Syphilis und ihre Auswirkungen auf das Nervensystem: Neurosyphilis

Syphilis, auch bekannt als Lues, ist eine bakterielle Infektion, die durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht wird. Sie wird hauptsächlich durch sexuelle Kontakte übertragen und kann, wenn sie unbehandelt bleibt, schwerwiegende gesundheitliche Schäden verursachen, einschließlich der Beteiligung des Nervensystems. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Syphilis, insbesondere die Neurosyphilis, ihre Stadien, Symptome, Diagnose, Behandlung und Prävention.

Was ist Syphilis?

Syphilis ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht wird. Die Bakterien werden hauptsächlich durch direkten Kontakt beim Geschlechtsverkehr übertragen - egal ob vaginal, anal oder oral. Auch Küssen kann zur Ansteckung führen, wenn sich Geschwüre im Mundbereich befinden.

Das Heimtückische an Syphilis ist: Nur etwa die Hälfte aller Infektionen führt zu eindeutigen Symptomen. Viele Betroffene merken also gar nicht, dass sie sich angesteckt haben. Schwangere Frauen können die Infektion auf ihr ungeborenes Kind übertragen.

In Deutschland besteht eine nicht-namentliche Meldepflicht für Syphilis-Nachweise an das Robert Koch-Institut.

Übertragung und Risikofaktoren

Die Ansteckung erfolgt überwiegend durch sexuelle Kontakte - insbesondere beim Geschlechtsverkehr ohne Kondom, bei dem es zum Kontakt mit infizierter Schleimhaut im Intimbereich oder im Mund kommt. Beim sexuellen Kontakt mit einer infizierten Person kommt es bei etwa 3 von 10 Menschen zu einer Ansteckung.

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Besonders ansteckend sind Patienten, die sich im ersten oder zweiten Krankheitsstadium befinden. Eine Übertragung ist zudem von einer erkrankten Schwangeren auf ihr ungeborenes Kind möglich.

Risikofaktoren für eine Syphilis-Infektion umfassen häufig wechselnde Sexualpartner und ungeschützten Geschlechtsverkehr. Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sind besonders häufig betroffen.

Stadien der Syphilis

Die Syphilis durchläuft verschiedene Stadien mit unterschiedlichen Symptomen:

Primärstadium

Etwa 10 bis 90 Tage nach Ansteckung entsteht an der Eintrittsstelle der Bakterien - meist im Genital- oder Analbereich - ein schmerzloses, hartes Geschwür. Beim Mann tritt dies häufig am Penis auf, besonders an der Eichel. Bei der Frau sind oft die Schamlippen oder der Gebärmutterhals betroffen. Dieses "harte Schanker" genannte Ulkus ist scharf begrenzt und heilt nach vier bis sechs Wochen von selbst ab. Zusätzlich schwellen die Lymphknoten in der Nähe schmerzlos an.

Sekundärstadium

Etwa vier bis zehn Wochen nach Ansteckung breiten sich die Bakterien im ganzen Körper aus. Es entstehen charakteristische Hautausschläge, die im weiteren Verlauf auch Handflächen und Fußsohlen betreffen. In der Regel jucken sie nicht. Dazu kommen grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit und geschwollene Lymphknoten. Haarausfall in fleckiger Form kann auftreten. Es können sich im Genitalbereich flache, feuchte Warzen bilden, die hochansteckend sind.

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Latente Syphilis

Patienten können mehrere Jahre ohne weitere Symptome leben. In dieser Phase sind die Bakterien weiterhin im Körper vorhanden, aber es treten keine äußeren Anzeichen auf.

Tertiäre Syphilis

Dann entwickeln manche Patienten die sogenannte tertiäre Syphilis. Dann können schwere Schäden an Herz, Gehirn, Augen und anderen Organen entstehen. Diese Spätfolgen können lebensbedrohlich sein. Eine besondere Form ist die Neurosyphilis, bei der das zentrale Nervensystem betroffen ist.

Neurosyphilis: Wenn das Nervensystem betroffen ist

Die Neurosyphilis ist eine Komplikation der Syphilis, bei der das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) betroffen ist. Sie kann in verschiedenen Stadien der Syphilis auftreten, wobei die Symptome je nach betroffenem Bereich des Nervensystems variieren.

Formen der Neurosyphilis

Es gibt verschiedene Formen der Neurosyphilis, die sich in ihren Symptomen und dem Zeitpunkt des Auftretens unterscheiden:

  • Frühe Neurosyphilis: Tritt innerhalb von Monaten bis Jahren nach der Erstinfektion auf und kann sich als Meningitis (Hirnhautentzündung) äußern, die Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Fieber und Verwirrtheit verursacht. Auch Hirnnerven können betroffen sein, was zu Seh- oder Hörstörungen führen kann.
  • Späte Neurosyphilis: Entwickelt sich oft erst Jahrzehnte nach der Erstinfektion und umfasst:
    • Tabes dorsalis: Betrifft das Rückenmark und führt zu Koordinationsstörungen, Verlust der Reflexe, Schmerzen und Empfindungsstörungen in den Beinen.
    • Progressive Paralyse: Betrifft das Gehirn und führt zu Demenz, Persönlichkeitsveränderungen, Krampfanfällen und Lähmungen.
    • Meningovaskuläre Syphilis: Verursacht Entzündungen der Hirngefäße, was zu Schlaganfällen und neurologischen Ausfällen führen kann.

Symptome der Neurosyphilis

Die Symptome der Neurosyphilis sind vielfältig und können je nach Form und betroffenem Bereich des Nervensystems variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

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  • Kopfschmerzen
  • Nackensteifigkeit
  • Fieber
  • Verwirrtheit
  • Seh- oder Hörstörungen
  • Koordinationsstörungen
  • Verlust der Reflexe
  • Schmerzen und Empfindungsstörungen in den Beinen
  • Demenz
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Krampfanfälle
  • Lähmungen
  • Harn- oder Stuhlinkontinenz

Diagnose der Neurosyphilis

Die Diagnose der Neurosyphilis umfasst in der Regel eine Kombination aus Bluttests und einer Untersuchung des Nervenwassers (Liquor).

  • Bluttests: Dienen zum Nachweis von Antikörpern gegen Treponema pallidum im Blut.
  • Liquoruntersuchung: Hierbei wird eine Probe des Nervenwassers entnommen und auf Antikörper und Bakterien untersucht. Eine erhöhte Anzahl von weißen Blutkörperchen und ein erhöhter Proteingehalt im Liquor können ebenfalls auf eine Neurosyphilis hindeuten.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt werden, um Schäden im Gehirn oder Rückenmark zu erkennen.

Behandlung der Neurosyphilis

Die Behandlung der Neurosyphilis erfolgt in erster Linie mit Antibiotika, insbesondere Penicillin. Penicillin wird in der Regel intravenös über einen Zeitraum von 10 bis 14 Tagen verabreicht. Bei Penicillinallergie können alternative Antibiotika wie Ceftriaxon oder Doxycyclin eingesetzt werden.

Es ist wichtig, die Behandlung frühzeitig zu beginnen, um irreversible Schäden am Nervensystem zu vermeiden. Auch nach erfolgreicher Behandlung sind regelmäßige Nachuntersuchungen erforderlich, um den Therapieerfolg zu überwachen und ein Wiederauftreten der Infektion frühzeitig zu erkennen.

Jarisch-Herxheimer-Reaktion

Eine seltene Komplikation, die bei der Neurosyphilis-Behandlung auftreten kann, ist die Jarisch-Herxheimer-Reaktion, kurz Herx. Sie wird jedoch nur etwa bei jedem fünfzigsten bis hundertsten Patienten beobachtet, der mit einem Antibiotikum behandelt wird. Bei Herx kommt es etwa 12 bis 24 Stunden nach Beginn der Antibiotikagabe zu Symptomen wie Fieber, Kopf- oder Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit, beschleunigtem Herzschlag, Blutdruckanstieg oder -abfall oder Krampfanfällen. Die Symptome können mehrere Tage andauern. Grund dafür ist die Reaktion des Körpers auf Bakteriengifte, die dadurch entstehen, dass die Bakterien durch das Antibiotikum absterben. Der Körper reagiert auf diese Gifte mit der Bildung von Entzündungsstoffen. Betroffene Patienten werden vom Arzt überwacht und erhalten gegebenenfalls entzündungshemmende Medikamente.

Prävention von Syphilis

Der beste Schutz gegen Syphilis ist die Vermeidung von ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Kondome reduzieren das Risiko einer Ansteckung erheblich, bieten aber keinen vollständigen Schutz, da die Bakterien auch durch Hautkontakt im Genitalbereich übertragen werden können.

Weitere Präventionsmaßnahmen umfassen:

  • Regelmäßige Tests auf sexuell übertragbare Infektionen, insbesondere bei häufig wechselnden Sexualpartnern.
  • Offene Kommunikation mit Sexualpartnern über sexuelle Gesundheit und das Testen auf STI.
  • Vermeidung von gemeinsam genutzten Spritzen beim Drogenkonsum.
  • Frühe Behandlung von Syphilis, um die Ausbreitung der Infektion zu verhindern und das Risiko von Komplikationen zu reduzieren.

Syphilis in der Schwangerschaft

Schwangere Frauen mit Syphilis können die Infektion auf ihr ungeborenes Kind übertragen. Eine unbehandelte Syphilis in der Schwangerschaft kann zu schweren Komplikationen für das Kind führen, einschließlich Fehlgeburt, Totgeburt, Frühgeburt und angeborener Syphilis.

Die angeborene Syphilis kann zu einer Vielzahl von Problemen beim Neugeborenen führen, darunter:

  • Hautausschläge
  • Knochenschäden
  • Leber- und Milzvergrößerung
  • Anämie
  • Neurologische Probleme
  • Hörverlust
  • Sehverlust

Um Komplikationen zu vermeiden, wird allen Schwangeren in Deutschland ein Screening auf Syphilis angeboten. Bei einer positiven Diagnose sollte die Schwangere umgehend mit Antibiotika behandelt werden, um das Risiko einer Übertragung auf das Kind zu minimieren.

Syphilis und HIV

Syphilis und HIV treten häufig als Begleiterkrankungen auf, da die Geschwüre im Frühstadium der Syphilis eine Infektion mit HIV begünstigen. Beide Erkrankungen können sich gegenseitig im Verlauf ungünstig beeinflussen. Bei HIV-Patienten kann es zu beschleunigten oder untypischen Krankheitsverläufen kommen. So scheint eine Syphilis bei ausgeprägter Immunschwäche wieder neu aktiviert zu werden. Darüber hinaus erkranken HIV-positive Syphilis-Patienten häufiger an einer Neurosyphilis.

Häufigkeit der Syphilis

Seit dem Jahr 2010 steigt die Zahl der jährlichen Syphilis-Neuinfektionen kontinuierlich an, mit Ausnahme des Jahres 2018. Im Jahr 2019 wurden in Deutschland knapp 8000 Fälle von Syphilis gemeldet. Mehr als 90 Prozent aller diagnostizierten Infektionen betreffen Männer. Ein großer Teil dieser Männer steckt sich durch Sexualkontakte mit anderen Männern an (MSM - Männer, die Sex mit Männern haben).

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