Gehirnhälften nicht synchronisiert: Auswirkungen und Lösungsansätze

In unserer modernen Gesellschaft beobachten wir einen stetigen Anstieg von Kindern, bei denen ADHS, Autismus, Lernstörungen, Tics und andere Verhaltens- und Lernprobleme diagnostiziert werden. Diese Probleme, die je nach Symptom als Verhaltensstörung und/oder Entwicklungsstörung eingestuft werden, weisen zwar unterschiedliche Symptome auf, haben jedoch einen gemeinsamen Nenner: ein Gehirnungleichgewicht.

Das Gehirn im Ungleichgewicht

Das Gehirn ist bei der Geburt noch nicht vollständig entwickelt. Der Aufbau des Gehirns erfolgt vom einfachen zum komplexen Bereich und von Seite zu Seite, d. h. von der linken Hemisphäre zur rechten. Die beiden Seiten reifen jedoch nicht im Gleichtakt; die rechte Seite entwickelt sich in den ersten drei Jahren im Normalfall stärker. Sie ermöglicht die Interpretation der Welt um das Kind herum und das Laufenlernen. Die linke Seite zieht im Alter von drei Jahren nach und ermöglicht Detailbetrachtung und das Erforschen. Danach wird die Weiterentwicklung rhythmisch und harmonisch fortgeführt, bis das Kind zu einem jungen Erwachsenen herangereift ist.

Auch wenn beide Gehirnhälften mit unterschiedlichen Aufgaben betraut sind, muss das Gehirn als eine Einheit arbeiten. Wenn jetzt aber eine Gehirnhälfte zu langsam oder zu schwach ist, übernimmt die stärkere, schnelle Seite das Ruder, und das Gehirn ist aus dem Gleichgewicht. Liegt ein solches Ungleichgewicht vor, sind die beiden Hemisphären (Gehirnhälften) nicht synchronisiert, können keine Informationen teilen und integrieren, so dass das Gehirn nicht als Einheit funktionieren kann. Oftmals führt das also dazu, dass das Kind in einigen Bereichen sehr gut ist und in anderen stark unterentwickelt.

Beispiele für eine Hemisphärenschwäche

Rechtshirnschwäche:

  • Ungeschickt/schwerfällig
  • Hyperaktiv/unruhig
  • Schlechte Sprachfähigkeiten
  • Impulsiv/zu wenig Fokus
  • Fehlende, emotionale Kontrolle
  • Schlechtes Leseverständnis
  • Obsessiv/monotone Verhaltensweisen
  • Unreifes Sozialverhalten
  • Allergien/Autoimmunität
  • Fehlendes Interesse an Sport
  • Sieht den Gesamtzusammenhang nicht
  • Schlechter Augenkontakt
  • Übergriffig

Linkshirnschwäche:

  • Schlecht in Mathematik, Sprache und Rechtschreibung
  • Leseschwäche
  • Feinmotorik-Probleme
  • Schlechte Buchstabenerkennung
  • Auditive Verarbeitungsstörung
  • Schlechte Immunabwehr
  • Schlechtes Detailgedächtnis
  • Übersieht kleine Details
  • Schlechtes Selbstwertgefühl
  • Schwer zu motivieren
  • Arbeitsvermeidung

Die Rolle des Corpus Callosum

Das Corpus Callosum ist eine der größten Verbindungen im menschlichen Gehirn, die die linke und rechte Gehirnhälfte miteinander verbindet. Seine primäre Funktion besteht darin, Informationen zwischen den beiden Hemisphären auszutauschen und zu koordinieren.

Aufbau des Corpus Callosum

Das Corpus Callosum hat eine komplexe Struktur, die sich in mehrere Teile unterteilen lässt:

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  • Rostrum: Der vorderste Teil, der am vorderen Bereich des Gehirns anliegt.
  • Genu: Die Struktur, die nach oben krümmt, oft als Knie bezeichnet.
  • Truncus: Der Hauptteil, der den Großteil der Nervenfasern enthält.
  • Splenium: Der dickste Teil am hinteren Ende, zuständig für die Verbindung mit den visuellen Bereichen des Gehirns.

Die Fasern des Corpus Callosum sind myelinisiert, was eine schnelle und effiziente Leitung von Signalen ermöglicht. Diese Myelinisierung ist entscheidend für die schnelle Verarbeitung und Übertragung von Informationen im Gehirn.

Das Corpus Callosum befindet sich zentral im Gehirn und spannt sich von der linken zur rechten Hemisphäre. Es liegt oberhalb der Basalganglien und des Thalamus und befindet sich direkt unter der Hirnrinde. Aus einer anatomischen Perspektive befindet sich das Corpus Callosum auf der medialen Ebene des Gehirns, was bedeutet, dass es in der Mitte des Gehirns gelegen ist. Diese Position ermöglicht es ihm, als Brücke zwischen den beiden Hemisphären zu fungieren, was entscheidend für die Integration und Verarbeitung von Informationen ist.

Funktion des Corpus Callosum

Das Corpus Callosum spielt eine zentrale Rolle im menschlichen Gehirn, insbesondere für den Informationsaustausch und die Kommunikation zwischen den Gehirnhälften. Dies ermöglicht eine kohärente und koordinierte Verarbeitung von Informationen.

Rolle beim Informationsaustausch:

  • Es stellt sicher, dass sensorische Informationen aus einer Hemisphäre zur anderen übertragen werden.
  • Es ermöglicht die Integration von motorischen und sensorischen Signalen.
  • Gibt kognitiven Prozessen Räumlichkeit und Balance, indem es beide Gehirnhälften synchronisiert.

Ein gestörtes oder beschädigtes Corpus Callosum kann zu einer Vielzahl von neurologischen Problemen führen, da es die harmonische Funktion beider Gehirnhälften beeinträchtigt. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das Corpus Callosum nicht nur ein passiver Vermittler ist, sondern eine aktive Rolle bei der Modulation der neuronalen Aktivitäten spielt. Dies bedeutet, dass es sowohl Informationen weiterleitet als auch deren Intensität und Relevanz regelt.

Die Inter-Hemisphären-Koordination, die durch das Corpus Callosum vermittelt wird, ist entscheidend für das Verständnis und die Durchführung komplexer Aufgaben. Es spielt eine Rolle bei der emotionalen Verarbeitung, weil es Verbindungspfade zu verschiedenen neuro-emotionalen Netzwerken bietet. Menschen, deren Corpus Callosum teilweise oder vollständig abgetrennt ist, erleben häufig Schwierigkeiten bei der Durchführung von Aktivitäten, die Zusammenarbeit zwischen den Hemisphären erfordern, wie das Benennen von Objekten, die nur auf einer Seite präsentiert werden.

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Erkrankungen des Corpus Callosum

Erkrankungen des Corpus Callosum können eine Vielzahl von neurologischen und kognitiven Problemen verursachen. Diese Erkrankungen betreffen die Kommunikation zwischen den beiden Gehirnhälften und können in verschiedenen Formen auftreten, darunter genetische Anomalien oder erworbene Schädigungen.

Corpus Callosum Agenesie:

Die Corpus Callosum Agenesie ist eine neurologische Erkrankung, bei der das Corpus Callosum während der embryonalen Entwicklung nicht oder nur unvollständig ausgebildet wird. Diese Störung kann unterschiedliche Auswirkungen auf die betroffene Person haben:

  • Verzögerte Meilensteine in der motorischen Entwicklung
  • Sprech- oder Sprachstörungen
  • Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion

Diese Auswirkungen variieren stark, abhängig vom Grad der Ausbildung des Corpus Callosum und der Entwicklung alternativer neuronaler Netzwerke im Gehirn. Einige Forschungen deuten darauf hin, dass Menschen mit Corpus Callosum Agenesie kompensatorische Mechanismen entwickeln können. Dies bedeutet, dass andere Teile des Gehirns zusätzliche Verbindungen entwickeln, um die fehlende oder fehlerhafte Verbindung des Corpus Callosum teilweise auszugleichen. Diese Plastizität des Gehirns zeigt, wie anpassungsfähig es bei der Entwicklung neuer neuronaler Pfade ist.

Auswirkungen von Anomalien:

Anomalien des Corpus Callosum können sich auf vielfältige Weise auf die betroffenen Personen auswirken:

  • Sensorische Verarbeitungsstörungen
  • Probleme bei der emotionalen Regulation
  • Kognitive und intellektuelle Einschränkungen

Der Grad der Beeinträchtigung hängt von der spezifischen Art der Anomalie und ihrer Schwere ab. Bei einigen Patienten können Anomalien subtile und schwer zu erkennende Schwierigkeiten verursachen, während sie bei anderen schwerwiegende und offensichtliche Beeinträchtigungen hervorrufen. Frühzeitige Diagnose und Intervention können helfen, die Auswirkungen von Corpus Callosum Anomalien durch gezielte Therapien und Unterstützungsmaßnahmen zu minimieren.

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Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten:

Die Diagnose von Corpus Callosum Anomalien erfolgt oft durch bildgebende Verfahren wie MRT oder CT-Scans, die detaillierte Bilder des Gehirns bieten. Diese helfen dabei, strukturelle Abnormalitäten zu erkennen.

Behandlungsmöglichkeiten sind je nach Schweregrad und Symptomen unterschiedlich:

  • Physiotherapie bei motorischen Problemen
  • Sprachtherapie zur Verbesserung kommunikativer Fähigkeiten
  • Psychologische Unterstützung bei der sozialen Interaktion und emotionalen Regulation

Ein multidisziplinärer Ansatz ist oft erforderlich, um den Patienten umfassend zu unterstützen.

Entwicklung des Corpus Callosum

Der Entwicklungsprozess des Corpus Callosum beginnt früh in der Schwangerschaft und durchläuft mehrere entscheidende Phasen:

  • Zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche formiert sich die primordiale Struktur.
  • Bis zur 20. Woche ist das grundlegende Gerüst des Corpus Callosum weitestgehend vorhanden.
  • Die vollständige Reifung und Myelinisierung, die für eine effiziente Signalübertragung notwendig ist, setzt im späten Fötalalter ein und dauert bis ins frühe Erwachsenenalter an.

Die Myelinisierung der Nervenfasern, ein entscheidender Entwicklungsschritt, gewährleistet eine schnellere Signalübertragung zwischen den Hirnhälften. Regelmäßige pränatale Untersuchungen können helfen, eine normale Gehirnentwicklung zu überwachen und potenzielle Entwicklungsstörungen frühzeitig zu erkennen.

Die Entwicklung des Corpus Callosum wird von mehreren Faktoren beeinflusst:

  • Genetische Einflüsse: Gene bestimmen zu einem großen Teil die Struktur und Entwicklung des Corpus Callosum.
  • Umweltfaktoren: Ernährung, Exposition gegenüber Toxinen und andere Umweltfaktoren können die Entwicklung beeinflussen.
  • Erfahrungen: Frühkindliche Erfahrungen und Stimulation spielen eine Rolle bei der Feinabstimmung der neuronalen Verbindungen.

Inter-Brain Synchronisation: Ein neuer Ansatz

Beim gemeinsamen Musizieren, Küssen oder Schachspielen vernetzen sich die Gehirne der Beteiligten, und deren Hirnwellen gleichen sich an. Der Biologe Viktor Müller hat das Phänomen der sogenannten Inter-Brain Synchronisation mitentdeckt und fast seine gesamte Karriere seiner Erforschung gewidmet.

Die Forschung zu hirnübergreifender Synchronisation hat gezeigt, dass dieses Phänomen nicht nur beim Musizieren, sondern auch in verschiedenen anderen sozialen Situationen auftritt - zum Beispiel beim Küssen, bei Computer- und Schachspielen, gemeinsamen Entscheidungsfindungen und beim interaktiven Wahrnehmen. In einer Studie konnte festgestellt werden, dass die Stärke dieser Synchronisation als Rückmeldung für die Teilnehmenden verwendet werden kann. Wenn ihnen visuell gezeigt wird, wie gut ihre Gehirne synchronisiert sind, können die Teilnehmenden tatsächlich lernen, ihre Gehirne besser in Einklang zu bringen. Dies könnte besonders nützlich sein, um Menschen zu helfen, durch eine verbesserte hirnübergreifende Synchronisation bessere soziale Verbindungen herzustellen, besonders solchen, die Schwierigkeiten damit haben, wie zum Beispiel autistischen Kindern oder Personen mit begrenzten sozialen Fähigkeiten.

Hyper-Brain Module und Hyperhirnzellverbände

In Forschungsstudien wurden 'Hyper-Brain Module' entdeckt. Das sind bestimmte Bereiche in zwei oder mehreren Gehirnen, die sich während einer Interaktion zusammenschließen und synchronisiert arbeiten. Durch eine spezielle Analyse konnten diese Module identifiziert werden, und es wurde herausgefunden, dass sie eine wichtige Rolle spielen können.

Die gemeinsame Synchronisation innerhalb und zwischen den Gehirnen führt zu einem 'Hyper-Brain Netzwerk'. Die formulierte 'Hyper-Brain Cell Assembly Hypothesis' basiert auf Donald Hebb's Theorie der Zellverbände. Hebb postulierte, dass kortikale Neuronen ihre Verbindungen verstärken, wenn sie wiederholt gleichzeitig aktiv sind, und dass diese synaptische Verstärkung durch wiederholte Ko-Aktivierung eine bedeutende funktionale Rolle spielt. Die Hebb'schen Zellverbände sind wie Teams von Gehirnzellen, die sich verbinden, wenn sie oft zusammenarbeiten. Einige wenige aktive Zellen können das gesamte Team aktivieren. Die Idee ist, dass solche Teams nicht nur in einzelnen Gehirnen, sondern auch im gesamten Hyper-Brain Netzwerk entstehen können - die nenne ich 'Hyper-Brain Cell Assemblies'. Wenn bestimmte Synchronisationsmuster auftauchen, die mit sozialen Situationen verbunden sind, aktivieren sie ganze 'Hyper-Brain Cell Assemblies', die zuvor in ähnlichen Situationen gebildet wurden. Das hilft dabei, unser zwischenmenschliches Verhalten zu verbessern. Das lässt uns beispielsweise besser miteinander musizieren oder gemeinsam Sport treiben.

Neuronale Synchronität in Eltern-Kind-Interaktionen

Wenn Eltern und Kinder miteinander interagieren, haben sie die natürliche Tendenz, ihr Verhalten anzupassen und einander zu imitieren. Neueste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Gehirnaktivität insbesondere dann anpasst, wenn zwei Personen miteinander interagieren. Es lassen sich nämlich gleichzeitige Zu- und Abnahmen der Gehirnaktivität innerhalb verschiedenen, teils überlappenden Gehirnarealen nachweisen.

Bio-behaviorale Synchronität kann eine Förderung der Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Reaktion auf soziale und nichtsoziale Reize begründen. Sie kann auch das Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl stärken. Dies kann wiederum zu effektiverer Zusammenarbeit, sozialer Inklusion / Integration sowie positiveren Gedanken und Handlungen anderen gegenüber führen.

Studien haben gezeigt, dass die neuronale Synchronität bei Eltern-Kind-Paaren signifikant stärker ist, wenn sie gemeinsam Probleme lösen oder miteinander sprechen, als wenn sie alleine Probleme lösen oder sich in Ruhephasen befinden. Zudem gab es in vielen Fällen einen Zusammenhang zwischen der neuronalen Synchronität und dem Erfolg in der Zusammenarbeit. Mit anderen Worten, je synchroner beispielsweise das gemeinsame Computerspiel oder puzzeln war, desto höher war auch die neuronale Synchronität.

Einfluss der Eltern-Kind-Beziehungsqualität

Die Eltern-Kind Beziehungsqualität spielt eine wichtige Rolle für die neuronale Synchronität. Eine bessere Beziehungsqualität äußert sich durch feinfühliges, emotional unterstützendes Verhalten der Eltern gegenüber ihrem Kind. So ging zum Beispiel bei Mutter-Kind Paaren, die zusammen Puzzles lösten, die neuronale Synchronität mit häufigeren wechselseitigen Reaktionen sowie stärkerer Initiative des Kindes und daher erhöhter mütterlicher Feinfühligkeit einher.

Die Bindungsrepräsentation der Kinder gegenüber ihrer Mutter, welche das Vertrauen in die Fürsorgebereitschaft anderer und ein positives oder negatives Selbstbild ermittelt, steht ebenfalls in Verbindung mit der wechselseitigen Anpassung der Gehirnwellen während eines Computerspiels. Kinder mit einer sicheren Bindung zur Mutter zeigten eine stärkere neuronale Synchronität als Kinder, die vermehrt mit unsicher-vermeidenden Bindungsrepräsentationen assoziierten.

Geschlechterunterschiede in der neuronalen Synchronität

Das Geschlecht der Eltern und des Kindes scheint für die neuronale Synchronität ebenfalls eine Rolle zu spielen. So gab es nur einen Zusammenhang zwischen dem Interaktionsverhalten und dem Ausmaß der wechselseitigen Anpassung der Gehirnwellen in einer Studie in Mutter-Kind Paaren, nicht aber in einer anderen Studie in Vater-Kind Paaren. Zudem war die neuronale Synchronität in Mutter-Kind und Vater-Kind Paaren nicht immer in den gleichen Gehirnarealen am stärksten ausgeprägt. All diese Ergebnisse deuten auf unterschiedliche mentale Prozesse während der Interaktion in Abhängigkeit des Geschlechts der Eltern und des Kindes hin.

Solche Unterschiede in der neuronalen Synchronität zwischen Müttern und Vätern mit ihren Kindern könnten zum Beispiel darauf zurückgeführt werden, dass Elternteile auf unterschiedliche Art und Weise mit ihren Kindern interagieren. Während Mutter-Kind Interaktionen etwas mehr Rhythmus und Struktur aufweisen, gelten Vater-Kind Interaktionen als energetischer und spielerischer.

Weitere Faktoren, die die Gehirnentwicklung beeinflussen

Neurotransmitter und Hormone

Die Entwicklung des Gehirns ist stark von verschiedenen Neurotransmittern abhängig. Bei ADHS besteht beispielsweise ein Dopaminmangel in manchen Gehirnregionen. Dopamin ist einer der vielen Neurotransmitter, die die Proliferation von Progenitorzellen im Gehirn beeinflussen können, ebenso wie Noradrenalin, GABA und Glutamat, und Serotonin. Einige Hormone beeinflussen die Gehirnentwicklung ebenfalls. Störungen des dopaminergen Systems, die von Zeugung an bestehen, können die Gehirnentwicklung unter anderem in Bezug auf Zellmigration, Zelldifferenzierung, Neuritenauswuchs, Spine-Entwicklung und Synaptogenese beeinträchtigen.

Phenylketonurie (PKU), eine rezessive Störung des Phenylalanin-Stoffwechsels, führt zu einem signifikanten Überschuss an Phenylalanin. Da Phenylalanin und Tyrosin durch dieselben Transporter durch die Blut-Hirn-Schranke gelangen, und diese Transporter eine höhere Affinität für Phenylalanin haben, gelangt bei einem Phenylalaninüberschuss im Blut zu wenig Tyrosin ins Gehirn. Tyrosin ist ein Vorstoff für Dopamin, aus dem weiter Noradrenalin und Adrenalin entsteht.

Schizophrenie ist mit verringertem Dopamin im PFC verbunden, was zum einen die Negativ-Symptome und zum anderen einen Dopaminüberschuss im mesolimbischen System auslöst, was wiederum die Positiv-Symptome verursacht. Schizophrenie wird zunehmend als eine Gehirnentwicklungsstörung betrachtet, bei der starke genetische Komponenten und frühe Umwelteinflüsse eine Rolle spielen.

Umwelteinflüsse und Stress

Störungen der Bindung zwischen Säugling und Mutter können Entwicklungsstörungen der rechten Gehirnhemisphäre verursachen, die die Erregungsmodulation und die Regulation der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin beeinflussen. Vielfache Untersuchungen bestätigen, dass frühkindliche Stresserfahrungen Veränderungen des Verhaltens und der Neurotransmitter bewirken können.

Genetische Faktoren

ADHS ist zu rund 76 % genetisch bedingt. Unter den Genmutationen und Genpolymorphismen, die mit ADHS in Verbindung gebracht werden, ist Dopamin der am häufigsten betroffene Neurotransmitter, wobei jeweils ein geringerer Dopaminspiegel, eine geringere Dopaminwirksamkeit oder ein erhöhter Dopaminabbau bewirkt wird.

Mental Load und Mental Overload

In unserem Alltag sind wir ständig mit einer Flut an Informationen, Aufgaben und Anforderungen konfrontiert. Als "Mental Load" bezeichnet man diese unsichtbare, kognitive und emotionale Last, die mit der Organisation, Koordination und Planung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten verbunden ist. Ein Mental Overload tritt also auf, wenn unser Gehirn mit einem übermäßigen Maß an Informationen, Aufgaben und Reizen konfrontiert wird, die es nicht effektiv verarbeiten kann.

Wird die mentale Last zu groß, kann das viele und weitreichende Auswirkungen haben. Besonders kognitive Funktionen sind dann meist stark betroffen: Verminderte Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisprobleme, ein erschwertes Urteilsvermögen und Entscheidungsschwierigkeiten können die Folge sein. Die Überlastung des Gehirns kann zu erhöhter Reizbarkeit, Angstgefühlen, Überforderung und einem allgemeinen Gefühl der Erschöpfung führen.

Lösungsansätze und Ausblick

Die gute Nachricht ist: Wird die Balance im Gehirn verbessert bzw. wieder hergestellt, können sowohl physiologische als auch psychologische Symptome messbar abnehmen oder sogar verschwinden. Denn basierend auf neuesten Erkenntnissen in der Hirnforschung können verschobene Entwicklungszustände wieder ausgeglichen werden.

Die Bewältigung des Mental (Over-)Loads erfordert eine bewusste Auseinandersetzung mit der Verteilung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Eine offene Kommunikation innerhalb der Familie, der Partnerschaft und im Job ist wichtig, um die mentale Belastung gerecht zu verteilen und Unterstützung anzubieten.

Forscher hoffen, dass die neuen Befunde zur neuronalen Synchronität bald praktische Anwendung finden, zum Beispiel im Schul- und Lernkontext.

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