Die bakterielle Meningitis ist eine schwerwiegende Erkrankung, die durch eine Entzündung der Hirnhäute (Meningen) gekennzeichnet ist. Sie stellt einen medizinischen Notfall dar, der eine rasche Diagnose und Behandlung erfordert, um bleibende neurologische Schäden oder den Tod zu verhindern. Obwohl Meningokokken und Pneumokokken die häufigsten Erreger der ambulant erworbenen bakteriellen Meningitis sind, können auch gramnegative Stäbchenbakterien, insbesondere bei bestimmten Risikogruppen, eine bedeutende Rolle spielen.
Einführung
Die akute bakterielle Meningitis manifestiert sich typischerweise durch die Leitsymptome Fieber, Kopfschmerzen und Meningismus (Nackensteifigkeit). Zusätzlich können Verwirrtheitszustände, Vigilanzstörungen oder Koma auftreten. Es ist entscheidend, die bakterielle Meningitis von der Virusmeningitis abzugrenzen. Das Erregerspektrum variiert je nach Alter und Begleitumständen des Patienten. In besonderen Situationen, wie nach Operationen, bei Liquordrainage oder bei Immunsupprimierten, können auch gramnegative Stäbchen wie Enterobakterien und Pseudomonaden eine Meningitis verursachen.
Diagnostik
Die Diagnose einer bakteriellen Meningitis umfasst mehrere Schritte:
- Blutkulturen: Bei allen Patienten sollten Blutkulturen entnommen werden, um den Erreger zu identifizieren.
- Zusätzliche Proben: Je nach Lokalisation von Begleitinfektionen können Rachenabstriche, Bronchialsekret, Urin oder Wundabstriche erforderlich sein.
- Lumbalpunktion: Die Untersuchung des Liquor cerebrospinalis (Hirnwasser) ist entscheidend für die Diagnosestellung. Typische Befunde sind eine granulozytäre Pleozytose (erhöhte Anzahl von Granulozyten), erhöhte Eiweiß- und Laktatwerte sowie ein erniedrigter Glukose-Quotient zwischen Liquor und Serum.
- Gram-Färbung: Die Gram-Färbung des Liquorsediments kann erste Hinweise auf die Art des Erregers liefern (gramnegative Stäbchen oder Kokken, grampositive Stäbchen oder Kokken).
- Ergänzende Diagnostik: Antigennachweisverfahren aus Liquor und Urin, PCR aus dem Liquor (insbesondere bei Verdacht auf tuberkulöse Meningitis oder zum Nachweis/Ausschluss viraler ZNS-Infektionen), CRP/PCT-Bestimmung im Serum und Differential-Blutbild können die Diagnostik ergänzen.
- Bildgebung: Bei bewusstseinsgestörten oder immunsupprimierten Patienten sollte vor der Lumbalpunktion eine Schädel-Computertomographie (CT) durchgeführt werden, um einen erhöhten Hirndruck auszuschließen.
Gramnegative Stäbchen als Ursache
Gramnegative Stäbchenbakterien sind eine vielfältige Gruppe von Bakterien, die sich durch ihre Zellwandstruktur auszeichnen. Einige Arten können Meningitis verursachen, insbesondere bei bestimmten Risikogruppen. Zu den relevanten gramnegativen Stäbchen gehören:
- Enterobacteriaceae: Diese Familie umfasst verschiedene Gattungen wie Escherichia coli (E. coli), Klebsiella, Enterobacter und Proteus. Sie sind häufige Verursacher nosokomialer Infektionen, d.h. Infektionen, die im Krankenhaus erworben werden. Bei Neugeborenen stellen sie eine relevante Ursache für Meningitis dar. Infektionen treten auch im Zusammenhang mit neurochirurgischen Eingriffen oder bei Immunsuppression auf.
- Pseudomonas aeruginosa: Dieses Bakterium ist ein opportunistischer Erreger, der vor allem bei immungeschwächten Personen oder nach invasiven Eingriffen Infektionen verursacht. Pseudomonas aeruginosa kann eine schwer zu behandelnde Meningitis verursachen, da es oft Resistenzen gegen viele Antibiotika aufweist.
- Haemophilus influenzae: Obwohl Haemophilus influenzae Typ b (Hib) früher eine häufige Ursache für Meningitis bei Kindern war, ist seine Inzidenz dank der erfolgreichen Hib-Impfung deutlich gesunken. Ungeimpfte Kinder und Erwachsene können jedoch weiterhin betroffen sein.
Risikofaktoren
Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko einer Meningitis durch gramnegative Stäbchen:
Lesen Sie auch: Sehvorgang im Detail
- Nosokomiale Infektionen: Patienten, die sich in Krankenhäusern oder anderen Gesundheitseinrichtungen aufhalten, haben ein höheres Risiko, sich mit gramnegativen Stäbchen zu infizieren.
- Neurochirurgische Eingriffe: Operationen am Gehirn oder Rückenmark können das Risiko einer Meningitis erhöhen, insbesondere wenn Liquordrainagen gelegt werden.
- Immunsuppression: Patienten mit geschwächtem Immunsystem, z. B. aufgrund von HIV/AIDS, Organtransplantationen oder Chemotherapie, sind anfälliger für Infektionen durch gramnegative Stäbchen.
- Hohes Alter: Ältere Menschen haben ein höheres Risiko für Meningitis, da ihr Immunsystem oft geschwächt ist und Begleiterkrankungen vorliegen.
- Neugeborene: Neugeborene sind aufgrund ihres unreifen Immunsystems besonders anfällig für Meningitis durch gramnegative Stäbchen, insbesondere durch E. coli und andere Enterobakterien.
Therapie
Die Behandlung der bakteriellen Meningitis, insbesondere bei Verdacht auf gramnegative Stäbchen, erfordert einen raschen und aggressiven Ansatz:
- Kalkulierte Initialtherapie: Aufgrund des breiten Erregerspektrums und der zunehmenden Antibiotikaresistenzen ist eine kalkulierte Initialtherapie entscheidend. Diese umfasst in der Regel eine Kombination aus Vancomycin (zur Abdeckung grampositiver Erreger) plus Meropenem oder Ceftazidim (zur Abdeckung gramnegativer Erreger).
- Gezielte Therapie: Sobald der Erreger identifiziert und seine Antibiotikaempfindlichkeit bestimmt wurde, sollte die Therapie auf ein geeignetes Antibiotikum umgestellt werden.
- Intraventrikuläre Antibiotikatherapie: Bei Erregern mit verminderter Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika kann eine intraventrikuläre Antibiotikatherapie notwendig werden, um eine ausreichende Konzentration des Antibiotikums im Liquor zu erreichen.
- Adjuvante Therapie: Dexamethason, ein Kortikosteroid, kann zusätzlich zu Antibiotika eingesetzt werden, um die Entzündung im Gehirn zu reduzieren und das Risiko von Komplikationen zu verringern. Die Gabe von Dexamethason wird jedoch bei nosokomialen Meningitiden und bei Immunsupprimierten nicht empfohlen.
- Entfernung infizierter Liquordrainagen: Infizierte Liquordrainagen müssen in der Regel entfernt und durch eine externe Liquorableitung ersetzt werden.
Prophylaxe
Die Vorbeugung von Meningitis durch gramnegative Stäbchen konzentriert sich auf die Minimierung von Risikofaktoren und die Umsetzung von Hygienemaßnahmen:
- Impfungen: Gegen einige Erreger, die Meningitis verursachen können, stehen Impfungen zur Verfügung (z. B. gegen Haemophilus influenzae Typ b, Meningokokken und Pneumokokken).
- Hygienemaßnahmen: Eine gute Händehygiene und die Einhaltung von Hygienestandards in Gesundheitseinrichtungen sind entscheidend, um die Ausbreitung von gramnegativen Stäbchen zu verhindern.
- Antibiotische Prophylaxe: In bestimmten Situationen, z. B. bei engem Kontakt zu einem Patienten mit Meningokokken-Meningitis, kann eine antibiotische Prophylaxe sinnvoll sein.
Lesen Sie auch: Stäbchen vs. Zapfen: Ein Vergleich
Lesen Sie auch: Alles über Herpes-Meningitis
tags: #gramnegative #stabchen #meningitis