Glioblastom im rechten Temporallappen: Erblichkeit, Risiken und aktuelle Forschung

Die Frage, ob ein Glioblastom im rechten Temporallappen erblich bedingt sein kann, ist komplex. Obwohl die genauen Ursachen für die Entstehung eines Glioblastoms noch nicht vollständig geklärt sind, deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass sowohl genetische Faktoren als auch Umwelteinflüsse eine Rolle spielen könnten. Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Stand der Wissenschaft bezüglich der Erblichkeit von Glioblastomen, diskutiert weitere Risikofaktoren und gibt einen Überblick über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Hirntumoren: Eine Übersicht

Hirntumoren sind seltene Tumorerkrankungen, die sowohl Erwachsene als auch Kinder betreffen können. In den westlichen Industrieländern tritt die Erkrankung neu bei einem von 10.000 Einwohnern auf. Man unterscheidet zwischen primären Hirntumoren, die direkt im Gehirngewebe entstehen, und sekundären Hirntumoren oder Hirnmetastasen, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns abstammen. Die Beschwerden, die ein Patient mit einem Hirntumor hat, hängen von der Größe und Lage des Tumors ab.

Häufige Tumortypen

Zu den häufigsten Arten von primären Hirntumoren gehören Gliome, die sich aus den Stützzellen des Gehirns, den Gliazellen, entwickeln. Innerhalb der Gliome gibt es verschiedene Arten, wie Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom und der häufigste bösartige primäre Hirntumor bei Erwachsenen. Andere häufige Hirntumoren sind Meningeome, Neurinome/Schwannome und Medulloblastome.

Glioblastom: Ein aggressiver Hirntumor

Das Glioblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dem Grad 4 zugeordnet wird, dem höchsten Schweregrad. Eine Heilung ist nach derzeitigem Stand der Medizin nicht möglich. Meistens bildet sich der Tumor in einer Großhirnhälfte und wächst schnell über den Balken in die andere Gehirnhemisphäre ein.

Primäres und sekundäres Glioblastom

Man unterscheidet zwischen einem primären und einem sekundären Glioblastom:

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  • Primäres Glioblastom: Es geht direkt aus gesunden Gliazellen hervor und ist sehr viel häufiger als ein sekundärer Tumor. Es entwickelt sich innerhalb weniger Wochen und betrifft vorwiegend ältere Personen im sechsten bis siebten Lebensjahrzehnt.

  • Sekundäres Glioblastom: Es entwickelt sich aus einem Hirntumor niedrigeren WHO-Grades. In diesem Fall ist das Glioblastom das Endstadium einer länger verlaufenden Tumorerkrankung. Der Altersgipfel der Betroffenen liegt zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr.

Häufigkeit

Männer sind häufiger von einem Glioblastom betroffen als Frauen. Jährlich erkranken etwa drei von 100.000 Personen an einem solchen Hirntumor. Damit handelt es sich nicht nur um das häufigste Gliom, sondern auch um den häufigsten primären bösartigen Hirntumor bei Erwachsenen überhaupt.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Glioblastoms sind noch nicht vollständig geklärt. Allerdings gibt es eine Reihe von Faktoren, die das Risiko erhöhen können:

Genetische Prädisposition

Das Risiko für einen Hirntumor ist bei bestimmten erblichen Krankheitsbildern erhöht. Dies betrifft Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom sowie Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose. Gliome treten mitunter familiär gehäuft auf und tendieren dazu, innerhalb des ersten Jahres nach Diagnose wiederzukehren (Rezidiv). Erkranken Patienten jung an einem Hirntumor, ist das Risiko für Verwandte ersten Grades zu erkranken ebenfalls leicht erhöht. Da Hirntumoren aber sehr selten sind, ist das Risiko für Eltern und Geschwister von Hirntumorpatienten insgesamt gesehen immer noch sehr gering. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) empfiehlt Personen, bei denen der Verdacht auf ein erbliches Tumorsyndrom besteht, zunächst eine sogenannte humangenetische Beratung und gegebenenfalls eine genetische Testung. Wurde eine Veränderung im Erbgut nachgewiesen, die zu einem erblichen Tumorsyndrom führt, können regelmäßige Kontrollen mit bildgebenden Verfahren wie etwa einer Magnetresonanztomographie zur Früherkennung eines Hirntumors beitragen.

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Ionisierende Strahlung

Als gesichert gilt der schädigende Einfluss ionisierender Strahlen, etwa im Rahmen einer Strahlentherapie. Die therapeutische Bestrahlung eines anderen Tumors kann ein Glioblastom im Nachgang verursachen. In diesen Fällen geschieht das ungefähr sieben bis neun Jahre nach einer erfolgten Strahlentherapie eines Hirntumors.

Radiofrequenzfelder

Bislang besteht noch kein eindeutig belegter Zusammenhang zwischen der Entstehung allgemein von Gliazell-Tumoren (Gliome) und einwirkender Radiofrequenzstrahlung, wie sie etwa in der mobilen Kommunikation (mobile Telefone, Antennen des Mobilfunknetzes etc.) Verwendung findet. Allerdings führt die IARC - also die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation - Radiofrequenz-Felder bereits seit 2011 als ein mögliches Karzinogen auf.

Die größte bis heute durchgeführte Studie, die den Zusammenhang zwischen Mobiltelefonnutzung und Hirntumoren untersuchte, ist die Fall-Kontroll-Studie INTERPHONE. Im Rahmen der sich über 13 Länder erstreckenden Studie wurden Personen im Alter von 30-59 Jahren zur Nutzung von Mobiltelefonen und Schnurlostelefonen befragt. Es wurden 2409 Meningeom- und 2708 Gliomfälle mit Kontrollgruppen verglichen. Die 2010 veröffentlichten Ergebnisse zeigen keinen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Mobiltelefonen und dem Auftreten von Hirntumoren. Auch eine Nutzung über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren ging demnach nicht mit einem erhöhten Risiko einher (OR = 0,98; CI: 0,76-1,26 für Gliome, OR = 0,83; CI: 0,61-1,14 für Meningeome). Zwar gab es den Verdacht, dass eine sehr hohe Exposition mit einem größeren Risiko verbunden ist, allerdings erlauben die vorliegenden Daten keinen eindeutigen Schluss, da statistische Verzerrungen aufgrund methodischer Mängel nicht auszuschließen sind.

Eine in Großbritannien durchgeführte prospektive Studie erhob zwischen 1999 und 2005 sowie 2009 die Daten zur Mobiltelefonnutzung bei 791710 Frauen mittleren Alters. Demnach sei das Risiko, bei regelmäßiger Nutzung eines Mobiltelefons an einem intrakraniellen Tumor zu erkranken, nicht größer als bei Nichtnutzern (RR = 1,01; CI: 0,90-1,14). Die Studie fand auch keinen Zusammenhang zwischen Langzeitnutzern (über zehn Jahre) und dem Auftreten von Gliomen oder Meningeomen (RR = 0,78; CI: 0,55-1,10 für Gliome, OR = 1,10; CI: 0,66-1,84 für Meningeome).

Im Mai 2016 präsentierten australische Forscher Ergebnisse einer knapp 30 Jahre laufenden Langzeitstudie. Anhand des nationalen Krebsregisters werteten die Wissenschaftler die Daten von mehr als 19800 Männern und 14200 Frauen, die zwischen 1982 und 2012 an einem Hirntumor erkrankt sind, sowie die Nutzungsdaten von Mobiltelefonen im Zeitraum von 1987 bis 2012 aus. Demnach konnte kein Anstieg der Neuerkrankungsrate festgestellt werden.

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Eine von Forschern des National Toxicology Program (NTP) in den USA durchgeführte Studie berichtete 2016 über einen Zusammenhang von Mikrowellen-Bestrahlung und Tumorerkrankungen in Tierversuchen. Ratten und Mäuse wurden mit Mikrowellen der Übertragungstechnologien GSM und CDMA bestrahlt.

Eine Fall-Kontroll-Studie aus Frankreich, die zwischen 2004 und 2006 durchgeführt wurde und 253 Gliom-, 194 Meningeom sowie 892 Kontrollen umfasste, fand beim Vergleich von regelmäßigen Nutzern und Nicht-Nutzern keinen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Mobiltelefonen und Gliom- oder Meningeomerkrankungen (OR = 1,2; CI: 0,86-1,77 für Gliome, OR = 0,90; CI: 0,61-1,34 für Meningeome).

Einer 2015 veröffentlichten schwedischen Studie zufolge, die 1498 Gliompatienten und 3530 Kontrollen einschloss, erhöht die Nutzung von Mobiltelefonen das Risiko an einem Gliom zu erkranken leicht (OR = 1,3; CI: 1,1-1,6). Das größte Risiko ergab sich demnach für die Gruppe mit einer Latenzperiode von mehr als 25 Jahren (OR = 3,0; CI: 1,7-5,2). Auch die Nutzung von schnurlosen Telefonen führe zu einem erhöhten Risiko (OR = 1,4; CI: 1,1-1,7). Mit zunehmender kumulativer Nutzungsdauer und einer längeren Latenzzeit steige das Risiko signifikant, ebenso bei Applikation der Mobilfunkgeräte auf vorwiegend derselben Kopfseite (OR = 1,8; CI: 1,4-2,2). Dieselben Forscher fanden keinen Zusammenhang zwischen Mobiltelefongebrauch und dem Auftreten von Meningeomen.

2010 berichteten Hardell et al. über ein erhöhtes Risiko einer Gliomerkrankung sowohl für Langzeit- als auch Kurzzeitnutzer. Allerdings könnten die Daten dieser Studie dadurch verzerrt worden sein, dass Angaben zur Mobilfunk-Exposition von Angehörigen verstorbener Patienten bis zu elf Jahre nach deren Tod erhoben wurden.

Weitere Studien

Aktuell laufen weitere Studien, die sich mit dem Zusammenhang von Mobiltelefonen und Gesundheitsrisiken auseinandersetzen. MOBI Kids, eine in 14 Ländern durchgeführte Fall-Kontroll-Studie, untersucht den Einfluss elektromagnetischer Felder, die von mobilen Kommunikationstechnologien emittiert werden, auf das Risiko einer Hirntumorerkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Bei der COSMOS-Studie handelt es sich um eine prospektive Kohortenstudie, die insgesamt ca. 250.000 Frauen und Männer aus Dänemark, Finnland, Schweden, den Niederlanden und Großbritannien einschließen wird. Die Teilnehmer sollen über einen Zeitraum von 25 Jahren nachbeobachtet werden. Informationen zur Nutzung von Mobiltelefonen sollen sowohl durch Fragebögen als auch objektiv anhand des Datenaufkommens von Netzwerkbetreibern gewonnen werden. Da es sich um eine prospektive Studie handelt, kann die Exposition elektromagnetischer Strahlung durch Nutzung von Mobilfunkgeräten vor dem Auftreten einer Erkrankung berücksichtigt werden.

Symptome

Die Symptome eines Glioblastoms wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Sprachstörungen oder epileptische Anfälle nehmen ungewöhnlich rasch zu. Grund hierfür ist, dass der Tumor innerhalb weniger Wochen entsteht und sehr schnell wächst. Das Gehirn hat keine Möglichkeit, sich so schnell an die veränderten Druckverhältnisse anzupassen, wodurch es meist im Verlauf zu einer plötzlichen Verschlechterung der Symptome kommt.

Wie bei nahezu allen Krankheiten des Gehirns hängen die Beschwerden beim Glioblastom vor allem von der genauen Lokalisation des wuchernden Gewebes ab. Je nach Hirnregion zeigen sich also völlig unterschiedliche Symptome.

Die Kopfschmerzen treten typischerweise während der Nacht oder in den frühen Morgenstunden auf und bessern sich im Laufe des Tages. Anders als gewöhnliche Kopfschmerzen kehren sie mit der Zeit immer heftiger werdend zurück. Medikamente bleiben oftmals wirkungslos.

Weitere mögliche Symptome sind Krampfanfälle (epileptische Anfälle), Wesensveränderungen und anhaltende Müdigkeit (Fatigue). Wächst das Glioblastom im Sprachzentrum oder in Steuerzentren einzelner Muskeln, haben Betroffene Schwierigkeiten, zu sprechen oder sich zu bewegen. Diese Beschwerden treten oftmals schlagartig auf und erscheinen anfangs wie ein Schlaganfall.

Wächst das Glioblastom, erhöht sich der Hirndruck. Betroffenen ist daher vor allem morgens oft übel. Einige müssen sich übergeben. Steigt der Druck weiter, wirken die Betroffenen oft müde oder schläfrig. Im Extremfall ruft ein Glioblastom komatöse Zustände hervor.

Diagnose

Die Diagnose eines Glioblastoms stellen in der Regel Fachärzte für Nervenheilkunde (Neurologen). Sie befragen und untersuchen den Betroffenen eingehend und veranlassen eine Bildgebung des Schädels. Beteiligt sind unter anderem spezialisierte Radiologen (Neuroradiologen) und Neurochirurgen.

Anamnese und neurologische Untersuchung

Zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) erkundigt sich der Arzt zunächst ausführlich nach den Symptomen und dem zeitlichen Verlauf, sowie nach eventuellen Grund- oder Vorerkrankungen. Anschließend untersucht der Arzt den Erkrankten eingehend und achtet insbesondere auf neurologische Ausfallerscheinungen (neurologische Untersuchung). Im weiteren Verlauf führt er zudem eine Kombination unterschiedlicher neuropsychologischer Einzeltests durch.

Bildgebende Verfahren

Das wichtigste diagnostische Verfahren bei einem Glioblastom ist die MRT-Untersuchung des Schädels. Wenn aus bestimmten Gründen eine MRT nicht möglich ist (etwa bei Trägern eines Herzschrittmachers), führen Ärzte alternativ eine CT-Untersuchung als bildgebendes Verfahren durch (ebenfalls mit Kontrastmittel). Das PET-Verfahren macht Bereiche des Gehirns mit einer erhöhten Stoffwechselrate - wie sie für Hirntumoren charakteristisch ist - sichtbar. Dies erleichtert die weitere Therapieplanung und identifiziert einen geeigneten Ort zur Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) für weitere labordiagnostische Untersuchungen.

Biopsie

Wenn ein Hirntumor gut zugänglich ist, entfernen ihn Ärzte operativ (Resektion). Unter Umständen ist dies nicht möglich, etwa wenn der Betroffene ohnehin stark geschwächt ist. Dann entnehmen die Ärzte gezielt eine Gewebeprobe (stereotaktische Biopsie). Das Tumorgewebe untersuchen Spezialisten, die Pathologen, anschließend im Labor. Erst dann lassen sich die Gewebeeigenschaften genau feststellen und ein Glioblastom endgültig klassifizieren.

Behandlung

Bei einem Glioblastom ist die Therapie der Wahl eine radikale Operation (Resektion). Ihr folgen für gewöhnlich Bestrahlung und Chemotherapie. Unter Umständen wenden Ärzte sogenannte Tumortherapiefelder (TTF) an.

Die genaue Behandlung richtet sich dabei stets nach dem individuellen Fall und wird in einer interdisziplinären Tumorkonferenz von Experten der Neurologie, der Neurochirurgie, der Radiologie, der Onkologie und der Pathologie festgelegt.

Supportive Therapie

Der Gehirntumor selbst oder Nebenwirkungen einer Therapie können Beschwerden auslösen. Ziel einer supportiven Therapie ist es, solche Beschwerden zu lindern. Sie kann Beschwerden, die durch die Krebserkrankung selbst und/oder die Behandlung entstehen, lindern oder vorbeugen.

Reha und Nachsorge

Für eine Patientin oder einen Patienten mit Hirntumor stehen auch nach Abschluss der Krebstherapie und der medizinischen Rehabilitation weiterhin regelmäßige Untersuchungstermine an. Diese fortlaufende Betreuung wird als Nachsorge oder Verlaufskontrolle bezeichnet.

Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Untersuchungen dienen auch zur Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor. Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Betroffene können bei einem Nachsorgetermin auch seelische und soziale Probleme ansprechen.

Prognose

Selbst unter maximaler Therapie ist ein Glioblastom in der Regel nicht heilbar. Personen, die sich einer Operation, Strahlen- und Chemotherapie unterzogen haben, haben eine mittlere Überlebenszeit von ungefähr 15 Monaten beziehungsweise von wenigen Jahren (etwa zwei bis vier) bei einem Glioblastom mit MGMT-Promotor-Methylierung. Etwa fünf bis sieben Prozent der Betroffenen überlebt durchschnittlich fünf Jahre. Ohne Therapie stirbt eine erkrankte Person unter Umständen bereits nach circa zwei Monaten.

Lebenserwartung und -qualität unterliegen dabei auch individuellen Faktoren. Die Tumorzellen haben nicht bei jedem Betroffenen dieselben Eigenschaften. Einige lassen sich besser behandeln als andere. Schrumpft der Tumor unter einer Therapie schnell zusammen, ist die Glioblastom-Prognose besser als in anderen Fällen.

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