Taubheitsgefühl in der Hand nach einem Sturz: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Ein Sturz kann schnell passieren, sei es beim Sport oder im Alltag. Dabei kann es zu Handgelenksverletzungen kommen, die mit Schmerzen und manchmal auch mit einem Taubheitsgefühl einhergehen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für ein Taubheitsgefühl in der Hand nach einem Sturz, wie man eine Handgelenksverletzung erkennt und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Was ist eine Handgelenksverletzung?

Eine Handgelenksverletzung tritt häufig auf, wenn man sich bei einem Sturz abstützt. Dabei kann es zu verschiedenen Arten von Verletzungen kommen:

  • Verstauchung/Zerrung: Hierbei kommt es zu einer Überstreckung oder Überbeugung des Handgelenks, wodurch die Bänder überdehnt werden.
  • Bänderriss: Ein Band im Handgelenk reißt teilweise oder ganz durch.
  • Verrenkung/Auskugeln (Luxation): Der Knochen springt aus der Gelenkpfanne. Dabei können Muskeln, Bänder und die Gelenkkapsel geschädigt werden.
  • Knochenbruch (Fraktur): Die Speiche (Radius), die Elle (Ulna), die Handwurzelknochen (zum Beispiel das Kahnbein oder Mondbein) oder die Mittelhandknochen können brechen.

Woran erkennt man eine Handgelenksverletzung?

Die Symptome einer Handgelenksverletzung können je nach Art der Verletzung variieren.

  • Schmerzen: Eine Handgelenksverletzung kann sehr schmerzhaft sein. Brüche und Verrenkungen weisen oft eine sichtbare Fehlstellung auf und tun stärker weh als eine Verstauchung.
  • Schwellung und Blutergüsse: Neben Schmerzen sind Schwellungen und Blutergüsse typisch.
  • Gefühlsstörungen: Werden Nerven verletzt, kann es zu Gefühlsstörungen wie Taubheit oder Kribbeln in den Fingern kommen. Bei Gefühlsstörungen, starken Schmerzen und Fehlstellungen ist schnelle ärztliche Hilfe wichtig.

Bei Bänderverletzungen kann es sein, dass die Schmerzen anfangs nicht so stark sind, es dann aber zu anhaltenden Beschwerden kommt. Bänderrisse führen oft erst nach Wochen zu einer spürbaren Instabilität des Handgelenks.

Wie kommt es zu einer Handgelenksverletzung?

Häufig wird das Handgelenk verletzt, wenn man sich bei einem Sturz abstützt. Wenn das Gelenk dabei überstreckt oder überbeugt wird, können Kapsel, Bänder und Knochen geschädigt werden. Oft passieren solche Unfälle beim Sport. Ältere Menschen sind zudem oft im Alltag sturzgefährdet. Auch durch ruckartige Bewegungen können Verstauchungen entstehen, zum Beispiel beim Ballwurf oder beim Schlagen mit einem Tennisschläger.

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Menschen mit Osteoporose (Knochenschwund) sind allgemein anfälliger für Knochenbrüche und verletzen sich deshalb bei einem Sturz auch leichter das Handgelenk. Frauen ab 50 Jahre haben ein höheres Risiko für Knochenbrüche als Männer im gleichen Alter. Kinder verletzen sich ebenfalls häufig das Handgelenk, da ihre Knochen, Bänder und Gelenke noch nicht ausgereift sind.

Taubheitsgefühl nach Prellung

Ein Taubheitsgefühl nach einer Prellung kann auftreten, wenn die Nerven in der Nähe der betroffenen Stelle beeinträchtigt werden. Eine Prellung kann zu Schwellungen, Entzündungen und Druck auf die umliegenden Nerven (Nervenprellung) führen, was wiederum zu vorübergehenden Taubheitsgefühlen führen kann.

Ursachen für Taubheitsgefühl nach Prellung

Ein Taubheitsgefühl nach einer Prellung kann verschiedene Ursachen haben:

  • Druckerhöhung: Durch die mit der Prellung verbundene Schwellung und Entzündungsreaktion kann sich der Druck im umliegenden Gewebe erhöhen und somit auf die Nerven drücken (Nervenprellung), welche dann in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Es kann mitunter sogar zu einer vollständigen Nervenkompression kommen, bei welcher der Nerv abgeklemmt und die Leitfähigkeit verringert wird.
  • Direkte Nervenschädigung: Bei besonders schwerer Gewalteinwirkung kann der Nerv auch einen direkten Schaden erleiden und bei schwerwiegender Nervenverletzung zu einem anhaltenden Taubheitsgefühl führen. Es ist wichtig eine Nervenschädigung auszuschließen.

Begleitsymptome einer Prellung mit Taubheit

Ein Taubheitsgefühl nach einer Prellung kann von verschiedenen zusätzlichen Symptomen begleitet sein. Diese können je nach Schwere der Verletzung und betroffenem Bereich variieren:

  • Schmerzen: Schmerzen sind besonders häufig mit einer Prellung verbunden und können in unterschiedlicher Intensität zusammen mit dem Taubheitsgefühl auftreten.
  • Schwellung und Bluterguss (Hämatom): Eine Schwellung im Bereich der Prellung ist üblich und tritt häufig in Zusammenhang mit einem Bluterguss (Hämatom) auf.
  • Druck- und Berührungsempfindlichkeit: Der betroffene Bereich ist außerdem oftmals Druck- und Berührungsempfindlich.
  • Bewegungseinschränkung: Der betroffene Bereich ist in der Bewegung und Belastung eingeschränkt.
  • Muskelschwäche: In einigen Fällen kann das Taubheitsgefühl mit einer vorübergehenden Schwäche in den betroffenen Muskeln einhergehen, da die Nervenfasern für Motorik, (Bewegung) der Muskulatur und die Nervenfasern für Sensibilität (Berührung) häufig in gemeinsamen Bündeln verlaufen.

Diagnose einer Prellung mit Taubheit

Die Diagnose wird in aller Regel klinisch gestellt. Das bedeutet, dass sich anhand klassischer Symptomatik die Diagnose ohne viel Zuhilfenahme weiterer diagnostischer Untersuchungen stellen lässt. Nach einer gründlichen Anamnese, also einem Arztgespräch, und einer körperlichen Untersuchung ist die Sicherung der Diagnose meist bereits möglich.

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Manchmal kann es jedoch auch hilfreich sein die betroffene Körperregion in einer Bildgebung wie Röntgen, Ultraschall oder Magnetresonanztomographie darzustellen, um die betroffenen Strukturen zu beurteilen und wichtige Differenzialdiagnosen und Begleitverletzungen auszuschließen. Röntgenbilder werden im Normalfall bei Verdacht auf Knochenbrüche oder andere Verletzungen der Knochen verwendet.

Wann ist ein Arztbesuch notwendig?

Wenn Sie nach einer Prellung ein Taubheitsgefühl verspüren, sollten Sie dies ernst nehmen und einen Arzt aufsuchen. Das Taubheitsgefühl kann ein Anzeichen für eine Nervenverletzung sein, die möglicherweise weitere medizinische Untersuchungen und Behandlungen erfordert. Insbesondere bei schwerer Taubheit oder Lähmung und plötzlich auftretender, fortschreitender oder besonders lange anhaltender Symptomatik ist es ratsam frühzeitig zum Arzt zu gehen.

Behandlung des Taubheitsgefühls nach einer Prellung

Die Behandlung des Taubheitsgefühls nach einer Prellung entspricht der gewöhnlichen Behandlung einer Prellung sowie in Abhängigkeit der Schwere und Ursache des Taubheitsgefühls ergänzender Behandlungsansätze. Wichtig ist die Schonung und Ruhigstellung der betroffenen Region, sowie eine adäquaten Schmerztherapie. Ist das Taubheitsgefühl auf eine Nervenverletzung oder -kompression zurückzuführen, so kann eine spezifische Therapie erforderlich sein.

Karpaltunnelsyndrom als Ursache für Taubheitsgefühl

Neben direkten Verletzungen durch den Sturz kann auch das Karpaltunnelsyndrom (KTS) für ein Taubheitsgefühl in der Hand verantwortlich sein. Dieses entsteht durch eine Einengung des Mittelarmnerven (Nervus medianus) im Karpaltunnel, einem engen Durchgang im Bereich des Handgelenks.

Symptome des Karpaltunnelsyndroms

  • Taubheitsgefühl und Kribbeln: Häufig setzen Taubheitsgefühle und Kribbeln zunächst an den Kuppen der ersten drei Finger einer Hand ein - also dem Daumen, Zeige- und Mittelfinger.
  • Schmerzen: Mit der Zeit kommen leichte Schmerzen hinzu, die insbesondere nachts oder nach intensiver Handarbeit auftreten. Betroffene neigen dann oft instinktiv dazu, die Beschwerden durch Schütteln der Hand lösen zu wollen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung können sich ausgeprägte Schmerzen entwickeln, die von der Hand in den Unterarm bis in die Schulter- und Nackengegend ziehen.
  • Schwäche der Daumenmuskulatur: Besteht das Karpaltunnelsyndrom über mehrere Jahre, können die betroffenen Finger taub werden und es kommt zu einer Schwächung der Daumenmuskulatur. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung bildet sich die Daumenballen-Muskulatur sichtbar zurück und die Greifkraft des Daumens lässt deutlich nach. Auch die Schmerzen können nachlassen, was jedoch auf eine starke Schädigung der Nervenfasern hinweisen kann.

Ursachen des Karpaltunnelsyndroms

Eingeengt und geschädigt wird der Nerv durch beständige Druckbelastung durch das Umgebungsgewebe der Handwurzel und deren Band. Meist sind eine Fehlhaltung und eine gleichzeitige Überlastung des Handgelenks die Ursache für die Verengung. Daneben können auch hormonelle Ursachen, wie in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren, Stoffwechselerkrankungen, knöcherne Verformungen sowie rheumatische Erkrankungen das Syndrom begünstigen. Auch eine Verletzung an der Hand oder ein Handgelenksbruch können ein Karpaltunnel-Syndrom begünstigen. Diabetes mellitus gehört zu den Risikofaktoren für ein Karpaltunnelsyndrom. Das liegt daran, dass die Erkrankung - insbesondere bei schlecht eingestelltem Blutzucker - langfristig Gefäße und Nerven schädigt. Dadurch kann der Nervus medianus hypersensibel werden, wodurch schon bei minimalem Druck auf ihn Schmerzen und Missempfindungen ausgelöst werden.

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Diagnose des Karpaltunnelsyndroms

Die Diagnose ist in den meisten Fällen gut zu stellen, da die Symptome oft typisch sind. Ausgeschlossen werden muss, dass die Beschwerden von einer Schädigung der Halswirbelsäule ausgehen. Eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, die ein Neurologe vornehmen kann, vermag Aufschluss über das Ausmaß der Schädigung geben. Neben dem klinischen Befund bietet eine neurologische Untersuchung mit Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit (Elektroneurografie, ENG) dem Arzt eine objektive Diagnosemöglichkeit. Dafür klebt der Untersucher Elektroden an zwei Hautstellen des Patienten, die vom Medianusnerv versorgt werden. Nun stimuliert er den Nerv mit einem schwachen elektrischen Impuls. Bei einer Druckschädigung des Nerven zeigt sich eine verminderte Nervenleitungsgeschwindigkeit im Vergleich zur normalen Nervenfunktion.

Behandlung des Karpaltunnelsyndroms

  • Konservative Therapie: Im Frühstadium kann eine Ruhigstellung des Handgelenks mit Hilfe einer Schiene ausreichend sein. Gegebenenfalls kann zusätzlich eine entzündungshemmende und schmerzstillende Behandlung durchgeführt werden. Auch die Einnahme von Kortison kann in manchen Fällen gute Erfolge bringen. Physikalische Behandlungen mittels Kälte dämpfen Entzündungen des Nerven und wirken auf diese Weise schmerzlindernd. Auch Schienen (Orthesen), die das Handgelenk in einer neutralen Position ruhigstellen, entlasten den Nervus medianus.
  • Operation: Wenn sich allerdings keine Besserung einstellt, es zu anhaltenden sensorischen oder motorischen Defiziten kommt oder sich die Daumenmuskulatur zurückbildet, empfehlen die Ärzte meist eine Operation. Um den Nerv zu entlasten, führt der Operateur eine sogenannte Neurolyse durch. Dabei entfernt der Arzt einengende Gewebestrukturen wie übermäßig gewachsenes Bindegewebe. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter lokaler Betäubung ambulant. Er wird entweder als offene Operation oder endoskopisch (minimalinvasiv) durchgeführt.

Ulnarisnerv-Syndrom

Der Ulnarisnerv ist einer der drei Hauptnerven des Arms und der Hand. Das Ulnarisnerv-Syndrom, auch bekannt als Kubitaltunnelsyndrom, entsteht durch Kompression oder Einklemmung des Ulnarisnervs am Ellbogen oder Handgelenk.

Symptome des Ulnarisnerv-Syndroms

  • Taubheit und Kribbeln: Betroffene verspüren Schmerzen und Taubheit im ulnaren Bereich der Handfläche sowie am Ring- und kleinen Finger. Die Beschwerden werden beim Beugen des Ellbogens oftmals stärker.
  • Motorische Ausfälle: Motorische Ausfälle machen sich in einer abgeschwächten Fingerspreizung und Fingerbeugung der ulnaren Finger bemerkbar. Viele Patient*innen klagen über eine Ungeschicklichkeit der Hand, z. B. beim Schreiben oder Umdrehen eines Schlüssels.

Ursachen des Ulnarisnerv-Syndroms

Das Einklemmen des Nervs kann verursacht werden durch längeres Beugen des Oberarms, eine Arbeitshaltung, in der konstant Druck auf den Nerv im Ellbogen ausgeübt wird (Aufstützen am Tisch), oder durch Narbengewebe aufgrund einer Verletzung. Typisch ist auch das Auftreten durch chronischen Druck auf die Handwurzel, z. B. bei Radfahrer*innen.

Diagnose des Ulnarisnerv-Syndroms

Die Diagnose wird aufgrund des typischen Krankheitsbildes und der aus der körperlichen Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse gestellt. Sie kann durch Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit (Neurografie) und der elektrischen Muskelaktivität (Elektromyografie) bestätigt werden. Manchmal werden Röntgenaufnahmen des Handgelenks oder Ellbogens zum Ausschluss einer knöchernen Verletzung erstellt. Selten kann auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder ein Ultraschall des Nervs durchgeführt werden.

Behandlung des Ulnarisnerv-Syndroms

In den meisten Fällen verschwinden die Beschwerden von selbst. Wichtig ist es, eine eventuell vorhandene Ursache der Erkrankung zu ergründen und zu beheben. Druck auf den Nerv im Ellbogen und langes Beugen ist zu vermeiden. In einem frühen Stadium kann es hilfreich sein, Tätigkeiten zu ändern, die den Druck auslösen. Vorübergehend kann nachts auch eine Polsterung ratsam sein. Dauern die Symptome an und führen zu Lähmungserscheinungen, werden Sie zur weiteren Untersuchung an Spezialist*innen für Neurologie überwiesen. In einigen Fällen ist eine Operation notwendig, die den Druck auf den Nerv verringert.

Allgemeine Maßnahmen bei Handgelenksverletzungen

Unabhängig von der spezifischen Ursache des Taubheitsgefühls gibt es einige allgemeine Maßnahmen, die man nach einer Handgelenksverletzung ergreifen sollte:

  • Ruhigstellung und Schonung: Unmittelbar nach einer Verletzung sollte das Handgelenk möglichst schnell ruhiggestellt und geschont werden.
  • Hochlagern: Um Schwellungen vorzubeugen oder abzumildern, kann das Handgelenk hochgelagert werden.
  • Kühlung: Kühlen Sie das Handgelenk, um Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren.
  • Schmerzmittel: Schmerzen können mit Salben oder Tabletten - zum Beispiel Paracetamol - behandelt werden. Werden Medikamente aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen über eine längere Zeit eingenommen, ist es sinnvoll, zusätzlich ein Medikament zum Magenschutz einzunehmen.
  • Ärztliche Untersuchung: Suchen Sie einen Arzt auf, um die genaue Ursache der Beschwerden abklären und eine geeignete Behandlung einleiten zu lassen.

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