Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut etwa 7.330 Menschen neu an Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS), also an Tumoren des Gehirns oder des Rückenmarks. Obwohl die Diagnose eines Hirntumors sowohl für Betroffene als auch für Angehörige schockierend ist, sind viele dieser Geschwülste behandelbar. Ziel dieses Artikels ist es, einen umfassenden Überblick über gutartige Hirntumoren und ihre Behandlungsmöglichkeiten zu geben.
Das Gehirn: Ein komplexes Organ
Das Gehirn ist ein hochspezialisiertes Organ, das lebenswichtige Körperfunktionen steuert, darunter:
- Sinnesreize wahrnehmen und verarbeiten
- Gedächtnisinhalte anlegen und speichern
- Lernprozesse und Bewegungen steuern
- Sprache verstehen und formulieren
- Gefühle entwickeln, verstehen und ausdrücken
- Ausprägung der Persönlichkeit
Das Gehirn ist durch den knöchernen Schädel gut vor äußeren Einwirkungen geschützt. Diese starre Begrenzung kann jedoch dazu führen, dass Erkrankungen, bei denen die Gehirnmasse zunimmt, den Druck im Schädelinneren lebensbedrohlich erhöhen können. Gehirn und Rückenmark bilden gemeinsam das zentrale Nervensystem (ZNS), das aus Milliarden von Nervenzellen (Neuronen) besteht.
Arten von Hirntumoren
Unter einem Hirntumor oder Gehirntumor versteht die Fachmedizin einen Tumor im Bereich des Gehirns selbst oder im Bereich der Hirnhäute. Die an verschiedenen Stellen in unterschiedlicher Ausprägung auftretenden Tumoren können sowohl gutartig (benigne) als auch bösartig (maligne) sein. Kinder sind davon ebenso betroffen wie erwachsene Patienten und Patientinnen.
Mit etwa 50 Prozent aller primären Tumoren des zentralen Nervensystems sind Gliome die häufigsten Hirntumoren. Sie leiten sich von den Gliazellen ab. Da das Gehirn mehrere Arten dieser Stützzellen enthält, lassen sich Gliome wiederum in verschiedene Untergruppen einteilen:
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- Astrozytome: Sie entstehen aus den sternförmigen Stützzellen des Gehirns (Astrozyten). Sie sind die häufigsten Gliome und können in allen vier WHO-Graden auftreten. Dabei ist das pilozytische Astrozytom (WHO-Grad 1) ein gutartiger Hirntumor, an der überwiegend Kinder und junge Erwachsene erkranken. Diffuse Astrozytome der WHO-Grade 2 und 3 wachsen langsam und haben keine deutliche Grenze zum umliegenden Gewebe. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie zunächst wenig bösartig (maligne) sind, im Laufe der Erkrankung aber bösartiger werden können. Sorgfältige und regelmäßige Nachuntersuchungen sind daher besonders wichtig. Das bösartigste Gliom ist das Glioblastom (Glioblastoma multiforme - WHO-Grad 4).
- Oligodendrogliome: Sie entstehen aus den Stützzellen, welche die Markscheiden bilden (Oligodendrozyten).
- Ependymome: Sie entwickeln sich aus der Wand der Gehirnkammern.
- Meningeome: Sie entwickeln sich aus Zellen der Hirnhäute. Sie machen etwa 20 Prozent aller Hirntumoren aus. Betroffen sind überwiegend Menschen im mittleren und höheren Lebensalter, vor allem Frauen. In 85 Prozent der Fälle werden Meningeome als gutartige Hirntumoren in den WHO-Grad 1 eingestuft und können durch operative Entfernung geheilt werden. Etwa zehn Prozent der Meningeome sind jedoch sogenannte atypische Meningeome (WHO-Grad 2). Sie wachsen verstärkt und neigen dazu, nach der Behandlung wiederaufzutreten (Rezidiv). Allerdings haben auch diese Meningeome in der Regel eine günstige Prognose. Bösartige Meningeome (WHO-Grad 3) werden nur bei etwa fünf Prozent der Betroffenen beobachtet. Sie müssen gewöhnlich zusätzlich zur Operation mit einer Strahlentherapie behandelt werden. Auch gutartige Meningeome können nicht immer vollständig entfernt werden. Sie können dann erneut wachsen. Bei diesen Betroffenen, aber auch bei solchen, bei denen der Tumor komplett entfernt werden konnte, sind regelmäßige Nachuntersuchungen erforderlich.
- Neurinome: Sie bilden sich aus den die markscheidenbildenden Schwann-Zellen der Hirn- und Rückenmarknerven. Sie entstehen meist in der hinteren Schädelgrube, wo sie Strukturen des Hirnstamms und des Kleinhirns in Mitleidenschaft ziehen können. Am häufigsten ist der achte Gehirnnerv betroffen, der für den Gehör- und Gleichgewichtssinn zuständig ist (Akustikus-Neurinom oder Vestibularis-Schwannom). Auch Neurinome sind gutartige Hirntumoren, die in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle dem WHO-Grad 1 entsprechen.
- Lymphome: Obwohl das Gehirn kein lymphatisches Organ ist, können im Gehirngewebe Tumoren aus Lymphzellen entstehen. Das sind Zellen, die an der körpereigenen Abwehr beteiligt sind und zum Beispiel in Lymphknoten, Milz und Blut vorkommen. Warum diese Tumorform im zentralen Nervensystem entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. Diese Tumoren treten bei zuvor vollkommen gesunden Personen auf, aber gehäuft auch bei Betroffenen mit einer Immunschwäche. Aus unbekannten Gründen kommt diese Tumorart auch bei Menschen ohne Immunschwäche immer häufiger vor. Lymphome des Gehirns werden in der Regel nicht operativ entfernt.
- Hypophysenadenome: Sie zählen im engeren Sinn nicht zu den Hirntumoren. Diese entstehen im Bereich der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und können sich gegen den Sehnerv sowie Anteile der Gehirnbasis ausdehnen. Manche der Hypophysenadenome zeichnen sich dadurch aus, dass sie Hormone bilden. Die Folge sind Störungen in den Hormonfunktionen, etwa Menstruationsstörungen, Wachstumsstörungen oder andere. Die durch den Tumor gebildeten Hormone lassen sich sowohl im Blut als auch im Tumorgewebe selbst nachweisen. In den meisten Fällen sind Hypophysenadenome gutartige Tumoren (WHO-Grad 1) mit günstiger Prognose. In der Regel werden Hypophysenadenome operiert. Manchmal ist auch eine alleinige medikamentöse Behandlung möglich und erfolgreich.
- Gehirnmetastasen: Krebserkrankungen anderer Organe können auch im Gehirn Tochtergeschwülste bilden (Gehirnmetastasen). Diese Metastasen im Kopf sind im Erwachsenenalter häufiger als primäre Tumoren des Gehirns.
Symptome von Hirntumoren
Ein Hirntumor kann jeden treffen. Ein Hirntumor tritt oft ohne Vorwarnung in Erscheinung und macht sich durch verschiedene Symptome wie z. B. Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, Verhaltensveränderungen, Hirnleistungsstörungen oder Sehstörungen bemerkbar. Diese Faktoren können auch Anzeichen anderer Erkrankungen sein, eine zeitnahe Abklärung durch einen Arzt oder eine Ärztin ist notwendig. Ein Hirntumor macht sich in der Regel durch eine Reihe von Symptomen bemerkbar, die sich unbehandelt deutlich verstärken. Es gibt allerdings auch Gehirntumoren, die bei den Patienten und Patientinnen sehr lange keine Symptome hervorrufen. Die Symptome kommen sowohl bei bösartigen als auch bei gutartigen Tumoren vor. Direkt im Gehirn entstehen (z. B. von anderen Körperstellen ins Gehirn streuen (z. B.
Die häufigsten Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Sie sind Folge des erhöhten Drucks im Schädelinneren, da das Gehirn dem wachsenden Tumor im knöchernen Schädel nur wenig ausweichen kann. Typischerweise treten diese Kopfschmerzen während der Nacht oder in den frühen Morgenstunden auf und bessern sich zunächst im Lauf des Tages. Die Kopfschmerzen können - ebenfalls in den frühen Morgenstunden - von Übelkeit und Erbrechen begleitet sein. Kopfschmerzen als Folge eines Gehirntumors werden im Verlauf von wenigen Tagen bis Wochen immer stärker. Sie lassen sich durch normale Schmerzmittel nur kurz oder gar nicht beeinflussen und nehmen zu, wenn der Betroffene liegt.
- Epileptische Anfälle: Etwa 20 Prozent der von einem Gehirntumor Betroffenen erleiden ohne Vorwarnung, das heißt aus völligem Wohlbefinden heraus, epileptische Anfälle. Dabei kann es sich um fokale Anfälle oder um generalisierte Anfälle handeln: Fokale Anfälle gehen von einer bestimmten Hirnregion aus - gewöhnlich, weil der wachsende Hirntumor diese reizt. Bei generalisierten Anfällen sind mehrere Hirnregionen und schließlich das gesamte Großhirn beteiligt. Die Anfälle äußern sich beispielsweise durch unwillkürliche Zuckungen von Armen, Beinen oder einer ganzen Körperhälfte. Sie enden gewöhnlich nach wenigen Minuten, können sich im ungünstigen Fall aber auf den gesamten Körper ausbreiten und schließlich zur Bewusstlosigkeit (Grand Mal-Anfall) führen. Die Gefahr, dass der Betroffene sich hierbei verletzt, ist sehr groß.
- Neurologische Herdzeichen: In einigen Fällen sind neurologische Herdzeichen erste Anzeichen der Tumorerkrankung, ohne dass die Betroffenen unter Kopfschmerzen leiden. Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen, aber auch epileptische Anfälle, Kopfschmerzen und Gedächtnisstörungen sind typische Anzeichen.
- Persönlichkeitsveränderungen: Bei einem kleinen Teil der Betroffenen kann ein Gehirntumor uncharakteristische Beschwerden auslösen. So können Tumoren im Stirnlappen des Gehirns zu Persönlichkeitsveränderungen, Verhaltensstörungen und Änderungen im Antrieb führen. Schon vorhandene Persönlichkeitsmerkmale können sich verstärken oder abnehmen.
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch andere Ursachen haben können. Wenn jedoch Hirntumor-Symptome vorliegen, ist zunächst eine fachärztliche Untersuchung nötig.
Diagnose von Hirntumoren
Wenn bei Ihnen Hirntumor-Symptome vorliegen, ist zunächst eine fachärztliche Untersuchung nötig. Schon Ihre Krankengeschichte kann oft wichtige Informationen geben, die den Neurologen zur Diagnose Gehirntumor führen können. Die körperliche Untersuchung gibt bei mehr als der Hälfte der Betroffenen Hinweise darauf, dass eine Erkrankung des Gehirns vorliegt. Verhärtet sich im ausführlichen Erstgespräch mit dem Arzt oder der Ärztin und bei einer neurologischen Untersuchung der Verdacht auf einen möglichen Hirntumor, nutzen die Mediziner:innen verschiedene Untersuchungsmethoden, um die Diagnose zu bestätigen.
Die wichtigsten diagnostischen Verfahren sind:
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- Computertomographie (CT): Die Computertomographie ist eine spezielle Röntgenuntersuchung, die den Körper im Querschnitt zeigt und darüber informiert, wo der Tumor sich befindet und wie groß er ist. Bei der mit Röntgenstrahlen durchgeführten CT entsteht eine Abbildung des Gehirns in Schnittbildern und es lässt sich feststellen, ob ein Tumor oder zum Beispiel eine Verkalkung oder eine Blutung vorliegen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Goldstandard für die Diagnostik ist die MRT. Die MRT liefert detailliertere Bilder des Gehirns und kann auch kleinere Tumoren erkennen.
- Positronenemissionstomographie (PET): Die Positronenemissionstomographie ist ein bildgebendes Verfahren, das die Stoffwechselaktivität der Zellen sichtbar macht. Mit der PET lassen sich beispielsweise Gewebe mit besonders aktivem Stoffwechsel von solchen mit weniger aktiven Zellen unterscheiden. Da Krebszellen schnell wachsen, benötigen sie meist viel Energie. Sie nehmen zum Beispiel Traubenzucker oder Sauerstoff oft viel rascher auf als gesundes Gewebe. Ein Stoff mit chemisch veränderten Molekülen, die der Körper bei vielen Stoffwechselprozessen umsetzt oder als Energiequelle braucht (Tracer, engl. to trace = ausfindig machen), wird mit einer leicht radioaktiven Substanz beladen. Die Spur dieser kleinsten Teilchen wird durch die besondere Technik der PET sichtbar. Auf diese Weise lassen sich auch Tochtergeschwülste besser erkennen. Manche Tumoren zeigen jedoch keine erhöhte Stoffwechselaktivität. Dann hilft eine PET-Untersuchung nicht weiter. Allerdings kann auch entzündetes Gewebe eine erhöhte Stoffwechselaktivität haben und somit vermehrt Tracer anreichern. Eine PET allein reicht daher nicht aus, um Krebs festzustellen.
- Liquorpunktion (Lumbalpunktion): In manchen Fällen ist bei Verdacht auf einen Gehirntumor eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) erforderlich. Bei einigen Hirntumoren (etwa dem Medulloblastom) können sich Tumorzellen ablösen und über den Liquorraum im Rückenmarkkanal verteilen. Bei der Liquorpunktion oder Lumbalpunktion wird im Bereich der Lendenwirbelsäule der Rückenmarkkanal mit einer feinen Nadel zwischen zwei Lendenwirbelkörpern punktiert. Der Neuropathologe untersucht dann das entnommene Nervenwasser unter dem Mikroskop auf Tumorzellen. Bei einigen Gehirntumoren ist diese Untersuchung notwendig, um zu bestimmen, wie weit sich die Erkrankung ausgedehnt hat (Staging). Selten breiten sich auch Tumoren anderer Organe, zum Beispiel der Lunge oder der Brust, über das Nervenwasser bis hin zu den Gehirnhäuten aus (meningeale Karzi…
- Biopsie: Um den Hirntumor genau zu bestimmen und zu klassifizieren und so eine passgenaue Behandlung einzuleiten, ist eine feingewebliche Untersuchung unter dem Mikroskop notwendig. Zu diesem Zweck entnimmt der Neurochirurg im Rahmen einer offenen Operation am Gehirn oder einer Biopsie mit Spezialkanülen eine Gewebeprobe des Tumors. Da die einzelnen Tumoren ein sehr unterschiedliches Wachstumsverhalten zeigen und die Prognosen für den Heilungsverlauf sehr unterschiedlich sind, ist die genaue Diagnose Klassifikation des entnommenen Gewebes überaus wichtig für das weitere Vorgehen und die Behandlung. Die WHO untergliedert die Tumore beispielsweise danach, aus welchem Gewebe sie entstanden sind. Ist ein Tumor bei der feingeweblichen Untersuchung festgestellt, erfolgt in einem nächsten Schritt die sogenannte Gradierung. Dabei stellt der untersuchende Neuropathologe fest, ob der Tumor gutartig oder in verschiedenen Abstufungen bösartig ist. Je bösartiger der primäre Tumor, je schneller er wächst und je mehr er in das Gehirngewebe hineinwächst (infiltriert), umso schlechter die Prognose für eine Heilung.
Behandlung von gutartigen Hirntumoren
Nicht alle Hirntumore müssen behandelt werden. Die häufig auftretenden Meningeome älterer Menschen können oft durch regelmäßige, z. B. Nur bei Größenzunahme dieser Tumoren muss therapiert werden. Fast alle Gehirntumore können heute operiert werden, nicht alle müssen operiert werden. Die Therapie richtet sich nach der diagnostischen Zuordnung, nach der Aggressivität und nach der Lokalisation des Tumors. Da sich Tumoren im Bereich des Gehirns an den verschiedensten Stellen bilden können, sich sehr unterschiedlich entwickeln und die Prognose dementsprechend variiert, gestaltet sich die Behandlung sehr vielfältig.
Die wichtigsten Behandlungsoptionen für gutartige Hirntumoren sind:
- Beobachtung (Watch and Wait): Eine Beobachtung (watch and wait) kommt vor allem bei kleinen Meningeomen infrage, wenn sie keine Beschwerden machen und keine Nachbarstrukturen gefährden. Zunehmend werden kleine Tumoren in der Bildgebung zufällig entdeckt. Die Therapieentscheidung kann dann eine Herausforderung für Betroffene und ihre Ärzte sein.
- Operation: Die häufigste Behandlungsmethode ist die Operation am Gehirn. Je nach Art und Größe sowie Sitz des Hirntumors beträgt die Dauer der OP mehrere Stunden. Gutartige Tumoren können durch die operative Entfernung häufig geheilt werden. Eine Operation sollte stets angestrebt werden, wenn das Meningeom Beschwerden macht, rasch größer wird oder darüber hinaus in der Bildgebung Hinweise für ein aggressives Tumorwachstum vorliegen.
- Strahlentherapie: Je nach Größe und Lage kann alternativ auch eine stereotaktische Strahlentherapie beziehungsweise eine Radiochirurgie (SRS) erfolgen.
Operative Verfahren
Die Lage eines Hirntumors beeinflusst die Behandlung maßgeblich. Tumoren in gut erreichbaren Bereichen lassen sich oft operativ entfernen, was die besten Heilungschancen bietet. Befindet sich der Tumor nahe an wichtigen Hirnregionen - etwa für Sprache, Bewegung oder Atmung - kann eine vollständige Entfernung zu riskant sein. Da die Hirntumor-Operation in einem eng begrenzten Raum, dem menschlichen Schädel stattfindet, der gefüllt ist mit vielen lebenswichtigen Strukturen muss bei der Navigation in diesem Raum äußerste Sorgfalt und Präzision herrschen. Zur Hilfe des Operationsteams wurden daher verschiedene Verfahren entwickelt:
- Neuronavigation: Bei der Neuronavigation handelt es sich um ein bildgestütztes Verfahren. Aus den Bilddaten, die vor der Operation gewonnen wurden (CT, MRT, Ultraschall, Gefäßdarstellung (Angiographie)) wird ein dreidimensionales Abbild des Gehirns zusammengesetzt. Innerhalb dieses Abbilds kann sie der Operateur schon vor der Operation gefährliche Bereiche markieren und den besten Zugangsweg erörtern. Zusätzlich kann mithilfe stereotaktischer Überwachung (Berechnung mittels mehrerer Punkte im Raum) während der Operation der genaue Ort des chirurgischen Instruments mit dem dreidimensionalen Computerbild dargestellt werden.
- Fluoreszenzgestützte Resektion: Unterstützend kann auch einige Stunden vor der Operation ein bestimmtes Mittel eingenommen werden, welches durch die Blutbahn ins Gehirn gelangt und sich dort in bestimmten Tumoren absetzt. Während der Operation fluoresziert das Medikament dann mittels Blaulicht (die Tumorzellen beginnen zu leuchten).
- Neuromonitoring: Das Neuromonitoring ist ein weiteres hilfreiches Verfahren welches Standardmäßig in Operationen nahe wichtige Hirnzentren eingesetzt wird. Hierbei wird durchgehend die Funktionsfähigkeit verschiedener Hirnnerven überprüft (Gesichtsmuskulatur, Zungenmuskulatur, etc.) sowie die sensiblen (Spüren) und motorischen (Bewegen) Bahnen die vom Gehirn ausgehen. Im Falle einer drohenden Schädigung kann innerhalb kürzester Zeit der Ort der Schädigung gefunden und weiterer Schaden verhindert werden.
Strahlentherapie
Durch die Möglichkeit der stereotaktischen Bestrahlung können heute auch viele Hirntumore erfolgreich bestrahlt werden, ohne das eine Operation notwendig ist. Ob ein Hirntumor bestrahlt oder operiert werden soll, muss speziell auf den Tumor angepasst und vom behandelnden Arzt mit Patient und Angehörigen genau erläutert und besprochen werden. Im Zweifel sollte man sich eine Zweitmeinung einholen.
Prognose und Nachsorge
Die Prognose für Patienten mit gutartigen Hirntumoren ist in der Regel gut. Viele Tumoren können durch eine Operation vollständig entfernt und geheilt werden. Auch nach einer Entfernung eines Meningeoms können sich viele Fragen auftun, so beispielsweise zu postoperativen Nebenwirkungen, aber auch zur Fahrerlaubnis oder dem Wiedereinstieg in den Beruf. Bei anderen gutartigen Tumoren, die nicht vollständig entfernt werden können, kann eine Strahlentherapie das Wachstum des Tumors kontrollieren.
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Nach der Behandlung sind regelmäßige Nachuntersuchungen erforderlich, um ein erneutes Wachstum des Tumors frühzeitig zu erkennen.
Meningeome: Eine besondere Art von Hirntumor
Meningeome sind Tumoren der Hirnhaut und machen etwa 35 % aller Tumoren des zentralen Nervensystems aus. Sie treten vermehrt ab dem 50. Lebensjahr auf, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer. Die meisten Meningeome wachsen sehr langsam und das umgebende Gewebe passt sich gut an. Deshalb können sie relativ groß werden, bevor Meningeome Symptome verursachen. Zufällig entdeckte Meningeome rufen oft keine Symptome hervor. Die Symptome eines Meningeoms hängen davon ab, wo der Tumor entstanden ist und welche Regionen des Gehirns er in Mitleidenschaft zieht. Mittellinientumoren können bei älteren Patienten zudem eine Demenz mit wenigen anderen fokalen neurologischen Defiziten verursachen. In der Schwangerschaft kann das Wachstum der Meningeome beschleunigt verlaufen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die meisten Meningeome entstehen ohne spezielle Ursache. Am häufigsten sind genetische Veränderungen bestimmter Tumorsuppressorproteine verantwortlich. Ein bekannter Risikofaktor für die Entstehung eines Meningeoms ist eine vorangegangene Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich. Auch seltene Krebs-Syndrome wie die Neurofibromatose Typ 2 (NF2) sind mit einem erhöhten Risiko für Meningeome verbunden. Weibliche Geschlechtshormone wie Progesteron (Gestagen) und Östrogen beeinflussen das Wachstum von Meningeomzellen. Klare Hinweise gibt es beispielsweise zum Zusammenhang von hoch dosiertem Cyproteronacetat (CPA) und der Entstehung von Meningeomen. Ein erhöhtes Risiko für Hirntumoren wie das Meningeom durch die Nutzung von Mobilfunkgeräten gilt heute als unwahrscheinlich.
Diagnose und Behandlung von Meningeomen
Meningeome unterscheiden sich durch ihre Lage auf der äußersten Hirnhaut (Dura mater) und durch charakteristische Ausläufer in ebendiese. Zudem weisen sie eine intensive Kontrastmittelaufnahme auf. Eine Computertomografie (CT) nach Kontrastmittelgabe kann den Tumor sehr gut nachweisen.
Da es sich in über 90% um eine gutartige Tumorerkrankung handelt, kann sie durch eine Operation geheilt werden. Für Meningeome Grad I, die nicht vollständig entfernt werden konnten, empfehlen Experten ebenfalls Kontroll-MRT-Aufnahmen. Da es sich in über 90% um eine gutartige Tumorerkrankung handelt, kann sie durch eine Operation geheilt werden.
Meningeom-Subtypen
Neben der histologischen Einteilung der Meningeome in WHO-Grad 1 (gutartig) und WHO-Grad 2 und 3 (nicht-gutartig) spielen zunehmend auch molekulare Veränderungen in den Tumorzellen eine Rolle: Molekulare Veränderungen helfen dabei, das Rezidivrisiko noch besser einzuschätzen. Einige molekulare Veränderungen sind bereits für die Klassifikation entscheidend: Mutationen in den Genen KLF4/TRAF7 definieren ein gutartiges Meningeom, Mutationen im TERT-Promoter sowie die homozygote Deletion CDKN2A/B einen aggressiven Tumor.
Umgang mit inzidentellen Meningeomen
Auswertungen der letzten Jahrzehnte zeigen im Vergleich, dass Meningeome zunehmend häufiger zufällig entdeckt werden. Immer mehr (ältere) Menschen erhalten heute eine Bildgebung des Gehirns, insbesondere wenn aufgrund einer Krebserkrankung nach Metastasen gesucht wird. Betroffene und ihr Ärzteteam müssen dann entscheiden, wie mit dem Zufallsbefund umgegangen werden soll.
Das Vorgehen bei gutartigen Meningeomen muss immer die Vorteile einer Behandlung gegen die möglichen Einschränkungen, die das Therapieverfahren mit sich bringt, für den Einzelnen abwägen.
Rehabilitation nach Hirntumor-Operation
Bereits während des Krankenhausaufenthaltes im Rahmen der Hirntumor Operation sollte mit den behandelnden Ärzten über Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit einer stationären neuroonkologischen Rehabilitation gesprochen werden. Speziell ausgebildetes Fachpersonal kann in der neurologischen Rehaklinik am besten auf die Folgen der Erkrankung und Operation eingehen. Die Therapie richtet sich nach den Beeinträchtigungen wie Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen, Feinmotorikstörungen, Sprachbeeinträchtigungen oder geistige Leistungsbeeinträchtigungen.
Spezialisten und Kliniken für Hirntumor-Operationen
Wer eine Hirn Operation benötigt, möchte für sich die beste medizinische Versorgung. Je mehr Gehirn-Operationen ein Arzt durchführt, desto erfahrener wird er in seinem Spezialgebiet. Somit sind Spezialisten für Gehirnoperationen, Neurochirurgen mit langjähriger Erfahrung in einer neurochirurgischen Klinik.
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