelassen werden oder einfache Handlungen, wie z. B. das Aufschließen der Tür nur noch schwer oder gar nicht mehr möglich sind.
  • Erst in einem späten Stadium vollständige Ausbildung der sogenannten „Krallenhand“
  • Atrophie des ersten Zwischenfingerraums (zwischen Daumen und Zeigefinger). Das "Verschwinden" des Muskelgewebes ist zum großen Teil durch absterben der Muskelfasern bedingt und auch nach einer erfolgten Dekompression meist nicht mehr rückläufig.
  • Parese der Fingerspreizung, Fingerstreckung im Mittelgelenk, Daumenadduktion, Fingerbeugung (Endglieder Dig. IV &V), ulnaren Handbeugung
  • Sensibilitätsstörung der ulnaren Handkante, Digiti V & ulnaren Hälfte Digiti IV (gel. bis Dig.
  • Krallenhand Hyperextension des Daumens im Grundgelenk (signe de Jeanne) Hyperextension der Finger IV & V bei gleichzeitig verstärkter Beugung um Mittelgelenk
  • Atrophie der Interdigitalmuskulatur (Spatium interosseum I, M.

Diagnose

Ulnar Nerv: Wie wird das Sulcus ulnaris Syndrom diagnostiziert? Die Diagnose stützt sich auf eine ausführliche Anamnese, klinische Untersuchungen und apparative Tests. Wichtig ist eine frühzeitige Diagnose.

Im Arztgespräch geben die typischen Beschwerden und deren Verlauf oft bereits erste Hinweise. Neben der allgemeinen Anamnese (systematische Befragung zum Gesundheitszustand) kann der Arzt die Ulnarisrinne des Patienten tastend untersuchen.

Bei der körperlichen Untersuchung wird der Ellenbogen bzw. der Nervus ulnaris im Sulcus ulnaris gezielt abgeklopft (Hoffmann-Tinel-Zeichen), um ein Kribbeln oder eine Nervenirritation in Form von lokalem und in die Fingerstrahle 4 und 5 fortgeleitetem Elektrisieren auszulösen. Dabei können evtl. Froment-Zeichen: Aufgrund der herabgesetzten Muskelaktivität bzw.

Danach folgt meist eine elektrophysiologische Untersuchung mittels EMG (Elektromyografie, diese erfasst die Muskelaktivität) und NLG (Messung der Nervenleitgeschwindigkeit). Zur Sicherung der Diagnose und Feststellung einer Nervenschädigung führt man eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG) ggf. auch Ultraschalluntersuchung des Nervens durch. Liegt sie unter dem Normwert, bestätigt das den Verdacht auf eine Nerveneinengung.

Neurosonografie Aufschluss darüber geben, wie stark der Nerv eingeengt ist und wo sich die Engstelle genau befindet. Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie z. B. MRT oder ein Ultraschall helfen, morphologische Veränderungen des Gewebes zu erkennen. Nur in manchen Fällen sind weitere bildgebende Verfahren wie eine MRT notwendig.

Eine Röntgenuntersuchung des betroffenen Ellenbogengelenkes ist hingegen unabdingbar und erste diagnostische Handlung um knöcherne angeborene Veränderungen, Achsfehlstellungen und sekundäre knöcherne Veränderungen etwa nach Knochenbrüchen oder knöchernen Bandverletzungen auszuschließen.

Konservative Therapie

Bei leichten Formen des Sulcus ulnaris Syndroms bietet sich zunächst eine konservative Behandlung an z.B. durch Polsterung des Ellenbogens bei entsprechenden Tätigkeiten insbesondere Aufstützen. Eine konservative Therapie kann in frühen Fällen eine Linderung der Beschwerden bewirken. Entscheidend ist zudem eine Verhaltensanpassung: Aktivitäten, die den Nerv reizen - etwa ständiges Aufstützen -, sollten konsequent vermieden werden.

Unterstützend können entzündungshemmende Medikamente und gezielte krankengymnastische Übungen zur Anwendung kommen. Im Frühstadium der Erkrankung können konservative Behandlungsmethoden (Handgelenksschiene, Kortikoidpräparate, lokale Kortikoidinfiltration) infrage.

Eine stärkere Beugung des Ellenbogengelenkes sollte vermieden werden. Nachts kann der Ellbogen durch eine Schiene in Streckstellung gehalten werden. Reduzierung von wiederholter belastender Bewegung das Armes, wie beim Sport oder der Arbeit (z. B.

Die konservative Therapie (ohne Operation) erfolgt oftmals durch eine Ruhigstellung des Ellenbogengelenks in ca. 30° Beugestellung durch eine gepolsterte Orthese, wie z. B. die BORT KubiFX Ellenbogen-Orthese oder die BORT KubiTal® Ellenbogen-Polster-Bandage. Gegebenenfalls wird das Handgelenk ebenfalls immobilisiert.

Weitere konservative Behandlungsansätze:

  • Stoßwellentherapie auch als Triggerpunktbehandlung
  • Lasertherapie
  • Neuroreflektorische Cryotherapie (Eistherapie)

Alle konservativen Behandlungsmaßnahmen werden im HFZ BERLIN durch Dr. Klauser und sein Team angeboten und durchgeführt.

Operative Therapie

Erzielt die konservative Therapie keine Besserung oder sind die Symptome sehr stark ausgeprägt, kann der behandelnde Arzt eine operative Therapie vorschlagen. Bei stärkerer Symptomatik, anhaltenden Beschwerden oder bereits vorhandenen motorischen Ausfällen mit Kraftverlust und Muskelathrophie ist eine operative Dekompression die Therapie der Wahl. Dabei wird das den Nerv einengende Gewebe entlastet. Diese sogenannte Dekompression erfolgt in der Regel offen chirurgisch oder bei geeigneten Patienten endoskopisch. Rezidive eignen sich nicht für die endoskopische, operative Vorgehensweise.

Ziel beider operativen Therapien ist die gezielte Druckentlastung des Nervus ulnaris im Kubitaltunnel.

Die Operation erfolgt über einen kleinen Zugang an der Innenseite des Ellenbogens. Die Operation erfolgt in der Regel ambulant in kurzer Vollnarkose und Blutsperre.

Prinzipiell wird bei der offenen Operation ein Luxationstest durchgeführt, um die Neigung des Nerven zum Herausrutschen aus dem knöchernen Kanal zu prüfen, da diese per se zu einer chronifizierten Entzündung des Nerven und somit zum Sulcus ulnaris Syndrom führt. Ist dies der Fall wird in seltenen Fällen in dieser Operation eine Vorverlagerung des Nervus ulnaris in eine geschütztere Lage vor dem Epikondylus humeri ulnaris in das Unterhautfettgewebe durchgeführt.

Mit der Operation wird die Einengung des Nervus ulnaris im Kubitaltunnel am Ellenbogengelenk beseitigt. Es gibt zwei Methoden der operativen Entlastung des Nervs:

  • Alleinige Dekompression des N. ulnaris (offen oder endoskopisch)
  • Subcutane/submuskuläre Vorverlagerung des N. ulnaris

Die Entscheidung, welches Verfahren zur Anwendung kommt und ob eine alleinige Dekompression ausreichend oder eine Vorverlagerung des Nerven von Nöten ist, wird am Einzelfall in unserer Ambulanz für periphere Nerven- und Plexuschirurgie gemeinsam mit dem Patienten diskutiert und entschieden. Der Goldstandard ist leitliniengemäß die einfache Dekompression des Nervs, die wir standardmäßig endoskopisch durchführen. Der Vorteil der Endoskopie liegt in der kleineren Narbe, bei der sehr oft auch kein Fadenzug erforderlich ist. Eine Vorverlagerung ist für ausgeprägte anatomische Veränderungen des Ellenbogens reserviert, so dass diese seltener schon im Vorfeld geplant wird. Häufiger wird über eine Vorverlagerung erst intraoperativ entschieden, wenn sich die ursprüngliche Loge des Nervs als ungeeignet zeigt.

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