Gewalt bei Demenz: Ursachen und Prävention

Gewalt in der Pflege ist ein vielschichtiges Problem, das sowohl Pflegebedürftige als auch pflegende Angehörige betrifft. Sie umfasst jegliche Handlungen oder Unterlassungen, die einer pflegebedürftigen Person Schaden zufügen, ihr Leid verursachen oder ihr Recht auf Selbstbestimmung verletzen - sowohl körperlich als auch psychisch. Besonders Menschen mit Demenz sind gefährdet, Gewalt zu erfahren. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Gewalt in der Pflege, die verschiedenen Formen, in denen sie auftreten kann, und vor allem die Möglichkeiten der Prävention und Hilfe.

Was versteht man unter Gewalt in der Pflege?

Gewalt in der Pflege umfasst alle Handlungen oder Unterlassungen, die eine pflegebedürftige Person schädigen, ihr Leid zufügen oder ihr Recht auf Selbstbestimmung verletzen. Es ist wichtig zu betonen, dass nicht jede Handlung, die als Gewalt in der Pflege gilt, rechtlich verboten ist. Dennoch können diese Handlungen die körperliche und psychische Gesundheit langfristig beeinträchtigen.

Formen von Gewalt in der Pflege

Gewalt in der Pflege kann viele Gesichter haben. Sie reicht von psychischer Gewalt über unangemessene Pflege und körperliche Gewalt bis hin zu sexualisierter Gewalt und finanzieller Ausbeutung. Auch freiheitsentziehende Maßnahmen stellen eine Form von Gewalt dar.

  • Psychische Gewalt: Diese Form der Gewalt ist in der Pflege ein häufiges Problem und umfasst beispielsweise Anschreien, Ausüben von psychischem Druck, respektloses und demütigendes Verhalten wie Beleidigungen und Herabsetzungen. Auch das Betreten eines Zimmers ohne Anklopfen, das Vermeiden von Blickkontakt, das Ansprechen oder Behandeln einer Person wie ein Kind, Bloßstellen und Über-den-Kopf-hinweg-Sprechen sowie das Nicht-Ernstnehmen von Bedürfnissen, Gefühlen oder Schmerzen fallen unter psychische Gewalt.
  • Unangemessene Pflege: Eine gute Pflege zielt darauf ab, die pflegebedürftige Person so zu unterstützen, dass sie ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben führen kann. Gewalt kann auch durch Bevormundung und Vernachlässigung ausgeübt werden. Dazu gehört beispielsweise, jemanden zu füttern, damit es schneller geht, über den Alltag, Unternehmungen und Kontakte zu entscheiden, Informationen vorzuenthalten und ungefragt Briefe zu öffnen. Auch das Besprechen und Bestimmen medizinischer und pflegerischer Maßnahmen mit dem Arzt über den Kopf der pflegebedürftigen Person hinweg sowie das Durchführen von Pflegemaßnahmen gegen den Willen der Person, wie das Erzwingen von Inkontinenzhosen, zählen dazu. Ebenso ist die Verweigerung von Hilfe oder das lange Wartenlassen auf Hilfe in wichtigen Lebensbereichen wie Essen, Trinken, Kleidung, Körperpflege und Bewegung eine Form der unangemessenen Pflege.
  • Körperliche Gewalt: Zu körperlichen Übergriffen gehören nicht nur Schläge, sondern auch Festhalten, missbräuchliche Gabe von Medikamenten, Kneifen, an den Haaren ziehen, ein grober Umgang, Waschen mit zu heißem oder kaltem Wasser oder ein unachtsamer Verbandswechsel.
  • Sexualisierte Gewalt: Pflegebedürftige können Opfer sexueller Übergriffe werden, einschließlich sexueller Nötigung, Vergewaltigung, erzwungener Nacktheit, unerwünschter oder erzwungener Berührungen sowie sexualisierter Andeutungen und Sprache.
  • Finanzielle Ausbeutung: Die verletzliche Situation von pflegebedürftigen Menschen wird mitunter ausgenutzt, indem andere unberechtigt über ihr Eigentum bestimmen, sie zu Geldgeschenken überreden oder ihnen Wertsachen entwenden. Auch rechtliche Betreuer oder Bevollmächtigte dürfen nicht uneingeschränkt über das persönliche Vermögen der pflegebedürftigen Menschen verfügen.
  • Freiheitsentziehende Maßnahmen: Maßnahmen, die die Bewegungsfreiheit von pflegebedürftigen Menschen einschränken, wie das Anschnallen im Bett oder Rollstuhl, das Anbringen von Bettgittern, das Einschließen in einen Raum oder das Wegnehmen von Kleidung und Hilfsmitteln, gelten als freiheitsentziehende Maßnahmen. Auch die Gabe von ungewollten oder nicht verordneten Medikamenten, um die Person müde zu machen, fällt darunter.

Ursachen für Gewalt in der Pflege

Die Ursachen für Gewalt in der Pflege sind vielfältig und oft spielen mehrere Faktoren zusammen.

Persönliche und zwischenmenschliche Gründe

Einige Menschen sind von Natur aus reizbarer und angespannter. Auch persönliche Erfahrungen wie selbst erlebte Gewalt oder eine bereits vor der Pflegebedürftigkeit belastete Beziehung können eine Rolle spielen. Die Übernahme der Pflege aus Pflichtgefühl oder finanziellen Gründen kann ebenfalls zu Gewalt führen. Übermäßiger Alkoholkonsum des Pflegenden kann gewalttätiges Verhalten begünstigen.

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Eine Pflegesituation kann auch die zwischenmenschliche Beziehung verändern, insbesondere wenn sich die Rollen ändern und ehemals selbstständige Eltern auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen sind. Bei pflegebedürftigen Menschen können Gefühle wie Hilflosigkeit, Scham oder Verzweiflung zu aggressivem Verhalten führen.

Überforderung

Die Pflege eines Familienmitglieds wird von vielen Angehörigen als belastend wahrgenommen, sowohl körperlich als auch psychisch. Viele Pflegende haben das Gefühl, dass die gesamte Pflege allein auf ihren Schultern lastet. Das Verhalten von pflegebedürftigen Menschen kann sehr herausfordernd sein und zur Überforderung beitragen.

Unwissenheit

Nicht alle Pflegenden sind sich bewusst, dass bestimmte Handlungen unangemessen sind. Viele wissen nicht, dass Maßnahmen, die pflegebedürftige Menschen am Aufstehen und Weggehen hindern, zu freiheitsentziehenden Maßnahmen zählen und dass es wirksame Alternativen gibt.

Aggressives Verhalten im Zusammenhang mit Demenz

Über aggressives und gewaltsames Verhalten im Zusammenhang mit der Pflege von Menschen mit Demenz wird eher ungern gesprochen. Dabei können sowohl Menschen mit Demenz als auch Pflegende Gewalterfahrungen machen - und zwar in allen Pflege-Settings. Gewalthandlungen gegen Menschen mit Demenz müssen nicht absichtlich erfolgen und nicht zwangsläufig strafrechtliche Delikte darstellen. Sie beeinträchtigen jedoch in hohem Maße die Lebensqualität und die Gesundheit von Menschen mit Demenz, belasten häusliche Pflege-Settings und mindern nicht zuletzt die Qualität von professioneller Versorgung.

Prävention von Gewalt in der Pflege

Um Gewalt in der Pflege vorzubeugen, ist es wichtig, die individuellen Gründe für Gewalt zu erkennen und passende Wege für die eigene Situation zu finden.

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Erkennen und Verstehen

Pflegebedürftige Menschen haben dieselben Rechte wie alle anderen Menschen auch, einschließlich des Rechts auf Selbstbestimmung und Sicherheit. Herausforderndes und aggressives Verhalten kann sich auch durch die Erkrankung erklären lassen, beispielsweise bei Demenz.

In Pflegekursen kann man lernen, besser mit schwierigen Situationen in der Pflege umzugehen. Ärzte können zur Beratung herangezogen werden und beispielsweise erklären, woher bestimmte Verhaltensweisen kommen. Hilfe erhält man außerdem bei Beratungsstellen zur Pflege und bei Selbsthilfevereinen.

Umgang mit eigenen Aggressionen

Es ist möglich, den besseren Umgang mit Aggressionen zu erlernen. Dafür ist es wichtig, nach den Ursachen zu forschen. Wer die Gründe für die eigenen Aggressionen kennt, kann beim nächsten Mal anders reagieren. Kurzfristig kann es helfen, sich den Frust von der Seele zu reden - bei Freunden, im Selbsthilfeverein oder auch anonym bei Beratungstelefonen, wie der Telefonseelsorge. Langfristig könnte man überlegen, ob man sich beispielsweise in bestimmten schwierigen Situationen von einem Pflegedienst unterstützen lassen will. Beratungsstellen zur Pflege zeigen individuelle Möglichkeiten auf und unterstützen bei eventuellen Finanzierungsfragen.

Alternativen zu freiheitsentziehenden Maßnahmen

Studien haben nicht nachgewiesen, dass freiheitsentziehende Maßnahmen vor Stürzen und Unfällen schützen. Vielmehr steigern sie eher die Gefahr sich zu verletzen und verstärken beispielsweise unruhiges Verhalten von Menschen mit Demenz. Es gibt oft alternative und wirksamere Maßnahmen, um Stürzen oder anderen Gefahren vorzubeugen.

Unterstützung und Entlastung

Aggressionen und Gewalt können durch Überforderung entstehen. Die Pflegeversicherung sieht verschiedene Leistungen vor, um pflegende Angehörige zu entlasten. Zudem gibt es unterstützende Angebote bei Wohlfahrtsverbänden und Selbsthilfevereinen. In vielen Städten und Regionen helfen Demenz-Netzwerke bei der häuslichen Pflege.

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Schutzmaßnahmen für Menschen mit Demenz

Unterschiedliche Maßnahmen tragen zum Schutz von Menschen mit Demenz bei. Welche geeignet sind, hängt von den Ursachen für Gefahren ab. Es ist wichtig, Gefahren im Haushalt zu verringern, Stürzen vorzubeugen und fachlichen Rat einzuholen, wie man freiheitsentziehende Maßnahmen vermeiden kann. Fachliche Unterstützung kann helfen, mit Demenz möglichst gut umzugehen und kritischen Situationen entgegenzuwirken.

Wie man Hilfe bekommt

Wenn pflegebedürftige Menschen oder pflegende Angehörige in irgendeiner Form von Gewalt betroffen sind, ist es ratsam, dies anzusprechen und sich Hilfe zu holen. Auch wenn man zögert, weil man eventuell unsicher ist, Angst hat, finanziell von der anderen Person abhängig ist oder sich schämt - es gibt Wege, die Situation zu verbessern.

Wenn man selbst Opfer von Gewalt wird

Suchen Sie das Gespräch mit der betreffenden Person und machen Sie deutlich, dass Sie das unangemessene Verhalten nicht akzeptieren. Wenn Sie sich allein nicht trauen, können Sie eine Person Ihres Vertrauens hinzuziehen oder sich an Hausärzte und Beratungsstellen zum Thema Gewalt wenden. Wenn sich eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes Ihnen gegenüber unangemessen oder gewalttätig verhält, ist es wichtig, dies bei der Leitung des Pflegedienstes zu melden. Sollte das nötige Vertrauen in den Pflegedienst fehlen, sind auch anonyme Meldungen möglich, beispielsweise bei der Pflegekasse, dem Medizinischen Dienst oder kommunalen Beschwerdestellen.

Wenn man Zeuge von Gewalt wird

Wenn Sie Zeuge von Gewalt gegen eine pflegebedürftige Person geworden sind, besprechen Sie mit der pflegebedürftigen Person das weitere Vorgehen, soweit dies möglich ist, und leiten Sie gegebenenfalls die genannten Schritte ein. Auch Außenstehende können sich bei den entsprechenden Beratungsstellen zum richtigen Vorgehen beraten lassen.

Polizei einschalten

Wurde einer pflegebedürftigen Person Schaden zugefügt, sollte man nicht zögern, sich an die Polizei zu wenden. Die Polizei ist rund um die Uhr über die Notrufnummer 110 erreichbar.

Wie erkenne ich Gewalt in der Pflege?

Gewalt gegen Pflegebedürftige ist nicht immer einfach zu erkennen. Anzeichen wie blaue Flecken und Verletzungen sowie Änderungen im Verhalten, hin zu Ängstlichkeit und Aggression, können auch andere Ursachen haben wie Stürze oder Erkrankungen. Betroffene können sich teilweise nicht mehr richtig äußern - oder schweigen aus Angst oder Scham. Da sich pflegende Angehörige und Pflegebedürftige selbst nicht immer zu Gewalt äußern, ist es wichtig, bei einem Verdacht genau hinzusehen und das Thema anzusprechen. Insbesondere Menschen aus dem Familien-, Freundes- und Nachbarschaftskreis sowie Pflegediensten oder Hausärzten kann hierbei eine wichtige Rolle zukommen. Auch wenn es unangenehm ist, sollte man die Situation ansprechen - möglichst konkret und ohne Anklage. Hilfreich ist es Unterstützung anzubieten und an das regionale Hilfesystem weiterzuvermitteln. Sinnvoll kann es zudem sein, mit dem Einverständnis der betroffenen Person, deren Telefonnummer an eine Beratungsstelle weiterzureichen. Dies setzt voraus, dass die Person bereit ist, über diese Probleme zu sprechen und Hilfe anzunehmen.

Tipps für Außenstehende: Wie man Gewalt in der Pflege erkennt und handelt

Manchmal haben Außenstehende den Eindruck, dass die Pflege nicht optimal läuft. Dann ist es sinnvoll, genau hinzusehen, um die Situation idealerweise verbessern zu können.

  1. Anzeichen wahrnehmen: Achten Sie auf große und kleine Anzeichen von Gewaltauswirkungen. Die pflegebedürftige Person erzählt vielleicht nicht von sich aus davon, dass ihr Gewalt angetan wurde.
  2. Beobachtungen ansprechen: Sprechen Sie die pflegebedürftige Person darauf an, wenn Ihnen etwas Ungewöhnliches auffällt. Tun Sie das am besten, wenn Sie unter vier Augen sind. Versuchen Sie herauszufinden, was passiert ist und wie die betroffene Person sich dabei gefühlt hat. Fragen Sie, welches Verhalten sie sich wünschen würde.
  3. Hilfe anbieten: Bieten Sie konkrete Hilfe an. Fragen Sie zum Beispiel, ob Sie jemanden informieren sollen, etwa Angehörige, einen Pfleger, die Hausärztin oder eine rechtliche Betreuerin. Betonen Sie, dass die pflegebedürftige Person ein Recht darauf hat, würdevoll behandelt zu werden.
  4. Alles dokumentieren: Machen Sie sich Notizen: Was haben Sie, wann bemerkt? Wie hat sich die Situation verändert? Wie ist das Gespräch mit der pflegebedürftigen Person verlaufen? Die Details können später helfen, Ihre Beobachtungen zu melden.
  5. Position beziehen: Wenn Sie wissen, wer die Gewalt ausgeübt hat, sprechen Sie die Person in einem ruhigen Moment darauf an - möglichst unter vier Augen. Bleiben Sie unbedingt sachlich. Beschreiben Sie, was Ihnen aufgefallen ist und wie die pflegebedürftige Person sich in den kritischen Momenten gefühlt hat. Sie sollten nicht drohen, aber deutlich machen, dass das Verhalten nicht in Ordnung war und sich nicht wiederholen sollte.
  6. Verantwortliches Personal verständigen: Berichten Sie Ihre Beobachtungen zeitnah einer höheren Stelle, etwa der Leitung der Einrichtung oder des Pflegedienstes. Fragen Sie, was nun zu tun ist. Wenn es keine angemessene Reaktion gibt, wenden Sie sich an den Träger der Organisation oder an die Geschäftsleitung.
  7. Ärztliche Untersuchung anregen: Wenn es zu Verletzungen gekommen ist, dann schlagen Sie vor, dass diese ärztlich untersucht und dokumentiert werden sollten. Das ist möglich bei Hausarzt oder -ärztin oder bei speziellen rechtsmedizinischen Untersuchungsstellen.
  8. Beschwerden anbringen: Informieren Sie die zuständige Stelle. Das ist auch anonym und telefonisch möglich. Diese Stellen müssen reagieren: Der Medizinische Dienst für gesetzlich Krankenversicherte, der Prüfdienst des Verbands der Privaten Krankenversicherung für privat Krankenversicherte, die örtliche Heimaufsicht für Menschen, die im Pflegeheim leben. Mancherorts gibt es zusätzlich eine kommunale Beschwerdestelle. Die Kontaktdaten der örtlichen Stellen erhalten Sie beim Bürgeramt, bei der Pflegeversicherung oder einem Pflegestützpunkt.
  9. Rat holen: Wenn Sie unsicher sind, wie es weitergehen soll, holen Sie sich Rat bei einer Beschwerdestelle. Das ist zum Beispiel möglich bei einer Pflegeberatungsstelle oder einem Krisentelefon. Das Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums erreichen Sie unter 030 / 2017 91 31.
  10. Polizei rufen: Wenn eine Person körperlich verletzt ist oder gefährlich vernachlässigt wurde, melden Sie das an die örtliche Polizei. In dringenden Notfällen wählen Sie die 112.

Aggressives Verhalten von Menschen mit Demenz

Wenn Menschen mit Demenz nicht weiterwissen, reagieren sie oft aggressiv - sie schimpfen, schreien, werfen mit Gegenständen. Aggressives Verhalten ist eine typische Begleiterscheinung von Demenzerkrankungen, mit der viele Angehörige und Bezugspersonen im Laufe der Erkrankung konfrontiert werden. Aggressive Reaktionen von Menschen mit Alzheimer-Demenz können verschiedene Ursachen haben. Vielmehr sind Wutausbrüche und Beschimpfungen Ausdruck von Verzweiflung und Hilflosigkeit, zum Beispiel, weil jemand bestimmte Dinge im Alltag nicht (mehr) bewältigen kann, sich unverstanden, beunruhigt oder bedroht fühlt.

Umgang mit aggressivem Verhalten

Ist der Stress einmal da, helfen vor allem Geduld, Gleichmut und Einfühlungsvermögen. Versuchen Sie herauszufinden, was den Menschen so stresst und beseitigen Sie nach Möglichkeit den Auslöser. Vermeiden Sie auf jeden Fall, selbst wütend oder vorwurfsvoll zu reagieren. Auch „vernünftige Argumente“ helfen in emotional aufgeladenen Situationen meist nicht weiter. Zeigen Sie Verständnis für Ihr Gegenüber und machen Sie sich klar, dass er oder sie Sie braucht, um wieder aus der frustrierenden Situation hinauszukommen. Versuchen Sie, mit sanfter Sprache und beruhigenden Gesten zu trösten. Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf etwas Positives oder Interessantes. Das kann eine beruhigende Melodie, ein Fotoalbum oder eine angenehme Tätigkeit sein.

Vorbeugende Maßnahmen

Muten Sie sich nicht zu viel zu! Aggressive oder unangemessene Reaktionen kommen häufig unerwartet, selbst für Menschen, die sich schon länger um jemanden mit einer Demenzerkrankung kümmern. Dennoch immer ein Versuch wert: Vorbeugende Maßnahmen, die Struktur in den Alltag bringen und stressige Situationen weitestgehend vermeiden.

  • Geregelter Tagesablauf: Menschen mit Demenz fühlen sich sicherer, wenn sie wissen, was als Nächstes kommt. Ein gut strukturierter Tagesablauf mit regelmäßigen Mahlzeiten, Ruhephasen und Aktivitäten gibt Sicherheit und Orientierung.
  • Klare Kommunikation: Frustration entsteht oft durch das Gefühl, nicht verstanden zu werden.
  • Regelmäßige Gesundheitschecks: Auch Schmerzen oder andere gesundheitliche Probleme können zu aggressivem Verhalten führen. Stellen Sie sicher, dass körperliche Beschwerden behandelt werden.
  • Belastende Situationen und Orte vermeiden: Grelles Licht, viele Menschen oder Lärm können Menschen mit Demenz schnell überfordern. Meiden Sie hektische Orte oder planen Sie bei außergewöhnlichen Terminen wie Arztbesuchen genügend Vorbereitungszeit ein.
  • Training für Angehörige: In Kursen für pflegende Angehörige können Sie lernen, mit schwierigem Verhalten und seelischen Auffälligkeiten bei Demenz umzugehen.

Wo kann ich mich beraten lassen?

Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, die Beratung und Unterstützung anbieten:

  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
  • Hochschule Fulda
  • Initiative zur Begrenzung freiheitseinschränkender Maßnahmen in der Altenpflege
  • Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP)

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