Wer regelmäßig Dokumente gestaltet, kennt das Problem: Die Anzahl der Schriftarten auf dem System wächst stetig an und die Übersicht geht schnell verloren. Dieser Artikel zeigt, wie Sie in GIMP neue Schriftarten hinzufügen, vorhandene verwalten und die Google Fonts Bibliothek nutzen können.
Warum Schriftartenverwaltung wichtig ist
Nutzer, die oft und gern Dokumente gestalten, entwickeln oft eine Sammelleidenschaft für Schriftarten. Das führt schnell dazu, dass die Übersicht über die auf dem System installierten Schriften verlorengeht, besonders, weil nicht alle Programme eine Vorschau der Schrift im Auswahldialog anzeigen. Kennt man den Namen des Fonts nicht oder möchte man einfach verschiedene Schriftarten austesten, müsste man die einzelnen Schriftarten nach und nach durchprobieren.
Schriftarten unter Linux verwalten mit Font Manager
Eine gute Möglichkeit, die Schriftarten unter Linux zu verwalten, bietet der Font Manager.
Installation des Font Managers
Die aktuelle Version Font Manager 0.8.0 enthält zahlreiche Neuerungen, auf die wir im Laufe des Artikels eingehen. Deshalb empfiehlt es sich, die neueste Version ins System einzuspielen. Dazu bieten die Entwickler für Fedora und Ubuntu eigene Paketquellen sowie ein distributionsübergreifend lauffähiges Flatpak an. Nutzer von Arch Linux finden das Programm im Arch User Repository.
Funktionen und Bedienung
Beim Start präsentiert sich Font Manager recht übersichtlich. Rechts oben zeigt das Programm alle auf dem System installierten Schriften an. Mit dem Pfeil nach unten klappen die unterstützten Schriftschnitte (Standard, kursiv, fett, etc.) aus. In der linken Spalte lässt sich die Auswahl nach unterschiedlichen Kriterien filtern. Wie bei allen modernen Gnome-Anwendungen finden sich die wichtigsten Schalter und Dialoge in der Titelleiste des Fensters. Über das Icon mit dem Schraubenschlüssel gelangen Sie in die Einstellungen.
Lesen Sie auch: Radialnerv: Anatomie, Funktion & Therapie
Über die Reiter im Vorschaubereich zeigt Font Manager neben dem Wasserfall eine Zeichentabelle mit allen in der Schrift enthaltenen Zeichen an. Die Eigenschaften liefern weitere Details, wie etwa Angaben zum Copyright oder der Dateigröße der Schriftdatei. Der Reiter Lizenz zeigt dazu den gesamten Lizenztext an und liefert einen Link zu weiteren Erklärungen.
Im Standardbildschirm arbeitet Font Manager im Verwalten-Modus, der es dem Nutzer erlaubt, Schriften zu (de-)aktivieren oder neue Schriften zu installieren. Über die Schaltfläche links oben bietet das Programm zudem die Möglichkeit, über Stöbern sämtliche Schriften in einer Art Karten- oder Listenmodus anzuzeigen.
Schriftarten aktivieren und deaktivieren
Bei der Installation von Schriften aus den Paketquellen kommt es vor, dass neben Fonts für westliche Sprachen auch Schriftvariationen für den afrikanischen, arabischen, asiatischen oder slawischen Raum automatisch mit eingespielt werden. So enthält zum Beispiel das Paket noto-fonts unter Arch Linux neben den für Europäern wichtigsten Varianten Noto Sans und Noto Serif zahlreiche andere sprachspezifische Schriftstile. Diese Flut an Schriften verkompliziert die Auswahl einer Schriftart in Programmen wie zum Beispiel dem LibreOffice Writer unnötig - die wenigsten Nutzer dürften Dokumente in Fula oder Yi verfassen. Mit einem Klick auf den blau eingefärbten Haken lassen sich nicht gebrauchte Schriften für den aktuellen Benutzer deaktivieren. Das Programm färbt die entsprechende Schrift dann grau ein und streicht den Eintrag durch, löscht die Schrift aber nicht.
Kollektionen erstellen
Benötigen Sie manche Schriften nur gelegentlich, lassen sich die gewünschten Schriften auch zu sogenannten Kollektionen zusammenfassen. Dazu schalten Sie unterhalb der linken Spalte von den Kategorien zu den Kollektionen um und legen über das Plus-Icon einen neuen Eintrag an - etwa „Funny“ für lustige Schriften, die sich zum Gestalten einer Einladung zu einem Kindergeburtstag eignen. Danach schalten Sie wieder auf die Kategorien-Ansicht und ziehen per Drag & Drop die gewünschten Schriften auf die entsprechende Kollektion. Sobald Sie eine Schrift „anfassen“, schaltet Font Manager automatisch auf die Kollektionen-Ansicht um.
Neue Schriftarten installieren
Auch neue Schriften integrieren Sie über den Font Manager ins System. Dazu klicken Sie auf das Plus-Icon in der Fensterleiste. Über einen Dateimanager wählen Sie dann die gewünschten Font-Dateien von der Festplatte. Optional extrahiert das Programm automatisch die in Archiven (etwa im ZIP- oder GZ-Format) enthaltenen Schriften. Die Fonts überträgt der Manager automatisch nach ~/.local/share/fonts/, sodass sie allen Anwendungen zur Verfügung stehen. Im Font Manager erscheinen die so installierten Schriften in der Kategorie Benutzer. Ein systemweites Einrichten für alle Nutzer unterstützt Font Manager derzeit noch nicht.
Lesen Sie auch: Was Sie über "Nerve" wissen sollten
Linux organisiert Schriften im Dateisystem unter /usr/share/fonts/ systemweit für alle Anwender und unter ~/.local/share/fonts/ (früher ~/.fonts/) spezifisch für den Benutzer. Font Manager zeigt sämtliche Schriften an, installiert neue Schriften jedoch nur nach ~/.local/share/fonts/ ins Home-Verzeichnis des aktiven Accounts. Von dort lassen sich die Schriften auch wieder aus dem Programm löschen. Dabei ignoriert die Anwendung allerdings Schriften, die noch unter ~/.fonts/ liegen.
Google Fonts nutzen
Mit der Version 0.8.0 integriert Font Manager nun auch die Google-Fonts-Bibliothek. Die meisten Schriften dieser Sammlung stehen unter der SIL Open Font License; manche nutzen stattdessen die Apache-Lizenz, andere die Ubuntu-Font-Lizenz. In der Regel dürfen Sie die Schriftarten allerdings frei nutzen. Die Google-Schriften erreichen Sie über einen Klick auf das Icon mit dem für Google typischen „G“ in der Fensterleiste.
Integration in den Gnome-Desktop
Die neueste Version des Font Managers bemüht sich außerdem darum, sich enger in den Gnome-Desktop zu integrieren. So trägt sich das Programm als Search-Provider in die Suche ein. Drücken Sie die Super-Taste (auch bekannt als Windows-Taste) und geben in der Suche dann eine der installierten Schriftarten ein, listet das System die passenden Treffer auf. Durch einen Druck auf die Eingabetaste öffnen Sie die Schrift dann im Betrachter-Modus von Font Manager.
Schriftarten in GIMP installieren (Windows und Mac)
Reichen Ihnen die Schriftarten in GIMP nicht mehr aus, können Sie ganz leicht neue Schriften hinzufügen. Wie auch in anderen Grafikprogrammen haben Sie in GIMP die Möglichkeit, alle auf dem Rechner installierten Schriftarten zu verwenden. Möchten Sie die Sammlung erweitern, müssen Sie die neuen Fonts auf Ihrem System installieren.
Windows
So fügen Sie GIMP neue Schriftarten hinzu:
Lesen Sie auch: Harmonie in der Beziehung wiederherstellen
- Laden Sie sich die gewünschte Schriftart herunter, die Sie installieren möchten. Auf Downloadportalen wie DaFont finden Sie hunderte kostenfreie Fonts.
- Schließen Sie GIMP, falls Sie die Anwendung geöffnet haben.
- Öffnen Sie das heruntergeladene ZIP-Archiv und führen Sie die TTF-Datei (TrueType-Font) aus. Es öffnet sich ein neues Fenster mit einer Übersicht aller in der Schriftart enthaltenen Zeichen und einer Schriftprobe.
- Klicken Sie auf „Installieren“, um den Font Ihrer Sammlung hinzuzufügen.
- Starten Sie nun GIMP, können Sie die neue Schriftart über das Schrifttool auswählen.
Mac
Nutzen Sie GIMP auf einem Mac, funktioniert das Hinzufügen von neuen Schriftarten ähnlich wie auf einem Windows-Rechner.
- Schließen Sie GIMP und führen Sie die heruntergeladene TTF-Datei aus. Obwohl es sich bei dem TTF-Format um ein Windows-Format handelt, ist eine Konvertierung nicht notwendig. Es öffnet sich ein neues Fenster mit einer Vorschau der Schrift.
- Klicken Sie auf „Installieren“. Sobald sich die Schriftsammlung öffnet, ist die Installation abgeschlossen.
- Starten Sie nun GIMP, können Sie die neue Schriftart verwenden.
Schriftarten in GIMP unter Linux installieren (Manuelle Methode)
Wenn auf Ihrem Linux-System "Fontconfig" installiert ist, ist alles, was Sie tun müssen, um eine neue Schriftart hinzuzufügen, die Datei in das Verzeichnis "~/.fonts" zu kopieren.
Allgemeine Hinweise zur Schriftarteninstallation unter verschiedenen Betriebssystemen
Unabhängig vom verwendeten Programm (Word, GIMP, PowerPoint etc.) werden Schriftarten im Betriebssystem installiert und stehen dann allen Anwendungen zur Verfügung.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Schriftart herunterladen: Laden Sie die gewünschte Schriftart herunter (z.B. im TrueType-Format, erkennbar an der Endung .ttf).
- Datei entpacken: Entpacken Sie die heruntergeladene Datei in ein beliebiges Verzeichnis.
- Installation durchführen:
- Windows 7, 8/8.1 und 10: Machen Sie einen Doppelklick auf die entpackte Schriftartendatei (*.ttf). Es wird jetzt die Schriften-Vorschau geöffnet und der Mustertext "Franz jagt im total verwahrlosten Taxi quer durch Bayern" in verschiedenen Größen in der neuen Schrift dargestellt. Unmittelbar darüber befindet sich eine Schaltfläche "Installieren" - hier einfach drauf klicken und fertig!
- Ältere Windows-Versionen (XP, 2000, Vista): Starten Sie den Windows-Explorer. Wechseln Sie in das Verzeichnis, in das sie ihre Schriftartendateien entpackt haben, gehen dann mit der Maus auf den Ordnerbaum und öffnen dann mit Klick auf die kleinen Plus-Zeichen oder den nach rechts weisenden Pfeil (je nach Windows-Version) den Ordnerbaum, so dass sie dort c:\Windows\Fonts sehen (Da aber nicht drauf klicken!). Jetzt wählen sie die Schriftartendateien welche sie installieren möchten aus und ziehen sie diese bei gedrückter linker Maustaste auf das Fonts-Verzeichnis und lassen dort die Maustaste los. Alternativ öffnen Sie die Systemsteuerung, hier den Abschnitt "Schriftarten" - es öffnet dann auch das Windows-Fonts-Verzeichnis. Hier wählen sie unter Datei im Menü "Neue Schriftart hinzufügen" und wählen dann im Datei-Öffnen-Dialog die gewünschten Schriftarten-Dateien aus.
- Linux: Hier einfach im Home-Verzeichnis /user/
/ einen neuen Ordner anlegen, der den Namen .fonts (mit Punkt davor!) hat da hinein legt man ein weiteres Unterverzeichnis /truetype (für .ttf-Schriften) oder /typ1 (für .pfm/.pfb und für .otf-Schriften) an und kopiert die Schriftartendateien dort hinein. - Mac: Zuerst startet man den Finder und wechselt ins Verzeichnis "Downloads", hier müsste sich die heruntergeladene Zip-Datei befinden. Ein Doppelklick darauf entpackt die Datei in einen Ordner gleichen Namens. Ein Doppelklick darauf öffent den Ordner, darin die Fontdatei mit der Erweiterung .ttf. Erneut ein doppelkick darauf startet die Schriftensammlung und die Font-Vorschaz. Hier klickt man auf Installieren. Die Zip-Datei runter laden => entpacken => im entpackten Order auf den Font und mit Rechtsklick auf installieren => dann Gimp starten.
Schriftformate unter Ubuntu
Es gibt verschiedene Schriftformate, die unter Ubuntu verwendet werden können. Ausführliche Hintergrundinformationen zu den einzelnen Formaten und deren Unterschieden finden sich im TypoWiki. Ubuntu verwaltet Schriften mit Hilfe der Systembibliothek Fontconfig. Fontconfig erleichtert auch die Schriften-Installation und entscheidet zum Beispiel, welche Schrift verwendet werden soll, wenn eine bestimmte Schrift in einem Dokument oder einer Anwendung fehlt.
TrueType (.ttf)
TrueType ist das Standard-Schriftformat unter Ubuntu. Es ist im Vergleich zum PostScript-Type1-Format gut für die Bildschirmdarstellung geeignet. Deshalb sind TrueType-Fonts der dominierende Standard für Systemfonts auf den meisten Betriebssystemen, z.B. auch unter Windows und Mac OS X. TrueType-Schrift-Dateien haben die Endung .ttf oder seltener .ttc (TrueType collection) wenn es sich um einen Kontainer handelt.
PostScript Type 1
PostScript-Type-1-Schriften, manchmal auch nur als "PostScript"- oder "Type1"-Schriften bezeichnet, waren lange Zeit der dominierende Schriftformat-Standard im professionellen Grafikdesign und der Druckvorstufe. Ein Nachteil ist die im Vergleich zu TrueType schlechtere Bildschirmoptimierung ("Hinting"). Ein weiteres Problem ist die fehlende Unicode-Unterstützung. Deshalb werden PostScript-Type1-Fonts immer mehr durch den Nachfolger OpenType abgelöst.
Type1-Fonts bestehen im Gegensatz zu TrueType-Schriften aus mehreren Dateien:
- .PFB (Printer Font Binary)
- .PFM (Printer Font Metrics file)
- .AFM (Adobe Font Metric file)
- .INF (Informationen zur betreffenden Schrift wie Name, Zeichenkodierung etc.)
Hinweis: Die Dateien mit der Endung .pfb und .pfm sind im Allgemeinen ausreichend, um einen Font ins System einzubinden. Die .afm-Dateien werden unter Ubuntu jedoch ebenfalls zwingend benötigt, damit die installierten Schriften in der Schriftenliste einiger Anwendungen wie zum Beispiel LibreOffice/Apache OpenOffice angezeigt werden.
OpenType (.otf, .ttf)
OpenType ist ein plattformübergreifend nutzbares Schriftformat, das von Adobe und Microsoft entwickelt wurde. Es ist technisch gesehen eine Erweiterung des TrueType-Formates um spezielle typographische Funktionen, mit deren Hilfe sich etwa Ligaturen, Schwungbuchstaben, Symbole, Währungszeichen und verschiedenste Ziffernsets in einem Schriftschnitt vereinigen lassen. Daher ist streng genommen jeder TrueType-Font auch gleichzeitig ein OpenType-Font (TrueType als Untermenge bzw. Spezialfall von OpenType). Das heißt umgekehrt, dass ein Font mit dem TrueType-Logo auch ein OpenType-Font sein kann und dann erweiterte typographische Funktionen beinhaltet.
Bei OpenType-Fonts muss nach zwei Kategorien unterschieden werden:
- TrueType-basierte OpenType-Schriften (Suffix: TTF): Sie können problemlos genauso wie "originäre" TrueType-Schriften ins System eingebunden werden.
- PostScript-basierte OpenType-Schriften (Suffix: OTF). Sie sind der Nachfolger der klassischen Type1-Schriften und werden diese - zumindest den Wünschen des Software-Herstellers Adobe zufolge - sukzessive ablösen.
Schriftarten unter Ubuntu installieren (Manuelle Methode)
Schriftarten lassen sich unter Ubuntu sehr einfach manuell installieren, indem man die entsprechenden Schriftart-Dateien (siehe oben) in den zugehörigen Font-Ordner des Betriebssystems kopiert. Falls die Ordner im Homeverzeichnis nicht existieren, müssen sie ggf. erst manuell erstellt werden. Dateien unterhalb von /usr/local/ folgen der Struktur von /usr/, werden jedoch nicht vom Paketmanager beeinflusst.
Um nun einen Font für einen oder alle Benutzer im System zu installieren, werden die zugehörigen Schriftart-Dateien einfach in einen der angegebenen Pfade kopiert. Für die globalen Schriftarten muss man dazu Root-Rechte besitzen. Alternativ können Schriftdateien einfach direkt in den (versteckten) Ordner ~/.local/share/fonts/ (früher ~/.fonts/) kopiert werden.
Probleme und Lösungen
Schriftarten werden in GIMP nicht angezeigt
Wenn installierte Schriftarten in GIMP nicht angezeigt werden, kann das verschiedene Ursachen haben:
- GIMP war während der Installation geöffnet: Schließen Sie GIMP und starten Sie es neu.
- Schriftart wurde nicht korrekt installiert: Überprüfen Sie, ob die Schriftart im richtigen Ordner installiert wurde (siehe oben).
- Fontcache leeren: In manchen Fällen hilft es, den Fontcache zu leeren.
Neukonfiguration von Fontconfig
Sollten nach Herunterladen und Installation neuer Schriftarten-Pakete einige der erwarteten Schriften nicht verfügbar sein, hilft meist eine Neukonfiguration von fontconfig:
sudo dpkg-reconfigure fontconfigDie Schriften-Dateien werden nun neu eingelesen, wobei man in einer interaktiven Abfrage verschiedene Optionen auswählen kann.
Tipps zur Auswahl der richtigen Schriftart
Die passende Schriftart ist entscheidend für die gelingende Gestaltung eines Textdokuments. Eine erste wichtige Unterscheidung ist die zwischen Serifen- und Sans-Serif-Schriften:
- Serifenschriften: Besitzen kleine "Füßchen" an den Buchstaben (bessere Lesbarkeit bei längeren Texten).
- Sans-Serif-Schriften: Besitzen keine Serifen.
Weitere Unterscheidungen:
- Proportionale Schriften: Buchstaben sind unterschiedlich breit.
- Nicht-proportionale Schriften: Buchstaben haben alle die gleiche Breite (z.B. Courier).